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Precycling: Definition und Tipps für den Alltag

Foto: CC0 / Pixabay / Counselling

Precycling heißt, Verpackungsmüll zu vermeiden. Warum das wichtig ist und wie du selber zum Precycling beitragen kannst, erklären wir dir hier.

Precycling – was ist das?

Precycling ist per Definition nichts anderes als die Vermeidung von Verpackungsmüll. Es geht also darum, Müll gar nicht erst entstehen zu lassen. Um Precycling möglichst effektiv zu gestalten, müssen nicht nur wir Verbraucher*innen Verpackungsmüll vermeiden. Auch die Produzent*innen sollten Produkte so designen, herstellen und entsorgen, dass möglichst wenig Abfall entsteht.

Weil das Thema so wichtig und aktuell ist, widmet sich im Moment sogar ein Forschungsteam aus Wissenschaftler*innen der TU Berlin und des Wuppertal Instituts der Verpackungsvermeidung. „Mit Precycling zu mehr Ressourceneffizienz. Systemische Lösungen zu Verpackungsvermeidung“ ist ein interdisziplinäres Projekt, das die gesamte Wertschöpfungskette in den Blick nimmt. Die Studie untersucht, wie sich bei Design, Nutzung, Wiederverwendung und Entsorgung eines Produkts Verpackungsmüll vermeiden lässt.

Schon gewusst? Precycling ist ein Teilprinzip des Cradle-to-Cradle-Konzepts. Dieses beschreibt eine Kreislaufwirtschaft, in der kein Müll entsteht.

Warum Precycling?

Müll zu vermeiden und Precycling sind gut für Umwelt und Wirtschaft.
Müll zu vermeiden und Precycling sind gut für Umwelt und Wirtschaft.
(Foto: CC0 / Pixabay / mauriceangres)

Laut Umweltbundesamt lag der Verpackungsmüll allein in Deutschland im Jahr 2017 bei 18,7 Millionen Tonnen, von denen knapp 70 Prozent ins Recycling gingen. Folglich haben wir Millionen Tonnen Ressourcen für Produkte verwendet, die am Ende im Müll gelandet sind.

Häufig argumentieren Hersteller damit, dass sie ihre Ware durch eine Verpackung schützen müssten. Lebensmittel bleiben luftdicht abgepackt länger haltbar, Transportschäden werden durch gute Polsterung vermieden. Bei vielen Produkten geht die Menge an Verpackungsmaterial aber weit über die Schutzfunktion hinaus – die Verpackung ist vor allem dazu da, den Alltag für uns Konsument*innen bequemer zu machen: vorportionierte Lebensmittel, zusätzliche Verpackung zur besseren Dosierung, zur Aufbewahrung, zum einfachen Transport oder zur unkomplizierten Verwendung. Die einzeln verpackten Käsescheiben, der Spezialverschluss, damit nur ein Süßstoff pro Klick rauskommt oder der Plastiktragegriff am Karton des neu gekauften Küchengeräts mögen zwar praktisch sein, aber theoretisch kämen wir auch ohne sie aus.

Precycling ist nicht nur aus ökologischer, sondern auch aus ökonomischer Sicht sinnvoll. Denn Verpackung, die gar nicht erst hergestellt wird:

  • verbraucht keine Ressourcen,
  • verbraucht keine Energie bei ihrer Herstellung,
  • verbraucht keine Energie bei ihrer Entsorgung beziehungsweise beim Recycling,
  • kann durchaus auch Geld für den Hersteller sparen,
  • verhindert das zwangsläufige Downcycling, das beim Recycling stattfindet und
  • belastet später nicht die Umwelt als unbrauchbarer Müll oder in den Mägen von Meeresbewohnern.

Warum verwenden Hersteller*innen dennoch so viel Verpackung? Das ist schwer zu beantworten und häufig lässt sich darüber nur spekulieren. Eine Rolle spielt sicherlich die reine Gewohnheit – sowohl Hersteller*innen als auch wir Verbraucher*innnen sind Verpackungen gewohnt. Darüber hinaus dienen Verpackungen auch als wichtige Werbeflächen. Laut Geo ist ein weiterer wichtiger Grund, dass Deutschland keine Anreize dazu bietet, Verpackung einzusparen. Anders sieht es zum Beispiel in Dänemark aus, wo eine Ressourcensteuer es tatsächlich attraktiv macht, Verpackungsmüll einzusparen. Die Herstellungs- und Ressourcenkosten für Produzent*innen hingegen scheinen kaum ins Gewicht zu fallen.

Precycling fängt bei dir zu Hause an

Selber machen: Dann kannst du Verpackungen wiederverwenden und überhaupt erst vermeiden.
Selber machen: Dann kannst du Verpackungen wiederverwenden und überhaupt erst vermeiden.
(Foto: CC0 / Pixabay / renateko)

Nicht nur Unternehmen müssen mehr Precycling betreiben. Auch du kannst einiges tun, um Verpackungsmüll zu vermeiden:

  • Habe immer ein oder zwei Beutel in deiner Tasche. Dann brauchst du beim Einkaufen keine zusätzliche Plastiktüte.
  • Unverpackte Lebensmittel und Hygieneartikel findest du in Unverpackt-Läden, auf Wochenmärkten und auch manche Bio-Märkte haben schon kleinere Unverpackt-Sortimente. 
  • Plane deine Einkäufe und nimm saubere Boxen und Gläser dafür mit.
  • Auch in der Bäckerei kannst du darum bitten, Brot und Gebäck in Boxen oder Taschen zu füllen statt in Papiertüten.
  • Kaufe Getränke in Mehrweg-Pfandflaschen. Tipp: Leitungswasser ist günstig, direkt verfügbar und verpackungsfrei.
  • Vermeide es, viel im Internet zu bestellen. So sparst du Pakete und Verpackungen.
  • Wenn du Gebrauchtes kaufst, fallen zumindest keine neuen Verpackungen an.
  • Trinke deinen Kaffee im Café statt to go oder nimm deinen eigenen Thermobecher mit.
  • Auch bei vielen Take-Away-Restaurants kannst du eigene Gefäße zum Transport verwenden.
  • Verwende Seifenstücke statt Flüssigseife.
  • Vermeide Einwegservietten, benutze mehrfach verwendbare Backfolien statt Backpapier und verzichte auf Küchenrollen.

Die Liste ließe sich noch lange weiterführen: DIY-Kosmetik, um Shampooflaschen und dergleichen zu vermeiden, Verzicht auf Geschenkpapier… Sammle doch mal eine Woche oder einen Monat lang deinen Müll. Wo fällt besonders viel an? Wo kannst du ihn noch reduzieren? Welche Alternativen zu verpackten Produkten findest du?

Hilfreich für ein besseres Precycling sind auch die fünf Rs der Zero-Waste-Community:

  • Refuse: Lehne bestimmte Produkte, die Müll produzieren, von vornherein ab.
  • Reduce: Kaufe nur, was du wirklich benötigst.
  • Reuse: Verwende Verpackungen oder alte Sachen wieder oder funktioniere sie um. Tetrapaks kannst du beispielsweise zu Blumentöpfen upcyceln.
  • Recycle: Trenne deinen Müll und recycle ihn.
  • Rot: Lebensmittelabfälle kannst du kompostieren.

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