Bodenversiegelung: Bedeutung und warum sie so kritisch ist

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Auf Deutschlands Siedlungs- und Verkehrsflächen gibt es häufig Bodenversiedelung. Diese bringt schwere ökologische Folgen mit sich. Welche diese sind und was Bodenversiegelung ist, kannst du hier lesen.

Was ist Bodenversiegelung?

Neue Autobahnen, neue Gebäude, neue Industrieanlagen: In Deutschland wird viel gebaut. Und dafür werden immer neue Flächen erschlossen. 2018 nahmen Siedlungen und Verkehrsflächen 14 Prozent von Deutschlands Gesamtfläche ein. Ein großer Teil davon wird betoniert, asphaltiert, gepflastert oder bebaut. Kurz gesagt: Der Boden wird versiegelt.

Bodenversiegelung bedeutet konkret: Der Boden wird in einer Art und Weise befestigt, dass kein oder kaum noch Wasser im Boden versickern kann und kaum Gasaustausch zwischen Boden und Luft mehr stattfinden kann, so das Umweltbundesamt. Das gilt für die Flächen, auf denen Gebäude stehen, aber auch für freiliegende Flächen, die von einer Beton- oder Asphaltschicht bedeckt sind.

Bodenversiegelung in Zahlen

Noch immer wird in Deutschland auf ehemaligen Land- oder Forstwirtschaftsflächen gebaut.(Foto: CC0 / Pixabay / MichaelGaida)
Noch immer wird in Deutschland auf ehemaligen Land- oder Forstwirtschaftsflächen gebaut.

Laut dem Bundesverband Boden beanspruchen wir in Deutschland jede Sekunde acht Quadratmeter für neue Siedlungs- oder Verkehrsflächen. Insgesamt machten im Jahr 2018 Siedlungs- und Verkehrsflächen in Deutschland 51.315 Quadratkilometer aus, so die Datenplattform statista.

Von den Siedlungs- und Verkehrsflächen wiederum ist ungefähr die Hälfte des Bodens versiegelt. Ziel ist es, bis 2020 die Größe der Flächen, die täglich zum Bauen freigegeben wird, auf 30 Hektar pro Tag zu begrenzen. Darüber, ob die Politik das erreicht hat, gibt es noch keine aktuellen Einschätzungen. Bis vor zwei Jahren lag der tägliche Bodenverbrauch jedenfalls noch deutlich darüber – da war laut SWR der tägliche Verbrauch mehr als doppelt so hoch.

Immerhin: Das Tempo, mit dem der Boden versiegelt wurde, hat in den letzten Jahren nachgelassen. Waren es im Jahr 2000 noch 129 Hektar, die am Tag verbraucht wurden, so waren es 2014 im Durchschnitt täglich nur noch 63 Hektar.

Bodenbedrohung durch Bodenversiegelung

Warum genau ist die Versiegelung von großen Flächen überhaupt so kritisch für den Boden? Das hat zwei wesentliche Gründe:

  1. Die Bodenfruchtbarkeit geht zurück – der Boden stirbt. In einer Handvoll Bodenerde leben mehr Lebewesen, als es Menschen auf der Erde gibt. Wenn der Boden aber von Licht und vor allem von Sauerstoff abgeschlossen ist, kann kein Gasaustausch mehr stattfinden. Das Leben im Boden stirbt ab. Lange versiegelter Boden ist praktisch toter Boden. Häufig wird der fruchtbare Boden auch ausgebaggert und dann auf Deponien gefahren. Somit kommt es zum Verlust von Humus.
  2. Der Wasserhaushalt wird gestört. Auf versiegelten Flächen kann kein Regenwasser im Boden versickern. Deshalb fließt das Wasser stattdessen über die Kanalisation ab. So können sich die Grundwasservorräte nicht auffüllen, was zu Wasserknappheit führt, und das Wasser staut sich möglicherweise stellenweise und ruft Überschwemmungen hervor. Auch das Kleinklima wird zerstört: Der Boden und Pflanzen können auf Flächen mit Bodenversiedelung nicht wie sonst Wasser verdunsten und die Umgebung kühlen.

Und den Boden wieder entsiegeln? Das ist in der Regel mit viel Aufwand und Kosten verbunden. Auch nach der Entsiegelung des Bodens erreicht dieser nicht die gleiche Qualität wie zuvor. Die natürliche Struktur des Bodens bleibt zerstört und häufig verbleiben Reste der Baustruktur im Boden, also Beton- oder Asphaltreste.

 

Was tun gegen Bodenversiegelung?

Wir müssen umdenken: Statt Neubau Altes nutzen und sanieren(Foto: CC0 / Pixabay / congerdesign)
Wir müssen umdenken: Statt Neubau Altes nutzen und sanieren

Das Widersprüchliche an der großen Fläche, die wir nach wie vor versiegeln, ist: Obwohl unsere Bevölkerung eher ab- als zunimmt, steigt der Anteil der versiegelten Fläche nach wie vor. Das liegt auch daran, dass wir immer mehr Komfort und deshalb mehr Wohnfläche haben möchten. Das größte Potenzial, um den Flächenverbrauch und damit die Bodenversiegelung zu reduzieren, ist die bereits verbrauchten Flächen optimal zu nutzen. Das heißt: Gebäude so ausbauen, dass möglichst viel Wohnraum entsteht, Altbauten sanieren und nachträglich nachverdichten in städtischen Gebieten.

Auch du kannst mit diesem Gedanken im Hinterkopf einiges gegen Bodenversiegelung und Flächenverbrauch tun:

  • Umweltfreundlich renovieren statt neu bauen: Statt immer neue Flächen zu erschließen, ist es wichtig, schon bebaute optimal zu nutzen.
  • Überlege dir für dich persönlich, wie viel Raum zum Wohnen du wirklich brauchst.
  • Lass dich beim Neubau auch bezüglich wasserdurchlässiger Bodenbeläge beraten.
  • Achte auch auf versiegelten Flächen darauf, Regenwasser zu sammeln und zu nutzen.

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