Wasserknappheit: Die wichtigsten Ursachen und Auswirkungen des Wassermangels

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Wasserknappheit ist für Milliarden von Menschen ein Problem. Wassermangel hat viele Ursachen – und dramatische Folgen. Aber wir können etwas dagegen tun.

Wasserknappheit auf einem wasserreichen Planeten?

Der Zugang zu sauberem Trinkwasser ist weltweit vielerorts nicht möglich.
Der Zugang zu sauberem Trinkwasser ist weltweit vielerorts nicht möglich. (Foto: CC0 / Pixabay / 3345408)

Aus dem Weltraum betrachtet sieht die Erde vor allem blau aus – kein Wunder, denn rund zwei Drittel der Erdoberfläche sind von Wasser bedeckt. Wir können aber nur einen winzigen Bruchteil davon nutzen: Der überwiegende Teil des Wassers ist Salzwasser, nur 2,5 Prozent sind Süßwasser.

Von diesem Süßwasser wiederum sind zwei Drittel in Eis, Schnee oder Gletschern gebunden, so die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). Daher sind nur ungefähr 30 Prozent des Süßwassers für Menschen nutzbar. Leicht zugängliches Wasser wie in Seen oder Flüssen macht nur etwa 0,3 Prozent des Süßwassers und 0,008 Prozent des gesamten weltweiten Wasservorkommens aus – und das ist auch noch sehr ungleichmäßig verteilt.

Die Folge davon: Laut statista haben in Afrika 74 Prozent der Menschen keinen Zugang zu sicheren Trinkwasserquellen, im östlichen Mittelmeerraum sind es 44 Prozent, in Nord- und Südamerika 18 Prozent und in Europa immerhin noch neun Prozent.

Wasserknappheit kann laut UN Water zweierlei bedeuten: Entweder die Bevölkerung eines Landes oder einer Region leidet unter Wasserknappheit, weil es schlicht an der Infrastruktur mangelt, die den Menschen den Zugang zum Wasser erlauben würde. Das Wasser wäre zwar da, aber ist für die Menschen nicht erreichbar. Das nennt die UNESCO dann wirtschaftliche Wasserknappheit. Oder aber es herrscht ein tatsächlicher Wassermangel.

Tatsächliche Wasserknappheit

Bei verfügbarem Wasser müssen wir unterscheiden zwischen fossilem Wasser und erneuerbaren Wasservorräten. Fossiles Wasser hat sich vor langem meist in großen Tiefen angesammelt und wird nicht aufgefüllt. Erneuerbaren Wasservorräten entstehen immer wieder durch Niederschläge, oberirdische oder unterirdische Zuflüsse oder Neubildung von Grundwasser, so Spektrum.

Wenn sich nun weniger als 1000 Kubikmeter pro Kopf und Jahr neu bilden, dann spricht die Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) von Wasserknappheit. Aber auch die Wasserentnahmemenge muss dabei miteinbezogen werden: Liegt die Wasserentnahme über dem sich erneuernden Wasser, dann herrscht tatsächliche Wasserknappheit. Das ist derzeit in zehn Staaten von den 178, von denen es Daten gibt, so. Die Liste wird angeführt von Kuwait. In dem regenarmen Land bilden sich jährlich nur fünf Kubikmeter Wasser pro Kopf neu, entnommen werden aber 447 Kubikmeter pro Kopf pro Jahr. Das entnommene Wasser übersteigt das sich neubildende also um 2075 Prozent.

Auf Kuwait folgen die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi Arabien, deren Wasserverbrauch das neugebildete Wasser ebenfalls um fast das 1000- bis 2000-fache übersteigt.

Die Zahlen aus dem Weltwasserbericht der UNESCO sind ebenso erschreckend: Laut der UNESCO leben zwei Milliarden Menschen in Ländern mit Wassermangel und etwa vier Milliarden Menschen erleben jährlich mindestens einen Monat mit schwerer Wasserknappheit.

Die wichtigsten Ursachen für Wasserknappheit

Reis steht beim Anbau im Wasser.
Reis steht beim Anbau im Wasser. (Foto: CC0 / Pixabay / HoangTuan_photography)

Wo es zu Wasserknappheit kommt, spielen häufig viele verschiedene Faktoren zusammen – und der Mensch ist für einige davon verantwortlich:

  • Im weltweiten Durchschnitt verursacht die Landwirtschaft 70 Prozent des Wasserverbrauchs, die Industrie 20 Prozent und der kommunale Verbrauch liegt bei zehn Prozent. In Europa und Nordamerika nimmt die Industrie sogar 50 bis 70 Prozent des Wassers in Anspruch.
  • Besonders der Anbau von Baumwolle, Reis und Zuckerrohr benötigen viel Wasser, so der WWF.
  • Häufig hat die Landwirtschaft schon aufgrund ineffizienter Bewässerung große Wasserverluste zu verzeichnen: Offene Gräben leiten das Wasser zum Einsatzort oder das Wasser wird großflächig über die Äcker gespritzt, statt nur die Pflanzen selbst zu bewässern. Dabei geht viel Wasser durch Verdunstung verloren.
  • Seit den 1980ern steigt unser weltweiter Wasserverbrauch um etwa ein Prozent jährlich – aufgrund wachsender Bevölkerung und der steigenden Nachfrage der Industrie.
  • Dazu kommt, dass weltweit Düngemittel und Pestizide oder Schadstoffe aus der Industrie das Grundwasser immer stärker belasten.
  • Die Klimakrise wird die Wasserknappheit im asiatisch-pazifischen und im arabischen Raum noch verstärken: Die zunehmenden Naturkatastrophen beschädigen häufig die Infrastruktur für die Bereitstellung von Wasser und Überflutungen verseuchen Wasservorräte. Wetterextreme machen die Niederschläge unberechenbarer. Häufig werden trockene Regionen in Folge der Klimakrise noch trockener.
  • Die steigenden Temperaturen durch die Klimakrise führen außerdem zu einem erhöhten Wasserbedarf in der Landwirtschaft.
  • Fracking benötigt und verseucht große Mengen an Wasser, die in die gebohrten Hohlräume gepumpt werden, um Öl an die Oberfläche zu transportieren. Auch umliegende Grundwasservorräte sind davon bedroht, so der Spiegel.

Die Auswirkungen von Wasserknappheit

Dürre, Ernteausfälle, Flucht - mögliche Folgen der Wasserknappheit
Dürre, Ernteausfälle, Flucht – mögliche Folgen der Wasserknappheit (Foto: CC0 / Pixabay / daeron)

Die Auswirkungen dieser Wasserknappheit sind immens und haben Einfluss auf Mensch und Umwelt:

  • Zu wenig Wasser heißt Ernteausfälle und kann zu Ernährungskrisen und Hungersnöten in den betreffenden Gebieten führen.
  • Mittlerweile sind bereits ein Drittel der weltweiten Grundwasservorkommen unter Stress(UN Water). Vielerorts werden große Grundwasserreservoirs ausgebeutet, das Grundwasser ausgeschöpft und der Grundwasserspiegel sinkt.
  • Der fehlende Zugang zu sauberem Wasser befördert die Ausbreitung von Krankheiten. Es kann schnell zu Epidemien kommen.
  • Viele Menschen sind gezwungen, vor der Wassernot zu fliehen.
  • Es kommt zu Konflikten um das nasse Gut.
  • Städte in Mexiko oder Touristenorte in Mallorca müssen bereits von Tanklastern oder Tankschiffen mit frischem Wasser versorgt werden, so Planet Wissen.
  • Der Aralsee, ursprünglich das viertgrößte Binnengewässer der Welt, ist heute nicht viel mehr als eine Pfütze und stark von Versalzung betroffen, so die Welt. Schuld daran ist die Bewässerung von riesigen Baumwollfeldern in Kasachstan und Usbekistan.
  • Auch andernorts trocknen Seen und Flüsse aus.
  • Weltweit geht das nutzbare Trinkwasser stetig zurück: Zwischen 1992 und 2007 ging das nutzbare Trinkwasser in 58 Ländern um mehr als zehn Prozent, in 38 Ländern um mehr als 20 Prozent und in 21 Ländern um mehr als 30 Prozent zurück, so der Spiegel.

Was tun gegen Wasserknappheit?

Jeder von uns kann versuchen, seinen Wasserfußabdruck so gering wie möglich zu halten.
Jeder von uns kann versuchen, seinen Wasserfußabdruck so gering wie möglich zu halten. (Foto: CC0 / Pixabay / StockSnap)

Auch wenn wir in Deutschland in den meisten Gebieten nicht akut von Wasserknappheit bedroht sind, kannst du etwas gegen Wassermangel in anderen Regionen tun. Dazu gehört nicht zuletzt, dass auch wir einen respektvollen Umgang mit der kostbaren Ressource Wasser pflegen. Das kannst du gegen Wasserknappheit tun:

  • Nutze Regenwasser: Regenwasser lässt sich vielfältig nutzen, zum Blumengießen, Wäsche waschen oder sogar für die Toilettenspülung – das spart kostbares Trinkwasser.
  • Vermeide Produkte, die viel Wasser in sowieso schon wasserarmen Regionen verbrauchen, z.B. Avocados oder Reis.
  • Kaufe Produkte möglichst aus biologischer Landwirtschaft – das belastet das Grundwasser und die Gewässer weniger, weil für sie kein Dünger und keine Pestizide eingesetzt wurden.
  • Ernähre dich möglichst vegetarisch oder vegan: Laut Brot für die Welt benötigt die Herstellung von einem Kilo Futtersoja 2000 Liter Wasser. Ein Kilo Rindfleisch verbraucht umgerechnet also 15 000 Liter Wasser.
  • Kaufe Kleidung Second-Hand: Der Baumwollanbau und das Färben von Kleidung braucht viel Wasser und letzteres belastet das Wasser häufig stark mit Schadstoffen.
  • Erkundige dich beim Kauf von neuen Produkten, wie viel virtuelles Wasser sie haben, also wie viel Wasser sie bei ihrer Herstellung verbrauchen. Mach dich schlau, ob es nicht auch wasserschonendere Alternativen gibt.
  • Berechne deinen eigenen Wasserfußabdruck, also die Menge Wasser, die du einschließlich des virtuellen Wassers durch deinem Konsum verbrauchst. Finde heraus, wo dein Wasserverbrauch besonders hoch ist und du vielleicht noch sparen kannst. Im Internet findest du dafür Rechner, die dir helfen, das abzuschätzen.
  • Unterstütze Projekte und Vereine wie Viva con Agua. Der Verein kämpft für den weltweit sicheren Zugang zu sauberem Trinkwasser und den Bau von sanitären Anlagen. Unterstützen kannst du entweder durch Spenden oder indem du das Mineralwasser von Viva con Agua kaufst. Mit dessen Einnahmen werden Wasserprojekte weltweit unterstützt.Das Start-Up Goldeimer, das aus Viva con Agua heraus entstanden ist, baut mithilfe der Einnahmen vom Verkauf von Klopapier weltweit Toiletten.
  • Auch die Aufforstung von Wäldern hilft gegen Wasserkanppheit. Wasser wird gespeichert, weil Bäume ein Kleinklima schaffen und den Boden vor Verdunstung abschirmen. Du kannst zum Beispiel Organisationen wie Plant-for-the-Planet unterstützen, die sich für die Aufforstung einsetzen.

Laut des UNESCO-Weltwasserberichts brauchen wir weltweit ein Wassermanagement, das sich die natürlichen Strategien der Umwelt zunutze macht: Aufforstung, die Wiederherstellung von Feuchtgebieten, Begrünung von Dächern oder wasserdurchlässige Bodenbeläge und mehr Grünflächen in den Städten, damit Regenwasser gesammelt und gespeichert statt in die Kanalisation geleitet wird oder gleich wieder verdunstet. Aber auch die Abwässer müssen weltweit besser gereinigt und gesäubert werden.

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(1) Kommentar

  1. in Europa wird seit dem 17, 18 Jahrhundert trockengelegt, wird Land „gewonnen“. Sümpfe und Moore verschwinden, da helfen auch die paar Rückhaltebecken nicht viel. Und wenn die Alpengletscher erst mal weg sind, was nicht mehr lange dauern wird, dann fehlt im Sommer auch noch das Schmelzwasser. Dann wird es richtig lustig und die Forellen müssen laufen lernen.