Forscherin entdeckt Plastik fressende Raupen

Foto: © César Hernández/CSIC

Eine Forscherin am spanischen Forschungsinstitut CSIC hat eine Raupe entdeckt, die in der Lage ist, Plastik zu fressen und zu verdauen. Der Fund könnte ein Durchbruch im Kampf gegen das Plastikmüllproblem sein.

Die Raupe der Großen Wachsmotte ernährt sich üblicherweise von Honig und Wachs in Bienenstöcken. Nun stellte sich heraus: Sie kann auch Polyethylen fressen – und so den eigentlich nicht biologisch abbaubaren Kunststoff abbauen.

Dass die Raupe Plastik frisst, fand die Wissenschaftlerin Federica Bertocchini durch Zufall heraus. Die Forscherin ist zugleich Hobby-Imkerin; sie entfernte eines Tages Würmer aus ihren Bienenstöcken und warf sie in eine Plastiktüte. Als sie später zur Tüte zurückkam war alles voller Würmer. „Sie waren aus der Plastiktüte entkommen obwohl sie geschlossen war und als ich nachsah, sah ich, dass die Tüte voller Löcher war. Es gab nur eine Erklärung: Die Würmer hatten die Löcher gemacht“, sagt Bertocchini.

Ihre Beobachtung war der Anfang der wissenschaftlichen Erforschung der Raupen.

Warum die Entdeckung wichtig ist

Polyethylen (PE) ist der weltweit am meisten verwendete Kunststoff: Pro Jahr werden etwa 80 Millionen Tonnen PE hergestellt. Der Kunststoff wird für Verpackungen aller Art verwendet, zum Beispiel Plastiktüten, Frischhaltefolie, Getränkekarton-Beschichtungen und Flaschen.

Wie alle anderen herkömmlichen Kunststoffe wird auch PE in der Regel auf Basis von Erdöl produziert, ist nicht biologisch abbaubar und braucht bis zu 400 Jahre um zu zerfallen.

Raupen fressen Plastik
Innerhalb von 30 Minuten haben 10 Raupen dieses Stück Plastik zerfressen. (Foto: © César Hernández/CSIC)

Zumindest ist das bis jetzt so; die weitere Erforschung der Raupe der Großen Wachsmotte könnte das vielleicht ändern. Die Wissenschaftler – Forscher des spanischen CSIC und der Universität Cambridge – haben ihre Entdeckung bereits patentieren lassen.

„Plastik ist ein globales Problem. Heutzutage findet man überall Abfall, auch in Flüssen und Ozeanen. Insbesondere Polyethylen ist sehr robust und sehr schwierig auf natürliche Weise abzubauen,“ sagt Bertocchini, die eigentlich für das Institut für Biomedizin und Biotechnologie an der Universtität Cantabria arbeitet.

Schneller Abbau von Plastik

In zahlreichen Experimenten testete sie gemeinsam mit dem Forscherteam, wie effizient die Würmer beim biologischen Abbau von PE wirklich sind. Das Ergebnis: 100 Wachswürmer sind in der Lage 92 Milligramm PE in 12 Stunden abzubauen. Das sei ein enorm schneller Abbau, so Bertocchini.

Den Forschern zufolge ist die Zusammensetzung von Bienenwachs der von PE nicht unähnlich. Sie vermuten, dass so die Fähigkeit der Raupe entstanden ist, die Substanzen zu verdauen. „Wir wissen immer noch nicht genau, wie dieser biologisch Abbau funktioniert, aber es gibt die Vermutung, dass ein Enzym dafür verantwortlich ist“ sagt Bertocchini.

Raupen fressen Plastik
Raupen der Großen Wachsmotte im Labor (Foto: © César Hernández/CSIC)

Im nächsten Schritt wollen die Wissenschaftler dieses Enzym nun finden, isolieren und es in vitro (im „Reagenzglas“) in größerem Maßstab zu produzieren. Im Idealfall könnte das der Beginn einer neuen Technologie sein, die Plastik endlich erfolgreich beseitigen kann.

Utopia meint: Die Entdeckung, dass herkömmliches Plastik womöglich doch auf natürliche Weise abbaubar ist, ist spektakulär. Um schon große Hoffnungen in den Fund zu setzen, sind die Details noch zu unklar – doch es lohnt sich, den weiteren Fortschritt der Wissenschaftler zu verfolgen.

English version available: Scientists Discover Plastic-Eating Caterpillars

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(8) Kommentare

  1. also die vermeidung von plastik ist sicher gescheiter! was passiert mit der raupe durch das futtern von plastik? jedes futter beeinflusst doch den organismus. ich möchte nicht wissen was das für ein tier wird ????

  2. Aha, Raupen fressen Plastik. Also wenn ich das genau lese, so haben die Raupen lediglich Löcher in die Plastiktüten gefressen um sich daraus zu befreien. Ratten fressen auch Plastik um an den Inhalt der Tüte zu kommen. Viele Fische fressen Plastik und Vögel sowieso – zumindest verrät es deren Mageninhalt. Wie sieglinde schon schreibt, ist doch die Frage, ob der Organismus Plastik verwerten kann und das bezweifle ich. MIr ist auch nicht klar, wie die Motten an den Plastikmüll kommen sollen, der im Meer herumschwimmt und eigentlich unser drängendstes Problem in der Plastikmüllfrage ist. An Land haben wir schließlich ausreichend Möglichkeiten, Plastik dem Recycling und vor mir aus auch der thermischen Verwertung zuzuführen.

  3. STellt Euch vor, die mögen das und es nährt sie wirklich. Wir würden mit dem Plastikabfall eine Megapopulation an Motten züchten. Wären die in Gebäuden, von der Umwelt getrennt? Würde es sich dann noch lohnen? Oder nähme nmensch in Kauf, daß die herumfliegen und eventuell leckere Bienenwaben finden, die sie dann in unermesslicher Anzahl überfallen? Das Szenario ist unvorstellbar, daß wir selbst die endgültige Zerstörung der Bienen in die Wege leiten.

  4. Was passiert mit den Ausscheidungen der Raupen? Ist das dann Mikroplastik vom Feinsten? Wie verträglich ist das?
    Also ein Ende der Plastikproblematik sehe ich damit nicht in Sicht.
    Plastik ist ja auch deshalb ein Problem, weil die Ressourcen, aus der sie gemacht sind, endlich sind.
    Also lieber weniger produzieren und diese recyclen statt an Raupen verfüttern.

  5. Hinweis: Im Artikel wird deutlich ausgeführt, dass jetzt daran gearbeitet wird, das für die Verdauung des Plastik verantwortliche Enzym zu isolieren. Es ginge in der Perspektive also wohl eher darum, mit diesem Enzym das Plastikmüllproblem anzugehen, und wohl nicht darum, Massen von diesen Würmern dazu einzusetzen!

  6. Ich finde es nicht schlecht, dass es eventuell einen Fortschritt der Forschung im Plastikabbau geben könnte, aber ein Patent auf eine Raupe und ihr Enzym, dass die Natur geschaffen hat? Das ist anmaßend.