Kaufsucht: Wie du sie erkennst und was du tun kannst

Kaufsucht
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Wir erklären dir, wie du eine Kaufsucht erkennst. Außerdem zeigen wir dir, was du als Betroffene*r tun kannst oder als außenstehende Person unternehmen kannst, um zu helfen.

Für manche Menschen ist es nicht leicht, in einer Welt voller Konsum nicht die Orientierung zu verlieren. Das kann zu einer Kaufsucht führen.

  • Haben Menschen eine Kaufsucht, kaufen sie viel mehr ein, als sie sich eigentlich leisten können. Oft verlieren Kaufsüchtige die Kontrolle über ihren Besitz. Es wird für sie zum innerlichen Kampf, Kontoauszüge abzuholen oder Rechnungen zu öffnen. Dabei ist es nicht unüblich, dass sie neu gekaufte Dinge in der Wohnung horten, ohne sie vielleicht auszupacken oder zu tragen. Betroffene erfinden aus Scham Lügen, sodass Angehörige oftmals spät erkennen, dass etwas nicht stimmt.
  • Eine Umfrage in Österreich ergab, dass elf Prozent der Befragten als „kaufsüchtig“ bezeichnet werden können, 24 Prozent galten als Risikogruppe. Dabei waren Frauen fast doppelt so häufig gefährdet wie Männer.

Vielleicht fragst du dich nun: Woran erkennst du eine Kaufsucht? Und wie kannst du dir selbst oder Betroffenen helfen?

Schleichende Indizien für eine Kaufsucht

Kaufsucht-Gefährdete legen Wert auf Materielles.
Kaufsucht-Gefährdete legen Wert auf Materielles. (Foto: CC0 / Pixabay / Alexandra_Koch)

Eine Kaufsucht entwickelt sich in der Regel wie viele andere Süchte schleichend. Doch bevor es so weit kommt, gibt es einige Indizien im Vorfeld, bei denen die Alarmglocken schrillen sollten. Diese Indizien kannst du auch teilweise als außenstehende Person wahrnehmen. Das Öffentliche Gesundheitportal Österreich nennt dazu folgendes:

  • Die betroffene Person übt Shopping recht häufig aus.
  • Materielles bekommt einen hohen Symbolwert von der betroffenen Person zugeschrieben.
  • Die betroffene Person erlebt einen Kontrollverlust, während sie einkauft.
  • Die betroffene Person nutzt das Shoppen, um sich kurzzeitig zu entspannen oder zu belohnen.
  • Die betroffene Person schiebt Probleme auf.

Anders, als du vielleicht annimmst, liegt der Ursprung der Kaufsucht nicht in den gekauften Gegenständen, sondern es geht um das Kaufen selbst. Neben einer Kaufsucht haben Betroffene oftmals auch andere psychische Leiden wie Depressionen, Persönlichkeitsstörung oder einen Sammelzwang.

Das sind die Kriterien von Kaufsucht

Schulden als Folge ist nur ein Merkmal von Kaufsucht.
Schulden als Folge ist nur ein Merkmal von Kaufsucht. (Foto: CC0 / Pixabay / stevepb)

Darüber hinaus gibt es auch international festgelegte Maßstäbe in der Psychologie, ab wann von einer Kaufsucht gesprochen werden kann. Das geht mithilfe des ICD (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems).

Der ICD ist eine Klassifizierung von allen erforschten psychologischen Krankheitsbildern, der Kriterien für die Diagnose geben. Laut dem Öffentlichen Gesundheitsportal Österreich ist die Kaufsucht unter ICD-10 zu finden. Dabei handelt es sich bei der Kaufsucht um eine Störung der Impulskontrolle.

Die Kriterien werden als Diagnose von einer geschulten Person (Psycholog*in, psychologische*r Therapeut*in, etc.) aufgestellt und sind folgende:

  • Die betroffene Person leidet unter ihrem Kaufverhalten. Das Kaufverhalten nimmt viel Zeit in Anspruch, sodass soziale Kontakte wie Beruf leiden.
  • Das Kaufverhalten führt zu finanziellen Problemen und die gekauften Dinge häufen sich an.
  • Das ausschweifende Kaufen ist nicht die Folge einer Manie oder Hypomanie.
  • Außerdem muss mindestens eine der folgenden beiden Fehlanpassungen hinzukommen: Die betroffene Person kauft häufig Dinge, die den finanziell leistbaren Rahmen sprengen. Oder die betroffene Person beschäftigt sich oft mit dem Thema „Kaufen“.

Hast du den Verdacht, dass du an einer Kaufsucht leiden könntest, nimm Kontakt mit Psychiater*innen, Psychotherapeut*innen oder Psycholog*innen auf, um eine Therapie beginnen zu können.

Kaufsucht: So entsteht sie

Manches macht uns einfach glücklich und damit in gewissen Situationen auch süchtig.
Manches macht uns einfach glücklich und damit in gewissen Situationen auch süchtig. (Foto: CC0 / Pixabay / thisismyurl)

Vielleicht fragst du dich, wie es dazu kommen kann, dass etwas Alltägliches wie Einkaufen zur Sucht wird. Laut der Apotheken-Umschau sind es Belohnungsmechanismen, die im Gehirn eine wichtige Rolle spielen, damit es zu einer Abhängigkeit kommt.

  • Zum Beispiel: Wenn wir Positives erleben, wie das Lieblingsessen verspeisen, ein lobendes Wort von unserer Chefin, ein Lächeln von dem Verkäufer an der Kasse, schüttet unser Gehirn Glückshormone wie Dopamin aus. Auch Alkohol, Drogen, Shopping, Internetsurfing oder andere Süchte können Positives auslösen.
  • Konsumieren wir regelmäßig Dinge, die in uns Positives auslösen, gewöhnt sich unser Körper daran. Es kommt dann im Laufe der Zeit zu einer Veränderung im Gehirn, so dass das Gehirn nach „mehr“ fragt. Ansonsten kommt es zu Entzugserscheinungen.
  • Damit eine betroffene Person der Sucht entfliehen kann, muss das Gehirn wieder trainiert werden, selbst die Botenstoffe auszuschütten. So braucht es nicht mehr die Stimulation von außen.

Kaufsucht: Das kannst du als Betroffene*r tun

Ein Hobby wie Malen kann Spaß machen.
Ein Hobby wie Malen kann Spaß machen. (Foto: CC0 / Pixabay / bodobe)

Hast du den Verdacht, dass du selbst vielleicht gefährdet bist, kaufsüchtig zu sein? Wir haben folgende Tipps für dich, wie du vorgehen kannst:

  1. Sei ehrlich mit dir selbst. Gestehe dir selbst ein, dass du eventuell eine Schwachstelle hast.
  2. Suche eine geschulte Person auf und vereinbare mit ihr einen Termin. Dieser Schritt verlangt jede Menge Mut, da psychologische Leiden in der Gesellschaft mit Scham belegt sind. Doch in einer Therapie lernst du, dein Kaufverhalten wieder selbst zu steuern.

Das kannst du tun, um Kaufsucht vorzubeugen:

  1. Gewöhne dir an, in bar zu zahlen.
  2. Setze dir ein finanzielles Limit, wie viel du bei einer Shoppingtour maximal ausgeben willst.
  3. Führe ein Haushaltsbuch, in dem du all deine Ausgaben sofort notierst.
  4. Hast du eine Kreditkarte, mit der du zahlst? Ändere deinen Vertrag so, dass das Geld sofort und nicht erst am Ende des Monats abgebucht wird. So behälst du den reellen Überblick. Außerdem kannst du dein Kreditkartenlimit heruntersetzen, sodass du dein Konto nicht mehr ins Minus überziehen kannst.
  5. Gewöhne dir an, regelmäßig deinen Kontostand zu überprüfen.
  6. Entdecke den Minimalismus für dich. Weniger ist oft mehr. Lebst du minimalistisch, hilft dir das, dich auf das Wesentliche zu konzentrieren.
  7. Suche dir Hobbies, die dir Spaß machen und die du gegen das Shoppen austauschen kannst: Egal ob Musik, Malen, Sport oder ein ehrenamtliches Engagement.

Kaufsucht: Das kannst du als Außenstehende*r tun

Hast du eine Person in deinem Familien- oder Freundeskreis, bei der du den Verdacht hast, dass sie kaufsüchtig ist? Wir geben dir einige Tipps, was du tun kannst:

  1. Informiere dich im Internet oder mithilfe von Literatur über Kaufsucht.
  2. Sprich mit einer neutralen Person über deinen Verdacht. Rufnummern für die Telefonseelsorge findest du hier. Die Berater*innen können dir auch helfen, wie du die betroffene Person am besten mit deinen Beobachtungen konfrontieren kannst.
  3. Hast du den Eindruck, dass dich die Person bei finanziellen Sachen, die auch dich betreffen, anlügt? Bestehe darauf, dir die Rechnungen oder Abbuchungen zeigen zu lassen.
  4. Mache dir deine Grenzen bewusst. Du kannst die Person nicht retten und kannst keine therapeutische Hilfe ersetzen.
  5. Sei konsequent. Damit du nicht in eine Co-Abhängigkeit gerätst, ist es wichtig, dass du konsequent bleibst und deine Grenzen nicht überschreitest. Hat die betreffende Person schon in der Vergangenheit mehrmals von dir Geld geliehen, das sie dir nicht zurückgezahlt hat? Achte in Zukunft darauf, dass du ihr konsequenterweise kein Geld leihst oder eine Frist aufstellst.

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