Späne statt Wasser: Sitzen wir in Zukunft auf Trockentoiletten?

Trockentoilette
Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

Vor mehr als 40 Jahren konzipierte der Künstler Hundertwasser eine Humustoilette. Inzwischen gibt es immer neue Anbieter von Trockenklos auf dem Markt. Zum Tag des Wassers am 22. März stellen wir uns die Frage: Ist das die Zukunft der Toilette?

Ein Eimer voll Sägespäne soll den Klogang künftig begleiten. Er gehört zur Grundausstattung sogenannter Komposttoiletten der Firma S’Klo aus Titisee-Neustadt im Schwarzwald – und vergleichbarer Modelle anderer Anbieter. Fridolin Einwald und Michael Heizmann bauen die Toilettenhäuschen selbst und bringen sie auf Bestellung zum Beispiel zur Hochzeit, zur Firmenfeier oder platzieren sie an einem Wanderweg. „Wir haben sehr viele naturnahe, umweltbewusste Interessenten“, sagt Einwald.

Die Idee ist vor allem, Wasser zu sparen: Statt nach dem verrichteten Geschäft zu spülen, streut man Sägespäne drauf. Das soll verhindern, dass sich Fäkaliengeruch bildet. „Im schlimmsten Fall riecht es nach Bauernhof“, sagt Einwald. Sein Anliegen ist, kein Trinkwasser als Spülwasser zu vergeuden. „Viele machen sich gar keine Gedanken, was passiert, wenn wir auf den Spülknopf drücken.“

Trockenes Geschäft: Ohne Chemie und Wasserverschwendung

Fast 40 Liter pro Tag und Person entfallen laut Bundesumweltministerium im Schnitt auf die Toilettenspülung, rund 30 Prozent des Trinkwasserverbrauchs. In Zeiten von Wassermangel werde das Thema immer wichtiger, so Einwald. Bei einer Veranstaltung mit 100 Leuten könnten rechnerisch mit einem S’Klo bis zu 700 Liter gespart werden. „Gerade in den kommenden Jahren werden wir uns weltweit deutlich mehr Gedanken über die Nutzung und den Wert des Trinkwassers machen müssen, und sollten dies soweit es geht schützen und sparsam nutzen.“

Trockentoiletten an sich sind keine neue Erfindung, es gibt auch welche mit Rindenmulch, Gesteinsmehl oder Holzkohle. In Ländern mit weniger guter Sanitärinfrastruktur, Abwassersystemen und Wasserversorgung – zum Beispiel in Afrika und Asien – werden sie ebenfalls eingesetzt. Ein anderes Beispiel sind Trennklos, bei denen Fäkalien und Urin in separaten Behältern gesammelt werden. So braucht man weniger Wasser zum Spülen.

Trockentoiletten schonen also nicht nur die Ressource Wasser, sondern kommen auch ohne Chemie aus. Und wenn es nach dem Willen mancher Hersteller geht, soll es sogar noch einen Schritt weitergehen: So wollen etwa die S’Klo-Gründer Einwald und Heizmann irgendwann die in Behältern gesammelten Hinterlassenschaften nicht mehr zur Kläranlage bringen, sondern als natürlichen Dünger verwenden.

Trockentoilette von s'klo
Trockentoiletten von s’Klo können für verschiedene Zwecke verwendet werden, zum Beispiel für Veranstaltungen. (Foto. Philipp von Ditfurth/dpa)

Rechtliche Einschränkungen

Doch steht derzeit noch die Gesetzeslage der Nutzung der Fäkalien als Dünger entgegen. Menschliche Exkremente dürften nach den abfallrechtlichen und düngerechtlichen Bestimmungen nicht als eine Art Kompost genutzt werden, teilt das Bundesumweltministerium mit. Der Grund: Krankheitserreger, (gegebenenfalls resistente) Keime, Hormone und Arzneimittelrückstände aus dem Kot könnten sich verbreiten. Nicht ausgeschlossen werden könne darüber hinaus, dass auch andere Materialien in die Komposttoilette gelangen, die zusätzliche Schadstoffe und Fremdstoffe enthalten können.

Eine landwirtschaftliche und gärtnerische Nutzung von Kompost-Düngemitteln erfolge grundsätzlich im besonders sensiblen Bereich der Lebensmittel- und Futtermittelherstellung, argumentiert das Ministerium. „Über die Nahrungskette ist mithin eine Aufnahme beispielsweise von Arzneimittelrückständen und Hormonen durch Menschen und Tiere nicht ausgeschlossen“, hieß es. Diese unter anderem seuchenhygienischen Aspekte müssten gelöst werden, bevor es rechtliche Änderungen geben könne.

Dünger aus menschlichem Kot

Forschungsprojekte laufen bereits, um menschlichen Kot zu Dünger zu machen. So verweist das Ministerium beispielsweise auf ein Versuchsprojekt der Firma Finizio aus Eberswalde in Brandenburg. In einer Pilotanlage werde Humusdünger aus menschlichen Exkrementen hergestellt. In einem Feldversuch sei dieser auf Freilandflächen verteilt worden. „Dieses Versuchsprojekt wird durch das Land Brandenburg mit EU-Mitteln gefördert.“

Von Finizio heißt es, dabei würden zahlreiche Proben unter anderem des Bodens und der Pflanzen etwa auf pH-Wert, Salzgehalt und allerhand chemischer Elemente und Verbindungen genommen. Die Ernte der im Herbst ausgesäten Pflanzen ist für den Sommer geplant. Bis endgültige Ergebnisse vorliegen wird es also noch eine Weile dauern. Noch länger wären die nötigen Schritte für Gesetzesänderungen.

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