„Meine Generation hats verkackt“ – Harald Lesch gesteht Fehler ein

Harald Lesch: „Meine Generation hats verkackt“
Foto: Stefan Puchner/dpa

Laut Harald Lesch braucht es in der Wissenschaft Emotionen und persönliche Geschichten, statt Appelle. Bei einer Podiumsdiskussion geht der Physiker mit einer Entschuldigung voran und verrät, was seiner Meinung nach nötig ist, um die Klimakrise noch zu bewältigen.

Der bekannte Moderator, Physiker und Naturphilosoph Harald Lesch sprach bei einer Podiumsdiskussion der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz über Maßnahmen zur Bewältigung der Klimakrise und warum Wissenschaftler:innen auch emotional sein sollten. Die Gesprächsrunde veröffentlichte Scientists for Future Mainz auf dem YouTube-Kanal. Während der Diskussion erzählte er von einer Situation in München. Er habe sich bei einem Vortrag vor Studierende gestellt und gesagt: „Freunde, es tut mir leid, ich muss mich entschuldigen. Meine Generation hats verkackt.“ Er sei Jahrgang 1960, „als das ökologische Know-how kam, da war ich schon 18. Ich hätte es wissen müssen. Meine Generation hats richtig verhunzt.“

Mit emotionalen Ansprachen Glaubwürdigkeit erlangen

Mit diesem Bespiel wollte Lesch zum Ausdruck bringen, dass Wissenschaftler:innen emotional und energisch auftreten können und auch sollen, um den Ernst der Klimakrise deutlich zu machen. Laut Lesch müssen Wissenschaftler:innen nicht alle ihre Gefühle präsentieren, „aber wenn einen das Thema betrifft, sollte es emotional präsentiert werden.“ Dabei sollten Fakten dennoch korrekt dargestellt werden. Aber „wir sind in einer Phase, wo die Inhalte, über die wir forschen, auf uns zurückwirken. Das hat eine Bedeutung für uns. Das ist nicht einfach nur was, worüber du ein Paper schreibst.“

Im Umgang mit der Klimakrise ist Lesch der Meinung, dass Appelle nicht reichen werden und auch keine blanke Aufreihung von Daten, aber „wir können von uns erzählen, warum wir Wissenschaft betreiben, warum wir uns für das Thema Klimawandel interessieren, warum wir glauben, warum es wichtig ist, darüber zu sprechen.“

Auch seien emotionale Erzählungen wichtig, um eine gewisse Glaubwürdigkeit zu erlangen. Wissenschaftler:innen sollen laut Lesch kommentieren und die Sachverhalte einordnen, nach dem Motto: „Erklär mir mal, was das bedeutet“.

Es braucht ein Zusammen-Gefühl gegen die Klimakrise

Um den Klimawandel zu bewerkstelligen, brauche es ein emotionales Narrativ, um Menschen zu überzeugen und ein Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen, das Menschen zum Handeln bewegt. Denn „die Sonne scheint über allen Menschen“. Aber schon allein Deutschland sei zu groß, um ein Wir-Gefühl zu entwickeln. Daher sind Kommunen wichtig, so der Wissenschaftler. „Das Zusammen von einer Gemeinde oder von einer Stadt, das kann man spüren.“ Das seien die Leute, die zusammenleben.

Lesch glaubt, dass beispielsweise die Energiewende in die Hände von Bürger:innen gehört, „die einfach anfangen“. Wenn beispielsweise in erneuerbare Energien investiert werden würde, dann ändert sich Lesch zufolge auch etwas. Dieses Handeln sei die nächste große Herausforderung. „Der Klimawandel ist da, er ist gefährlich, wir sind dran schuld, die Fachleute sind sich einig und wir können noch etwas tun.“ Nur die Zeitskala für effektives Handeln werde immer kleiner.

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