Corona-Selbsttests: 11 Fragen, die auch nach zweieinhalb Jahren Pandemie noch offen sind

Corona-Selbsttests: Auch nach zwei Jahren Pandemie sind noch Fragen offen
Foto: Utopia.de / bw

Corona-Selbsttests begleiten uns seit vielen Monaten und gehören inzwischen zum Alltag dazu. Seit dem Ende der kostenlosen Corona-Bürgertests wird wieder öfter daheim getestet, mit einem Selbsttest. Wir haben bei den letzten Corona-Infektionen im Kolleg:innen- und Freundeskreis festgestellt: Noch immer sind viele Fragen zu den Schnelltests offen, noch immer kommt es zu Unsicherheiten und Anwendungsfehlern.

Die Bürgertests sind seit Anfang Juli nur noch in einigen wenigen Fällen kostenlos zu haben, ein PCR-Test ist in vielen Fällen nicht notwendig – es wird wieder vermehrt daheim per Corona-Selbsttest auf das Coronavirus getestet. Viele plagen sich derzeit mit einer Corona-Infektion und den Fragen, die sich dann plötzlich stellen. Dabei mussten wir feststellen: Obwohl uns Virus und Selbsttests gefühlt eine kleine Ewigkeit begleiten, tauchen doch immer wieder Fragen und Unsicherheiten auf. Damit das Ergebnis deines Schnelltests so zuverlässig wie nur möglich ausfällt, haben wir hier die wichtigsten Fragen zusammengefasst:

Fehler: Vorschnelles Ablesen des Ergebnisses

Einen Fehler solltest du in jedem Fall vermeiden: Dich vorschnell über ein negatives Testergebnis freuen. Die Control-Linie erscheint oft in Sekundenschnelle, man ist versucht, sich über das negative Ergebnis zu freuen und den Test gleich zu entsorgen. Aber: Die entscheidende Linie beim T-Strich (postiv oder negativ) braucht nicht selten deutlich länger, bis sie zu sehen ist. Deshalb immer die empfohlene Zeit (meist 15 Minuten) abwarten. Sowohl ein zu früh abgelesenes Testergebnis, als auch eines, das deutlich nach der vorgeschriebenen Zeit abgelesen wird, können fehlerhaft sein.

1. Reicht der Abstrich in einem Nasenloch?

Kurz-Antwort: Nein.
Ausführliche Antwort: Bei Corona-Schnelltests gilt die Regel: Am Tupfer sollte so viel Sekret wie möglich haften. Die Nasenabstrich-Tests zur Anwendung daheim fordern deshalb in aller Regel einen Abstrich in beiden Löchern. Dass es reichen könnte, den Tupfer nur in ein Loch zu stecken, ist nach Angaben des HNO-Arztes Bernhard Junge-Hülsing ein Trugschluss. „Dadurch bekommt man womöglich zu wenig Sekret an den Tupfer.“ Ergo: Der Tupfer gehört also in beide Löcher.

2. Muss ich auch beim gefühlt 100. Test die Gebrauchsanweisung lesen?

Kurz-Antwort: Ja.
Ausführliche Antwort: So ungern du die Antwort jetzt wahrscheinlich liest: Ja, die Anleitung solltest du bei jedem Test durchlesen. Das gilt natürlich nicht, wenn du immer denselben Test vom selben Hersteller verwendest.

Der Grund: Es gibt einige unterschiedliche Testverfahren. So gibt es Tests für den Rachen und Tests für den Nasenraum. Die Dauer, die der Tupfer in der Lösung verbleiben sollte, ist unterschiedlich. Und manche Test-Anleitungen empfehlen, sich vor dem Abstrich seine Nase gründlich zu putzen. Die Idee dahinter: Durch das Schnäuzen sollen Sekret und damit mögliche Viren aus dem tiefer liegenden Nasen-Rachen-Raum weiter nach vorne gepustet werden.
Tipp: Bei vielen Tests gibt es eine Anleitung mit Bildern. Wenn du die aufmerksam anschaust, kannst du dir die lange Textversion sparen.

Selbsttests: Sorgfalt ist bei der Durchführung wichtig
Selbsttests: Sorgfalt ist bei der Durchführung wichtig (Foto: Utopia.de / bw)

3. Was bedeuten C und T?

Auch wenn es naheliegend wäre: Ein roter Strich beim „C“ steht nicht für Corona (und damit ein positives Ergebnis), sondern:

  • C steht für Control, d.h. Kontrolle
  • T steht für Test, das ist die relevante Stelle für die Frage, ob man positiv oder negativ ist.

Konkret bedeutet das: Sind bei C und T Striche zu sehen, ist der Test positiv ausgefallen. Ist nur bei C ein Strich zu sehen, ist der Test negativ. Ist nur bei T ein Strich zu sehen, ist er ungültig. Ist gar kein Strich zu sehen, ist der Test ebenfalls ungültig und sollte wiederholt werden.

Wichtig: Wenn bei C kein Strich erscheint, ist der Test nicht verwertbar und ungültig. Du solltest ihn wiederholen.

4. Was bedeutet eine blasse Test-Linie?

Kurz-Antwort: Ein positives Test-Ergebnis, d.h. du hast dich mit Corona infiziert.

Ausführliche Antwort: Nicht immer ist der entscheidende Strich beim Corona-Selbsttest (bei T) dick, fett und leuchtend rot, manchmal zeigt sich nur ein dünner Strich in hellem Rosa. Für das Testergebnis macht es keinen Unterschied, ob der T-Streifen kräftig leuchtet oder nur blass erscheint. Strich ist Strich und bedeutet: Du bist höchstwahrscheinlich corona-positiv. Endgültige Gewissheit bringt nur ein PCR-Test. Bei einer ausklingenden Corona-Infektion kann ein blasser werdender Strich darauf hinweisen, dass die Viruslast abnimmt.

5. Was bedeutet eine blasse Control-Linie?

Kurz-Antwort: Ein unsicheres Ergebnis. Am besten wiederholst du den Test.

Ausführliche Antwort: Eine nur sehr blasse Linie am Kontrollstrich (bei C) der Testkassette ist ein Indiz dafür, dass womöglich wenig Sekret am Tupfer gelandet ist. In diesem Fall steigt das Risiko eines falsch-negativen Testergebnisses – also, dass der Test negativ ausfällt, obwohl du positiv und womöglich ansteckend bist.

Laut Prof. Martina Prelog, Fach-Immunologin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, kann ein blasser Kontrollstrich aber auch andere Ursachen haben. Zum Beispiel dass der Test falsch gelagert wurde oder zu wenig Lösungsflüssigkeit vorhanden war.

Selbsttest richtig ablesen: links im Bild ein negativer Test, der rechts ist positiv.
Selbsttest richtig ablesen: links im Bild ein negativer Test, der rechts ist positiv. (Foto: CC0 / Public Domain / Alexandra_Koch, Pixabay )

6. Ist es egal, ob ich in der Nase oder im Rachen teste?

Kurz-Antwort: Nein.

Ausführliche Antwort: Bei Tests, die speziell für Nase oder Rachen gedacht sind, sollten die Abstriche ausschließlich in der in der Anleitung angegebenen Region entnommen werden. So reduzierst du das Risiko für ein falsches Ergebnis.

7. Wo sollen die Selbsttests im Sommer gelagert werden?

Kurz-Antwort: Nicht zu kalt und nicht zu warm.

Ausführliche Antwort: Nicht zu kalt und nicht zu warm sollte der Karton mit den Selbsttests in der Wohnung aufbewahrt werden. Also weder im Kühlschrank noch im Auto in der prallen Sonne. Studien deuten darauf hin, dass eine falsche Lagerung das Testergebnis verfälschen könnte.

„Sie können ganz normal bei Raumtemperatur aufbewahrt werden“, empfiehlt HNO-Arzt Bernhard Junge-Hülsing aus Starnberg. Bei welchen Temperaturen der Karton mit dem Test gelagert werden darf, steht in der Regel auf der Verpackung oder zumindest im Beipackzettel.

Wichtig ist: Zum Zeitpunkt der Anwendung sollten die Tests stets Raumtemperatur haben – wer sie also an einem kühleren Ort gelagert hat, sollte sie für ein gewisse Zeit auf der Arbeitsfläche liegen lassen und nicht sofort benutzen.

8. Wie tief muss ich den Tupfer in die Nase einführen?

Beim Umgang mit dem Tupfer sind zwei Dinge wichtig: Vorsicht und Gefühl. Bei den Selbsttests muss der Tupfer nicht bis in den Übergang von Nase zu Rachen geschoben werden. Zwei bis vier Zentimeter tief ins Nasenloch, das genügt. Und zwar flach in Richtung Gehörgangsboden und nicht schräg nach oben – dabei drohen Verletzungen.

9. Muss ich bei einem positiven Schnelltest einen PCR-Test machen?

Kurz-Antwort: Nein.

Ausführliche Antwort: Die Bestätigung eines positiven Schnelltests durch einen PCR-Test ist nicht zwingend notwendig. Es gibt aber dennoch Gründe, einen PCR-Test durchführen zu lassen:

  1. Nur ein PCR-Test ist wirklich zuverlässig.
  2. Für die Ausstellung einen Genesenenzertifikats muss die Infektion durch einen PCR-Test nachgewiesen werden. Ein Schnelltest reicht hier nicht aus. Um einen Genesenennachweis zu bekommen, muss in der Apotheke oder in der Arztpraxis ein positives PCR-Testergebnis vorgelegt werden.
  3. Vielen Menschen ist nicht bekannt, dass in die offizielle Corona-Statistik nur die Ergebnisse von postiven PCR-Tests einfließen.
  4. Und: Nur wenn du einen PCR-Test gemacht hast und dieser positiv ausfällt, kannst du deine Kontaktpersonen über die Corona-Warn-App warnen.

10. Habe ich nach einem positiven Corona-Selbsttest Anspruch auf einen kostenlosen PCR-Test?

Kurz-Antwort: Ja.
Ausführliche Antwort: Laut Corona-Testverordnung hat jede:r mit einem positiven Schnelltest Anspruch auf einen kostenlosen PCR-Test.

11. Wann sollte ich den Selbsttest am besten durchführen?

Kurz-Antwort: Zu jeder Tageszeit.

Ausführliche Antwort: Du kannst den Test zu jeder Tageszeit durchführen. Am besten eignet sich jedoch die Zeit kurz nach dem Aufstehen, denn da ist die Viruslast am höchsten. Du solltest eine halbe Stunde vor dem Test weder essen noch trinken, so die Empfehlung des Bundesministeriums für Gesundheit.

Anmerkung: Prinzipiell sind Selbsttests eine gute Idee, auch wenn wir dabei nie vergessen dürfen: Ein negatives Ergebnis beim Selbsttest daheim ist kein Freifahrschein. Die Schnelltests sind in ihrer Aussagekraft nicht so zuverlässig wie ein PCR-Test.

Mit Material der dpa.

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