„Hitze ist ein medizinischer Notfall!“ Eckart von Hirschhausen warnt vor Gesundheitsrisiken

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„Hitze ist ein medizinischer Notfall!“ – mit dieser Warnung schlägt Arzt und Moderator Eckart von Hirschhausen Alarm. Auf die Hitze sei Deutschland nicht vorbereitet, die Politik habe versagt. Der Mediziner ruft uns zum Handeln auf.

Neun der zehn heißesten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnung liegen zwischen 2010 und 2019, wie aus den Daten des Deutschen Wetterdienstes hervorgeht. Doch die Klimakrise bedroht nicht bloß in anderen Ländern Menschenleben, wo es fast jedes Jahr Dürren oder steigende Meeresspiegel gibt.

Auch hier bei uns in Deutschland bedroht die Klimakrise die Gesundheit der Menschen: 70.000 Menschen sind in Europa bei der Hitzewelle 2003 gestorben, so Arzt und Moderator Eckart von Hirschhausen in einem neuen Video. Die Hitzewellen in Deutschland sind ein ernstes Gesundheitsrisiko – die Gefahr sei unsichtbar und werde daher unterschätzt. Nun ruft der prominente Arzt zum Handeln auf.

Von Muskelkrämpfen bis Erbrechen: Hirschhausen warnt vor Hitze-Folgen

Hitze schlägt auf das Gehirn: Das würden nicht nur die Bilder von Mallorca zeigen, wo Menschen ohne Abstand und Maske Party am Ballermann machen, scherzt Hirschhausen. Dass Hitze sich auf unser Gehirn auswirkt, ist auch in der Medizin gut erforscht.

Das Hirn werde als erstes beeinträchtigt, etwa im Denken, noch bevor Sonnenstich und Hitzschlag sich bemerkbar machen, sagt der Mediziner. Und wenn das Gehirn nicht mehr funktioniert, „dann brechen wir zusammen“.

Herzkreislauf-Erkrankungen durch Hitze seien zwar bekannt, viele andere gesundheitliche Schäden kenne aber kaum jemand: Hohe UV-Strahlung und bodennahe Ozon-Belastung führen unter anderem zu:

Vor allem Kinder sind von der Hitze betroffen. Sie mindert zum Beispiel die geistige Leistungsfähigkeit – Lernen ist dann kaum möglich.

Hitze-Risikogruppen: Corona verschlimmert die Situation

Hirschhausen fordert mehr Aufklärung und Verhaltensempfehlungen für die Risikogruppen, etwa Menschen mit Vorerkrankungen oder ältere Personen. Mehr Aufklärung sei auch wichtig für die Eltern von Säuglingen und Kleinkindern sowie für Betreuer*innen in Kitas und Schulen, betont Hirschhausen. Derzeit stelle die Hitze eine zusätzliche Belastung für das Gesundheitssystem dar, da sich die Corona-Risikogruppen mit den Hitze-Risikogruppen überschneiden.

In vielen Gebäuden wird es auch drinnen sehr heiß und das wird schnell zum Problem, warnt Hirschhausen: „Wie soll jemand für die Patienten da sein, wenn er selbst kurz vor dem Umkippen steht?“

Mediziner warnen: „Deutschland ist für Hitzewellen nicht gerüstet“

Die meisten Jahre zwischen 2010 und 2019 zählen zu den heißesten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.
Die meisten Jahre zwischen 2010 und 2019 zählen zu den heißesten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.
(Foto: CC0 / Pixabay / geralt)

Bereits nach der großen Hitzewelle 2003 hatte die Politik umfangreiche Maßnahmen angekündigt. Damals waren 70.000 Menschen in Europa an den Folgen der Hitze gestorben. Das Umweltbundesamt habe in den vergangenen Jahren bereits auf die Hitze-Risiken aufmerksam gemacht, die Bundesregierung habe dann die Länder aufgefordert, Hitzeaktionspläne zu entwerfen – „aber praktisch passiert ist herzlich wenig„, kritisiert Hirschhausen.

Auch andere Mediziner*innen warnen: „Deutschland ist für Hitzewellen nicht gerüstet„, sagt zum Beispiel Martin Herrmann von der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG), einem bundesweiten Zusammenschluss von Ärzt*innen, Pflegeberufen und weiteren im Gesundheitssektor Beschäftigten.

Es gibt zwar mit der Warn-App des Deutschen Wetterdienstes auch ein Warnsystem für Hitze. Doch Hirschhausen kritisiert, dass es kaum funktioniere. Richtig bekannt sei das System nicht und die Einrichtungen, für die solche Warnungen relevant sind, würden kaum informiert.

Was tun gegen die Hitzewelle?

Eckart von Hirschhausen engagiert sich bei Health for Future und weist darauf hin: „Gegen die Klimakrise helfen keine Tabletten oder Operationen, sondern nur wirksame Klimapolitik. Klimaschutz ist Gesundheitsschutz„. Während der Hitze empfiehlt Hirschhausen auch konkrete Maßnahmen:

  • viel trinken
  • im Schatten aufhalten
  • kühlere Orte aufsuchen
  • anderen Menschen helfen, etwa ältere Menschen und Diabetiker*innen
  • über Hitze-Gefahr informieren

Mit Blick auf die Klimakrise meint Hirschhausen: „Es gibt Hoffnung, wenn wir handeln“ und fordert jeden dazu auf, sich für Klimaschutz einzusetzen. Auch zum Wohle seiner eigenen Gesundheit: „Gesunde Menschen gibt es nur auf einer gesunden Erde“.

Lies dazu: Klimaschutz: 15 Tipps gegen den Klimawandel, die jeder kann

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