Fairtrade-Siegel: das Siegel für fairen Handel

Fairtrade–Siegel Transfair e.V.
Siegel Fairtrade © TransFair e.V.

Das Fairtrade-Siegel ist auf vielen Lebensmitteln wie Kaffee oder Schokolade zu sehen, aber auch auf Bananen. Welche Bedeutung hat es, welche Standards erfüllt es, welche Kritik gibt es?

Beim Fairtrade-Siegel handelt es sich um ein Sozialsiegel. Kleinbauern erhalten hier einen garantiert kostendeckenden Preis für ihre Waren, auch wenn die Weltmarktpreise schwanken. Der faire Handel strebt langfristige Handelsbeziehungen zwischen allen Handelspartnern an. Eine zusätzliche Fairtrade-Prämie wird in gemeinschaftliche Projekte gesteckt.

Bestimmte Pestizide sind verboten, ökologische Bewirtschaftung wird belohnt. Dennoch ist das Fairtrade-Siegel nicht gleichzusetzen mit dem EU-Bio-Siegel: Etliche Fairtrade-Produkte tragen zwar ein Bio-Siegel, aber nicht alle. Etwa 65 % der Produkte mit Fairtrade-Siegel sind gleichzeitig auch Bio.

Eine lesenswerte Darstellung typischer Probleme, zu denen Fairtrade einen Lösungsweg anbietet, findest du im Beitrag „Die bittere Wahrheit über Tee„.

Fairer Handel: Fairtrade vs. Fair Trade

Beim fairen Handel kommt es leicht zu Begriffsverwirrungen:

  • Die meisten Menschen, die von Fairtrade-Produkten sprechen, meinen genau genommen „Fair Trade“-Produkte, das sind einfach Produkte aus hinreichend fairem Handel. Die können verschiedene Fair-Trade-Zeichen tragen, etwa Gepa fair+ oder Naturland fair.
  • „Fairtrade“ hingegen ist ein eingetragenes Markenzeichen und kennzeichnet als solches Produkte, bei denen bestimmte Kriterien des fairen Handelns eingehalten wurden. Um dieses Zeichen geht es in diesem Beitrag.

Fairtrade-Siegel: Kriterien

  • Soziale Kriterien: Fairtrade achtet auf die Organisation in demokratischen Gemeinschaften (bei Kooperativen), die Förderung gewerkschaftlicher Organisation (auf Plantagen), auf geregelte Arbeitsbedingungen und verbietet ausbeuterische Kinderarbeit sowie Diskriminierung.
  • Ökologische Kriterien: Fairtrade fordert einen umweltschonenderen Anbau bei gleichzeitigem Schutz natürlicher Ressourcen und verbietet gefährliche Pestizide sowie gentechnisch verändertes Saatgut. Das Siegel bleibt bei diesen Kriterien unter Bio-Standards, fördert aber den Bio-Anbau durch einen Bio-Aufschlag.
  • Ökonomische Kriterien: Fairtrade bezahlt Mindestpreise und schüttet Fairtrade-Prämien aus, strebt transparente und langfristige Handelsbeziehungen an und finanziert Projekte vor.

Mengenausgleich

Bei Verbrauchern und Puristen stößt vor allem der Mengenausgleich auf Kritik:

  • Kein Mengenausgleich: Bei Kaffee ist alles ganz einfach einfach, weil das Produkt in der Regel aus nur einer Zutat besteht: eben Kaffee. Und Kaffee mit Fairtrade-Siegel besteht zu 100% aus Fairtrade-Kaffee.
  • Mengenausgleich: Bei Kakao, Zucker, Fruchtsaft und Tee findet ein Mengenausgleich statt. Vereinfacht gesagt wird dabei faire mit unfairer Ware gemischt, sodass faire Produkte unfaire Rohstoffe und umgekehrt enthalten können. Auf der Packung muss das mit dem Hinweis „mit Mengenausgleich“ gekennzeichnet werden.
  • Mischprodukte: Damit ein Mischprodukt wie Vollmilchschokolade das Fairtrade-Siegel tragen darf, müssen alle Zutaten, die prinzipiell als Fairtrade-Rohstoffe verfügbar sind, auch tatsächlich aus Fairtrade-Quellen bezogen werden. Zudem darf der Anteil aller Fairtrade-Zutaten gemessen am Normalgewicht/-volumen des Endprodukts nicht weniger als 20 Prozent ausmachen.
  • Rohstoffe: Seit Anfang 2014 gibt es mit den Programmen Cocoa (Kakao), Sugar (Zucker) und Cotton (Baumwolle) eine Neuerung: Hersteller verpflichten sich hier zur Festabnahme bestimmter Mengen Fairtrade-Rohstoffe, können diese aber beliebig in ihrer Produktion einsetzen, die 20-Prozent-Hürde entfällt. Statt Faitrade-Siegel gibt es hier andere Kennzeichnungen.
Kaffee ist nur ein Produkt von vielen, die es mit Fairtrade-Siegel gibt
Kaffee ist nur ein Produkt von vielen, die es mit Fairtrade-Siegel gibt (Foto © TransFair e.V./Miriam Ersch)

Kontrollinstanzen

Hinter dem Siegel steht in Deutschland der Verein TransFair e.V., der wiederum von über 30 Mitgliedsorganisationen aus den Bereichen Entwicklungszusammenarbeit, Kirche, Sozialarbeit, Verbraucherschutz, Genossenschaftswesen, Bildung, Politik und Umwelt getragen wird. Die wichtigsten Organisationen sind:

  • Die Fairtrade Labelling Organizations International (FLO) mit Sitz in Deutschland, meist Fairtrade International oder Fairtrade abgekürzt, entwickelt und harmonisiert Standards für den Fairen Handel. Organisationen, die diese einhalten, können ihre Produkte zertifizieren lassen und so das bekannte Fairtrade-Siegel erhalten. Nur Produkte können das Siegel besitzen, nicht aber Unternehmen.
  • Die World Fair Trade Organisation (WFTO) mit Sitz in den Niederlanden organisiert und vernetzt 400 weltweit wichtige Fair-Trade-Organisationen aus über 70 Ländern. Sie beschäftigt sich konkret mit der Fairness an den einzelnen Punkten der Liefer- und Handelskette und versucht, diese zu verbessern und sicherzustellen, dass alle Akteure sich an die Prinzipien des Fairen Handels halten. Wer das tut, kann sich als Unternehmen mit einem Siegel schmücken.
  • Der TransFair e.V. – Verein zur Förderung des Fairen Handels in der Einen Welt ist eine Initiative zur Förderung des fairen Handels und vertritt Fairtrade in Deutschland. Der Verein betreibt Lobbyarbeit gegen Handelsungerechtigkeiten und für fairen Handel und schließt Lizenzverträge mit Handelspartnern ab, die nach Fairtrade-Standards gehandelte Produkte anbieten.

Kritik am Fairtrade-Siegel

Oft gibt es Kritik am Fairtrade-Siegel, nicht jede ist berechtigt:

  • Teuer: Für Produkte mit dem Fairtrade-Siegel zahlen Verbraucher mehr als für vergleichbare konventionelle Produkte, teils sogar deutlich mehr. Verständlich, denn darum geht es ja. Doch dieser Mehrpreis kommt nicht in gleicher Höhe bei den Produzenten an.
  • Kompliziert: Die Fairtrade-Methoden sind für Konsumenten kaum noch nachvollziehbar, gerade bei Konstrukten wie dem Mengenausgleich, die dazu führen, dass ein Fairtrade-Produkt unter Umständen keine Fairtrade-Ware mehr enthält. „Der Mengenausgleich ist lediglich als kurzfristige Ausnahme vertretbar und darf nicht zur dauerhaften Regel werden“, lautet etwa die Kritik der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.
  • Aufgeweicht: Im Juli 2011 wurde der, für das Siegel notwendige Mindestanteil an fair gehandelten Zutaten, von 50 auf 20 Prozent gesenkt. Auch alle anderen Zutaten müssen nur fair gehandelt sein, wenn sie erhältlich sind – eine nun weichere Bedingung, die viel Kritik erntete.
  • Intransparent: Neben den Fairtrade-Siegeln gibt es mit den drei Programm-Labeln seit 2014 weitere Auszeichnungen. Für Verbraucher wird es unübersichtlicher, weil auf den Produkten nicht zu erkennen ist, welche unterschiedlichen Kriterien für die Kennzeichnungen gelten. Transfair argumentiert gegen solche Kritik, dass die neuen Programme den Umsatz mit fair gehandelten Rohstoffen stark erhöhen. So habe allein der Einstieg von Ferrero den Absatz von Transfair-Kakao versiebenfacht, was ja den Produzenten zugute kommt. Ferrero wirbt auf seinen Produkten aber derzeit nicht mit dem Programmlabel.

Bei allen Vorbehalten sind sich auch Kritiker jedoch größtenteils einig: Das Fairtrade-Siegel ist gut & wichtig.

Kritik verdient aus Utopia-Sicht, dass der Einzelhandel (Supermärkte und andere Verkaufsläden) am fairen Handel noch immer stärker verdient als die Produzenten: Von den im Laden bezahlten Fairtrade-Euros kommen noch immer nur wenige Cents bei den Produzenten an. Medienberichte, die Fairtrade kritisieren, hängen sich oft an Problemen in fernen Ländern auf, die aufgrund der politischen Umstände auch für Fairhandels-Organisationen nur schwer zu lösen sind. Selten aber an Supermarktketten, die sich am fairen Handel nur dadurch beteiligen, dass sie die Ware ins Regal legen, und die ansonsten rein gar nichts tun.

Alternativen zum Fairtrade-Siegel

  • GEPA fair+: Weniger häufig anzutreffen, aber durchaus interessant und keineswegs übertrieben teuer. Darf als „strenger“ im Vergleich zum Fairtrade-Siegel gelten.
  • Naturland fair: Zeichen des Naturland-Bio-Anbauverbandes, das zum Beispiel faire Milch auszeichnet.
  • Rapunzel Hand in Hand: Zeichen des Bioanbieters Rapunzel, das fair gehandelte Ware kennzeichnet.
  • UTZ / Rainforest Alliance: Werden oft als Alternative gehandelt, sind aber weniger um Fairness bemühte. Es ist vielmehr ein ökonomisch wirkendes Siegel. Es verbessert die Erwerbssituation der Produzenten, indem deren Produktionsweise effizienter gestaltet wird. Die Organisation zahlt anders als Fairtrade keine Mindestpreise.

Darüber hinaus versucht Direct Trade in verschiedenen Projekten, ebenfalls fairer zu handeln. Die Idee ist, dass zum Beispiel kleine Anbieter direkt mit den kleinbäuerlichen Unternehmen Geschäfte machen und so die Verluste entlang der Lieferketten entfallen. Beispiele sind etwa fairafric bei Kakao oder Coffee Circle bei Kaffee.

Verfügbarkeit: sehr hoch

Fairtrade-Produkte gibt es inzwischen nahezu überall, auch beim Discounter – denn es gehört zu den Grundsätzen, den Produzenten den Zugang zu großen Märkten zu ermöglichen. Mit dem Fairtrade-Siegel gekennzeichnete Produkte findest du daher nicht nur in Bioläden, Biosupermärkten und Weltläden, sondern inzwischen auch in fast allen gut sortierten Supermärkten und sogar in Discountern. Eine gute Hilfe ist der Produkt-Finder.

Fair gehandelte Produkte mit Fairtrade-Siegel
Fair gehandelte Produkte mit Fairtrade-Siegel (Foto © TransFair e.V./Miriam Ersch)

Utopia-Fazit

Das Fairtrade-Siegel kennzeichnet Waren aus fairem Handel. Es gilt als sehr vertrauenswürdig und ist zugleich das am weitesten verbreitete Kennzeichen für Fair-Trade-Kaffee und -Kakao. Das Siegel steht für bessere soziale Bedingungen, verbietet ausbeuterische Kinderarbeit und den Einsatz einiger Chemikalien und unterstützt eine nachhaltige Produktion. Ja, es gibt viel Kritik, weil inzwischen eben auch ein Kampf um die Deutungshoheit bei „Fair Trade“ existiert. Aber: Wer Produkte mit Fairtrade-Siegel kauft, macht nichts falsch. Falsch handelt nur, wer zu Waren von Herstellern greift, die sich nicht um sozialere, gesündere und nachhaltigere Produktionsbedingungen ihrer Lieferanten kümmern.

Wichtige Beiträge zum Thema auf Utopia.de:

Fairtrade und fairer Handel: die wichtigsten Fragen und Antworten

Externe Info-Seiten:

Utopia.de-Bestenlisten:

Gefällt dir dieser Beitrag?

Vielen Dank für deine Stimme!

Schlagwörter:

(2) Kommentare

  1. Hab gerade Schokolade gekauft für 20 Cent, legga da schmeckt man Kinderarbeit 😉
    Kinderhände, welche mein Produkt formten, finde ich gut und fördernswert

  2. Hab gerade Schokolade gekauft für 20 Cent, legga da schmeckt man Kinderarbeit 😉
    Kinderhände, welche mein Produkt formten, finde ich gut und fördernswert

** Links zu Bezugsquellen sind teilweise Affiliate-Links: Wenn ihr hier kauft, unterstützt ihr aktiv Utopia.de, denn wir erhalten dann einen kleinen Teil vom Verkaufserlös.