Als erster Bio-Supermarkt verkauft Alnatura Fleisch aus Weideschlachtung

Alnatura verkauft als erster Bio-Einzelhändler Fleisch aus Weideschlachtung
Foto: Alnatura Produktions- und Handel/Weideschuss.bio GmbH/obs / CC0 Public Domain / Pixabay - CallyL

Rinder grasen auf der Weide, bis sie geschlachtet werden – so die Wunschvorstellung von vielen Fleischesser:innen. Was meistens fernab von der Wirklichkeit ist, führt Alnatura jetzt ein mit Fleisch aus Weideschlachtung. Was bedeutet das für die Tiere?

Alnatura bietet seit Ende Oktober Rindfleisch aus Weideschlachtung in seinen Märkten an. Die Weideschlachtung soll besonders schonend für die Tiere sein. Denn Einfangen, Transport und Schlachthof entfallen, wodurch die Tiere weniger Stress empfinden sollen.

Weideschlachtung – Wie wird sie durchgeführt?

Auch wenn es der Name suggeriert, Weideschlachtung bedeutet nicht, dass die Tiere direkt auf der Weide geschlachtet werden. Stattdessen werden bei der Weideschlachtung die Tiere aus geringer Entfernung auf der Weide betäubt bzw. getötet und dann in einen naheliegenden Schlachthof gebracht. Dafür kommen extra entwickelte Boxen zum Einsatz, in denen Tiere in hygienischer Umgebung ausgeblutet und transportiert werden können. Der Begriff Weideschuss ist daher weniger irreführend und bezeichnet genau dasselbe.

Weniger Stress durch wegfallende Transporte

Alnatura behauptet in einer Pressemitteilung, dass die Rinder durch diese Art der Schlachtung keinen Stress empfinden würden. Die Tierschutzorganisation ProVieh kann das bestätigen. Denn vor allem durch den Wegfall des Transportes werden die Tiere weniger gestresst.

Nur in wenigen Situationen suchen Rinder Körperkontakt zueinander. Bei Tiertransporten müssen sie dann aber dicht neben fremden Tieren stehen. Das bedeutet Stress für Rinder.
Nur in wenigen Situationen suchen Rinder Körperkontakt zueinander. Bei Tiertransporten müssen sie dann aber dicht neben fremden Tieren stehen. Das bedeutet Stress für Rinder. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay - fietzfotos)

Was vielen nicht bewusst ist: Rinder mögen immer gleiche Abläufe, ihre gewohnte Herde und halten wann immer möglich mindestens 50 cm Abstand zueinander – nur im Stall oder zu engen Freund:innen treten Rinder in Körperkontakt. Tiertransporte sind das komplette Gegenteil davon. Dort gibt es keine gewohnte Routine und die Rinder müssen ganz eng mit fremden Tieren stehen, sind unbekannten Gerüchen und Geräuschen ausgesetzt und das während langer Transportwege. All das bleibt den Tieren beim Weideschuss erspart.

Auf der Weide ein Tier töten, erschreckt das nicht die anderen Tiere und versetzt diese in Stress? Eine Vertreterin der Tierschutzstiftung Vier Pfoten sagt, das muss nicht unbedingt der Fall sein. Zumindest gibt es Beispiele, die zeigen, dass sich die umstehenden Tiere dafür nicht sichtbar interessieren würden.

Weniger Tiere während einer Schlachtung

Ein weiterer Vorteil ist die maximale Anzahl der Rinder, die an einem Termin geschlachtet werden darf – nämlich drei. Bei der Schlachtung muss immer ein:e Veterinär:in anwesend sein. Laut Vier Pfoten kann man deshalb davon ausgehen, dass eine Tötung auf der Weide mit größerer Sorgfalt durchgeführt wird als im Massenschlachtbetrieb und der Schuss oder die Betäubung die Tiere wirklich gut betäubt.

Denn bei Schlachtbetrieben, in denen täglich massenhaft Tiere getötet werden, kann es durchaus passieren, dass die Rinder nicht richtig betäubt werden und dadurch am Ende ihres Lebens noch qualvoll leiden müssen.

Vier Pfoten findet es erstrebenswert, dass mehr Viehwirt:innen auf hofeigene Schlachtung umstellen. Dafür müsste es mehr Betrieben erlaubt werden, diese Art der Schlachtung durchzuführen. Denn ein Problem sei, dass das jeweils zuständige Veterinäramt nur im Einzelfall eine Genehmigung für eine Weideschlachtung erteile.

Ist Fleisch aus Weideschlachtung denn besser als konventionelles oder „normales“ Bio-Fleisch? Veganer:innen und Vegetarier:innen würden sagen: Jedes Fleisch sollte gemieden werden, egal aus welcher Schlachtung und Haltung. Doch die Realität ist: Der Großteil der Menschen isst noch Fleisch. Laut einer Umfrage von IfG Allensbach leben gerade einmal sechs Prozent der Deutschen vegetarisch und ein bis zwei Prozent vegan. Die restlichen 92 Prozent sollten mindestens besseres (Bio-)Fleisch konsumieren.

Bruderkälber und Mutterkuhhaltung

Das Fleisch bezieht Alnatura von der Weideschuss.Bio GmbH – dahinter stehen drei Allgäuer Bio-Bauern und ein Bio-Koch. Die vier betreiben ihren Hof nicht nur mit der besonderen Art der Schlachtung, sondern auch mit zwei weiteren Besonderheiten: Bruderkälber und Mutterkuhhaltung.

Bei der Mutterkuhhaltung bleiben Kälber und Mutterkühe circa 12 Wochen zusammen.
Bei der Mutterkuhhaltung bleiben Kälber und Mutterkühe circa 12 Wochen zusammen. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay - Leuchtturm81)

Um Milch zu geben, muss eine Kuh jedes Jahr ein Kalb gebären. Dieses wird meist kurz nach der Geburt von der Mutter getrennt. Die weiblichen Kälber werden dann zum Teil selbst zu Milchkühen, der Rest sowie die männlichen Kälber werden in der Regel für die Fleischproduktion verkauft. Anders bei einer Mutterkuhhaltung – da bleiben Kälber immerhin circa zwölf Wochen bei der Mutter oder einer Kuh-Amme. Bruderkälber bzw. Geschwisterkälber werden dann sogar für mehrere Jahre in die Kuhherde integriert. Letztendlich werden aber auch sie als Milch- oder Masttiere genutzt.

Wenn du mehr über die kuhgebundene Kälberaufzucht wissen möchtest, kannst du hier weiterlesen:

Angebot bei Alnatura

Seit Ende Oktober 2021 gibt es nun im stationären Handel von Alnatura in Bayern und Baden-Württemberg folgende Produkte aus Weideschlachtung:

  • „Gutes Gulasch“ (Glas mit 380 ml)
  • „Saftige Roulade“ (Glas mit 380 ml)
  • „Beuf a la Mode“ (Glas mit 380 ml)
  • Wiener Schnitzel
  • Cordon Bleu

Utopia meint: Zertifiziertes Bio-Fleisch ist im Vergleich zu Billig-Fleisch aus Massentierhaltung die bessere Wahl. Fleisch aus Weideschlachtung klingt nach einer weiteren Leidreduktion für die Tiere. Derzeit ist der Fleischkonsum allerdings so hoch, dass eine komplette Umstellung auf Weideschlachtung nicht denkbar ist. Dafür müssen wir unseren Fleischkonsum drastisch reduzieren – das würde auch Umwelt und Gesundheit guttun. Wer noch einen Schritt weitergeht und auf eine pflanzliche Ernährung umsteigt, vermindert Tierleid noch weiter.

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