6 kleine Naturkosmetik-Labels, die du kennen solltest

Fotos: © Ayluna, Styx, Hands on Veggies

Naturkosmetik aus fermentiertem Gemüse, mit Halal-Zertifizierung oder klimaneutral produziert: Neben den großen, bekannten Marken gibt es viele kleine Hersteller, die interessante Ideen haben. Hier stellen wir dir sechs von ihnen vor.

Wenn du zertifizierte Naturkosmetik verwendest, tust du deinem Körper und der Umwelt einen Gefallen. Wahrscheinlich kennst du schon einige größere Hersteller aus unserer Utopia-Bestenliste – die meisten davon findest du in Drogerien und Supermärkten. Und zugegeben, die Auswahl ist bereits beachtlich.

Aber auch einige kleine Naturkosmetik-Labels haben richtig gute Ansätze. Oft müssen sie aber oft noch um die Anerkennung kämpfen, die sie verdient hätten. Hier stellen wir dir einige solcher Marken vor – drei aus Deutschland und drei aus Österreich.

1. Hands on Veggies – Kosmetik aus fermentiertem Gemüse

Wer: Die Marke „Hands on Veggies“ ist nach der Premium-Marke „Pure Skin Food“ das zweite Aushängeschild des österreichischen Unternehmens No Planet B GmbH.

Was: Das Sortiment von Hands on Veggies umfasst Haarpflege für verschiedene Haartypen, Duschpflege und Körperpflege – und ist damit (gerade für ein junges Label) sehr bunt und vielfältig.

Wir haben in der Utopia-Redaktion einige Produkte ausprobiert: Das „Bio Extra Volumen Shampoo“ mit Chili & Tonerde schäumte gut und überzeugte mit einer interessanten Schärfe-Note im Duft. Den Geruch des Bio-Duschgels mit Avocadoöl fanden wir dagegen gewöhnungsbedürftig herb. Besonders gut gefiel uns das aluminiumfreie Bio-Sprühdeo mit Lavendel; es duftet frisch und wirkte bei uns zuverlässig.

Hands on Veggies Deos
Hands on Veggies: Die Sprüh-Deos haben es uns besonders angetan. (Foto: © Hands on Veggies)

Was daran besonders ist: Die Basis der Hands on Veggies-Produkte ist Gemüse – von Grünkohl bis Kürbis. Dafür setzt das Unternehmen ein spezielles Fermentationsverfahren ein, das zwei Vorteile bringt: Es sorgt für Haltbarkeit und ersetzt somit für Naturkosmetik zugelassene, synthetische Konservierungsmittel. Und auch die Pflegewirkung soll von den fermentierten pflanzlichen Inhaltsstoffen profitieren: Laut dem Hersteller wirkt etwa Chiliferment durchblutungsanregend und kräftigt Haar und Kopfhaut, Kürbisferment soll Feuchtigkeit spenden und sanft peelen.

Die Verpackung ist auffällig gestaltet, aber leider nicht so umweltfreundlich und „visionär“, wie es Hands on Veggies gerne hätte: Die Tuben bestehen aus Bioplastik, das aus Zuckerrohr statt aus Erdöl gewonnen wird und recycelbar ist. Aber in der Natur baut sich solches Bioplastik oft ähnlich langsam ab wie konventionelles Plastik. Fairerweise muss jedoch gesagt werden: Eine perfekt nachhaltige Verpackung für (flüssige) Kosmetik gibt es noch nicht – selbst Glas oder Refill-Systeme haben ihre Nachteile.

Die Hands on Veggies-Produkte enthalten zertifiziert biologische Inhaltsstoffe, sind vegan und tierversuchsfrei. Statt eines bekannten Siegels wie etwa Natrue haben sie das slowenische Bio-Zertifikat Egocea. Das Unternehmen begründet das auf Nachfrage damit, für die Abfüllung mit einem Partnerunternehmen in Slowenien zu kooperieren, und erklärt außerdem: „Bei Ecocert, Cosmos, etc. ist leider die Abwicklung sehr, sehr aufwändig und mit hohen Kosten verbunden, die für Start-ups wie uns nicht einfach zu stemmen sind.“

Kaufen: im eigenen Onlineshop, in ausgewählten Naturkosmetik-Onlineshops wie z.B. Ecco Verde**, bei Amazon** und bei einigen lokalen Verkaufsstellen (auf der Webseite zu finden).

2. Überwood – Haarpflege mit Kiefernholzextrakt

Wer: „Überwood“ ist eine Marke des thüringischen Familienunternehmens Ewald.

Was: Holz – genauer gesagt: Kiefernkernholz-Extrakt aus heimischen Hölzern – steckt in allen Überwood-Kosmetika. Die mit nur sieben Artikeln kleine, aber interessante Produktpalette konzentriert sich auf Haarpflege- und Stylingprodukte: Farbglanz- und Aufbau-Shampoo sowie eines für sensible Kopfhaut, dazu ein Conditioner, eine Haarkur, ein Haarwasser und ein Haarfestiger.

Überwood
Überwood macht Naturkosmetik mit Holz aus Thüringen. (Foto: © Überwood )

Was daran besonders ist: Die Naturkosmetik von Überwood ist vegan, von Natrue als Naturkosmetik zertifiziert und punktet durch regionale Herstellung in Thüringen. „Das Kiefernkernholz enthält ca. 80 Einzelsubstanzen, zu denen Flavanoide, ätherische Öle, Aminosäuren und Spurenelemente als unterstützende Wirkstoffe zählen“, schreibt der Hersteller auf seiner Website. Das verwendete Extrakt schütze, beruhige und pflege die Kopfhaut. Hinzu kommen Inhaltsstoffe wie Bier, Reiskeim-, Brennnessel-, Birken- oder Mate-Extrakt.

Das Kiefernholz wandert zum Teil auch in die Verpackung. Es stammt laut Überwood aus nachhaltiger Forstwirtschaft und wird für sogenanntes „Polywood“ verwendet, einer Verbindung aus Kunststoff und Naturfasern. Somit sind die Tuben und Spender letztlich aus Kunststoff, bei der Herstellung werden aber zumindest 40 Prozent Erdöl durch Holz ersetzt. Nach Angaben des Unternehmens ist die Produktion CO2-neutral.

Kaufen: im eigenen Onlineshop, online bei BioNaturel**, BigGreenSmile** oder Amazon** und bei Douglas.

3. Sisi and Joe – kaiserliche Pflege mit Edelweiß-Extrakt

Wer: Die österreichische Marke „Sisi and Joe“ gehört zum Unternehmen „Pure Green“. Ihr Name ist angelehnt an Kaiserin Elisabeth (Sisi) und ihren Gatten Franz Joseph (auch wenn diesen am Hofe bestimmt niemand „Joe“ genannt hat).

Was: Für moderne Sisis und Joes hat der Hersteller jeweils eine Pflegeserie mit eigener Duftkomposition parat. Dazu gehören eine Handvoll Produkte: bei den Kosmetika für Frauen Reinigungsgel, Tagescreme, Intensiv Serum, Augengel, Bad- und Duschgel, Körperlotion und Körperpeeling, beim reduzierteren Männersortiment Augengel, Rasiergel und die Kombiprodukte Tages- und Nachtcreme sowie Haar- und Duschgel.

Sisi and Joe
Sisi and Joe macht Kosmetik, die vom berühmten kaiserlichen Paar inspiriert ist. (Foto: © Sisi and Joe)

Was daran besonders ist: Im Zentrum steht bei Sisi and Joe das Edelweiß – und zwar nicht der unter Naturschutz stehende Wildwuchs, sondern Pflanzen, die in speziellen Alpengärten biologisch angebaut werden. In den Produkten steckt ca. drei bis fünf Prozent Edelweiß-Elixir – laut Hersteller hat Edelweiß über 40 Inhalts- und Wirkstoffe, die die Haut schützen und vorzeitiger Hautalterung vorbeugen.

Neben dem Edelweiß-Extrakt enthält die Kosmetik Bergquellwasser und viele Pflanzenextrakte, von Gerstengras über Brennnessel bis hin zur Radieschenwurzel. Nach eigenen Angaben verwendet Sisi and Joe „weitestgehend“ Wirkstoffe aus Österreich. Die Produkte werden in den Tiroler Alpen erzeugt und abgefüllt. Sie sind komplett vegan, tierversuchsfrei und Natrue-zertifiziert.

Einen Minuspunkt gibt es für die Verpackung: Die ist zwar hübsch gestaltet, aber aus reinem Plastik. Einen Pluspunkt gibt es für die Rubrik „Too good to go“ auf der Website: Dort werden Produkte, die nicht mehr lange haltbar sind, deutlich günstiger verkauft – das verhindert Verschwendung.

Kaufen: im eigenen Onlineshop oder auf alles-vegetarisch.de**.

4. Ayluna – Orient trifft Okzident

Wer: Hinter dem Label „Ayluna“ (seit 2017 auf dem Markt) steht ein Ehepaar, das damit die Vision einer harmonischen Verbindung von Orient und Okzident verfolgt.

Was: Bei Ayluna findet man Haarpflege und Körperpflege mit klangvollen Namen wie Windhauch, Mondaufgang oder Zauberfrucht in vielen natürlichen Duftrichtungen. Das Sortiment ist breit gestreut und bietet unter anderem Shampoo, Haarspülung, Haaröl, Pflanzenhaarfarbe, Duschbad, Körperöl, Körperlotion und Badeschaum.

Ayluna
Ayluna: Blumige Produktnamen und wohltuende Düfte. (Foto: © Ayluna)

Was daran besonders ist: Die Produkte von Ayluna sind nicht nur vegan, tierversuchsfrei und nach dem strengen Standard Cosmos Organic zertifiziert. Sie sind auch halal – was für Naturkosmetik außergewöhnlich ist. Damit sollen Menschen verschiedenster Lebensstile angesprochen werden. Und auch für Nicht-Muslime hat die halal-Zertifizierung einen großen Vorteil: Ayluna verzichtet konsequent auf Alkohol. Das macht die Produkte besonders verträglich und kommt Menschen mit empfindlicher Haut zugute.

Der Hersteller nutzt für die Rezepturen Pflanzen aus dem Orient wie Granatäpfel, Rosen, Zitronen, Feigen, Argannüsse und Henna – „wo immer möglich, in Bio-Qualität und natürlich zu fairen Bedingungen für die Anbauer.“ Die Inhaltsstoffe der Pflanzenhaarfarben sind zu 100 Prozent aus biologischem Anbau.

Bei der Verpackung ist noch Luft nach oben. Allerdings bemüht sich Ayluna sichtlich um ökologische Lösungen: Die Lavaerde („Ghassoul“) gibt es als Nachfüllpackung im 1,5 Kilo-Packpapierbeutel mit Nasskleber aus Kartoffelstärke.

Kaufen: im eigenen Onlineshop, in Naturkosmetik-Shops wie BioNaturel** und Ecco Verde** oder auch bei Amazon**.

5. No Planet B – Regionale Inhaltsstoffe und Recyclingplastik

Wer: Hinter dem kleinen deutschen Label „No Planet B“, das seit März 2019 auf dem Markt ist, steckt ein in London lebendes deutsch-britisches Ehepaar.

Was: Die Produktpalette von No Planet B beschränkt sich (bislang) auf drei Duschgels, eine Bodylotion, eine Körpermilch und eine Allzweckcreme. Die Düfte – zum Beispiel Minze und Lavendel oder die süßliche Note der Lotion mit Bio-Klatschmohn sind dezent und angenehm; die Pflegewirkung ist top.

No Planet B
No Planet B: Kleine, aber feine Produktpalette. (Foto: © No Planet B)

Was daran besonders ist: Im Ansatz des Startups stecken viele gute Ideen – deshalb haben wir No Planet B auch bereits einen eigenen Artikel gewidmet. Verwendet werden unter anderem Wildblumen und Zutaten wie Mandarinenschalen oder Baby-Äpfel, die als Beiprodukte der Lebensmittelproduktion übrig bleiben. Statt mit exotischen Ressourcen punkten die Kosmetika, die allesamt Natrue-zertifiziert, vegan und tierversuchsfrei sind, mit regionalen Inhaltsstoffen wie Sonnenblumenöl und Hafer.

Fünf der Produkte listet dm in der Rubrik „Verpackungen mit hohem Recyclinganteil“: Die unscheinbaren braunen Flaschen bestehen zu 97 Prozent aus Altplastik. Außerdem unterstützt der Hersteller die Initiative Plastic Bank, die Recycling-Center in Entwicklungsländern baut und so verhindern soll, dass noch mehr Plastikmüll im Meer landet.

Noch konsequenter wäre, ganz auf feste, verpackungsfreie Kosmetik zu setzen. Doch solange sich in den Drogeriemärkten noch die Plastikberge türmen und viele Menschen zu flüssigen Produkten greifen, liefert dieses Start-up zumindest einen Impuls für etwas mehr Nachhaltigkeit: Denn je höher der Anteil an Recycling-Plastik, desto weniger neuen Kunststoff braucht die Verpackung – das spart Ressourcen.

Kaufen: Bislang exklusiv bei dm, auch online.

6. Styx – klimaneutrale Kosmetik aus Österreich

Wer: „Styx“ ist ein österreichisches Familienunternehmen, das sich seit mehr als 50 Jahren der Naturkosmetik widmet.

Was: Styx hat eine enorm (fast schon verwirrend) große Produktvielfalt, von Körperpflege und Gesichtspflege über Babypflege bis hin zu Massageöl und Parfüm. Ein roter Faden oder ein einheitliches Design ist zwar nicht zu erkennen, dafür gibt es viele verschiedene Düfte und Produktlinien für jeden Geschmack.

Styx
Styx macht einige empfehlenswerte Pflegeprodukte – doch nicht alle sind zertifizierte Naturkosmetik. (Foto: © Styx)

Was daran besonders ist: Wer sich nun fragt, warum Styx nicht in unserer Bestenliste für Naturkosmetik-Hersteller vertreten ist: Das liegt vor allem daran, dass der Hersteller zwar „viele vegane und zertifizierte Naturprodukte“ anbietet, aber eben nicht alles zertifiziert ist. Deshalb: Achtung, wir empfehlen einen genauen Blick auf das Produkt der Wahl. Die verwendeten Siegel sind stets deutlich sichtbar angegeben.

Abgesehen von der inkonsequenten Zertifizierung macht Styx vieles gut: Laut Hersteller sind alle Kosmetika tierversuchsfrei hergestellt. Ein Großteil der Rohstoffe stammt aus dem direkten Umland der Firma in Niederösterreich, zudem besinnt man sich auf traditionelle Hausmittel – etwa mit dem „Kartoffel Handbalsam“ nach einem niederösterreichischen Bauernrezept (daran angelehnt gibt es auch eine entsprechende Fußpflege).

Das Unternehmen legt viel Wert auf Klimaschutz. Konkret nutzt Styx eine werkseigene Photovoltaik- und Hackschnitzelheizanlage (beliefert von regionalen Holzlieferanten), verwendet ausschließlich Ökostrom und reduziert Transportwege auf ein Minimum.

Kaufen: im Styx-Onlineshop sowie in Naturkosmetik-Shops** wie BioNaturel, Ecco Verde, Waschbär oder Amazon.

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