Feigen sind nicht (immer) vegan – das solltest du wissen

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Auch wenn sie zum Obst zählen – häufig sind Feigen nicht vegan. Der Grund dafür liegt in der Befruchtungsmethode. Wir erklären dir, was die meisten Feigen problematisch macht und welche Alternativen es gibt.

Auf den ersten Blick scheint sich die Frage gar nicht zu stellen, ob Feigen vegan sind: Schließlich handelt es sich bei ihnen um die Früchte des Feigenbaums und somit um ein Lebensmittel pflanzlicher Herkunft. Legt man den Begriff streng aus, sind die meisten Feigen aber tatsächlich nicht für eine vegane Ernährung geeignet: Beim Anbau der Früchte kommen in der Regel zahlreiche Wespen zu Schaden. Dabei handelt es sich nicht um einen Nebeneffekt, sondern sogar um eine notwendige Bedingung. Warum das so ist, liest du hier.   

Darum sind Feigen nicht vegan

Damit der Feigenbaum Früchte tragen kann, müssen Feigenwespen ihn befruchten.
Damit der Feigenbaum Früchte tragen kann, müssen Feigenwespen ihn befruchten.
(Foto: CC0 / Pixabay / Thoxuan99)

Die meisten im Handel erhältlichen Feigen stammen von der sogenannten Echten Feige oder Essfeige (Ficus carica). Die Echte Feige verfügt nur über weibliche Blüten und kann sich deshalb nicht selbst fortpflanzen – sie benötigt dazu den männlichen Pollen einer anderen Feigenart, der Bocksfeige. Nur bestimmte Wespenarten, die unter dem Überbegriff „Feigenwespen“ zusammengefasst werden, können sie bestäuben.

Die Weibchen der Feigenwespen dringen in die Blüten der Bocksfeige ein – weil Feigenblüten sehr eng sind, verletzen sie sich dabei und sterben, nachdem sie ihre Eier abgelegt haben. Aus den Blüten der Bocksfeige bilden sich dann sogenannte Pflanzengallen, in denen die jungen Feigenwespen heranwachsen.

Die Männchen verlassen die Gallen nicht mehr: Sie sterben, nachdem sie die Weibchen begattet haben. Die Weibchen gelangen später ins Freie und fliegen die Blüten der Bocksfeige, aber auch die der Echten Feige an. So transportieren sie den benötigten Blütenstaub und sorgen für die Befruchtung beider Feigenarten. Dabei verlieren die Weibchen allerdings wiederum ihr Leben – der Kreislauf setzt sich fort.

Nachdem sie gestorben sind, werden die toten Feigenwespen im Inneren zersetzt: Durch ein Enzym namens Ficin lösen sie sich komplett auf. Die später geernteten Früchte enthalten also keine Rückstände der Wespen. Streng genommen sind Feigen jedoch nicht vegan. So ist der Tod der Wespen die Grundvoraussetzung dafür, dass sie überhaupt heranwachsen können. Ob du als Veganer:in Feigen essen möchtest oder nicht, ist letztlich eine individuelle Entscheidung. Mehr zu den Grundlagen der veganen Ernährung erfährst du in unserem Ratgeber: Vegan leben: Die wichtigsten Antworten.        

Gibt es vegane Feigen?

Auch in Deutschland ist es möglich, Feigen anzubauen.
Auch in Deutschland ist es möglich, Feigen anzubauen.
(Foto: CC0 / Pixabay / ajcespedes)

Neben der Echten Feige und der Bocksfeige gibt es auch Feigensorten, die nicht auf die Feigenwespe angewiesen sind. Sie können sich selbst befruchten und sind in diesem Sinne vegane Feigen. Sie sind auch unter dem Überbegriff „Parthenokarpe-Feigen“ bekannt. Gerade in Regionen, in denen die Feigenwespen nicht vorkommen, sind solche Sorten verbreitet. Auch in Deutschland lassen sich unter den richtigen klimatischen Bedingungen Feigenbäume anbauen, die Früchte tragen. 

Wenn du die süßen Früchte oft isst, dabei aber auf vegane Feigen zurückgreifen willst, hast du also die Möglichkeit, einen Feigenbaum im eigenen Garten zu pflanzen. Allgemeine Informationen dazu bekommst du in unserem Ratgeber: Feigenbaum pflanzen, pflegen und vermehren: So geht’s.

Für genauere Details lässt du dich am besten im Gartenfachhandel beraten. Dort kannst du dich informieren, ob das Klima in deiner Region günstig genug ist, um Feigen zu züchten– und erfährst auch, welche selbstbefruchtenden Arten sich eignen. Beliebt sind hierzulande zum Beispiel die Sorten „Brown Turkey“, „Negronne“ oder „Valle Negra“.      

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(1) Kommentar

  1. Nach dieser Logik sind pflanzlichen Erzeugnisse die durch Bestäubung entstehen nicht vegan. Oder ist der Prozess der Auslese in Verbindung mit dem Lebenszyklus einer Lebensform das Kriterium für vegan und nicht vegan? Denn so wie es im Artikel für mich erkennbar ist, wird hier eine Symbiose zur Fortpflanzung beschrieben.

    Ich finde dies ist ein sehr krudes und schlechtes Beispiel das eher dient eine vegane Denkweise ad absurdum zu führen: Veganismus ist nicht mit der Natur vereinbar ist hier das Fazit.