„Planetary Health Diet“ für alle? Das würde mit der deutschen Landwirtschaft passieren

Planetary Health Diet in ganz Deutschland? Das wären die Auswirkungen auf die Landwirtschaft
Foto: CC0 Public Domain / Pixabay - JillWellington

Eine neue Studie zeigt, was es für Auswirkungen auf die Landwirtschaft hätte, wenn sich die deutsche Bevölkerung nach dem Vorbild der Planetary Health Diet ernähren würde.

Die Eat Lancet Kommission entwickelte 2019 die Planetary Health Diet als alternative Ernährungsweise. Durch sie soll eine steigende Weltbevölkerung versorgt werden können, und zwar unter Einhaltung der planetaren Belastungsgrenzen. Dabei wird beispielsweise der Konsum tierischer Produkte auf ein Viertel reduziert, stattdessen isst man doppelt so viel Obst, Gemüse, Nüsse und Hülsenfrüchte wie bisher. Nun haben das Ökoinstitut und Greenpeace in einer Studie untersucht, welche Auswirkungen die Planetary Health Diet auf die Landwirtschaft in Deutschland hätte, wenn sich die gesamte deutsche Bevölkerung dem Konzept gemäß ernähren würde.

Die Landwirtschaft wird Greenpeace zufolge zukünftig der Wirtschaftsbereich mit den höchsten Treibhausgasemissionen sein. Doch laut Klimaschutzgesetz muss Deutschland bis zum Jahr 2045 treibhausgasneutral werden. Die Planetary Health Diet könnte dabei eine entscheidende Rolle spielen.

Die Studie von Greenpeace und dem Ökoinstitut kommt zu dem Ergebnis, dass sich durch eine Planetary Health Diet die Nachfrage nach der landwirtschaftlichen Produktion stark ändern würde. Zum Beispiel würde dadurch die Nachfrage nach tierischen Produkten sinken und die nach pflanzlichen Produkten steigen.

Landwirtschaft könnte fast treibhausgasneutral werden

Würden wir uns gemäß der Planetary Health Diet ernähren, stünden bis zu 40 Prozent der aktuell in Deutschland genutzten landwirtschaftlichen Flächen für anderweitige Nutzung zur Verfügung – das sind 4,6 Millionen Hektar Ackerfläche und 1,6 Millionen Hektar Grünfläche. Das liegt daran, dass laut Studie ein Großteil der landwirtschaftlichen Flächen für die Erzeugung von Futtermitteln und Bioenergie genutzt wird. Sie gibt auch an, dass 80 Prozent der landwirtschaftlich bedingten Emissionen auf die Tierhaltung zurückzuführen sind.

Auf den Flächen, die dann theoretisch zur Verfügung stünden, könnten pflanzliche Lebensmittel angebaut und gegebenenfalls exportiert werden. Dadurch könnten weitere 70 Millionen Menschen versorgt werden. Alternativ könnte die Fläche aufgeforstet werden, wodurch CO2 gebunden werden könnte.

Insgesamt könnte laut der Studie eine Ernährung nach der Planetary Health Diet den Klimafußabdruck der Landwirtschaft in Deutschland auf 23 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente reduzieren. Aktuell liegen die Emissionen aus der Landwirtschaft und der landwirtschaftlichen Nutzung von Moorstandorten bei rund 95 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten. Dabei werden allein 81 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente durch die Ernährung ausgestoßen. Entscheidend für die Verringerung sei es, die Moore wieder zu vernässen und die Tierhaltung zu reduzieren.

Zeitgleich könnten innerhalb der nächsten 23 Jahre durch die Aufforstung frei gewordener Flächen circa 20,4 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente eingespart werden. „Damit können die Emissionen aus der Landwirtschaft fast komplett kompensiert werden und die Landwirtschaft kann auf der eigenen Fläche einen großen Beitrag zur Treibhausgasneutralität leisten“, heißt es in der Studie.

Der WWF hat sich bereits letztes Jahr in einer Studie mit der Planetary Health Diet auseinandergesetzt. Mehr dazu liest du hier: Umweltschädliche Veganer:innen? SZ verbreitet irreführenden Artikel

Agrarexpertin zur Planetary Health Diet

Utopia hat zur Planetary Health Diet mit Britta Klein vom Bundeszentrum für Ernährung gesprochen. In dem Interview erklärte die Agrarwissenschaftlerin, warum es in Deutschland so schwierig sei, die Planetary Health Diet umzusetzen. In Deutschland gebe es viel Grünland, das nur von Wiederkäuern genutzt werden könne. Es sei ihr zufolge daher nicht leicht, die Fläche in Agrarfläche umzuwandeln. Dafür müssten die Standortbedingungen stimmen, beispielsweise die Bodenqualität oder die Niederschlagsmenge.

In unserem Video findest du weitere Auszüge aus dem Gespräch mit Britta Klein. Außerdem probiert unser Redakteur Grischa die Diät selbst aus.

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