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Die 4 Bindungstypen: Das steckt dahinter

Foto: CC0 / Pexels / Pixabay

Bindungstypen können beschreiben, wie wir Beziehungen zu anderen Menschen aufbauen. Dazu gehören Beziehungen zu Familie, Partner:innen oder Freund:innen. Was es genau mit der Theorie auf sich hat, erfährst du hier.

In deinem Leben gehst du unterschiedliche Beziehungen mit unterschiedlichen Menschen ein. Diese können zum Beispiel von romantischer, platonischer oder familiärer Natur sein. Manche Beziehungen halten gut und lange, andere jedoch eher nicht. Die Theorie der Bindungstypen kann erklären, warum und wie wir Beziehungen eingehen.

Was sind Bindungstypen?

Die Grundlage für die vier unterschiedlichen Bindungstypen ist die Bindungstheorie. Diese entwickelte der Psychoanalytiker John Bowlby in den 1950er Jahren. Seine Theorie beschäftigt sich damit, wie sich das Bindungsverhalten eines Menschen entwickelt und wie es dessen Beziehungen beeinflusst.

Der Bindungstyp eines Menschen entwickelt sich laut Bowlby im Säuglings- und Kleinkindalter. Dabei ist besonders die Beziehung zu den Hauptbezugspersonen von großer Bedeutung. Bowlby argumentiert auch, dass diese Beziehung die Grundlage für alle Bindungen im Laufe des Lebens bildet.

Die Psychologin und Paartherapeutin Krista Jordan erklärt gegenüber PsychCentral, dass diese frühkindliche Beziehung eine so große Bedeutung hat, da das Überleben des Säuglings von den Hauptbezugspersonen abhängt. Die Beschaffenheit der frühen Beziehung bestimmt laut der Beziehungstheorie somit zum größten Teil, welchen Bindungstyp du später entwickelst.

Die 4 Bindungstypen

Bei den Bindungstypen wird zwischen sicheren und unsicheren Bindungstypen unterschieden.
(Foto: CC0 / Pixabay / StockSnap)

Dein eigener Bindungstyp beeinflusst, wie du selbst Beziehungen aufbaust, und auch, wie sich diese entwickeln. Es wird zwischen sicheren und unsicheren Bindungstypen unterschieden. Insgesamt gibt es vier Typen:

  1. Der sichere Bindungstyp
  2. Der unsicher-vermeidende Bindungstyp
  3. Der unsicher-ambivalente Bindungstyp
  4. Der unsicher-unorganisierte Bindungstyp

Der sichere Bindungstyp

Ein Mensch mit sicherem Bindungstyp besitzt laut der Theorie die Fähigkeit, gesunde und langfristige Beziehungen aufzubauen. Sichere Bindungstypen haben in ihrer Kindheit in der Regel Folgendes erfahren:

  • die Bestätigung der Eltern ohne anschließende Bestrafungen
  • ein Gefühl von Sicherheit, Verständnis, Ermutigung und Wertschätzung
  • Eltern mit einem Bewusstsein für ihr Verhalten und ihre Gefühle
  • die emotionale Verfügbarkeit der Eltern

Ein sicherer Bindungstyp kann sich durch unterschiedliche Merkmale auszeichnen – zum Beispiel durch die Fähigkeit, die eigenen Gefühle zu regulieren und durch gute Kommunikationsfähigkeit. Zudem haben sichere Bindungstypen in der Regel keine Probleme, anderen zu vertrauen.

Der unsicher-vermeidende Bindungstyp

Bei einem unischer-unorganisiertem Bindungstyp kan eine Angst vor Zurückweisung bestehen.
(Foto: CC0 / Pixabay / Fxq19910504)

Der unsicher-vermeidende Bindungstyp zeichnet sich durch die Unfähigkeit aus, langfristige Beziehungen aufzubauen, so die Beziehungsberaterin Katarzyna Peoples gegenüber PsychCentral. Außerdem haben Menschen dieses Bindungstyps Probleme, sich auf körperliche und emotionale Intimität einzulassen. Bei einem unsicher-vermeidenden Bindungstyp hat eine Person in ihrer Kindheit oft folgende Erfahrungen gemacht:

  • die an sie gestellte Erwartung, selbstständig zu sein und sich selbst zu versorgen
  • Bestrafung oder Zurückweisung, wenn sie sich von der Hauptbezugsperson abhängig machte
  • Zurückweisung, wenn sie die eigenen Bedürfnisse und Gefühle äußerte

Menschen von unsicher-vermeidendem Bindungstyp können unterschiedliche Merkmale aufweisen. Dazu können ein starkes Gefühl der Unabhängigkeit sowie die Vermeidung von emotionaler und körperlicher Intimität zählen. Zudem kann ein Unwohlsein, die eigenen Gefühle mitzuteilen, vorkommen.

Der unsicher-ambivalente Bindungstyp

Der unsicher-ambivalente Bindungstyp zeichnet sich durch Angst vor Zurückweisung und dem Verlassenwerden aus. Außerdem können, wie PsychCentral beschreibt, Co-Abhängigkeitstendenzen vorhanden sein. Im Beziehungskontext bedeutet das, dass sich eine Person emotional von einer anderen Person abhängig macht.

Wenn dies der Fall ist, ist die abhängige Person oft der Meinung, sie könne ohne den anderen Menschen nicht mehr weiterleben. Dadurch entsteht eine große Angst, diese Person zu verlieren. Wenn ein unsicher-ambivalenter Bindungstyp vorliegt, können die folgenden Dinge die Grundlage sein:

  • eine inkonsequente Erziehung, die nicht auf die Bedürfnisse des Kindes abgestimmt war
  • Probleme des Kindes, die Erwartungen der Erziehungsberechtigten zu verstehen, was zu Verwirrung und Instabilität in der Beziehung führte
  • Tendenz der Eltern dazwischen zu schwanken, für das Kind da zu sein und nicht für es da zu sein
  • Tendenz der Eltern, das Kind dafür verantwortlich zu machen, wie sie sich fühlen

Eine Person mit einem unsicher-ambivalenten Bindungstyp kann unter andere eine hohe Anhänglichkeit und Anfälligkeit für Kritik aufweisen. Zudem besteht oft der Bedarf, von anderen Bestätigung zu erhalten und es kann auch eine Neigung zu Eifersucht vorhanden sein. Menschen mit diesem Bindungstyp haben oft außerdem Probleme, allein zu sein und ein geringes Selbstwertgefühl.

Der unsicher-unorganisierte Bindungstyp

Der unsicher-unorganisierte Bindungstyp charakterisiert sich durch ein extrem inkonsistentes Verhalten sowie Schwierigkeiten, anderen zu vertrauen. Folgende Erfahrungen können die Grundlage sein:

  • Traumata in der Kindheit
  • Vernachlässigung in der Kindheit
  • Missbrauchserfahrungen
  • Inkonsistenz der Eltern (vom Kind gleichzeitig als Quelle von Trost und von Angst gesehen)

Beim unsicher-unorganisiertem Bindungstyp liegt oft eine Angst vor Zurückweisung sowie die Unfähigkeit vor, die eigenen Gefühle zu regulieren.

So kann dein Bindungstyp deine Beziehungen beeinflussen

Manche Forschende gehen davon aus, dass wir je nach Art einer Beziehung unterschiedliche Bindungstypen aufweisen können.
(Foto: CC0 / Pixabay / pixel2013)

Dein Bindungstyp beeinflusst grundsätzlich alle deine Beziehungen – ob platonisch, familiär oder romantisch. John Bowlby selbst war der Meinung, dass der Bindungstyp ein Maßstab für alle zukünftigen Beziehungen sei. Ihm zufolge funktioniere er wie eine Art Mechanismus für Beziehungen. Dieser Theorie zufolge hast du so immer die gleichen Erwartungen und wendest die gleichen Muster an, wenn du Beziehungen entwickelst.

Andere Wissenschaftler:innen gehen jedoch davon aus, dass jede Art von Beziehung einen eigenen Mechanismus hat. Das heißt, dass du zum Beispiel bei romantischen Beziehungen einen sicheren Bindungstyp aufweisen kannst, bei platonischen Beziehungen hingegen einen unsicheren.

Generell beeinflusst dein eigener Bindungstyp die Qualität der Beziehungen und wie du innerhalb dieser kommunizierst. Außerdem kann laut Dr. Derrig, einer klinischen Psychologin bei der Cleveland Clinic, dein eigener Bindungstyp auch einen großen Einfluss darauf haben, was für einen Bindungstyp deine eigenen Kinder im Umgang mit dir entwickeln.

Jedoch sagt sie auch: „Da wir Menschen sind, sind wir komplexe Kreaturen. Viele andere Faktoren spielen auch eine Rolle. We alle haben zahlreiche Erfahrungen, die unsere Fähigkeiten beeinflussen, gesunde Beziehungen zu entwickeln.“

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