Kosmetik nachfüllen statt wegwerfen: Diese Hersteller setzen auf Refill-Systeme

Foto: Colourbox.de

Bei Mehrweg-Verpackungen denken die meisten wohl zuerst an Flaschen für Getränke. Aber „Refill“ – also neu befüllen statt neu kaufen – ist inzwischen auch bei Kosmetik ein heißes Thema. Wir haben uns angeschaut, welche Marken bereits auf solche Lösungen setzen und wie gut sie tatsächlich sind.

Innen hui, außen pfui: Das gilt leider für viele Pflegeprodukte im Badezimmer. Denn selbst wenn du darauf achtest, statt konventioneller Kosmetik nur zertifizierte Naturkosmetik zu kaufen – in den meisten Fällen sind auch solche Cremes, Lotions und Gels in Plastikbehältnisse gefüllt worden.

Um diesen Verpackungsmüll zu vermeiden oder zumindest nachhaltigere Alternativen zu wählen, gibt es verschiedene Ansätze. Ein Nischenweg, den derzeit aber immer mehr Hersteller einschlagen, sind Refill-Systeme. Dabei werden Produkte von vornherein so konzipiert, dass die Verpackungen nach Gebrauch nicht gleich entsorgt werden müssen, sondern neu befüllt werden können. Dazu werden entweder die leeren Gefäße direkt an den Hersteller geschickt oder man kauft das Nachfüllprodukt und befüllt den Behälter selbst.

Hier eine Auswahl an empfehlenswerten Marken, die Nachfüll-Systeme entwickelt haben:

1. Fair Squared

Die Pflegeserie von Fair Squared ist nicht nur Natrue- und Fairtrade-zertifiziert. Der Hersteller hat für einen großen Teil seiner Produkte auch ein geschlossenes Mehrweg-System entwickelt. Shampoos, Bodylotions, Körperöl, Handcreme, Sonnenschutz, Gesichtspflege und mehr werden in Glasbehältern verpackt.

Sind diese leer, können sie beim Händler zurückgegeben oder im 10er-Pack zurückgeschickt werden. Dann werden sie von allen Rückständen gereinigt und wieder neu befüllt. Als Kunde erhält man für das Engagement einen 10 Euro-Gutschein für den nächsten Einkauf.

Kaufen**: Produkte von Fair Squared findest du z.B. bei Avocado Store, BioNaturel

Naturkosmetik Mehrweg Recycling Refill
Das Refill-System von Fair Squared ist konsequent. (© Fair Squared)

2. Zao

Das von Ecocert zertifizierte französische Naturkosmetik-Label Zao setzt auf ein anderes Material: Bambus. Die daraus hergestellten Etuis für dekorative Kosmetik sind größtenteils selbst wieder befüllbar. Ein Wermutstropfen dabei: Manche Nachfüller (zum Beispiel für Puder) kommen noch in Verpackungen aus recyceltem PET-Kunststoff daher – laut der Webseite des Herstellers will Zao diese aber nach und nach durch Pappumschläge ersetzen.

Kaufen**: Produkte von Zao findest du u.a. auf Ecco Verde oder auf Amazon.

3. Birkenstock

Die Traditionsmarke Birkenstock vertreibt nicht nur Schuhe, sondern mit der Reihe “Natural Skincare“ auch Cosmos-zertifizierte Naturkosmetik. Und dazu hat sie noch ein intelligentes Refill-System für viele der Produkte entwickelt: Die stabilen Pumpspender enthalten austauschbare Kartuschen. Sind sie leer, lassen sie sich mit der Refill-Variante austauschen – der Originalbehälter kann weiter benutzt werden.

Kaufen: Produkte von Birkenstock findest du im Onlineshop des Herstellers.

4. Stop the water while using me

Das 2011 gegründete Label mit dem etwas sperrigen Namen lässt einen Teil seiner Erlöse in weltweite Projekte zur Trinkwassergewinnung fließen. Nach eigener Aussage verzichtet der Hersteller aufgrund dieses Engagements andererseits darauf, finanzielle Mittel in eine offizielle Zertifizierung zu stecken. Alle Pflege-Produkte entsprächen jedoch „den höchsten Richtlinien gängiger Naturkosmetiksysteme (wie Ecocert oder Natrue)“ – und werden bei Öko-Test positiv erwähnt.

Das Refill-Konzept von Stop the water while using me sieht so aus: Die (Plastik-)Pumpspender kann man selbst neu befüllen – und zu diesem Zweck große 2- oder sogar 5-Liter-(Plastik-)Kanister mit verschiedenen Produkten kaufen, von Shampoo und Conditioner über Seife bis hin zur Bodylotion. Allerdings hat das einen ziemlich stolzen Preis: Der 5-Liter-Nachfüllkanister kostet 189,90 Euro.

Kaufen**: Produkte von Stop the water while using me findest du z.B. bei Avocado Store oder Amazon

5. Baims

Baims Natural Makeup vertreibt Ecocert-Bio-zertifizierte Naturkosmetik. Die Verpackung wird größtenteils aus einer schnellwachsenden Bambusart hergestellt und beinhaltet für viele Produkte Refill-Lösungen – für Lippenstifte, Puder, Makeup, Rouge und Lidschatten. Die Bambus-Behälter können dann beliebig oft wiederverwendet werden.

Kaufen: Produkte von Baims findest du im Onlineshop des Herstellers oder bei Amazon**.

6. Kjaer Weis

Die Marke der Dänin Kirsten Kjaer Weis steht für ccpd-zertifizierte, dekorative Naturkosmetik mit einem schicken Design. Bei diesem wurde ein Mehrweg-System von Anfang an mitgedacht: Die silbernen Metalldosen für Lidschatten, Rouge, Lippenstift, Mascara und Co. sind nachfüllbar. Auf der Website gibt es für die jeweiligen Produkte eine Anleitung, wie das Auswechseln funktioniert. Die in Karton verpackten Refills sind dabei deutlich günstiger: Ein Lidschatten kostet etwa mit Dose 43 Euro, die Nachfüllpackung 25 Euro.

Kaufen: Produkte von Kjaer Weis findest du im Online-Shop des Herstellers.

7. Benecos

Der junge Naurkosmetik-Hersteller Benecos mit Cosmos-Zertifizierung hat eine „it-Pieces Refill-Palette“ vorgestellt. Dabei können verschiedene Bestandteile – Puder, Rouge, Lidschatten und mehr – kombiniert und leere „Bausteine“ immer wieder ersetzt werden.

Insgesamt gibt es laut Hersteller 29.723 Kombinationsmöglichkeiten; die Refills werden dabei nur in Papier verpackt und kommen ohne Plastik aus. Ein solches Mehrweg-System ist derzeit nur bei der dekorativen Kosmetik von benecos verfügbar, nicht bei den Pflegeprodukten.

Kaufen**: Produkte von Benecos findest du z.B. bei BioNaturelEcco VerdeAvocadostore

Refill-Kosmetik: Die Vorteile

Der größte Vorteil dieser Herangehensweise: Sie spart Verpackung und damit Ressourcen. Gegenüber den meisten herkömmlichen Drogerieartikeln, deren Verpackungen nach der Benutzung im Müll landen, erscheinen Refill-Produkte damit als bessere Option. Gerade im Bereich der dekorativen Kosmetik gab es bislang kaum müllfreie Alternativen auf dem Markt – in Sachen Schminke stellt ein Mehrwegsystem tatsächlich eine Innovation dar.

Die häufig für Refills verwendeten Materialien Glas oder Weißblech sind zwar laut Verbraucherzentrale nicht automatisch eine bessere Wahl als Kunststoffe, da auch ihre Produktion viel Energie kostet. Aber ihre Ökobilanz fällt deutlich besser aus, wenn die Behältnisse mehrmals benutzt werden – was in diesem Fall ja zutrifft.

Ist das Refill-System durchdacht und zudem noch unkompliziert anzuwenden, dann hat es durchaus das Potential zur nachhaltigeren Alternative. Einige Hersteller locken als Belohnung für die entstandene Mühe auch mit Gutscheinen und Gratis-Produkten oder bieten das Nachfüllen zu einem wesentlich günstigeren Preis an als neue Produkte.

Refill-Kosmetik: Die Nachteile

Auch die Verpackung eines Pflegeproduktes mit Refill-Option muss natürlich zu Beginn des Kreislaufs einmal hergestellt werden – es lohnt sich also, hierbei auf die Ökobilanz des verwendeten Rohstoffs zu achten. Und gegen Kosmetik selber machen und verpackungsfreie Kosmetik kommt auch die Refill-Kosmetik in keinem Fall an.

Zudem sind Mehrweg-Systeme aufwendig, kosten- und energieintensiv. Denn die Behälter müssen zunächst gesammelt und dann so gründlich gereinigt werden, dass sie aus hygienischer Sicht problemlos wiederverwendet werden können.

Für die Verbraucher heißt das auch, dass sie sich an einen Hersteller binden müssen (für letztere zweifellos ein Vorteil) – denn oft kann man leere Gefäße erst im 10er-Pack zum Neubefüllen zurückschicken. Und das Ganze ist natürlich nur dann sinnvoll, wenn man wirklich mit dem Produkt zufrieden ist und es auf lange Sicht verwenden möchte.

Schlussendlich gilt es zu beachten, welche Marke das Mehrweg-System anbietet. Denn nicht nur Naturkosmetik-Hersteller haben Refill-Optionen als Trend entdeckt, sondern auch einige konventionelle, „naturnahe“ oder gar Luxus-Labels – darunter Chanel, Dior, Yves Saint Laurent, Rituals, M.A.C. oder Artdeco.

Natürlich ist es zu begrüßen, wenn sich die gesamte Beauty-Branche mit nachhaltigeren Verpackungslösungen auseinandersetzt. Doch an der Ökobilanz eines Pflegeprodukts hat die Verpackung trotz allem einen relativ kleinen Anteil – das wichtigste ist der Inhalt.

Synthetische, erdölbasierte Rohstoffe, gesundheitlich problematische Inhaltsstoffe, Mikroplastik: Es gibt viele Gründe, sich für gesündere und umweltschonendere Naturkosmetik zu entscheiden. Gibt es diese dann noch als Refill-Variante, wunderbar. Umgekehrt macht die Refill-Verpackung herkömmliche Kosmetik jedoch kaum zu einem besseren Produkt.

Nachfüllbare Kosmetik – unser Fazit

Unser Fazit: Auf dem Weg zu einem Zero-Waste-Bad kann Refill-Kosmetik einen sinnvollen Beitrag leisten. Wer ein bestimmtes Produkt gerne langfristig nutzen möchte, hat so die Chance, Verpackungsmüll und zum Teil auch noch Geld zu sparen.

Doch ein Mehrweg-System ist nicht der „heilige Gral“, weil es ebenfalls Ressourcen und Energie benötigt – für die Herstellung der Ursprungsverpackung und für die Wiederaufbereitung. Zudem geht jede Marke anders an die Sache heran und legt unterschiedlich strenge Kriterien an ihr Refill-System an (zum Beispiel bei der Verpackung des Nachfüllprodukts).

In jedem Fall ist es wichtig, auch auf die natürlichen Inhaltsstoffe zu achten, und sich nicht von den Refill-Bemühungen konventioneller Marken zum Kauf eines bedenklichen Produkts verleiten zu lassen. Wer noch weitere Schritte unternehmen möchte, um Müll und Plastik zu vermeiden, findet hier viele praktische Tipps für weniger Plastik im Badezimmer.

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(6) Kommentare

  1. Sicher generell eine gute Idee. Wenn aber die Ware im Internet bestellt werden muss, und somit verpackt und transportiert wird, ist das eigentlich auch wieder blöd… Das beste ist Verzicht oder was geht selbst herstellen.

  2. …oder eine Sammelbestellung mit Freunden oder Familie damit sich der Versand mehr lohnt. Dann kann man auch gleich ein bisschen Werbung machen und die Vorteile von natürlich gesunden Produkten hervorheben 😉
    Allerdings würde ich mir wünschen dass man solche Sachen in Zukunft auch häufiger in normalen Geschäften und Supermarktregalen findet.

  3. Positive Entwicklung, gab es vor ein paar Hahren noch gar nicht und das Verständnis oder die Nachfrage waren auch nicht da. Zumindest hier in den Wohlstandsregionen, wo wir auch die größe Verantwortung haben, wachen wir doch ein wenig auf, in ganz kleinen Schritten aber imo geht es vorwärts.

  4. Refill ist grundsätzlich klasse, allerdings für die Hersteller eine Herausforderung, auch aufgrund von Vorschriften. Ihr habt noch wen vergessen: CMD Naturkosmetik bietet die so genannten Family Packs an, bspw. Shampoo im 2,5l Kanister. Ideal zum Nachfüllen und man verursacht so zumindest deutlich weniger Müll.

  5. Danke für diesen recht gut recherchierten Beitrag.

    Was mich persönlich aber oft verwundert (und das sicher nicht nur bei diesem Beitrag), ist die Kaufempfehlung für und Verlinkung auf AMAZON.
    Gibt´s denn wirklich immer wieder die Notwendigkeit, auf diese nachweislich mehr als fragwürdige Plattform zu verlinken? Ist man sich der Tatsache nicht bewusst, dass damit indirekt einer der größten Querschläger in Sachen mieser Arbeitsbedingungen der Angestellten und allgemein negativ bekannter Steuerpolitik für die weitere Nutzung beworben wird? Mehr noch – es wird mit diesen Kaufempfehlungen indirekt empfohlen, ein weiteres Sterben kleiner Inhaber-geführter Ladengeschäfte zu fördern. Die echt erstrebenswerten Ziele, welche auf Utopia blumig und vollmundig propagiert werden, werden auf diese Weise immer wieder ein Stück ad absurdum geführt. Schade…………