Geflüchtete aus der Ukraine privat aufnehmen – das solltest du beachten

Geflüchtete aus der Ukraine privat aufnehmen – das solltest du beachten
Foto: dpa / Fabian Sommer

Fast 70.000 Menschen aus der Ukraine sind bereits in Deutschland angekommen – geflohen vor dem Krieg. Viele wollen helfen und ihre Wohnung oder einzelne Zimmer (zeitweise) zur Verfügung stellen. Dabei gibt es jedoch einiges zu beachten.

Seit Tagen fliehen Menschen aus der Ukraine. Auch in Deutschland sind die ersten Geflüchteten angekommen und die Aufnahmebereitschaft ist groß. Einige Menschen stellen neben Geld- und Sachspenden auch Wohnraum zur Verfügung. Doch was gibt es für dich zu beachten, wenn du auch Menschen bei dir zu Hause aufnehmen möchtest?

Was darf ich in meiner gemieteten Wohnung?

Darf ich Geflüchtete ohne die Zustimmung der Vermieter:in in meiner Mietwohnung aufnehmen?

Ja. „Wer zur Miete wohnt, darf grundsätzlich auch Geflüchtete in seine Mietwohnung aufnehmen“, heißt es vom Deutschen Mieterbund. Mieter:innen könnten alleine darüber entscheiden, ob und wann sie Besuch empfangen. Darum ist auch die besuchsweise Aufnahme von Geflüchteten gestattet.

Rolf Bosse vom Mieterverein zu Hamburg empfiehlt dennoch Vermieter:innen vor Aufnahme der Flüchtenden zu informieren, um die Vertrauensbasis zu stärken. Aber auch ohne Einverständnis dürfen Geflüchtete bis zu acht Wochen bleiben – das gelte als erlaubnisfreier Besuch.

Für einen längeren Zeitraum dürfen Mieter:innen laut Deutschem Mieterbund Ehepartner, Lebenspartner, Kinder oder Eltern in ihrer Wohnung aufnehmen, ohne die Vermieter:innen um Erlaubnis zu fragen. Bei allen anderen Personen brauche es die Zustimmung.

Für sechs bis acht Wochen kannst du ohne Zustimmung Menschen in deiner Mietwohnung aufnehmen.
Für sechs bis acht Wochen kannst du ohne Zustimmung Menschen in deiner Mietwohnung aufnehmen. (Foto: dpa / Daniel Reinhardt)

Doch die dürften ihre Erlaubnis nur dann verweigern, wenn in der Person des Untermieters oder der Untermieterin ein wichtiger Grund dafür liegt, der Wohnraum dauerhaft überbelegt würde oder den Vermieter:innen die Untervermietung ausnahmsweise nicht zugemutet werden kann. Ausländer:innen als Untermieter:innen alleine wegen ihrer Herkunft abzulehnen, ist nach Angaben des Deutschen Mieterbunds nicht zulässig.

Muss ich Geflüchtete melden?

Da Menschen aus der Ukraine als Besucher:innen gelten, können sie sich 90 Tage lang ohne Registrierung in Deutschland aufhalten. Mit einer Registrierung erhalten sie jedoch medizinische Hilfe und andere ihnen zustehende Leistungen.

Zusätzlich erhalten Geflüchtete aus der Ukraine laut dem EU-Ratsbeschluss dann einen „vorübergehenden Schutz“, der für ein Jahr gilt. Dadurch bekommen sie Zugang zu Bildung und zum Arbeitsmarkt.

Vermittlung von Wohnfläche über diese Organisationen

Wo melde ich mich, wenn ich geflüchtete Menschen bei mir aufnehmen möchte?

Es gibt mittlerweile mehrere Portale zur Unterkunftsvermittlung, etwa Unterkunft-Ukraine von Elinor, GLS Bank, Ecosia und Betterplace. Dort kann man sein Angebot online einstellen, Geflüchtete können danach suchen. Das Projekt „Zusammen Willkommen“ hat bereits 2015 bei der Vermittlung von privaten Zimmern an Geflüchtete geholfen. Die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl empfiehlt außerdem, sich bei der jeweiligen Kommune zu melden.

Herausforderungen bei der Aufnahme von Geflüchteten

Welche Herausforderungen können auftreten, wenn ich jemanden aufnehme?

Mareike Greiling, Mitgründerin des Projekts „Zusammen Willkommen“ weiß, dass die Aufnahme von Geflüchteten sehr komplex ist. Sie habe bereits erlebt, dass Gastgeber:innen Erwartungen hätten, die die Geflüchteten nicht erfüllen konnten. Wer sich gemeinsame Kochabende ausmale, solle sein Angebot nochmal überdenken. „Es geht nicht um Kulturaustausch, sondern um praktische Solidarität“, sagt Greiling gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Die aufgenommenen Personen sind Menschen mit eigenen Vorstellungen.“

Überlege dir im Vorfeld gut, ob du bereit bist Geflüchtete bei dir aufzunehmen - ohne Erwartungen an die Menschen.
Überlege dir im Vorfeld gut, ob du bereit bist, Geflüchtete bei dir aufzunehmen – ohne Erwartungen an die Menschen. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay - ractapopulous)

 Auch hätten sich bereits Menschen beschwert, dass die Gäste gar nicht dankbar seien. „Dabei haben die geflüchteten Menschen vielleicht gar keine Kapazitäten, um Dankbarkeit zu zeigen“, sagt sie. Außerdem solltest du auch über zeitliche Kapazitäten verfügen. Du nimmst Menschen auf, die höchstwahrscheinlich mit der deutschen Bürokratie nicht vertraut sind. Die Menschen brauchen eventuell deine Hilfe bei Behördengängen oder auch beim Kaufen von Fahrkarten für ihre Weiterreise.

Überlege dir also vorher, ob du bereit bist, Menschen bei dir aufzunehmen. Greiling empfiehlt sich die Frage zu stellen, ob man das der Unterstützung wegen mache, oder ob nicht der Wunsch mitspiele, die durch den Krieg entstandene überwältigende Situation auszuhalten.

Wie gehe ich mit Menschen mit psychischen Belastungen um?

Dir sollte klar sein, dass die Menschen aus der Ukraine in den letzten Tagen Traumatisches erlebt haben. Daher warnen erfahrene Helfer:innen vor Naivität. Diana Henniges, Gründerin der Berliner Bürgerinitiative „Moabit hilft“, sagte dem „Tagesspiegel“, dass sich jede:r Fragen stellen solle: „Komme ich damit klar, dass eine Mutter tage-, wochen- und monatelang weinend oder depressiv auf den Anruf ihres Mannes wartet, der nicht kommt? Dass das Kind vielleicht jede Nacht einnässt? Dass ein Mann früh morgens immer durch die Küche pilgert, weil er nicht mehr schlafen kann?“

Für den Umgang mit traumatisierten Geflüchteten hat die bundesweite Arbeitsgemeinschaft der Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer (BAfF) einen Leitfaden erarbeitet: „Traumasensibler und empowernder Umgang mit Geflüchteten“.

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