12 Tipps, was du gegen Mikroplastik tun kannst

Mikroplastik vermeiden: Tipps
Fotos: © Utopia

Robben, Schildkröten und Vögel, die sich in Plastikteilen verheddern – solche traurigen Bilder sind zum Symbol für das Plastikmüll-Problem in den Meeren geworden. Ein mindestens genauso großes Problem ist beinahe unsichtbar: Mikroplastik.

Sie sind ein Bestandteil vieler Pflegeprodukte. Durch Peelings, Duschgels sowie durch Kunstfaser-Kleidung landen Plastikpartikel im Abwasser und damit in Flüssen, Seen und Meeren. Doch auch wenn größere Plastikmüll-Teile in der Natur landen und zerfallen, entsteht Mikroplastik.

Die kleinen Plastikteilchen ziehen Schadstoffe an und Meereslebewesen verwechseln sie mit Nahrung – die Tiere fressen so nicht nur Plastik, sondern auch Gift. Wer Fisch oder Meeresfrüchte isst, kann das alles auf seinem Teller wiederfinden. Die Folgen für die Ökosysteme, die Tierwelt und auch unsere Gesundheit können wir heute noch kaum absehen, dass das Mikroplastik unumkehrbare Schäden anrichtet, ist aber ziemlich klar.

Ob es der Menschheit gelingen wird, all den Plastikmüll und das Mikroplastik wieder aus den Meeren zu fischen, ist mehr als fraglich. Deshalb ist es entscheidend, jetzt dafür zu sorgen, dass nicht noch mehr davon in die Gewässer gelangt. Mit diesen Tipps kannst du dabei helfen.

1. Kaufe keine Pflegeprodukte oder Kosmetika mit Mikroplastik

Noch immer enthalten viele Peelings kleine Plastikkügelchen, die schlecht aus dem Abwasser gefiltert werden können. Doch auch in Duschgels, Shampoos, Sonnencremes, Lippenstifte, Puder usw. ist oft Plastik enthalten – in Form von flüssigen Kunststoffen.

Mikroplastik in Kosmetik vermeiden

Trotz der Versprechen vieler Hersteller, kein Mikroplastik mehr zu verwenden, werden solche flüssigen, gel- und wachsförmigen Kunststoffe weiter verwendet. Greenpeace fand erst kürzlich in allen untersuchten Produkten herkömmlicher Kosmetikmarken Plastik. Nur Naturkosmetik-Produkte waren plastikfrei.

Um Mikroplastik in Kosmetik zu meiden, musst du auf der Inhaltsstoffliste ganz genau hinsehen – oder einfach Produkte zertifizierter Naturkosmetik-Hersteller kaufen, denn diese sind immer frei von erdölbasierten Stoffen wie Kunststoff.

Mehr Tipps: So erkennst du Plastik in Pflegeprodukten und Kosmetik

2. Meide Plastikverpackungen

Auch wenn wir unseren Plastikmüll (meistens) trennen – auf verschiedenen Wegen landet Plastik dennoch oft in den Gewässern. Dort zerfällt es mit der Zeit in immer kleinere Teilchen: Mikroplastik. Auf Plastik vollständig zu verzichten ist schwierig, aber in vielen Situationen können wir Kunststoffverpackungen locker meiden: Gemüse und Obst gibt es unverpackt in guten Bioläden, auf dem Wochenmarkt oder in der Ökokiste, Plastiktüten kannst du längst durch Stofftaschen und Netze ersetzen, selbst Käse und Wurst sowie deinen Coffee-to-go bekommst du oft in eigene Behälter abgefüllt – und Leitungswasser braucht sowieso kein Plastik.

Mehr Tipps: Leben ohne Plastik: Diese einfachen Tipps kann jeder umsetzen

3. Versuche keine Kleidung aus Synthetikfasern zu kaufen

Kleider, die Kunststoffgewebe wie Polyester, Mikrofaser, Elasthan oder Nylon enthalten, verlieren bei jeder Wäsche winzige Faserteilchen. Den Großteil kann weder die Waschmaschine noch die Kläranlage aus dem Wasser filtern. So landen diese winzigen Plastikfasern in den Gewässern.

Mikroplastik vermeiden: Tipps
Im Idealfall meidest du Kleidung, die Kunstfasern enthält, ganz. (Foto: © Utopia)

Nicht nur Sportkleidung oder Fleece, sondern extrem viele Klamotten enthalten Synthetikfasern, auch ganz „normale“ Tops, Leggings oder Socken – ganz besonders oft aber Billigmode. Schau beim Kauf immer ganz genau auf das Etikett.

4. Informier dich und andere: Schau „The Story of Microfibers“ an

Der neueste Film vom „Story of Stuff Project“ erklärt auf anschauliche Weise, was Kleidung aus synthetischen Materialien mit Mikroplastik im Meer zu tun hat  – und warum  auch ein Fleece aus recycelten Plastikflaschen nicht wirklich eine gute Idee ist. Tolles Video, um auch Freunde auf das Problem aufmerksam zu machen!

5. Wasche Kleidung aus Synthetikfasern möglichst selten

Viele Menschen waschen Kleidung viel öfter als nötig – das ist immer ein Energie-Problem, aber bei Kleidung aus Kunstfasern ist es auch ein Mikroplastik-Problem. Achte darauf, solche Klamotten wirklich nur dann zu waschen, wenn es unbedingt sein muss. Tipp: Oft hilft auch einfach auslüften.

6. Kaufe Kleidung aus Baumwolle & Co.

Statt Kleidung aus Kunstfasern sollten wir besser Kleidung aus Naturfasern kaufen: Stoffe aus Baumwolle, Wolle, (pflanzlicher) Viskose, Holzfasern (Lyocell,  Modal) oder Hanf können bei der Wäsche zwar ebenfalls Fasern verlieren, aber diese sind biologisch abbaubar. Zudem bestehen sie nicht aus Erdöl und sind weniger bedenklich für deine Gesundheit. Selbst Sportkleidung stellen einige Labels aus Naturfasern her.

Mikroplastik-Tipps: Kleidung aus Baumwolle kaufen
Kleidung aus 100% Biobaumwolle hinterlässt keine schädlichen Fasern. (Foto: © Utopia)

7. Verwende keine Putztücher aus Mikrofaser

Putz- und Spültücher bestehen besonders oft aus Mikrofaser. Sie verlieren genau wie Kleidung bei der Wäsche winzige Kunstfasern. Putzen geht genauso gut mit Baumwolltüchern oder Stoffresten, zum Beispiel von alter Bettwäsche oder Geschirrtüchern.

Übrigens: Auch Bettwäsche und Handtücher enthalten mitunter Kunstfasern.

8. Leere das Flusensieb von Waschmaschine und Trockner niemals in den Abfluss

Wenn du die angesammelten Fusseln aus dem Sieb von Waschmaschine oder Trockner entfernst, achte unbedingt darauf, diese im Mülleimer und niemals im Waschbecken oder der Toilette zu entsorgen, sonst gelangen auch noch die Fasern, welche das Sieb zurückhalten konnte ins Abwasser.

9. Meide Weichspüler

Eine Studie von 2016 untersuchte, wann welche Fasern bei der Wäsche aus Synthetik-Kleidung gelöst werden. Sie stellte fest: Die Zugabe von Weichspülern könnte „tendenziell“ zu mehr gelösten Fasern führen. Lass den Weichspüler also sicherheitshalber lieber weg. Notwendig ist er sowieso nicht: Ein Schuss Essig oder Zitronensäure bringen fast denselben Effekt.

10. Halte die Augen offen nach „Guppy Friend“

Ende 2016 startete ein Crowdfunding für einen Waschbeutel namens „Guppy Friend“, der aus der Wäsche gelöste Fasern auffangen soll, so dass sie gar nicht erst ins Abwasser gelangen. Noch ist allerdings unklar, wann und ob es den Waschbeutel wirklich zu kaufen geben wird. Darum: Es lohnt sich, das Projekt zu verfolgen!

11. Fordere die Hersteller auf, sich um das Problem zu kümmern

Die Macher des Films „The Story of Microfibers“ haben eine Petition initiiert, die sie den größten Modeketten der Welt übergeben wollen. Die Forderung: „Übernehmt Verantwortung für die Mikrofaser-Verschmutzung!“ Wichtig ist dabei vor allem die Botschaft an die Unternehmen, dass ihre Kunden Bescheid wissen und sich eine Verbesserung wünschen. Hier kannst du die Petition unterzeichnen.

12. Informiere deine Freunde und Bekannten über das Problem

Je mehr Leute wissen, was Mikroplastik auf unserem Planeten anrichtet, desto größer die Chance, dass sie sich zur Wehr setzen und ihren Konsum überdenken. Darum erzähle deinen Freunden davon, was in ihren Kosmetika und Kleidern steckt. Und lass auch über Social Media möglichst viele Menschen wissen, was sie gegen die Mikroplastik-Verschmutzung tun können: Artikel auf Facebook teilen.

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(8) Kommentare

  1. ach du Schreck! peelings etc. und Co war mir klar. „Plastikklamotten“ auch…
    aber Microfasertücher? eigentlich logisch… aber ich lieb(t)e diese Tücher! ohne Putzmittel wird alles blitzblank in Bad und Küche. Sogar Teeflecken von der Teekanne gehen mühelos ab.
    wie bitte kriege ich diese Flecken mit einem Baumwolllappen weg?

  2. Es gibt neben den alten bekannten Stahlschwämmchen zum Töpfe reinigen auch Tücher aus winzigen Edelstahlringen,die reinigen hervorragend Glaskannen (Teekannen,Kaffeekannen oder Rotweindekantierer)

  3. Auf kickstarter.com läuft gerade ein Crowdfundig für ein Podukt namens Cora Ball. Das ist ein Ball, welcher Mikrofasern in der Waschmaschine auffangen kann. Klingt sehr spannend 🙂

  4. Kennt vielleicht jemand eine Möglichkeit, Mikroplastik aus dem Abwasser der Waschmaschine zu filtern ohne einen Rückstau zu verursachen?
    Das wäre wahrscheinlich besser, als nur einen „Guppy Friend“ zu nutzen. Der hat ja nur eine begrenzte Aufnahmefähigkeit. Größere Wäschestücke bekäme ich da vermutlich nicht hinein.

  5. Wie sieht es mit Brillenträgern aus? Da gibt es für unterwegs ja nur die Alternativen Brillenputztuch (plastikverpackt, steigert das Müllaufkommen) und einem Mikrofaser-Brillentuch. Wasser und Seife plus flusenfreies Tuch stehen ja nicht immer zur Verfügung. Oder gibt es da einen Tipp?

  6. Das ist glaube ich nicht so ein großes Problem, da sich die Plastikartikel ja bei der Wäsche beziehungsweise bei Kontakt mit Wasser herauslösen und zumindest ich putze meine Brille selten mit einem nassen Mikrofasertuch und wasche das auch nicht nach jeder Benutzung aus.

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