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Katjes macht jetzt Kosmetik – mit Essence: Wirklich empfehlenswert?

Katjes
Foto: Utopia - NBr

Katjes und Essence haben eine gemeinsame Komsetiklinie gelauncht. Sie soll sich an eine nachhaltige Zielgruppe richten. Die Produkte sind immerhin vegan – doch wie empfehlenswert sind sie wirklich?

Der Süßwarenhersteller Katjes hat zusammen mit dem Kosmetikunternehmen Cosnova – die Firma hinter Catrice und Essence – eine limitierte Kosmetiklinie auf den Markt gebracht. Die sogenannte „Essence x Grün-Ohr Hase Trend Edition“ umfasst sieben Produkte: Jelly Blush, Lip Glow, Jelly Lip Oil, Jelly Face Mask, Glossy Sheer Lipstick, Jelly Nail Polish sowie ein Wimpern- und Augenbrauengel.

Angelehnt sind die Produkte an die vegane Fruchtgummisorte „Grün-Ohr Hasen“ von Katjes. Sie sollen sogar „nach den vertrauten und beliebten Aromen von Erdbeere und Cassis“ riechen und eine gummiartige Konsistenz aufweisen.

Die beiden Unternehmen werben in einer Pressemitteilung damit, mit den Produkten eine Zielgruppe zu bedienen, die auf „qualitativ hochwertige, trendorientierte und zugleich möglichst nachhaltige Produkte“ setzt. Daher seien die Produkte alle vegan. Eine entsprechende Zertifizierung (zum Beispiel Veganblume) tragen die Produkte aber nicht. Ein Blick auf Verpackung und Inhaltsstoffe zeigt: In vielen Bereichen könnten die Marken noch nachbessern. 

Verpackung und Naturkosmetik-Zertifizierung

Keines der sieben Produkte ist mit einem Naturkosmetik-Siegel ausgezeichnet. Siegel wie BDIH, Natrue und EcoCert werden von unabhängigen Dritten ausgestellt und garantieren, dass es sich um nachhaltigere Produkte handelt. Begriffe wie „nachhaltig“, „grün“ oder „bio“ sind bei Kosmetik nämlich nicht geschützt.

Damit eine Kosmetikmarke mit einem dieser Siegel ausgezeichnet wird, müssen die Produkte frei von synthetischen Farb-, Duft- und Konservierungsstoffen, erdölbasierten Inhaltsstoffen und Silikonen sein, außerdem müssen alle Inhaltsstoffe natürlichen Ursprungs oder naturidentisch sein.

Die sieben Produkte der Kosmetiklinie sind außerdem alle in Plastik verpackt – von der Gesichtsmaske hin zum Lippenstift. Solche Verpackungen kommen auch bei zertifizierter Naturkosmetik vor. Es gibt inzwischen aber auch nachhaltigere Alternativen für Kosmetikprodukte. Manche Kosmetikhersteller setzten auf Refill-Systeme, bei denen Konsument:innen Glasbehälter wieder neu befüllen lassen können. Lippenstifte lassen sich mittlerweile auch Plastikfrei verkaufen – in Papptiegeln oder Bambushüllen.

Essence x Grün-Ohr Hase Trend Edition: Flüssiges Kunststoff enthalten

Essence und Katjes versprechen nachhaltige Produkte – die Inhaltsstoffe sollten dies widerspiegeln. Viele sind tatsächlich unbedenklich, doch einige der eingesetzten Stoffe gelten als umstritten. Zum Beispiel Acrylates Copolymer, das im Jelly Nail Polish von Katjes und Essence vorkommt.

Der Stoff ist auch in anderen konventionellen Nagellacken von Essence enthalten. Bei ihm handelt es sich um ein Polymer-Gemisch, also um einen wasserlöslichen Kunststoff. Die Umweltorganisation Greenpeace und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) lehnen jegliche Form von Kunststoff in Kosmetik ab, auch den flüssigen. Laut dem BUND seien noch nicht alle Umweltauswirkungen flüssiger Kunststoffe bekannt, zudem sie es nicht möglich, die Kunststoffe nachträglich aus der Umwelt zu entfernen. Somit müsse „gemäß des Vorsorgeprinzips“ gehandelt werden und Kunststoffe dürften daher nicht in die Umwelt gelangen.

Ebenfalls ein flüssiger Kunststoff – Carbomer – findet sich in der Gesichtsmaske sowie dem Wimpern- und Augenbrauengel der Grün-Ohr Hase Edition. Carbomere sorgen für eine gelartige Konsistenz eines Produkts. Sie werden laut Onmeda für den Körper als unbedenklich eingestuft. Beim Abwaschen der Maske kann das Kunststoff jedoch durch den Abfluss in das Abwasser gelangen.

Duftstoffe und Farbstoffe in der Kosmetiklinie

Wie Katjes und Cosnova in ihrer Pressemitteilung mitteilten, sollen die Produkte nach Erdbeere und Cassis riechen. In den Inhaltsstoffen wird in fast allen sieben Produkten „Parfum“ aufgelistet. Hinter dieser INCI-Bezeichnung können, bis auf 26 Ausnahmen, alle möglichen Duftstoffe stecken – es ist nicht klar, welche verwendet wurden.

Im Lip Glow ist zusätzlich noch der Duftstoff Citral enthalten. Natürlicherweise kommt der Stoff in Zitronenöl und Leomngarsöl vor. Laut dem Umweltbundesamt gehört Citral zu den 26 Duftstoffen, die besonders häufig Allergien auslösen. Hersteller müssen daher den Stoff auf den Produkte listen, wenn sie eine bestimmte Menge überschreiten.

Neben Duftstoffen finden sich in den Produkten auch bedenkliche Farbstoffe. CI 19140 ist ein gelber Azofarbstoff, der laut der Deutschen Gesellschaft für Hautgesundheit (DGfH) in Verdacht steht, aromatische Amine freizusetzen. Diese werden als krebserregend beziehungsweise giftig eingestuft. Der DGfH zufolge können Azofarbstoffe außerdem Allergien, Nesselsucht und Asthma auslösen. Der gelbe Farbstoff kommt vor im Lip glow Lippenstift und der Gesichtsmaske.

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