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Netflix-Doku zeigt den „meist gehassten Mann im Internet“

Netflix-Doku: Der meist gehasste Mann des Internets
Foto: Screenshot Netflix

Mit sogenannten Rachepornos versuchen Menschen ihre Ex-Partner:innen in aller Öffentlichkeit zu demütigen. Hunter Moore machte daraus ein Geschäftsmodell. Eine Netflix-Doku rollt den frauenverachtenden Fall auf – und versucht den Betroffenen eine Stimme zu geben.

Triggerwarnung: Der Artikel thematisiert sexuelle Gewalt. Wenn du Bedenken hast, dass dich das Thema belasten könnte, überlege vorab, ob du den Artikel lesen möchtest. 

Der Rolling Stone bezeichnete ihn einst als „den meist gehassten Mann im Internet“, für seine Opfer wird er das vermutlich immer bleiben. Der US-Amerikaner Hunter Moore erlangte 2010 mediale Aufmerksamkeit, als er die Website „Is Anyone Up?“ startete.

Nun erscheint eine Netflix-Dokumentation über den inzwischen rechtskräftig verurteilten 36-Jährigen. „The Most Hated Man on the Internet“ rollt das perfide, frauenverachtende und illegale Geschäft Moores auf. Das Geschäft mit „revenge porn“.

Bei Racheporno handelt es sich grob gefasst um entblößende, meist sexuelle Inhalte, die als Racheakt im Internet gegen den Willen der Personen veröffentlicht werden. Die Betroffenen leiden oft jahrelang unter den Folgen.

Ein Sammelbecken für Frauenhass

So auch die Frauen, die in der Netflix-Doku zu Wort kommen. Sie geben einen Einblick, wie Moore, der sich selbst „Profi Life Ruiner“ nannte, ihr Leben erschütterte. Auf seiner Plattform „Is Anyone Up?“ konnten Nutzer:innen – vorwiegend Männer – Bilder und Videos ihrer Ex-Freund:innen und Sexualpartner:innen hochladen. Die Aufnahmen hatten die Betroffenen damals für den privaten Gebrauch verschickt. Jedoch waren auf der Website auch Fotos von Frauen zu finden, die heimlich auf Partys, in Umkleidekabinen oder am Strand gemacht wurden. Damit nicht genug: Die Täter:innen konnten auf Moores Website zudem Name, Alter, Beruf und Wohnort der betroffenen Personen publik machen.

In kürzester Zeit entwickelte sich die Plattform zu einem Sammelbecken für Frauenhass, eine eigene Racheporno-Community entstand, mit der Moore Geld verdiente – indem er Werbung auf seiner Seite schaltete. Internet-Videos zeigen Moore, wie er gänzlich unverblümt über sein selbsternanntes Geschäftsmodell sprach. „Ich habe gemerkt, ich kann damit Geld verdienen“, sprach Moore damals selbstgefällig in die Kamera.

„Und die Antwort, die ich bekam, war: LOL“

Eines seiner Opfer, das sich auf der Plattform wiederfand, berichtet in der Netflix-Doku, Moore um Entfernung der Aufnahmen gebeten zu haben. „Und die Antwort, die ich bekam, war: LOL“ – verhöhnende Heiterkeit, schildert die Frau.

Den „meist gehassten Mann im Internet“ brachte schließlich Charlotte Laws zu Fall – die Mutter einer betroffenen Frau, deren Bilder Moore ebenfalls nicht von seiner Website nehmen wolle. Laws sammelte Beweise und arbeitete eng mit dem FBI zusammen, was dazu führte, dass Moore angeklagt wurde. Es stellte sich heraus, dass er zwischenzeitig einen Hacker bezahlte, um private Bilder von Fremden zu stehlen und sie zu veröffentlichen.

Im Mai 2017 durfte Moore die Haft verlassen

Im November 2015 wurde Moore, der gestand, zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft wegen Identitätsdiebstahls und Hacking verurteilt – sowie einer Geldstrafe in Höhe von 2000 US-Dollar. Im Mai 2017 durfte Moore die Haft verlassen, seine Plattform jedoch wurde bereits 2012 gesperrt und von einer Anti-Mobbing-Gruppe übernommen.

Die Macher der Doku sehen das dreiteilige Format als „Korrektiv“, das die Geschichten der Betroffenen in den Fokus rückt. „Die Art und Weise, wie damals darüber berichtet wurde, stellte Hunter in den Vordergrund und die Opfer wurden zum Schweigen gebracht“, wird Programmdirektor Rob Miller vom Guardian zitiert. Er sei froh darüber, dass sich einige bereit erklärt haben, über das zu sprechen, was ihnen angetan wurde.

„Der meist gehasste Mann im Internet“ kann ab dem 27. Juli auf Netflix gestreamt werden.

Die bildbasierte Suchmaschine „Am I in Porn“ gibt dir die Möglichkeit, zu überprüfen, ob du ungewollt auf Pornoseiten auftauchst – um dagegen rechtlich vorzugehen. Alle Infos findest du hier.

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