Giftig? Protest gegen Edeka-Bananen

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Foto: Utopia/ CC0 Public Domain – Pixabay/ _Alicja_

Bananen gehören für uns zum Alltag, doch unter den Anbaubedingungen leiden offenbar Menschen. Einige von ihnen haben vor kurzem vor einer Edeka-Filiale in Hamburg protestiert. Sie wollten die Supermarktkette mit Vorwürfen konfrontieren – diese hat reagiert.

Ende September protestierten Aktivist:innen vor einem Edeka-Markt in Hamburg gegen die Verwendung des Pestizids Mancozeb und für ein wirksames EU-Lieferkettengesetz. Mancozeb gilt als gesundheitsschädlich für Mensch und Tier und der Einsatz ist innerhalb der EU verboten – auf Bananenplantagen in Ecuador, welche auch Edeka beliefern, kommt es aber offenbar noch zum Einsatz.

Unter den Protestierenden: eine Delegation der Gewerkschaft für Bananenarbeiter:innen ASTAC. Sie hatte Hamburg besucht, um Vertreter:innen der Supermarktkette Edeka zu treffen. Die Gewerkschaft wollte Edeka mit den Missständen auf Bananenplantagen konfrontieren, welche die Supermarktkette beliefern.

Aus einer Pressemitteilung der Organisation Oxfam, welche ebenfalls an dem Protest beteiligt war, geht jedoch hervor, dass Edeka das angesetzte Gespräch kurzfristig abgesagt hatte. Die Protestierenden sammelten laut TAZ auch Unterschriften für ein wirksames EU-Lieferkettengesetz, damit sich Beschäftigte auf Obstplantagen künftig juristisch gegen Menschenrechtsverletzungen wehren können.

Mancozeb ist in der EU verboten – in Anbauländern wie Ecuador kommt es derzeit noch zum Einsatz  

Das Pestizid Mancozeb wird im Bananenanbau eingesetzt, um die Blätter vor einem bestimmten Pilz zu schützen (Fungizid), dem Black Sigatoka. Allerdings kann das Mittel bei Menschen schlimme Gesundheitsschäden hervorrufen und ist deshalb inzwischen in der EU verboten. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) stuft das Fungizid als schädlich für die Fortpflanzung ein. Für die Früchte gelten Rückstandsregelungen, die Verbraucher:innen schützen.

Dagegen sind Arbeiter:innen dem Gift auf den Plantagen nahezu schutzlos ausgeliefert, bemängelt Oxfam in der Pressemitteilung. Denn in Ländern wie Ecuador wird Mancozeb weiterhin genutzt, lautet der Vorwurf. Auf zertifizierten Bananenplantagen, die zum Beispiel auch die deutsche Supermarktkette Edeka beliefern, sollen es noch bis Ende 2024 eingesetzt werden, heißt es es.

„Noch weitere drei Jahre müssen Arbeiter und Arbeiterinnen auf den Plantagen, die auch die deutsche Supermarktkette beliefern, im Giftregen arbeiten und ihre Gesundheit unnötig aufs Spiel setzen – Profite werden hier über die Menschen gestellt“, so Jorge Acosta, der sich bei ASTAC für die Rechte der Bananenarbeiter:innen in Ecuador einsetzt.

Edeka verteidigt Einsatz von Bananen-Pestizid

Edeka hat in einer Stellungnahme gegenüber der TAZ auf die Vorwürfe reagiert. Die Supermarktkette verweist darin auf klimatische Bedingungen in Produktionsländern, die einen Einsatz von Mancozeb zur Kontrolle der Blattkrankheit Sigatoka erforderlich machen – andernfalls drohten existenzielle Ernteausfälle. Deshalb gestatte die Zertifizierungsagentur Rainforest Alliance die weitere Nutzung bis Mitte 2024.

Sowohl Edeka als auch der World Wildlife Fond (WWF), welcher mit Edeka kooperiert, weisen darauf hin, dass es „keine geeignete, weniger toxische Alternative zu Mancozeb“ gebe. Der WWF erwähnt außerdem eine Strategie der Pestizidreduktion, welche gemeinsam mit Edeka in Ecuador und Kolumbien verfolgt werde.

Jorge Acosta hält dagegen, dass das Pestizid 2009 – als Reaktion auf ein Verfahren gegen Mancozeb in den USA – innerhalb weniger Monate in Ecuador verboten wurde. „Das war damals kein Problem, warum braucht man heute eine dreijährige Übergangszeit?“, zitiert die TAZ den Gewerkschaftssprecher.

Auch Vorwurf wegen Arbeitsrechtsverletzungen

Acosta wollte nicht nur über den Einsatz des Pestizids mit Edeka sprechen, sondern auch auf angeblichen Arbeitsrechtsverletzungen hinweisen, berichtet die TAZ. Interviews mit 97 Ar­bei­te­r:in­nen hätten ergeben, dass diese unter anderem häufig weniger als den ecuadorianische Mindestlohn von 425 US-Dollar für ihre Arbeit erhalten. Auch fehle oft ein schriftlicher Arbeitsvertrag.

Das sieht Edeka anders. In der Stellungnahme schreibt die Supermarktkette, umfassende Prüfungen hätten keine Anhaltspunkte für die Astac-Hinweise zum Thema Entlohnung ergeben.

Die Hilfs- und Entwicklungsorganisation Oxfam führt regelmäßig Supermarktchecks durch, in denen sie auch den Umgang mit Menschenrechten bewertet. 2022 schnitt Edeka am schlechtesten ab.

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