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Wasserknappheit: Gibt es bald Trinkwassermangel in Deutschland?

Herrscht in Deutschland bald Wasserkanppheit oder Wassermangel?
Foto: CC0 Public Domain – Pixabay/ manfredrichter

Hitze und Dürre beherrschen die Medien – auch von Wasserknappheit wird häufig berichtet. Doch wie schlimm ist die Situation hier in Deutschland? Wird bei uns das Wasser knapp?

Die Medienberichte der letzten Wochen machen klar: Das wird kein leichter Sommer. In Kanada wird aktuell ein Temperaturrekord nach dem anderen gebrochen und auch Deutschland hat bereits die erste Hitzewelle des Jahres hinter sich. Wenn dieser Sommer wieder mit heißen Temperaturen und gebietsweisen Dürren einhergeht, hat das nicht nur Konsequenzen für die Landwirtschaft, die Wälder und viele Wildtiere. Auch auf den Wasserhaushalt würde sich das auswirken. Doch wie genau und wie schlimm ist die Lage aktuell? Gibt es bald Wasserknappheit in Deutschland?

Wie viel Wasser brauchen wir?

Mit dem Wasser ist es wie mit allem: Wenn die Nachfrage größer ist als das Angebot, haben wir ein Problem. Und die Nachfrage ist groß: 120 bis 123 Liter Trinkwasser verbraucht eine Person in Deutschland an nur einem Tag. Das ist etwas weniger als in eine Badewanne passt. Davon trinken wir im Schnitt aber nur 1,5 bis zwei Liter, der Rest wird verwendet fürs Duschen, Waschen, die Klospülung et cetera.

Bei 83 Millionen Deutschen kommt man auf eine ganze Menge Badewannen. Und das sind nur wir Verbraucher:innen – an anderen Stellen wird viel mehr Wasser verbraucht.

Die Wassergewinnung in Deutschland nach verschiedenen Sektoren
Die Wassergewinnung in Deutschland nach verschiedenen Sektoren (Daten: Umweltbundesamt)

Laut Umweltbundesamt haben im Jahr 2016 die öffentliche Wasserversorgung, die Industrie (Energieversorger, Bergbau, verarbeitendes Gewerbe) und die Landwirtschaft 24 Milliarden Kubikmeter Wasser aus Grund- und Oberflächengewässern entnommen. Fast 53 Prozent davon entnahmen Energieversorger – sie nutzen das Wasser vor allem als Kühlwasser, unter anderem für Kohle- und Atomkraftwerke. Die öffentliche Wasserversorgung war mit 21,7 Prozent beteiligt, die Landwirtschaft mit gerade mal 1,3 Prozent.

Dass wir unser Wasser so intensiv nutzen, ist erstmal nicht schlimm, denn Deutschland ist ein wasserreiches Land. Uns steht also steht viel mehr Wasser zur Verfügung, als wir entnehmen. Laut Umweltbundesamt waren es 2016 gerade mal 12,8 Prozent, kritisch wird es erst ab einer Entnahme von 20 Prozent (Wasserstress).

Doch der Klimawandel stellt unseren Wasserkreislauf vor Probleme, wie unter anderem die letzten Jahre gezeigt haben.

Herrscht in Deutschland schon Wasserknappheit?

„Abgesehen von regionalen Ausnahmen bestehen im Hinblick auf die Grundwassermenge keine Probleme“, schreibt das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU). Allerdings sei das Wasserangebot in den einzelnen Regionen aufgrund der unterschiedlichen Niederschlagsmengen, Ergiebigkeit der Grundwasservorkommen oder Verfügbarkeit von Oberflächengewässern recht unterschiedlich, ebenso wie der Wasserbedarf, der in Ballungsgebieten besonders groß ist.

Welche Folgen diese Unterschiede haben können, hat uns der letzte Sommer gezeigt: Damals wurden in verschiedenen Orten das Wasser knapp. Die hessische Gemeinde Grävenwiesbach rief beispielsweise den Trinkwassernotstand aus und in Lauenau gab es Trinkwasser kurzzeitig nur noch im Supermarkt zu kaufen. In beiden Fällen war die lange Trockenheit Grund für den Notstand.

Im Moment hält sich der Wassermangel noch in Grenzen – doch in naher Zukunft könnte das anders sein. Denn auch wenn sich Trinkwasserknappheit 2018 oder 2019 auf „lokale Einzelfälle“ beschränkt hat, waren in vielen Talsperren und auch in anderen Rohwasserquellen, wie einzelnen Grundwasserstockwerken, kaum noch Reserven vorhanden. Das erklärte uns Dietrich Borchardt vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, der dort das Department Aquatische Ökosystemanalyse und Management leitet. „Das System war an vielen Stellen bis an kritische Grenzen beansprucht“, warnt Borchardt. „Da das Wetter zukünftig noch etwas extremer wird, müssen wir genau hinschauen, ob die Wasservorräte noch reichen.“

Wie sich der Klimawandel auf unser Wasser auswirkt

Das Frühjahr 2021 war niederschlagsreich, besonders der Mai, doch Deutschland hat drei Dürrejahre hinter sich – das hat sich auch im Boden bemerkbar gemacht. Laut dem Dürremonitor des Helmholtz Zentrums für Umweltforschung ist der Oberboden bis 25 Zentimeter Tiefe aktuell fast überall in Deutschland nicht sonderlich trocken (Stand: 30.06.2021). Doch bis 1,8 Meter Tiefe konnte sich der Boden nicht so schnell erholen. Vor allem im Osten des Landes leiden Böden gebietsweise unter extremer und sogar außergewöhnlicher Dürre.

Mit dem Dürremonitor wertet das Helmholtz-Zentrum aus, wie trocken der Oberboden (links) und der Gesamtboden (rechts) in Deutschland sind.
Mit dem Dürremonitor wertet das Helmholtz-Zentrum aus, wie trocken der Oberboden (links) und der Gesamtboden (rechts) in Deutschland sind. (Grafiken: UFZ-Dürremonitor/ Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, Stand: 30. Juni 2021)

Diese Trockenheit wirkt sich unter anderem auf die Schifffahrt, Wälder und die Landwirtschaft aus – aber auch auf unser Grundwasser. Martin Weyand, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), erklärte gegenüber dem ZDF, dass wir als Folge des dritten Trockenjahres ein Absinken des Grundwasserspiegels zu verzeichnen hätten. Dieser Effekt lässt sich auch durch gelegentlichen Starkregen nicht umkehren, weil es Jahre braucht, bis Regenwasser zum Grundwasser durchgedrungen ist. „Es müsste im Prinzip über mehrere Jahre hintereinander ordentlich regnen, damit sich der Grundwasserspiegel wieder regeneriert„, so der Experte.

Ähnlich sieht das Dietrich Borchardt vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung. Er warnt: „Der Klimawandel macht sich auch im Wasserkreislauf bemerkbar.“ Zwar erwarte man in Deutschland im Mittel nicht weniger Niederschlag, aber die räumliche Verteilung werde sich ändern: „Schon heute trockenere Gegenden in Deutschland werden noch trockener, feuchtere werden gegebenenfalls feuchter.“ Auf diese Weise wird örtliche Wasserknappheit wahrscheinlicher. Der Experte warnt auch, dass ausgeprägte Dürreperioden gepaart mit Hitzewellen wahrscheinlich häufiger werden und länger andauern, in Regenperioden werde es mehr Starkregenereignisse geben.

Und wann wird es soweit sein? Lange dauern wird es laut Borchardt nicht mehr. Derzeit seien die Veränderungen durch den Klimawandel noch moderat. Doch selbst wenn wir es schaffen, die globale Erwärmung auf 1,5 Grad zu beschränken, bedeute dies, dass Jahre wie 2018 spätestens ab etwa 2040 oder 2050 die Normalität werden. „Jedes Emissionsszenario, das schlechter ist als das 1,5-Grad-Ziel, wird diese Tendenzen noch einmal in Richtung Extremwetter verschärfen“, warnt der Experte.

Weitere Gründe für Wasserknappheit: Nitrat, Pestizide und Medikamente

Hinzu kommt, dass unser Wasser noch ganz anderen Gefahren ausgesetzt ist – unter anderem durch unsere Lebensweise. „Mindestens ein Drittel der Grundwasserkörper in Deutschland sind heutzutage so belastet, dass sie nur mit großem Aufwand, wenn überhaupt, zu Trinkwasser genutzt werden können“, erklärt Dietrich Borchardt vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung.

Das gelte auch für Flüsse, mit deren Oberflächenwasser man Grundwasser teils künstlich anreichert. Die Stoffe, die es verunreinigen, stammen teils aus der Landwirtschaft (zum Beispiel Gülle, Pestizide), teils aus der Industrie (zum Beispiel Chemikalien) – aber zum Teil auch von uns Verbraucher:innen. Denn über das Abwasser verteilen sich Stoffe aus unseren Reinigungs-, Pflanzenschutzmitteln oder Medikamenten schließlich im gesamten Wasserkreislauf.

Wasserknappheit kann auch in Deutschland zum Problem werden.
Wasserknappheit kann auch in Deutschland zum Problem werden. (Foto: CC0 / Pixabay / Skitterphoto)

Tipps für einen bewussten Umgang mit Wasser

Wasserknappheit ist ein reales Problem für Deutschland. Sollten wir deshalb aktuell Wasser sparen? Schaden kann es auf jeden Fall nicht. Das geht zum Glück ganz einfach: Lieber Duschen statt Baden, einen sparsamen Duschkopf verwenden, die Waschmaschine nicht halbleer laufen lassen – all das kann einen großen Unterschied machen.

Dietrich Borchardt empfiehlt Hausbesitzer:innen zudem: Regenwasser in Zisternen speichern und nutzen – zum Beispiel für die Toilettenspülung oder um den Garten zu bewässern. Weitere Tipps findest du in unserem Artikel: Wasser sparen im Haushalt: 10 Tipps.

Doch es gibt auch andere Möglichkeiten, unser Trinkwasser zu schützen – hier ein paar Beispiele:

  1. Produkte mit hohem Wasserfußabdruck meiden oder bewusst konsumieren, zum Beispiel Schokolade (1.700 Liter), Rindfleisch (15.000 Liter – vegetarisch ist besser), Jeans (8.000 Liter – möglichst gebraucht kaufen), PC (20.000 Liter – möglichst lange nutzen).
  2. Reinigungsmittel mit seriösen Siegeln kaufen, die möglichst wenige Schadstoffe garantieren, und diese sparsam einsetzen.
  3. Abwasser nicht als Mülleimer nutzen: Arzneimittel,  Farbreste, Zigarettenkippen und Tierstreu haben im Abfluss nichts zu suchen!
  4. Mikroplastik vermeiden. Das gelangt zum Beispiel über Kosmetik, Synthetikwäsche oder Reiniger ins Abwasser und so in die Umwelt. Lies dazu am besten unsere Tipps gegen Mikroplastik.

Nationale Wasserstrategie: So will die Regierung unser Trinkwasser schützen

Wir Verbraucher:innen haben nur begrenzt Einfluss auf den Wasserhaushalt. Noch mehr muss die Politik dafür sorgen, dass wir auch in kommenden Jahren genügend Wasser für Verfügung haben. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) warnte Anfang Juni: „Drei Dürrejahre in Folge haben gezeigt, dass Deutschlands Wasserreichtum keine Selbstverständlichkeit mehr ist.“

Um Deutschlands Wasserversorgung zu sichern, stellte sie eine nationale Wasserstrategie vor (PDF). Diese sieht unter anderem vor, die Versorgungsnetze auszubauen, um auch Regionen mit wenig Wasser gut versorgen zu können. Auch soll unter anderem genauer erfasst werden, in welchen Regionen das Wasser knapp werden könnte. Um den ökologischen Zustand von Gewässern zu verbessern und sie widerstandsfähiger gegenüber dem Klimawandel zu machen, will der Bund eine Milliarde Euro über einen Zeitraum von zehn Jahren zur Verfügung stellen. An der Erarbeitung war auch Dietrich Borchardt beteiligt, ebenso wie zahlreiche weitere Expert:innen, Interessensverbände, NGOs – auch zufällig ausgewählte Bürger:innen hatten die Gelegenheit, ihre Ansichten zu äußern.

Die Nationale Wasserstrategie stellt verschiedene Lösungswege vor, um unser Trinkwasser besser zu verteilen und effizienter einzusetzen und hat auch bei Umweltschützer:innen Zuspruch gefunden. Doch wird der Ausbau der Versorgungsnetze voraussichtlich Zeit in Anspruch nehmen. Probleme wie Flächenversieglung oder der hohe Wasserverbrauch von Atom- und Kohleenergie stehen nicht im Fokus.

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