Zoonosen: Wie die Corona-Pandemie mit der Zerstörung der Tierwelt zusammenhängt

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Die Corona-Infektion ist nur eine von vielen Erkrankungen, die von Tieren auf Menschen überspringen können. Durch unsere Lebensweise werden sogenannte „Zoonosen“ immer häufiger – wir könnten künftig mehr Pandemien erleben.

Weit über zwei Millionen Menschen haben sich bereits mit dem Coronavirus infiziert, die Dunkelziffer ist noch höher. Es wird noch eine ganze Weile dauern, bis die Zahl der Infizierten wieder sinkt. Ihren Ursprung hat die Pandemie sehr wahrscheinlich in Fledermäusen.

Der Mensch hat sich jedoch nicht direkt an Fledermäusen angesteckt – die Wissenschaft geht aktuell davon aus, dass der Überträger das Schuppentier (Pangolin) war. Ob das Pangolin das Virus von der Fledermaus erhielt oder noch ein anderes Tier dazwischen war, ist unklar.

Zoonosen werden häufiger

Krankheiten, die von Tieren auf Menschen überspringen können, sind nicht ungewöhnlich – sie heißen „Zoonosen“. Zu den bekannteren Zoonosen gehören zum Beispiel die Schweine- und Vogelgrippe, Ebola, Zika oder Gelbfieber. Laut dem Bundesamt für Risikobewertung werden fast zwei Drittel aller Erreger, die bei Menschen Infektionskrankheiten auslösen, von Tieren übertragen.

Die Übertragung erfolgt über Lebensmittel wie Eier, Milch oder Fleisch, über Parasiten wie Mücken und Zecken oder auf direktem Weg. Wie eine umfassende Meta-Studie von amerikanischen und australischen Wissenschaftler*innen zeigt, werden Zoonosen immer häufiger.

Fledermäuse sind sehr nützliche Tiere, ab und zu verirrt sich auch einmal eine Fledermaus im Haus.
Viele Zoonosen haben ihren Ursprung in Fledermäusen. (Foto: CC0 / Pixabay / paislie)

Wie die Menschheit Zoonosen begünstigt

Dass die Zahl an Zoonosen steigt, liegt auch an der Art und Weise, wie die Menschheit in Ökosysteme eingreift und mit Tieren umgeht. Mehrere Entwicklungen sind kritisch:

1. Bestimmte Säugetier-Populationen wachsen stark an

Das passiert, wenn Tiere am oberen Ende der Nahrungskette verschwinden oder weniger werden – etwa weil sie vom Aussterben bedroht sind. Ohne natürliche Fressfeinde können sich Tiere wie Ratten ungebremst verbreiten, und mit ihnen Viren und Infektionskrankheiten.

2. Die Menschheit dringt immer weiter in Lebensräume wilder Tiere ein

Um Palmöl und Soja anzubauen, Platz für Viehweiden zu schaffen oder Holz und Papier zu gewinnen, wird Regenwald abgeholzt. Tiere aus den Wäldern kommen in Kontakt mit Menschen. Außerdem sind sie gezwungen, ihre Lebensräume zu verlassen und woandershin auszuweichen – auch in von Menschen bewohnte Gebiete. So passiert eine Übertragung von Viren wilder Tiere auf Menschen oder Nutztiere.

Ein Beispiel dafür ist das Nipah-Virus, das sich in den 90er-Jahren in Malaysia verbreitete: Nachdem in der Region Wälder abgeholzt wurden, mussten sich die in ihnen beheimateten Flughunde einen neuen Lebensraum suchen. Dem Deutschlandfunk zufolge ließen sie sich an Mangobäumen von  Schweinezuchtbetrieben nieder. Mit ihrem Kot und Speichel steckten sie die Schweine mit dem Nipah-Virus an. Diese wiederum infizierten die Bauern.

3. Handel mit Wildtieren und Massentierhaltung

Das Coronavirus ist wahrscheinlich in einem Wildtiermarkt von einem Schuppentier auf den Menschen übergesprungen. Solche Märkte sind ideale Orte für Infektionen: Lebende (wilde) Tiere werden auf engstem Raum zusammengepfercht. Die Viren, die sie mit sich tragen, können von Spezies zu Spezies wandern – und auch zum Menschen.

Nicht nur Wildtiermärkte liefern ideale Bedingungen für die Verbreitung von Viren, sondern auch die industrielle Massentierhaltung. Hier leben extrem viele Tiere auf wenig Platz, wenn eines davon krank ist, kann sich schnell die ganze Herde infizieren. Über Fleisch oder andere tierische Produkte oder direkten Kontakt stecken sich auch Menschen an.

Der Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung steht schon lange in der Kritik.
In der Massentierhaltung können sich Viren schnell verbreiten. (Foto: CC0 / Pixabay / franzl34)

Wir müssen unseren Umgang mit der Natur ändern

Die Wissenschaft warnt schon lange, dass unser Lebensstil Pandemien begünstigt. Wenn wir noch mehr Wald zerstören, mehr Tierarten vertreiben oder ausrotten, gefährden wir uns letztendlich selbst. Vielleicht trägt die Corona-Krise dazu bei, dass dieser Zusammenhang bekannter wird – und wir unseren Umgang mit der Natur endlich ändern.

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(1) Kommentar

  1. Danke für den schönen Artikel.
    Dabei stoßen prinzipiell 2 Welten aufeinander, wodurch solche Zoonosen erst zum globalen Problem werden:
    -das traditionelle, naturnahe, eher zurückgezogene ländliche Leben zusammen mit Nutz- und Wildtieren, das und stärkt
    -und im Kontrast dazu das globalisierte, dicht gedrängte, wild umherreisende und Pandemien verbreitende globalisierte Leben einer immer anfälligeren Stadtbevölkerung, das und schwächt