Happy Planet Index: So schneidet Deutschland ab

Happy Planet Index Industrie Landschaft
Foto: CC0 / Pixabay / Benita5

Der Happy Planet Index misst, wie glücklich und nachhaltig Bewohner:innen eines Landes leben. Er stellt somit eine Alternative zum klassischen Wachstumsgedanken dar. Hier erfährst du mehr zu Merkmalen und Hintergründen des Index.

Die materiell reichsten Länder der Welt sind nicht unbedingt die glücklichsten – das zeigt der Happy Planet Index (HPI). Der Happy Planet Index ist ein Indikator, der Länder danach bewertet, wie ökologisch effizient sie es schaffen, für ihre jeweiligen Bevölkerungen Wohlstand zu erzeugen.

Ein Ziel des HPI ist es dabei, eine Alternative zur reinen Orientierung an Materialismus (zum Beispiel am Bruttoinlandsprodukt) zu bieten. Wohlstand im Sinne des klassischen Wachstumsgedankens soll nicht mehr das Maß aller Dinge sein. Stattdessen versteht der HPI Wohlstand als hohes Maß an Nachhaltigkeit und Zufriedenheit der Menschen. Von einer solchen Neuorientierung profitieren Umwelt und nachkommende Generationen, da auch für sie wichtige Ressourcen geschont werden.

Happy Planet Index: So setzt er sich zusammen

Im Gegensatz zu Indizes, die sich oft nur am Bruttoinlandsprodukt orientieren, betrachtet der Happy Planet Index drei Faktoren, die für ein gesundes und glückliches Leben eine Rolle spielen:

  1. Subjektives Wohlergehen (basierend auf Daten aus dem World Happiness Report
  2. Durchschnittliche Lebenserwartung (basierend auf Daten aus dem Human Development Report)
  3. Nachhaltigkeit (gemessen anhand des ökologischen Fußabdrucks nach Zahlen des Global Footprint Network

Der britische Think-Tank New Economics Foundation entwickelte den Happy Planet Index zusammen mit Friends of the Earth, einem internationalen Zusammenschluss von Umweltorganisationen, im Jahr 2006 als alternativen Fortschrittsindikator. 2021 wurde die fünfte Ausgabe veröffentlicht, die Daten stammen allerdings aus dem Jahr 2019.

So schneidet Deutschland ab

Im Ranking des Happy Planet Index' befindet sich Deutschland im oberen Mittelfeld.
Im Ranking des Happy Planet Index‘ befindet sich Deutschland im oberen Mittelfeld.
(Foto: CC0 / Pixabay / anikinearthwalker)

Der Happy Planet Index gewichtet den ökologischen Fußabdruck und die Lebenszufriedenheit gleichwertig. So sind die Länder im Ranking also nicht direkt nach der Lebenszufriedenheit oder der Nachhaltigkeit geordnet, sondern nach der ökologischen Effizienz, mit der ein Land Zufriedenheit generiert. Je höher die Lebenszufriedenheit und je geringer der ökologische Fußabdruck, desto bessere Werte erhält ein Land und desto höher landet es im HPI-Ranking. 

Deutschland erreichte im Jahr 2021 den Rang 29 und liegt somit im oberen Mittelfeld, kurz vor Spanien (30) und Frankreich (31). Laut der taz schafft es Deutschland somit immer besser, Nachhaltigkeit und Wohlstand miteinander zu vereinen. Allerdings gebe es auch noch viel Potenzial, den CO2-Fußabdruck weiter zu senken. Den Spitzenplatz unter den europäischen Ländern belegt auf Rang vier die Schweiz. 

Unter den zehn bestplatzierten Nationen befinden sich acht lateinamerikanische Länder, zum vierten Mal angeführt von Costa Rica auf Platz eins. Dort ist laut des Happy Planet Index der ökologische Fußabdruck relativ gering, während die Lebenserwartung und -zufriedenheit besonders hoch ist. 

Kritik am Happy Planet Index

Kritik am Happy Planet Index ist die starke Gewichtung des ökologischen Fußabdrucks.
Kritik am Happy Planet Index ist die starke Gewichtung des ökologischen Fußabdrucks.
(Foto: CC0 / Pixabay / Quangpraha)

In vielen Ländern liegt das Ideal einer geringen Umweltbelastung und einer hohen Lebenszufriedenheit nur bedingt vor. Denn meist geht eine hohe Lebenszufriedenheit und lange Lebenserwartung auch mit einem großen ökologischem Fußabdruck einher. Das erkennt man insbesondere an den reichen, vor allem westlichen Ländern: Dort sind die Lebensstandards hoch und aufgrund guter Infrastrukturen und Gesundheitsversorgung leben die Menschen länger. Allerdings geht dies meist auf Kosten der Umwelt. So sind laut dem Portal energieZukunft vor allem Industrienationen wie die USA, Deutschland, Japan und das Vereinigte Königreich für einen Großteil der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. 

Umgekehrt bedeutet dies, dass ein geringer ökologischer Fußabdruck meistens in ärmeren Ländern des Globalen Südens vorliegt. In diesen Ländern sind die Menschen weniger zufrieden und haben weniger Aussicht auf ein langes und gesundes Leben. 

Allerdings ist die Annahme, dass nur reiche Länder große ökologischen Fußabdrücke haben, nicht allgemeingültig – denn auch die Bevölkerungsdichte eines Landes spielt eine wichtige Rolle. So können auch ärmere Länder, die aber bevölkerungsreich sind, einen hohen CO2-Verbrauch haben. Das trifft zum Beispiel auf Indien, Kanada, Brasilien und Indonesien zu. Sie zählen laut dem Portal energieZukunft ebenfalls zu den zehn größten CO2-Verbrauchern.

Der Happy Planet Index beachtet die Bevölkerungsdichte der Länder jedoch nicht. Deswegen werden von vornherein solche Länder im Ranking benachteiligt, in denen Armut weitverbreitet ist und die dennoch einen großen ökologischen Fußabdruck haben. 

Ein weiterer Kritikpunkt am Happy Planet Index ist, dass er auch weitere wichtige Faktoren wie Bildung, Sicherheit und Menschenrechte nicht beachtet. Der HPI ignoriert beispielsweise, wenn Länder zwar eine gute Nachhaltigkeitsbilanz haben, es dort aber Menschenrechtsverletzungen gibt. Ein Beispiel ist Kolumbien: Das Land liegt auf Platz drei des Index – jedoch erfahren dort regierungskritische Demonstrierende Gewalt durch die Polizei und Umweltschützer:innen erhalten Morddrohungen, so Amnesty International. Trotzdem rankt Kolumbien auf dem HPI hoch, weil solche Repressionen nur Teile der Bevölkerung betreffen und sie sich daher nicht im allgemeinen Wohlbefinden widerspiegeln. 

Daher sollte auch der Happy Planet Index nur ein Anhaltspunkt unter mehreren sein, anhand derer wir den Fortschritt eines Landes bewerten. 

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