Minimalismus: 3 Methoden für Einsteiger:innen

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Minimalismus als Lebensstil heißt: bewusster Verzicht, um Platz für das Wesentliche zu schaffen. Dinge loszulassen fällt jedoch oft schwer. Diese Tipps helfen dir, innerhalb weniger Wochen minimalistisch(er) zu werden – und zu bleiben.

Der morgendliche Blick in den Kleiderschrank versetzt uns regelmäßig in Stress, der Gedanken an das vollgestellte Kellerabteil löst Panik aus und wegen des Papierkrams auf unserem Schreibtisch verlagern wir unseren Arbeitsort kurzerhand ins Esszimmer. Etwa 10.000 Dinge besitzt jede:r Deutsche im Schnitt. Sich von Sachen zu trennen wirkt befreiend – und fällt uns meist wahnsinnig schwer.

So wirst du Minimalist:in

Minimalismus als Lebensstil stellt eine Art Gegenbewegung zu Konsumwahn und Materialismus dar. Ein minimalistisches Leben kann die Lösung für die materielle Belastung sein, unter der viele Menschen bewusst oder unbewusst leiden. Denn wer wenig besitzt, muss sich auch um weniger kümmern, hat dafür aber mehr Platz, Zeit und Geld. Und das kann glücklich machen.

Minimalismus: Weniger macht glücklich
Je weniger wir haben, desto mehr Platz, Geld und Zeit haben wir für die wesentlichen Dinge im Leben. (Foto: Unsplash / CC02)

Viel zu oft behalten wir Dinge, die wir nicht brauchen, weil wir denken, dass sie irgendwann noch einmal nützlich sein könnten. Dieser Tag trifft selten wirklich ein. Überflüssige Dinge solltest du deshalb erkennen – und loswerden. Dabei gibt es einige Methoden, die dir beim Ausmisten helfen können. Wie radikal du dabei vorgehst, bleibt ganz dir überlassen. Das minmalistische Leben soll dich schließlich glücklicher machen und nicht stressen.

1. „Eat the Frog first“ – das Schlimmste kommt zuerst

Dinge loszulassen fällt schwer, das geht vielen so. Diese Methode soll helfen deine Hemmschwelle, dich von Eigentum zu trennen, zu überwinden, damit dir das Aussortieren in Zukunft leichter fällt.

Du wählst aus deinen liebsten Besitztümern wenigstens eines aus, auf das du künftig verzichten kannst. Wirf es nicht weg, sondern verschenke oder verkaufe es. Diese Erfahrung mag hart sein, zugleich führt sie uns vor Augen, wie wenig wir selbst liebgewonnene Gegenstände für ein glückliches Leben brauchen. Und in Zukunft wird es dir leichter fallen, dich bewusst von Dingen, die du nicht wirklich brauchst, zu trennen.

2. Die „KonMari-Methode“ – behalte, was dich glücklich macht

Marie Kondo ist Lifestyle-Expertin und Ordnungs-Wunder. Sie berät in Sachen Aufräumen und Wegwerfen und ist damit ziemlich erfolgreich. Bei der von ihr entwickelten KonMari-Methode geht es im Prinzip darum, nur die Dinge zu behalten, die Freude bereiten.

Dabei gehst du folgendermaßen vor: Sammle und sortiere alles was du besitzt – Bücher zu Büchern, Kleidung zu Kleidung. Nimm jeden Gegenstand einzeln in die Hand und frage dich: Weckt dieser Gegenstand positive Gefühle bei mir? Empfinde ich Freude? Ist das der Fall, behältst du den Gegenstand. Wenn nicht, dann kommt er weg.

Bei dieser Methode beginnt man mit weniger wichtigen Sachen wie beispielsweise Töpfen oder Putzutensilien, arbeitet sich durch Klamotten und Bücher. Erinnerungsstücke kommen zum Schluss. Wichtig: Eine Kategorie abschließen bevor man mit der nächsten beginnt. Nach und nach befinden sich in deiner Wohnung nur noch Dinge, die dir Freude bereiten.

Das Buch: „Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert“ gibt’s für 9,99 Euro im Buchhändler oder bei** Buch7, buecher.de oder Thalia.

Mehr lesen: Magic Cleaning: Richtig aufräumen mit der Methode von Marie Kondo

3. Die Korbmethode – das Gegenteil von Shopping

Bei der Korbmethode schnappst du dir einen Wäschekorb, eine große Kiste oder einen anderen Behälter ähnlicher Größe. Dann gehst du in deiner Wohnung umher und stöberst durch deine Sachen – ähnlich wie beim Klamottenkauf.

Mit diesen Tipps und Methoden wirst du zum Minimalisten: die Korbmethode
Mit einem großen Korb sammelst du alles in deiner Wohnung ein, was unnötig ist. (Foto: CC0 Public Domain / Unsplash)

In den Korb kommen allerdings nur Sachen, die dir nicht wirklich gefallen, die eigentlich unnötig sind und Platz in deiner Wohnung stehlen. Ist der Korb voll, hast du dein Tagespensum erreicht. Wenn du das eine ganze Woche lang durchziehst, dürfte schon einiges Überflüssiges aus deiner Wohnung verschwunden sein.

Einfacher ist es, in einem Raum zu beginnen und sich so nach und nach durch die gesamte Wohnung oder das Haus zu arbeiten. Das kann je nach Größe und Besitz auch schon mal etwas länger dauern, lohnt sich aber in jedem Fall.

Minimalismus für Fortgeschrittene: Die Karton-Methode

Für diese eher radikale Methode brauchst du Umzugskartons. Je mehr Dinge du besitzt, desto mehr Kartons müssen her.

Das Ganze funktioniert dann so: Alles was du besitzt, räumst du in die Umzugskartons. Am besten sortiert, so dass du die Sachen schnell wiederfindest. Die Kartons bleiben in deiner Wohnung stehen. In den nächsten Tagen lebst du nur aus den Kartons. Alles was du in der Zeit benötigst, darf wieder zurück ins Regal oder deinen Schrank. Alles andere kommt weg.

Dabei merkst du schnell, welche Dinge du überhaupt brauchst, willst und welche überflüssig sind. Die meisten Gegenstände vergisst man, sobald sie weggepackt sind. Ein gutes Zeichen um zu merken: Das kann weg.

Sachen aussortieren – aber nachhaltig

Fertig mit aussortieren? Dann geht es jetzt darum, die Sachen loszuwerden. Bitte nicht einfach alles in die Tonne werfen, es gibt bessere Möglichkeiten.

In vielen Orten finden regelmäßig Flohmärkte statt. Hier kannst du deine ausrangierten Sachen verkaufen. So verlängerst du das Produktleben deiner Gegenstände und verdienst dabei sogar noch ein bisschen Geld. Im Internet geht das zum Beispiel auch über Kleiderkreisel oder Ebay Kleinanzeigen.

Mit diesen Tipps und Methoden wirst du zum Minimalisten. Aussortiertes bekommst du auf dem Flohmarkt los
Viel Aussortiertes bekommst du auf dem Flohmarkt los. (Foto: Unsplash / CC02)

Wenn dir das Verkaufen zu aufwändig ist, kannst du deine Dinge auch spenden oder verschenken. Facebook-Gruppen wie „Verschenk’s“ gibt es in fast jeder Stadt. Deine Sachen kannst du dann sogar ganz einfach abholen lassen.

Oft gibt es die Möglichkeit, Aussortiertes an soziale Einrichtungen zu spenden. Google dazu einfach mal (oder besser: benutze die alternative Suchmaschine Ecosia). Wo du aussortierte Dinge am besten abgeben kannst, erfährst du hier:

Die Internetplattform „Wohin damit?“ hilft, den richtigen Ort für fast jede Sachspende zu finden.

Auch wichtig: die richtige Entsorgung von ausrangierten oder kaputten Haushaltsgegenständen – zum Beispiel Elektrogeräten, Kabel, Teppichen, Porzellan oder auch Aktenordnern.

So bleibst du Minimalist:in

Bist du alles Überflüssige schließlich losgeworden, kommt erst die wahre Herausforderung: minimalistisch zu bleiben.

Wichtiger Schritt: Mache alles möglichst sichtbar. Von Klamotten über Lebensmittel bis hin zu Büchern. Verstaue deine Sachen nicht in der hintersten Ecke, deines Schranks oder im obersten Regal der Abstellkammer. Denn nur wenn du deine Dinge im Blick hast, weißt du, was du besitzt und kaufst nicht unnötig Neues.

Und bevor du etwas Neues kaufst: Leihe, tausche, repariere. Eine Bohrmaschine, die du dir ausborgen kannst, besitzt sicher irgendjemand in deiner Nachbarschaft. Im Gegenzug könnt ihr euch deinen Rasenmäher teilen. Ein kleines Loch im T-Shirt zu stopfen kostet nur ein paar Minuten, bei größeren Schäden ist der Besuch bei einer Schneiderei oft billiger als eine neue Hose. Das gleiche gilt zum Beispiel auch für Schuhe oder Uhren.

Eine weiterer Tipp, um beim minimalistischen Leben zu bleiben und nicht Unmengen Neues anzuhäufen: Für jedes Teil, das neu gekauft wird, kommt ein Altes weg. So bleibt die Anzahl deiner Besitztümer immer dieselbe. Besonders gut lässt sich das auf Klamotten, Bücher oder Dekogegenstände anwenden.

Weiterlesen/-hören: Weitere Lektüre und Hörbücher zum Thema „Minimalismus“ findest du** u.a. bei buch7.de, bücher.de oder Thalia.

Minimalismus - 3 Methoden für Einsteiger

Weiterlesen auf Utopia.de: 

English Version available: Becoming Minimalist: 3 Methods for Beginners

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(43) Kommentare

  1. Liebe Stefanie,
    danke Dir herzlichst für Deine drei Methoden.

    In unserem 20 Tage „geldfreier leben“ Impuls-Newsletter unter http://geldfreierleben.de motivieren wir zu einem Selbstexperiment:

    „Es gibt ein wunderbares Experiment sich selbst von diesem Überfluss zu befreien:

    Mach den Versuch selbst: Hänge all Deine Kleidung auf Kleiderbügel mit der offenen Seite zur Wand hin. Jedes Mal, wenn Du nun ein Kleidungsstück verwendet hast, kannst Du den Kleiderbügel anders herum aufhängen. Nach drei Monaten kannst Du abrechnen: Alle Kleidungsstücke, die sich nicht bewegt haben und somit noch mit dem Kleiderbügel zur Wand hin hängen, brauchst Du nicht mehr, da Du sie sowieso nicht benutzt. Befreie Dich davon: Verschenke sie, nähe daraus Sitzkissen oder eine große Decke. Was fällt Dir noch ein?“

    Ansonsten möchte ich gerne noch auf unsere Utopie-Ökonomie-Konferenz UTOPIKON hinweisen. Bis zum 05.09. ist noch die Anmeldephase.
    Mit 300 Menschen und inispirierenden Referent*innen wie Niko Paech, Friederike Habermann, Van Bo Le-Mentzel, Silke Helfrich und vielen mehr werden wir uns über Wege und Herausforderungen in eine geldfreie(re) Gesellschaft austauschen.
    Mehr Infos unter: http://UTOPIKON.de

    Die Frage ist: Kaufst Du noch oder teilst Du schon?

    Alles Liebe und sonnigste Grüße,
    tobi

  2. Minimalismus ist für mich
    Daica Lodgy als Auto, Minivan zum halben Preis und sehr sparsam.
    Doogee X5 Smartphones für die ganze Familie, 57 EUR pro Stück,
    Neue Notebooks ausschließlich ohne Mikrosoft Verseuchung, sind dadurch typisch um 130 EUR billiger, Ubuntu Linux ist wesentlich benutzerfreundlicher und schafft Updates ohne Neustart.

  3. Wir leben im Jahr 2016. Einen PC zu besitzen ist bei weitem nichts überflüssiges oder wie gelangen Sie an Informationen und organisieren Ihr Leben?. Und auch ein Smartphone ist absoluter Standard. Der unreife, abhängige Umgang vieler damit ist doch das, was das es unnötig machen würde.
    Das ist als ob man 1960 in der BRD Warmwasseranschlüsse als unnötig abtäte. Bullshit wirds bei der x-ten Spielkonsole, nem neuen BMW und was nicht sonst alles.

  4. Beim Minimalismus geht es nicht darum, eines (oder mehrere) seiner liebsten Besitztümer wegzugeben!
    Ganz im Gegenteil – es geht darum, nur noch Dinge zu besitzen, die man liebt, und die anderen Sachen, bei denen es nicht so ist, wegzugeben.

  5. Ich überlege mir vor jedem Kauf, wie ich den Gegenstand am Ende seiner Nutzung wieder sinnvoll loswerden kann. Das ist ja meistens mit einem Aufwand verbunden, der im Verhältnis zum Nutzen nicht immer gerechtfertigt ist. Alternativ erwäge ich das Wegwerfen und dazu ist mir das Geld zu schade. Wieder einer Versuchung widerstanden!

  6. Unsere Regel lautet: Jeder, der die Wohnung verlässt, nimmt etwas mit nach draußen. Das kann Papier, Müll, alte Sachen oder irgendwas sein. Dies hilft uns sehr, unsere Wohnung frei zu halten von Unnötigem.
    Wenn ich etwas kaufen will, überlege ich, ob ich dies beim nächsten Umzug mitnehmen würde oder entsorgen würde. Meist kaufe ich es dann nicht.

  7. Was mir bei dem Artikel fehlt, ist der Hinweis, auf die seelische Komponente des Ausmistens.

    Für mich bedeutet aus- und aufräumen, gleichzeitig mit seinem Leben aufräumen.

    Loslassen, da gehts eben nicht um materielle Dinge, sondern eben auch um alte Muster und Gefühle. Und das ist viel schwieriger als die Entscheidung, ob man ein Buch behalten möchte oder nicht.

    Ich habe 2011 einen Bericht von einem englischen WIssenschafterlg gelesen, der besagt, daß wir Menschen in der westlichen Welt ca 10.000 Dinge besitzen. Ich war zunächst tief geschockt und überlegte, wieviele ich wohl besitze. Also beschloss ich, sie kurzerhand zu zählen. Ich habe dann tatsächlich über mehrere Wochen verteilt, meinen kompletten Besitz gezählt, Zimmer für Zimmer.

    Ergebnis waren ca 7.500 Dinge.

    Ich beschloß dann 2012 diesen Bestand zu verringern und startete mein 1000things Projekt.

    Ich habs nicht bis auf 1.000 Dinge geschafft, aber immerhin auf 2.570. Flohmarkt, verschnenkt, ebay, Oxfam & Humana, gespendet an Obdachlosenheime etc.

    War ein langer, zum Teil schmerzhafter Prozeß, der bis heute noch nicht ganz abgeschlossen ist. Die aktuelle Zahl liegt bei ca 2.000.

    Und so langsam gehts dabei ans Eingemachte, bei mir schlagen immer noch 600 Bücher schwer ins Gewicht.

    ich habe allerdings auch festgestellt, daß es für mich Grenzen gibt, die zum Beispiel bei meinen Büchern erreicht sind. Das sind die Quintessenz Bücher, die ich auf jeden Fall behalten möchte, es waren mal 2.000 🙂

    Fazit: Ich sehe das Ganze sehr entspannt, ich hab mir Zeit gelassen und vor allem auch mal Aufräumpausen gemacht. Und zwar immer dann, wenn ich gemerkt habe, daß es anfängt mich seelisch zu belasten.

    Und ich habe mich damit abgefunden, nicht an die 1.000 Dinge heranzukommen, denn dazu lieb ich meine Bücher viel zu sehr.

    Der schöne Nebeneffekt, ich konnte durch meine eigenen Erfahrungen vielen Bekannten, Nachbarn und einigen anderen Menschen mit Rat und Tat zu Seite stehen, die meine Vorgehensweise ein wenig inspiriert hat und dann selbst loslegen wollten.

    Hat mir große Freude bereitet.

  8. Interessant.
    Wenn ich die Bücher rechne, dann hätte ich nie ne Chance, auf 1000 Stücke zu kommen.
    Sehe ich aber auch nicht brisant, weil wir doch insgesamt sehr wenig besitzen.
    Und der Trend zur Verkleinerung hält an.
    Früher haben wir Zeitschriften wie GEO und Spektrum der Wissenschaft gesammelt und alte Bergsteigerzeitungen im Antiquariat gekauft. Puh, da gehen gleich Regalmeter drauf.
    Alles weg gegeben. GEO gibts nur noch in der Bücherei, Spektrum wird online bezogen und die Bergtouren machen wir lieber selbst.

    Die seelische Komponente kann ich bestätigen.
    Wann immer ich das Gefühl habe, im Leben fest zu stecken und einen Befreiungsschlag (klingt viel zu hochtrabend, ich rede von kleinen Veränderungen) plane, ist der damit verbunden, daß ich aufräume.
    Das betrifft vor allem den beruflichen Bereich (bin selbständig im Home-office).
    Was sich da ansammelt an Dokumentationen zu Themen, die man irgendwann mal ganz dringend angehen wollte, geht auf keine Kuhhaut.

    Zwar geht auch das jetzt fast alles Online mit E-Book-Dokus, aber auf dem Rechner gehts ja weiter. Da ist Aufräumen ebenso angesagt, weil man sonst kein vernünftiges Backum mehr machen kann.
    Ohwehhh….Gilt jedes JPEG-Bild als Besitz?
    Mind. 2/3 des Backup-Platzes geht für Bilder drauf, die zu 99% privat sind.

    Ein Bild heutiger Qualität hätte die gesamte Festplatte unseres ersten PC’s belegt.
    Online ist der neuer Spielplatz für Messis… 😉

    Womit sich der Kreis zum seelischen Aspekt schließt.
    Wir hatten vor 25 Jahren ein Studenten-Appartement im Haus einer Messi-Familie…so richtig pathogen…das war sehr lehrreich.

  9. Ich finde Minimalismus ein ziemlich anstrengendes, hochgepuschtes und idealistisches Unterfangen. Es geht doch darum, dass jeder so viel hat wie er/sie braucht. Daher finde ich „Rightsizing“ viel treffender: http://grueneralltag.de/minimalismus-vs-rightsizing

    Mein simpler Lieblingstrick ist es, sich einen Karton zu nehmen, der in der Wohnung oder im Haus aufgestellt wird. Jedesmal wenn ich (oder jemand anders in meinem Haushalt) einen Gegenstand finde, den ich nicht mehr brauche, lege ich ihn gleich in den Karton. So muss ich mir keine Zeit zum Ausmisten nehmen, denn es geschieht einfach nebenbei. Diese Methode funktioniert besonders gut wenn du schon grob ausgemistest hast und die Wohnung dauerhaft und ohne Aufwand „minimalistisch(er)“ halten möchtest.

    Liebe Grüße, ~Anne
    ______________________
    http://grueneralltag.de

  10. In diesem Fall würde mich der Karton als ständiger fester Bestandteil stören. Ich hätte immer das Gefühl, nie fertig zu sein. Selbst wenn minimalisieren ein ständiger Prozess ist, möchte ich nicht ständig daran erinnert werden, wenn ich an dem Karton vorbeilaufe.
    Wenn ich einen Ausmist-Vorgang abgeschlossen habe, brauche ich die Zeit, um es zu genießen, bevor ich mich wieder dran mache weiter auszumisten.

  11. Hi Isabella,
    Wir haben jetzt tatsächlich schon eine Weile keinen Karton mehr da nichts mehr anfällt. Zumindest zur Zeit, denn mit Baby wird sich das vielleicht bald nochmal ändern. Ich fand den „Ausmistkarton“ allerdings das Jahr zuvor einen sehr praktischen Begleiter. Er muss ja nicht im Weg stehen (wobei ich ihn als eine gute Erinnerung empfand) oder du könntest die Sachen ganz einfach in einer Schublade oder einem Schrankregal sammeln wenn dir das lieber ist. Ich fand’s eben praktischer als mir extra Zeit zum Ausmisten zu nehmen.
    Das Schöne beim Rightsizing ist aber auch, dass es keine festen Regeln gibt und jeder rausfinden muss was für ihn selbst gut funktioniert. Wenn Minimalismus zum Beispiel an einer Zahl oder einem Ideal festgemacht wird, finde ich ihn meist wenig motivierend und sinnvoll. Viel Spaß beim Genießen deiner ausgemisteten Wohnung/Haus und bei der nächsten Etappe! 🙂
    Liebe Grüße, ~Anne
    ______________________
    http://grueneralltag.de

  12. Der Artikel orientiert euch zu sehr am Materiellen. Das eigentliche Wesen des Minimalismus besteht darin, innerlich nicht abhängig von äußerlichen Dingen zu sein. So kann auch jemand in einem Palast ein Minimalist sein, wenn er von dem ganzen Luxus nicht abhängig ist, was zugegeben eher nur selten wirklich dar Fall ist. Ob jemand wirklich Minimalist ist, zeigt sich beim Tod, wo wirklich alles Materielle aufgegeben werden muss, sogar Kinder und Familie.

    Ich hab vor etwa 20 Jahren in einem Anfall von Entsagung (da gab es das Wort „Minimalist“ noch gar nicht, oder war nicht besonders bekannt) alles mir Lästige und Unnötige verschenkt oder weggeworfen. So manches war wirklich unnötig. Einiges bereue ich aber, vor allem meine Platten und meine Heimcomputer, die ich heute aus nostalgischen Gründen gerne noch hätte, obwohl total unnötig und überflüssig. Heute habe ich eine kleine Rumpelkammer, da steht allerhand altes Zeug drin, das vielleicht doch noch mal nützlich sein kann, aber für mich zunehmend nur noch Erinnerungswert hat. So manches lernt man erst mit dem älter werden schätzen. Ich bin innerlich davon aber abgekoppelt.

    Zurzeit lebe ich nicht ganz freiwillig minimalistisch, weil meine Mittel sehr beschränkt sind. So wird die Not zur Tugend.

  13. Doch, den Heimcomputer von vor 20 Jahren kann man durchaus vermissen. Das ist für viele ein wertvolles Erinnerungsstück, wie anderes Spielzeug auch, mit dem man schöne Stunden verbracht hat. Oft auch mit Freunden oder Familie. Im Gegensatz zu Rechnern und Spielen heute war das auch noch etwas besonderes, neues. Ich habe meinen C64 jedenfalls noch und schalte den gerne ein und mache etwas damit — spielen oder programmieren. Andere basteln an alten Autos und würden sich davon auch nicht gerne trennen.

  14. Tja, das kommt immer drauf an, was man so nüchtern nur als Arbeitsmittel betrachtet und was tatsächlich ans Herz gewachsen ist.
    Ich habe 30 Jahre lang ein Spinnrad aufgehoben, das ich nach dem Abi geschenkt bekam obwohl ich mind. die letzten 28 jahre nichts damit gemacht habe.
    Dann hat sich die Gelegenheit ergeben, daß ich jemandem eine sehr große Freude damit machen konnte. Da ist die Trennung dann natürlich leichter gefallen, als wenn ich es anonym ins Sozialkaufhaus gegeben hätte.

  15. Angeregt durch den Artikel habe ich jetzt einiges entsorgt und verschenkt.
    Das war befreiend, manchmal wehmütig, manchmal hat der Gegenstand ein lachen hervorgezaubert.
    War schön. Mache weiter, wenn es nicht mehr so heiss ist.
    Bin mal gespannt, wann ich das erste Teil vermissen werde 🙂

  16. Ich betrachte das Ausmisten aktuell als eine Therapie, um meinen kürzlich heftig erlittenem Burout entgegenzuwirken.
    Mir war plötzlich einfach alles zu viel bis ich zusammenbrach.
    Die Konmari-Methode scheint mir dazu besonders ideal zu sein, da ich bei jedem Teil, das ich in die Hand nehme mir die Frage stelle, ob es mir gut tut-mich glücklich macht oder eben nicht.
    Diese Frage scheint auch die beste zu sein, um achtsamer mit seinem eigenem Leben umzugehen und nicht nur Dinge, sondern auch Handlungen in seinem Leben daraufhin zu prüfen.
    Diese Methode wirkt geradezu Wunder bei meiner Genesung.