Fairtrade-Siegel: das Siegel für fairen Handel

Fairtrade-Siegel
© TransFair e.V.

Das Fairtrade-Siegel ist auf vielen Lebensmitteln zu sehen – von Kaffee, Tee und Schokolade bis zu Bananen. Welche Bedeutung hat es, welche Standards erfüllt es, welche Kritik gibt es?

Beim Fairtrade-Siegel handelt es sich um ein Sozialsiegel. Kleinbauern und Kleinbäuerinnen erhalten hier einen garantiert kostendeckenden Preis für ihre Waren, auch wenn die Weltmarktpreise schwanken. Der faire Handel strebt langfristige Handelsbeziehungen zwischen allen Handelspartner:innen an. Eine zusätzliche Fairtrade-Prämie wird in gemeinschaftliche Projekte gesteckt.

Bestimmte Pestizide sind verboten, ökologische Bewirtschaftung wird belohnt. Dennoch ist das Fairtrade-Siegel nicht vergleichbar mit Öko-Standards wie dem EU-Bio-Siegel. Etliche Fairtrade-Produkte tragen zwar ein Bio-Siegel, aber nicht alle. Etwa 70 Prozent der Produkte mit Fairtrade-Siegel sind gleichzeitig auch Bio.

Fairer Handel: Fairtrade vs. Fair Trade

Beim fairen Handel kommt es leicht zu Begriffsverwirrungen:

  • Die meisten Menschen, die von Fairtrade-Produkten sprechen, meinen genau genommen „Fair Trade“-Produkte, das sind einfach Produkte aus hinreichend fairem Handel. Die können verschiedene Fair-Trade-Zeichen tragen, etwa „Gepa fair+“ oder „Naturland fair“.
  • „Fairtrade“ hingegen ist ein eingetragenes Markenzeichen und kennzeichnet als solches Produkte mit einem Siegel, bei denen bestimmte Kriterien des fairen Handelns eingehalten wurden. Um dieses Zeichen (siehe Bild oben) geht es in diesem Beitrag.

Fairtrade-Siegel: Kriterien

Alle Produkte müssen sich vollständig zurückverfolgen lassen und Rohstoffe getrennt von nicht zertifizierten Rohstoffen gelagert und verarbeitet werden. Die weiteren Kriterien für das Fairtrade-Siegel erstrecken sich auf soziale, ökologische und ökonomische Aspekte entlang der Lieferkette:

Soziale Kriterien:

  • Fairtrade achtet auf die Organisation in demokratischen Gemeinschaften (bei Kooperativen) und die Förderung gewerkschaftlicher Organisation (auf Plantagen).
  • Zwangs- und Kinderarbeit sowie Diskriminierung sind verboten.
  • Verboten sind auch Tests, die Diskriminierung hervorrufen könnten (z.B. HIV-Tests, Schwangerschaftstests).
  • Produzent:innen sollen ihre Angestellten über Arbeitsrechte unterrichten und Arbeitsverträge aushandeln.
  • Angestellte haben Zugang zu Trinkwasser und medizinsicher Versorgung.

Ökologische Kriterien:

  • Fairtrade fordert einen umweltschonenderen Anbau, den Schutz der Biodiversität sowie eine nachhaltige Energie- und Wassernutzung und Müllvermeidung.
  • Gefährliche Pestizide (gemäß einer eigenen „Rote Liste“) sowie gentechnisch verändertes Saatgut sind verboten.
  • Der Einsatz von bestimmten Herbiziden ist unter Auflagen erlaubt und muss auf ein Minimum beschränkt sein.
  • Waldrodung für neue Ackerflächen ist nicht erlaubt.
  • Produzent:innen müssen sich und ihrer Angestellten für Bodenerosion sensibilisieren und Präventionsmaßnahmen ergreifen.
  • Farmer:innen müssen nachhaltige Maßnahmen für die veränderte Landwirtschaft aufgrund des Klimawandels entwickeln.

Ökonomische Kriterien:

  • Fairtrade bezahlt Mindestpreise und schüttet Fairtrade-Prämien aus.
  • Die Händler:innen verpflichten sich zu transparenten und langfristigen Handelsbeziehungen.
  • Projekte können vorfinanziert werden, um Farmen zu unterstützen.

Mengenausgleich

Fairtrade erlaubt einen sogenannten „Mengenausgleich“ für die zertifizierten Produkte. Immer wieder stößt dieser Mengenausgleich auf Kritik. Das steckt dahinter:

  • Kein Mengenausgleich: Bei Kaffee ist alles ganz einfach einfach, weil das Produkt in der Regel aus nur einer Zutat besteht: eben Kaffee. Und Kaffee mit Fairtrade-Siegel besteht zu 100 Prozent aus Fairtrade-Kaffee. Einen Mengenausgleich gibt es hier folglich nicht.
  • Mengenausgleich: Bei Kakao, Zucker, Fruchtsaft und Tee findet ein Mengenausgleich statt. Vereinfacht gesagt mischen dabei die Hersteller faire mit konventioneller Ware, sodass faire Produkte auch „unfaire“ Rohstoffe enthalten können und umgekehrt. Die Produzent:innen verpflichten sich aber genau so viel vom fairen Rohstoff einzukaufen, wie sie auch als „fair“ gelabelte Produkte an den Kunden verkaufen. Nur muss sich eben die fair eingekaufte Menge nicht zwangsläufig (vollständig) physisch in genau dieser Packung finden. Die Produktverpackung muss daher der Hinweis „mit Mengenausgleich“ tragen.
  • Mischprodukte: Damit ein Mischprodukt wie Vollmilchschokolade das Fairtrade-Siegel tragen darf, müssen alle Zutaten, die prinzipiell als Fairtrade-Rohstoffe verfügbar sind, auch tatsächlich aus Fairtrade-Quellen bezogen werden. Insgesamt müssen mindestens 20 Prozent der Zutaten (nach Gewicht bzw. Volumen) des Endprodukts von Fairtrade zertifiziert sein.
  • Rohstoffe: Mit den speziellen Fairtrade-Programmen Fairtrade Cocoa (Kakao), Fairtrade Sugar (Zucker), Fairtrade Textile Production (Textilien) und Fairtrade Cotton (Baumwolle) verpflichten sich Hersteller:innen zur Festabnahme bestimmter Mengen Fairtrade-Rohstoffe, können diese aber beliebig in ihrer Produktion einsetzen. Statt des klassischen Fairtrade-Siegels gibt es hier eigene Kennzeichnungen.
Kaffee ist nur ein Produkt von vielen, die es mit Fairtrade-Siegel gibt
Kaffee ist nur ein Produkt von vielen, die es mit Fairtrade-Siegel gibt (Foto © TransFair e.V./Miriam Ersch)

Kontrollinstanzen

Hinter dem Siegel steht in Deutschland der Verein TransFair e.V., der wiederum von über 30 Mitgliedsorganisationen aus den Bereichen Entwicklungszusammenarbeit, Kirche, Sozialarbeit, Verbraucherschutz, Genossenschaftswesen, Bildung, Politik und Umwelt getragen wird. Die wichtigsten Organisationen sind:

  • Die Fairtrade Labelling Organizations International (FLO) mit Sitz in Deutschland, meist Fairtrade International oder Fairtrade abgekürzt, entwickelt und harmonisiert Standards für den Fairen Handel. Organisationen, die diese einhalten, können ihre Produkte zertifizieren lassen und so das bekannte Fairtrade-Siegel erhalten. Nur Produkte können das Siegel besitzen, nicht aber Unternehmen.
  • Die World Fair Trade Organisation (WFTO) mit Sitz in den Niederlanden organisiert und vernetzt 400 weltweit wichtige Fair-Trade-Organisationen aus über 70 Ländern. Sie beschäftigt sich konkret mit der Fairness an den einzelnen Punkten der Liefer- und Handelskette und versucht, diese zu verbessern und sicherzustellen, dass alle Akteur:innen sich an die Prinzipien des Fairen Handels halten. Wer das tut, kann sich als Unternehmen mit einem Siegel schmücken.
  • Der TransFair e.V. – Verein zur Förderung des Fairen Handels in der Einen Welt ist eine Initiative zur Förderung des fairen Handels und vertritt Fairtrade in Deutschland. Der Verein betreibt Lobbyarbeit gegen Handelsungerechtigkeiten und für fairen Handel und schließt Lizenzverträge mit Handelspartnern ab, die nach Fairtrade-Standards gehandelte Produkte anbieten.

Alle drei Jahre gibt es eine Kontrolle, um das Fairtrade-Siegel zu erneuern. Doch auch zwischendurch findet mindestens eine unangekündigte Kontrolle bei den Unternehmen statt. Die Prüfer:innen besichtigen bei den Kontrollen die Betriebe vor Ort und führen Interviews mit den Mitarbeiter:innen. Abhängig von der Größe des Unternehmens gibt es eine festgelegte Mindestanzahl an Interviews mit Mitarbeitenden. Bei kleinen Farmen sind die Kontrollintervalle größer. Hier schauen unabhängige Prüfer:innen alle sechs Jahre, ob die Kriterien eingehalten werden.

Kritik am Fairtrade-Siegel

Oft gibt es Kritik am Fairtrade-Siegel, nicht jede ist berechtigt:

  • Teuer: Für Produkte mit dem Fairtrade-Siegel zahlen Verbraucher:innen mehr als für vergleichbare konventionelle Produkte, teils sogar deutlich mehr. Verständlich, denn darum geht es ja. Doch dieser Mehrpreis kommt nicht in gleicher Höhe bei den Produzenten an.
  • Kompliziert: Die Fairtrade-Methoden sind für Konsument:innen oft schwer nachvollziehbar, gerade bei Konstrukten wie dem Mengenausgleich, die dazu führen, dass ein Fairtrade-Produkt unter Umständen keine Fairtrade-Ware mehr enthält. „Der Mengenausgleich ist lediglich als kurzfristige Ausnahme vertretbar und darf nicht zur dauerhaften Regel werden“, lautet etwa die Kritik der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.
  • Aufgeweicht: Im Juli 2011 wurde der Mindestanteil an fair gehandelten Zutaten bei Mischprodukten von 50 auf 20 Prozent gesenkt. Auch alle anderen Zutaten müssen nur fair gehandelt sein, wenn sie erhältlich sind – eine nun weichere Bedingung, die viel Kritik erntete.
  • Intransparent: Neben den Fairtrade-Siegeln gibt es mit den drei Programm-Labeln seit 2014 weitere Auszeichnungen. Für Verbraucher:innen wird es unübersichtlicher, weil auf den Produkten nicht zu erkennen ist, welche unterschiedlichen Kriterien für die Kennzeichnungen gelten. Transfair argumentiert gegen solche Kritik, dass die neuen Programme den Umsatz mit fair gehandelten Rohstoffen stark erhöhen. So habe allein der Einstieg von Ferrero den Absatz von Transfair-Kakao versiebenfacht, was ja den Produzenten zugute kommt. Ferrero wirbt auf seinen Produkten aber derzeit nicht mit dem Programmlabel.

Bei allen Vorbehalten sind sich auch Kritiker:innen jedoch größtenteils einig: Das Fairtrade-Siegel ist gut und wichtig.

Kritik verdient aus Utopia-Sicht, dass der Einzelhandel (Supermärkte und andere Verkaufsläden) am fairen Handel noch immer stärker verdient als die Produzent:innen: Von den im Laden bezahlten Fairtrade-Euros kommen noch immer nur wenige Cents bei den Farmer:innen an. Medienberichte, die Fairtrade kritisieren, hängen sich oft an Problemen in fernen Ländern auf, die aufgrund der politischen Umstände auch für Fairhandels-Organisationen nur schwer zu lösen sind. Selten aber an Supermarktketten, die sich am fairen Handel nur dadurch beteiligen, dass sie die Ware ins Regal legen und die ansonsten gar nichts tun.

Dennoch wäre es schön, wenn Fairtrade (oder Transfair Deutschland) bei den Herstellern stärker darauf hinwirken würde, einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess zur Bedingung zu machen.

Alternativen zum Fairtrade-Siegel

  • GEPA fair+: Weniger häufig anzutreffen, aber durchaus interessant und keineswegs übertrieben teuer. Darf als „strenger“ im Vergleich zum Fairtrade-Siegel gelten.
  • Naturland fair: Zeichen des Naturland-Bio-Anbauverbandes, das zum Beispiel faire Milch auszeichnet.
  • Rapunzel Hand in Hand: Zeichen des Bioanbieters Rapunzel, das fair gehandelte Ware kennzeichnet.
  • UTZ und Rainforest Alliance: Werden oft als Alternative gehandelt, sind aber keine Fairtrade-Siegel sondern Nachhaltigkeitssiegel. Sie sind vielmehr ökonomisch wirkende Siegel. Beide wollen die Erwerbssituation der Produzenten verbessern, indem deren Produktionsweise effizienter gestaltet wird. Die Organisation zahlt anders als Fairtrade keine Mindestpreise.

Darüber hinaus versucht Direct Trade in verschiedenen Projekten, ebenfalls fairer zu handeln. Die Idee ist, dass zum Beispiel kleine Anbieter direkt mit den kleinbäuerlichen Unternehmen Geschäfte machen und so die Verluste entlang der Lieferketten entfallen. Beispiele sind etwa fairafric bei Kakao oder Coffee Circle bei Kaffee.

Verfügbarkeit: sehr hoch

Fairtrade-Produkte gibt es inzwischen nahezu überall – denn es gehört zu den Grundsätzen, den Produzenten den Zugang zu großen Märkten zu ermöglichen. Mit dem Fairtrade-Siegel gekennzeichnete Produkte findest du daher nicht nur in Bioläden, Biosupermärkten und Weltläden, sondern inzwischen auch in fast allen gut sortierten Supermärkten und sogar in Discountern. Eine gute Hilfe ist der Produkt-Finder.

Fair gehandelte Produkte mit Fairtrade-Siegel
Fair gehandelte Produkte mit Fairtrade-Siegel (Foto © TransFair e.V./Miriam Ersch)

Utopia-Fazit

Das Fairtrade-Siegel kennzeichnet Waren aus fairem Handel. Es gilt als sehr vertrauenswürdig und ist zugleich das am weitesten verbreitete Kennzeichen für Fair-Trade-Kaffee und -Kakao. Das Siegel steht für bessere soziale Bedingungen, verbietet ausbeuterische Kinderarbeit sowie den Einsatz einiger Chemikalien und unterstützt eine nachhaltige Produktion. Ja, es gibt viel Kritik, weil inzwischen eben auch ein Kampf um die Deutungshoheit bei „Fair Trade“ existiert. Aber: Wer Produkte mit Fairtrade-Siegel kauft, macht nichts falsch. Falsch handelt nur, wer zu Waren von Herstellern greift, die sich nicht um sozialere, gesündere und nachhaltigere Produktionsbedingungen ihrer Lieferanten kümmern.

Wichtige Beiträge zum Thema auf Utopia.de:

Fairtrade und fairer Handel: die wichtigsten Fragen und Antworten

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