Mica: Problematisches Mineral für Glitzerkosmetik

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Mica ist die Bezeichnung für eine Gruppe von Mineralien, die auch als Glimmer bekannt ist. Der Name deutet bereits an, dass Mica glitzert und deshalb auch in Kosmetik beliebt ist.

Mica oder Glimmer sind natürliche Minerale, die zum Beispiel in Granit, Sandstein und Marmor vorkommen. Der Name „Mica“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet übersetzt „glänzen“ oder „glitzern“. Mica-Minerale werden auch „Katzensilber“ oder „Katzengold“ genannt. Es gibt sie in verschiedenen Farben, zum Beispiel rot- oder grün-schimmernd. Zu den häufigsten Mica-Mineralien zählen Biotit, Damourit, Alurgit, Annit, Gilbertit, Mariposit und Fuchsit. Das Mineral wird vor allem in den USA, Indien und China angebaut.

Mica: Verwendung der Glimmer-Minerale

Mica (Glimmer) stammt oft aus Indien und China.(Foto: CC0 / Pixabay / Hans)
Mica (Glimmer) stammt oft aus Indien und China.

Mica-Minerale lassen sich leicht spalten und zum Beispiel in dünne transparente Scheiben zerlegen. Für Fensterscheiben wurden sie aber nur in Regionen eingesetzt, wo Glas zu teuer war. Da Mica-Minerale aber einen sehr hohen Schmelzpunkt haben, werden sie oft in der Industrie eingesetzt. Aus ihnen entstehen zum Beispiel Fenster für Öfen. Auch zur Isolation von Kabeln und für Autolacke, Bremsbeläge und Reifen wird Mica verwendet.

Verbraucher kommen mit Mica oft über Kosmetik in Kontakt. In vielen Produkten sorgen die Minerale für einen Glitzer-Effekt und schützen vor UV-Strahlen. Du findest sie unter anderen oft in Puder, Lippenstiften, Lidschatten, Nagellacken und Karnevals-Schminke. Ob ein Produkt Mica enthält, erkennst du an der INCI-Nummer CI 77019.

Warum Mica problematisch ist

Mica: Kinderarbeit in Indien(Foto: U. Sodemann/terre des hommes)
Mica: Kinderarbeit in Indien

Mica stammt oft aus Indien und China und wird dort unter fragwürdigen Bedingungen abgebaut. So zeigt eine Studie der Hilfsorganisation Terre des Hommes, dass bis zu 20.000 Kinder in indischen Minen Mica abbauen. Fast alle der Minen dort sind illegal, heißt es in dem Bericht. Immer wieder kommt es zu Mineneinbrüchen, bei denen auch Kinder sterben.

Viele Kinder weisen zudem durch die tägliche Arbeit Verletzungen auf, so die Studie. Aufgrund fehlender Schutzmaßnahmen erleiden sie Schnittwunden, Knochenbrüche, Schlangen- und Skorpionbisse oder Hautinfektionen und Atemwegserkrankungen (Staublunge und Asthma) bei der Arbeit in der Mine.

Viele Familien sehen sich gezwungen, aufgrund großer Armut ihre Kinder in die Minen statt zur Schule zu schicken. Dabei erhalten die Kinder einen Hungerlohn von umgerechnet 27 Cent bis drei Euro am Tag. Zwar ist Kinderarbeit unter 18 Jahren gesetzlich verboten, doch bei illegalen Minen gibt es keine Kontrollen und keinen Arbeitsschutz.

Deutsche und internationale Unternehmen sind sich über die Kinderarbeit in den Mica-Minen bewusst, berichtet der Spiegel. Einige haben sich zur Responsible Mica Initiative zusammengeschlossen und wollen bis 2023 nur noch Glimmer aus legalen Minen kaufen. Dazu zählen u.a. H&M, L’Oréal, Merck, BASF, Sephora und The Body Shop. Auch die Kinderhilfsorganisation Terre des Hommes ist Teil der Initiative.

Merck schreibt zum Beispiel im Corporate-Responsibility-Bericht, dass es vor Ort die Minen selbst auswählt und unabhängige Prüfer jährliche Audits durchführen. Dies zielt unter anderem auf soziale und ökologische Standards ab, wie dem Verbot von Kinderarbeit und der Einhaltung von Menschenrechten. Klingt gut, doch laut dem Spiegel gelangt trotzdem illegal abgebautes Mica in die Lieferkette. Und das ZDF berichtet von falschen Export-Genehmigungen.

Auf Mica verzichten: Gibt es Alternativen?

Besser: Nagellack ohne Glitzer(Foto: CC0 / Pixabay / Bru-nO)
Besser: Nagellack ohne Glitzer

Mica kann sich in konventioneller Kosmetik, aber auch in Naturkosmetik befinden. Einige Hersteller ersetzen Mica aber durch pflanzliche Alternativen oder synthetische Stoffe. Es gibt zum Beispiel Glitter aus Zellulose (erhältlich unter anderem bei ** Amazon). Manche Hersteller verwenden auch Bio-Kunststoffe, die allerdings nicht unumstritten sind. Denn einige Bio-Kunststoffe sind in der Natur nur schwer abbaubar.

Fazit: Zwar setzen sich einige Unternehmen dafür ein, dass Mica nicht mehr aus Kinderarbeit stammt. Doch eine Garantie gibt es nicht und so kann man Produkte mit Mica (noch) nicht reinen Gewissens kaufen. Am besten ist es daher, auf Produkte mit Mica zu verzichten. Wer trotzdem etwas Glitzer möchte, findet mit etwas Suchen Alternativen – auch ohne Plastik.

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