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Freizeit wichtiger als Karriere? Arbeitsagentur-Chefin Nahles nimmt Gen Z in Schutz

Foto: CC0 Public Domain – Unsplash / Annie Spratt

Der Generation Z wirft vorgeworfen, nicht mehr belastbar zu sein. In einem Interview hat die Arbeitsagentur-Chefin Andrea Nahles nun ausdrücklich widersprochen. Sie sagt: Junge Menschen setzten andere Prioritäten.

Andrea Nahles hat dem Vorurteil, die Generation Z sei faul und nicht mehr belastbar, widersprochen. In einem Gespräch mit SWR lobt die ehemalige SPD-Vorsitzende die Schwerpunkte der jungen Generation, die auf ihre Work-Life-Balance achtet. Sue blickt besorgt auf die hohe Zahl von Menschen ohne Schulabschluss — und überrascht mit Kritik an den Eltern.

„Ich finde sehr viele wache junge Leute, die vielleicht kritischer fragen oder auch gucken, dass ihre Work-Life-Balance besser passt, was aber im Grunde genommen auch viele gute Seiten hat“, so Nahles im „Interview der Woche“ vom SWR.

Eine Befragung des Personalvermittlers Zenjob deckt sich mit Nahles Argumentation. Demnach legt die Gen Z (Geburtszeitraum zwischen 1995 und 2010) andere Schwerpunkte; 68,3 Prozent wünschen sich eine klare Trennung zwischen Arbeit und Privatleben, 51,5 Prozent fordert feste Arbeitszeiten und 48,5 Prozent wünschen sich besonders viel Flexibilität am Arbeitsplatz.

„Wenn junge Leute die Auswahl haben, finde ich es nicht schlimm, dass sie sie auch nutzen“

„Es ist doch ein altes Lied in neuem Gewand, das ich da höre“, meint Nahles in dem Interview. Tatsächlich habe ein verstärkter Blick auf Work-Life-Balance und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie auch gute Seiten. Die ehemalige Arbeitsministerin sei überzeugt, dass es auch Vorteile hat, seinen Arbeitgeber zu fragen, was er zu bieten hat. „Wenn junge Leute die Auswahl haben, finde ich es nicht schlimm, dass sie sie auch nutzen. Das müssen die Arbeitgeber auf der anderen Seite auch erstmal verdauen und das ist vielleicht auch nicht immer leicht […] aber man muss damit umgehen“, so Nahles weiter.

„47.000 junge Menschen ohne Abschluss“

Auf die Frage, welches Potential auf dem Arbeitsmarkt nicht ausgeschöpft werde, lehnte Nahles es zunächst ab, dieses bei Frauen zu suchen, die in Teilzeit arbeiten. Vielmehr vermutet sie verpasste Chancen bei den jungen Generationen. Es habe zu Hochzeiten der Corona-Pandemie eine „Delle“ bei Berufsausbildungen und Praktika gegeben. Junge Menschen seien deshalb aus Angst oder Vorsicht länger zur Schule gegangen.

Im selben Atemzug meldete Nahles eine Ausbildungs- und Praktikums-Offensive für die jungen Generationen an: „Können wir es uns leisten jedes Jahr 47.000 junge Menschen ohne Schulabschluss von der Schule kommen?“. Hier könnte die Arbeitsagentur Angebote machen. Dabei pocht Nahles auf die Kooperation der Schulen mit den Behörden. Ohne die zugehörigen Daten laufe man Gefahr, dass junge Menschen durch das Raster der Angebote fallen.

Mit Hilfe dieser Daten könnten Menschen ohne Schulabschluss leichter in Programme aufgenommen werden, die ihnen eine Berufsausbildung ermöglichen, erklärt Nahles. Wieso die Bundesländer Schulabgänger:innen ohne Abschluss noch nicht an die Agenturen meldeten, wisse Nahles nicht.

„Wichtigste Berater der Kinder sind immer noch die Eltern“

Um Vorurteile gegenüber den jüngeren Generationen abzubauen, bedarf es Nahles zufolge Eltern, die sich mit den neuen Möglichkeiten auseinandersetzten. „Laut Bertelsmann-Stiftung sind Eltern immer noch die wichtigsten Berater der Kinder“, dabei wüssten Eltern häufig gar nicht, welche Berufe es überhaupt gebe, kritisiert Nahles. Bei Gesprächen über die Berufswahl seien beispielsweise die immer gleichen 20 Berufe Thema, dabei gebe es in Deutschland allein 400 Ausbildungsberufe.

„Es lohnt sich auf jeden Fall, den Eltern zuzuhören – klaro! (…) Aber es muss auch diese Öffnung geben: Mit Praktika reinschnuppern, mit der Bundesagentur und ihren Beratungsmöglichkeiten. Wir haben einfach einen anderen Überblick“, so Nahles.

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