„Der Vorteil ist gigantisch“– Hirschhausen empfiehlt diese Ernährungs-Formel

Eckart von Hirschhausen im Interview
Foto: Dominik Butzmann

Klima, Corona, Konsum – wie hängen die großen Themen unserer Zeit zusammen? Darüber spricht Eckart von Hirschhausen im Interview und empfiehlt eine spezielle Form der pflanzenbasierte Ernährung.

Eckart von Hirschhausen ist Arzt, Wissenschaftsjournalist, Autor und Gründer der Stiftung Gesunde Erde – Gesunde Menschen. In seinen Sachbüchern vermittelt er sein Fachwissen als Arzt auf humorvolle und unterhaltsame Weise, stellt an sich selbst aber auch einen aufklärerischen Anspruch. Sein letztes Buch „Mensch Erde! Wir könnten es so schön haben“ setzt sich mit den Risiken des Klimawandels auf die menschliche Gesundheit auseinander.

Zoonosen: Ist Fleischkonsum schuld an Pandemien? Schaut hier unser Video mit Eckart von Hirschhausen

In diesem Rahmen hat Hirschhausen 2020 die Stiftung „Gesunde Erde – Gesunde Menschen“ (GEGM) gegründet. Sie soll dazu beitragen, das sogenannte One-Health-Prinzip in die Praxis umzusetzen, und auf ein gesundes Zusammenspiel von Mensch, Tier und Umwelt hinarbeiten. Warum das vor dem Hintergrund von Klima- und Coronakrise besonders wichtig ist und wie es im Detail funktionieren kann, verrät Hirschhausen im Interview.

Gesundheit von Mensch & Umwelt hängt zusammen

Utopia: Herr Hirschhausen, der Kerngedanke hinter Ihrer Stiftung „Gesunde Erde – Gesunde Menschen“ ist das One-Health-Prinzip. Was bedeutet das genau?

Hirschhausen: Der One Health/Eine Gesundheit-Ansatz beschreibt die Idee, dass die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt ganz eng miteinander zusammenhängt. One Health ist so ein bisschen wie Weltfrieden: Hat keiner was dagegen, aber der Weg dahin ist natürlich kompliziert. Aber für mich als Gründer der Stiftung „Gesunde Erde – Gesunde Menschen“ ist diese internationale Forschung zu Planetary Health und One Health eigentlich ein Riesenschritt, um die drei Krisen, die uns im 21. Jahrhundert beschäftigen, gemeinsam anzugehen. Das ist die Pandemie, das ist das Artensterben und natürlich allem voran die Klimakrise.

Inwiefern hängen die genannten Krisen mit dem Zustand unserer Umwelt zusammen? 

In einem gesunden Ökosystem herrscht immer ein fragiles, ein bewegliches Gleichgewicht. Wird es gestört, hat das Folgen – und die Menschen stören sehr oft Gleichgewichte: Durch Luft- und Wasserverschmutzung, durch Abholzen von Wäldern, durch Ausweitung der Städte. Laut WHO hängen 23 Prozent der weltweiten Todesfälle pro Jahr mit einer ungesunden Umwelt zusammen. Das hat Gott sei Dank auch endlich die Politik in Glasgow beschäftigt. [Anmerkung der Redaktion: In Glasgow fand vom 31. Oktober bis zum 12. November 2021 die UN-Klimakonferenz statt.]

Zoonosen: Kranke Tiere machen kranke Menschen

Im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie ist immer wieder auch von Zoonosen die Rede. Was sind das für Krankheiten und wie entstehen sie?  

Zoonosen, das sind keine Krankheiten durch Zoohaltung, sondern es sind grundsätzlich Tierviren, die auf Menschen übertragen werden – oder auch andere Erreger, es gibt auch noch Bakterien und anderes Parasitenzeug.

Es gibt eine Menge Zoonosen, und was wir oft vergessen ist, dass die letzten 50 Jahre schon durch andere Erreger aus dem Tierreich geprägt wurden. HIV, die Pandemie meiner Jugend, die das maßgeblich geprägt hat, die war auch vom Affen, vom Schimpansen übertragen worden. Ebola, Zika, viele, viele andere Viren sind aus dem Tierreich. Das heißt, die Zoonosen werden häufiger, sie werden heftiger und „in der Pandemie“ ist „vor der nächsten“. Tut mir leid, wenn ich das so sagen muss, Spoileralarm – aber es wird auf Dauer nicht besser, wenn wir nicht handeln.

Gesunde Erde – Gesunde Menschen: Was zu tun ist

Welche Möglichkeiten zum Handeln haben wir denn?

Punkt Nummer eins: Wildtierhandel verbieten! Vor allem in Asien und in Afrika werden Wildfleisch und lebende wilde Tiere teils illegal mit anderen Nutztieren auf Märkten verkauft. Da kommen Arten zusammen, blutend, in ihren Sekreten. Es ist ekelhaft, es ist teilweise wirklich schmerzlich, diese Fotos zu sehen. Aber trotzdem: Es ist eine Realität.

Dort herrschen oft Hygienemängel und die machen diese Märkte zu Riesenbrutstätten für Neuübertragung. Die Kombination von Tieren, die da zusammenkommt, die war in der Natur nie vorgesehen. Ein gesundes Wildtier, das macht Social Distancing von ganz alleine. Das zieht sich zurück, wenn es die Chance hat, nämlich ein Rückzugsgebiet, ein Habitat zu haben.

Wie können wir sicherstellen, dass solche Rückzugsgebiete erhalten bleiben? 

Ökosysteme schützen! Wir zerstören Wälder und Landschaften und dringen immer tiefer und tiefer in die Natur ein. Das gefährdet intakte Ökosysteme, es kommt zu mehr Kontakten zwischen Menschen und auch da spielt natürlich Armut beim Menschen eine Riesenrolle.

Menschen, wenn sie so verzweifelt sind und unterernährt, dann essen sie eben auch Tiere, die sichtbar krank sind. Dann gehen zum Beispiel auch in der Pandemie Menschen aus den Städten wieder zurück aufs Land, suchen sich Nahrung und da sind die Wildtiere doppelt in Gefahr. Krankheiten können deswegen immer leichter von Tieren auf Menschen übertragen werden.

Geht nur von Wildtieren eine Übertragungsgefahr für den Menschen aus? 

Wir reden nicht nur von Wildtieren, wir reden auch von Nutztieren. Wann hattet ihr das letzte Mal einen großen Karottenskandal? Erinnert ihr euch nicht dran? Stimmt, die meisten Lebensmittelskandale waren meistens immer Fleischskandale. Und deswegen, Punkt Nummer drei: Umsteigen auf eine pflanzenbasierte Ernährung.

Gesundheit: Eine wichtige Rolle spielt die Ernährung

Wie lässt sich eine gesunde pflanzenbasierte Ernährung umsetzen? 

Die Idee einer „Planetary Health Diet“ verbindet das, was dem Körper guttut mit dem, was dem Planeten guttut. Das ist vor allem viel weniger Fleisch, weniger Zucker, weniger tierische Produkte überhaupt – und mehr Nüsse, Hülsenfrüchte, buntes Gemüse. Je bunter, regionaler, saisonaler, desto besser.

Das kann man dem Menschen nicht vorschreiben, aber man kann es verschreiben, denn der Gesundheitsvorteil einer pflanzenbasierten Ernährung ist gigantisch. Wir könnten laut Lancet Climate Countdown 150.000 Todesfälle jedes Jahr in Deutschland verhindern. Deswegen ist ein Verzicht auf Fleisch ein echter Verzicht, nämlich ein Verzicht auf Herzinfarkt und Schlaganfall – und darauf verzichte ich sehr gerne.

Übrigens: Vom Team „Gesunde Erde – Gesunde Menschen“ machen wir im Januar den „Veganuary“ – also einen Monat ohne tierische Produkte, mal zum Testen. Ich selber habe das noch nie gemacht, da bin ich ganz ehrlich, aber ich bin neugierig. Vielleicht macht ihr ja auch mit und wir tauschen uns dann auch bei Social Media, bei Utopia oder bei GEGM aus, wie das funktioniert hat.

Welche Aufgaben möchten Sie mit der GEGM-Stiftung in Zukunft angehen? 

Also: Zoonosen zu verhindern, ist vor allem eine globale Aufgabe und der One-Health-Ansatz ist dafür entscheidend. Deswegen nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch hinter den Kulissen für diesen Ansatz zu kämpfen, das ist eine Mission, wo es noch viele, viele Kooperationsmöglichkeiten gibt. Mit meiner Stiftung „Gesunde Erde – Gesunde Menschen“ sind wir auch da dran – und wir sind sehr, sehr stolz, dass es auch in dem Koalitionsvertrag tatsächlich gelungen ist, den One-Health-Ansatz reinzuschreiben. Und da muss es jetzt nur noch raus, in die Welt. Denn: Gesunde Menschen gibt’s nur auf einem gesunden Planeten.

Vielen Dank für das Interview!

Auf der Website der Stiftung „Gesunde Erde – Gesunde Menschen“ kannst du dich näher über ihre Grundsätze und aktuellen Aktivitäten informieren. Wenn du die Stiftung finanziell unterstützen möchtest, hast du dort auch die Möglichkeit, zu spenden. 

Mehr über die Zusammenhänge zwischen einer intakten Umwelt und unserer Gesundheit beschreibt Eckart Hirschhausen auch in seinem Buch „Mensch, Erde! Wir könnten es so schön haben“. Erhältlich** z.B. bei Buch7Thalia oder Amazon.

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