Klimapass für Geflüchtete? Das sagt eine Migrationsforscherin

Klimapass für Geflüchtete
Foto: CC0 Public Domain / pexels - Ahmed akacha

Überschwemmungen, Dürre und Hitze: Wohngebiete werden in Zukunft unbewohnbar. Die Migrationsforscherin Kira Vinke setzt sich für die Einführung eines Klimapasses und humanitäre Visa ein. Die Folgen des Klimawandels sind ebenso verantwortlich für Migration wie Kriege.

Migrationsforscherin Kira Vinke fordert im Spiegel-Interview die Einführung eines Klimapasses und dass der Klimawandel als Fluchtgrund anerkannt wird. Über die Balkonroute und das Mittelmeer fliehen Menschen aus ihrer Heimat. Wie viele Menschen dabei aufgrund von Klimafolgen fliehen, ist allerdings unklar. Denn: Die Anzahl der Geflüchteten aufgrund der Klimakrise werden von offiziellen Zahlen nicht erfasst, da Klimafolgen bislang unter Armutsmigration fallen – und somit nicht als offizieller gesonderter Fluchtgrund gewertet werden. Bisher haben nur Menschen, die politisch oder anderweitig verfolgt werden, ein Recht auf Asyl.

Forderung nach Anerkennung von Klimafolgen als Fluchtgrund

Dabei seien Klimafolgen oftmals Bestandteil von anderen Fluchtgründen, sagt Migrationsforscherin Vinke. In Syrien etwa habe die Dürre den Ausbruch des Konflikts begünstigt.

Wie wichtig aber die Anerkennung von Klimafolgen als Fluchtgrund wäre, zeigen folgende Fakten: Extremwetter, die zu Dürren, Überschwemmungen oder Wirbelstürme führen, treten laut Forscher:innen aufgrund des Klimawandels häufiger oder in größerem Ausmaß auf. Laut IPCC-Bericht aus dem Jahr 2019 gehen Expert:innen von rund 250 Millionen Klimageflüchteten bis zum Jahr 2100 aus. Die Umweltorganisation Greenpeace schrieb in einer Studie, der Klimawandel sorge sogar für mehr Migration als Kriege.

Auch wenn es wichtig sei, hält Vinke Bestrebungen, die Folgen der Klimakrise als Fluchtgrund anzuerkennen, für wenig aussichtsreich. „Die meisten Länder möchten die Genfer Flüchtlingskonvention, in der anerkannte Fluchtgründe festgehalten werden, eher abschwächen als stärken.“ Als Gegengewicht sei die Forderung nach humanitären Visa oder Klimapässen entstanden.

Das sind Klimapass und humanitäre Visa

Ein Klimapass soll Geflüchteten dienen, deren Wohnorte durch die Folgen der Klimakrise unbewohnbar sind und ein Leben auch in absehbarer Zeit nicht mehr möglich sein wird. Beispielsweise könnten laut Vinke Inselstaaten durch den Meeresspiegelanstieg permanent überflutet sein. Menschen mit dem Pass sollen dann die Möglichkeit haben in andere Länder zu migrieren.  

Die Idee eines Klimapasses wurde zum Beispiel 2019 diskutiert, als die Grünen-Politikerin und ehemalige Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth einen solchen Pass forderte. Die Idee fußte auf eine Empfehlung des „Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen“ (WBGU), eines unabhängigen Experten-Gremiums, das die Regierung berät.

„Die Klimakrise ist Ursache von Migration und Flucht – gerade im globalen Süden, der am wenigsten zur Erderwärmung beigetragen hat“, sagte Roth damals im Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Klimaschutz ist deshalb eine Frage globaler Gerechtigkeit.“

Die andere Idee, an die Forscherin Vinke dem Spiegel gegenüber erinnerte sind humanitäre Visa. Diese sollten Betroffenen als eine Art „Überlebenssicherung oder gar minimale Wiedergutmachung für geschädigte Personen“ dienen. In internationalen Verhandlungen könnte festgelegt werden, dass Betroffenen beim Überschreiten der 1,5-Grad-Grenze diese Visa ausgestellt werden.

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