Fairtrade-Kakao: Das musst du wissen

Fairtrade Kakao Programm Sortiment
Foto: TransFair e. V.

Ob Osterhase, Tafel Schokolade oder Kekse: Wir naschen jährlich fast zehn Kilogramm Schokolade pro Kopf, doch nur die wenigsten Produkte enthalten fair gehandelten Kakao. Fairtrade will dies ändern.

Kakao-Anbau ist Sache von Kleinbauern – ungefähr 90 Prozent des rund um den Globus produzierten Kakaos kommt aus Familienbetrieben mit kleinen Plantagen. Weltweit gibt es fast 200.000 Fairtrade-Kakao-Bauern, doch bisher konnte nur ein Drittel ihres zertifizierten Kakaos auch als „fair“ verkauft werden – es gab schlicht zu wenig Abnehmer dafür.

Der größte Teil des fair produzierten Kakaos gelangte daher als konventioneller Kakao für einen geringeren Preis in den Handel. Daher fördert der Verein TransFair, der hinter Fairtrade Deutschland steht, seit 2014 den Absatz von fairem Kakao – mit einem speziellen Kakao-Programm.

Fairen Kakao im Ursprung einkaufen und für viele Produkte nutzen

Im Gegensatz zum klassischen Fairtrade-Siegel geht es bei dem Kakao-Programm von Fairtrade um fairen Rohstoffeinkauf und nicht um die Zusammensetzung und Zertifizierung einzelner Endprodukte wie einer Tafel Schokolade. Das heisst, dass nur der Kakao-Anteil in Schokolade, Müsli oder Schoko-Aufstrich fair gehandelt sein muss. Andere Zutaten wie Zucker oder Vanille können, müssen aber nicht Fairtrade sein.

Zur Orientierung: Die klassischen Fairtrade-Richtlinien für Mischprodukte wie Schokolade schreiben vor, dass alle Zutaten, die als Fairtrade-Rohstoffe erhältlich sind, auch Fairtrade-zertifiziert sein müssen. Der Gesamtanteil der Fairtrade-Zutaten im Endprodukt muss mindestens 20 Prozent betragen. Auf der Verpackung kann man sehen, wie hoch der Fairtrade-Anteil ist.

Was auf den ersten Blick wie ein Verwässern der Fairtrade-Regeln aussieht, hat ein klares Ziel: Das Kakao-Programm soll Fairtrade-zertifizierten Kakao-Kooperativen in Westafrika neue Absatzmöglichkeiten für ihren Kakao verschaffen und sie so stärken.

Fairtrade Kakao Programm
Amani Edouard: Mitglied der Kakao-Kooperative CANN von der Elfenbeinküste (Foto: TransFair e.V./Kristina Eggers)

Ähnliche Programme gibt es auch für Zucker und Baumwolle. Das Fairtrade-Siegel für einzelne Zutaten richtet sich an Unternehmen, die eben nur einzelne Zutaten aus nachhaltigen, fairen Quellen beziehen wollen.

Seit 2014 deutliche Absatzsteigerungen für fairen Kakao

Schokoladen-Hersteller Gepa (selbst Fairtrade-Internal-zertifiziert) kritisiert den neuen Ansatz – er setze den Grundsatz von Fairtrade außer Kraft, dass möglichst viele fair gehandelte Rohstoffe im Produkt verarbeitet sein müssen.

Fakt ist aber auch: Die Möglichkeit, Kakao als einzelne faire Zutat in Schokolade und Keksen verwenden zu können, hat den Absatz von fairem Kakao – und somit die Einnahmen der Kleinbauern – laut TransFair deutlich erhöht: Vor dem Start des Programmes wurden 1.000 Tonnen Fairtrade-Kakao für Schokoladenwaren abgesetzt; 2016 waren es bereits 30.000 Tonnen.

Der Kakao-Handel bedeutet für die Fairtrade-Kleinbauern ein stabiles Einkommen von 2.000 US-Dollar pro Tonne Fairtrade-Kakaobohnen. „Liegt der Weltmarktpreis über dem Fairtrade-Mindestpreis, wird der höhere Preis ausgezahlt“, so TransFair. Zusätzlich gibt es für die Bauern eine Fairtrade-Prämie (zurzeit 200 US-Dollar pro Tonne Kakaobohne), die sie zum Beispiel in den Bau von Schulen und die Anschaffung von Maschinen stecken können.

Zertifizierte Produkte: nicht immer erkennbar

Und so funktioniert das Programm: Die teilnehmenden Unternehmen vereinbaren mit Fairtrade mehrjährige Beschaffungspläne für ihren Gesamtbedarf – oder für einzelne Sortimente. Sie müssen dann also eine bestimmte Menge Fairtrade-Kakao beziehen und verarbeiten diese in ihren Weihnachtsmännern, Müslis, Schokoriegeln und so weiter.

Die Verbraucherzentrale Bayern begrüßt, dass mit dem Programm mehr herkömmliche Unternehmen Fairtrade-Zutaten nutzen und somit für höheren Absatz bei den Kleinbauern sorgen. Gleichzeitig fordern sie, dass auf den betroffenen Produkten der prozentuale Fairtrade-Anteil für die Kunden erkennbar ist – das ist bis jetzt nicht der Fall.

Fairtrade Kakao Programm, Produkte von Kaufland und Norma
Produkte von Kaufland und Norma (Foto: TransFair e. V.)

Es steht den teilnehmenden Unternehmen zudem frei, ihre Produkte mit fairem Kakao entsprechend zu kennzeichnen. So kann es sein, dass Kunden ein Ferrero-Produkt mit fairem Kakao in der Hand halten, ohne dass es gekennzeichnet ist (mehr dazu unter dem Punkt: „Welche Partner gibt es?“).

Ebenso gibt es Schokoladen-Produkte mit Siegel, die wegen des Mengenausgleichs keinen fair gehandelten Kakao enthalten müssen (dennoch fließt das Geld hier in den fairen Handel).

Fairtrade-Kakao-Programm: Welche Partner gibt es?

Große Konzerne wie Ferrero und Mars und auch der Discounter Lidl sind seit Start des Programmes im Jahr 2014 dabei. Hier eine Übersicht der Unternehmen, die am Fairtrade-Kakao-Programm teilnehmen sowie eine Auswahl ihrer zertifizierten Produkte:

  • Aldi Süd und Aldi Nord: einzelne Produkte, z. B. Schokoladen von Moser Roth, Cerealien mit Schokoladenanteil, Pralinen, Saisonartikel (Oster- und Weihnachtszeit), sukzessive Umstellung in 2018

    fairtrade Kakaoprogramm Schoko Aufstrich von Aldi
    Verwendet seit Kurzem auch fairen Kakao in einigen Produkten: Aldi (Foto: Aldi Süd)
  • Chocri: seit Ende 2016 komplettes Sortiment
  • Ferrero: markiert betroffene Produkte nicht; bis 2020 möchte Ferrero 100 Prozent zertifiziert nachhaltigen Kakao beziehen; das ist auch für Rohrzucker geplant
  • Halloren: z. B. Mozartkugeln, Obstbrände, Pralinen, Trüffel
  • Kaufland: Schokoladeprodukte von K-Classic, K-Bio (z. B. Tafel-Schokolade, Schoko-Aufstrich, Müslis, Cookies)
  • Klett Schokolade: Weihnachtsmann, Spekulatiustafel
  • Lambertz: alle Lambertz-Produkte
  • Lidl: z. B.  Cereal Cookies, Choco Moons / Deluxe Grappa Trüffel, kandierter Ingwer in Edel-Bitterschokolade / Fin Carré Alpen Vollmilch / J.D. Gross Edel-Schokolade Arriba Superieur 81 %

    Fairtrade Kakao Programm Osterhasen von Lidl und Penny
    Osterhasen von Lidl und Penny mit fairem Kakao (Foto: TransFair e. V.)
  • Mars Chocolate: markiert betroffene Produkte nicht, verwendet die Kakaomenge zu Fairtrade-Bedingungen, die der Menge aller in Deutschland verkauften Twix-Riegel entspricht. Ziel: bis 2020 100 Prozent zertifizierten Kakao zu verwenden
  • Norma: z. B. Goldora Edelvollmilch Täfelchen, Kokosflocken, Sitzhase
  • Penny: z .B. Douceur Creme-Kugel à la Tiramisu, Lübecker Marzipan Happen Kokos, Ostersortiment
  • Rewe: z. B. Kakao Drink mit Traubenzucker (ja!), Nuss-Nougat-Crème (ja!), Beste Wahl Schokokugeln, Feine Welt Dunkles Geheimnis
  • Riegelein Confiserie: alle Riegelein-Produkte seit Weihnachten 2016
  • Ritter Sport: ca. 10 % Fairtrade-Kakao, Anteil soll sich bis Ende 2019 verdoppeln
  • The Wawi Group: z. B. Moritz Eiskonfekt, Müller&Müller Adventskalender

Im Produktfinder von Fairtrade Deutschland findest du eine Auswahl der zertifizierten Produkte.

Fazit: neuer Ansatz für mehr Wirkung

Ist so ein Programm nun gut oder schlecht? Diese Frage ergibt nur Sinn, wenn man sie auf ein Ziel hin definiert: Was soll eigentlich erreicht werden? Ziel des fairen Handels ist es, möglichst viel Kakao (oder andere Rohstoffe) fair produzieren zu lassen. Dazu muss man es den Einkäufern leicht machen, es in ihren Schokoladenprodukten zu verwenden, ohne dass diese zu teuer werden.

Dank Kakaoeinkauf unter Fairtrade-Bedingungen können auch konventionelle Hersteller und Discounter Stück für Stück „fairer“ werden. Für die Zukunft wäre es wünschenswert, dass die Anbieter auch alle anderen Zutaten ihrer Produkte aus fairem Handel beziehen, so wie es bereits andere Unternehmen machen. Trotzdem: Ein guter Schritt in die richtige Richtung.

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(2) Kommentare

  1. Mal ein Gedanke: „Fair“ ist ein Label, eine Zertifizierung, ein Standard. Aber mal mehr ethisch-philosophisch gedacht, faende ein fairer Handel ja dann statt, wenn sich zwei auf Augenhoehe begegnen. Wenn also Kakaobaeuerinnen ein gleichwertiges Einkommen, eine gleichwertige Sozial-, Renten- und Krankenversicherung haben, dann erst koennen wir davon sprechen, dass die ausbeuterischen Strukturen, also die Fortfuehrung von Kolonialismus und Sklaverei ueberwunden sind.

    Vielleicht muessten verwoehnte Deutsche dann ja 10 EUR pro 100g Schokolade zahlen und nicht die 2,50 EUR fuer Fairtrade – die waere dann aber wirklich fair. Weil das teuer waere, ginge der Konsum zurueck und es bliebe sogar noch Kakao fuer Leute im Globalen Sueden uebrig. Soweit ich weiss, kennen viele Kakao-Produzent_innen ihr Endprodukt, Schokolade, ueberhaupt nicht oder kommen zumindest nicht taeglich in den Genuss, wie es im Globalen Norden eine Selbstverstaendlichkeit ist.

    Fairtrade hat einen Fairness-Fehler: Das Label ist nicht gegen neo-koloniale, kapitalistische Ausbeutung, es zielt nur darauf ab, sie abzumildern.

  2. In Teilen hast du sicher Recht, aber …
    Ich komme gerade aus Madagaskar und habe eine Woche in einem Dorf von Kakaobauern gelebt, die ihre Ernte mangels Marktzugang an einen Mediator zu 40% des Marktpreises verkaufen müssen. Wenn die von einem Fair Trade Partner den Marktpreis, noch dazu ohne Schwankungen plus Prämie für Infrastruktur, z.B. Elektrizität und Wasser im Dorf, bekommen würden, wäre das ein Ende ihres Elends! Ich bin gerade auf der Suche nach einem Partner, der ihnen ihre Ernte, bio und qualité superieure abnimmt, aber 100t im Jahr ist offenbar uninteressant für Schokoladenhersteller in Europa. Wenn jemand einen Vorschlag hat, bin ich für jeden Hinweis dankbar!

    Wenn dein Modell ist, dass bei höheren Preisen hier der Konsum zurückginge, und dann Kakao für die Menschen dort übrig bliebe – wovon bitte sollten sie dann leben, geschweige denn Schokolade kaufen?

    Gottfried

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