Urlaub im Kloster: Eine Auszeit der besonderen Art

Foto: CC0 / Pixabay / Peggychoucair

Immer mehr Menschen zieht es für eine Auszeit ins Kloster. Wir verraten dir, wie dein Urlaub in einem Kloster aussehen kann und was du dabei beachten solltest.

Woran du merkst, dass du eine Auszeit brauchst

In einem stressigen Alltagsleben tut es durchaus gut, hin und wieder eine Auszeit einzulegen. So kann die Seele herunterfahren und wieder zu sich finden. Die AOK Württemberg listet verschiedene Signale auf, an denen du merkst, dass du eine Auszeit brauchst:

  • Wenn du dich überlastet und überfordert fühlst.
  • Wenn du die Gedanken in deinem Kopf aufräumen möchtest.
  • Wenn du dich gereizt und unwohl fühlst.
  • Wenn du dich schlecht aus deinen Gedankenkreisen lösen kannst.
  • Wenn du schlecht schläfst.

Meist hilft dir für eine kurze Auszeit schon, spazieren zu gehen oder kurz zu meditieren. 

Ein idealer Ort für eine längere Auszeit bietet ein Urlaub im Kloster. Hier lebst du für eine begrenzte Zeit einen Klosteralltag mit und kannst wieder zu dir selbst finden. Ein Aufenthalt im Kloster eignet sich auch, um allgemein zu reflektieren oder eine wichtige Entscheidung zu treffen. 

Warum sich ein Kloster für eine Auszeit eignet

Urlaub im Kloster: Dabei kommst du meist an einen abgeschiedenen Ort.
Urlaub im Kloster: Dabei kommst du meist an einen abgeschiedenen Ort.
(Foto: CC0 / Pixabay / pasja1000)

Vielleicht ist für dich ein Kloster als Urlaubsort erst einmal ungewöhnlich. Ein Urlaub im Kloster ist sicherlich kein Luxus, denn es zeichnet sich durch seine Abgeschiedenheit und Ruhe aus. Der lateinische Ursprung des Wortes Kloster, nämlich „claustrum“, bedeutet „verschlossen“. Das deutet die Abgeschiedenheit von der Welt schon an. 

In der Abgeschiedenheit und Ferne von deinem Alltag kannst du dich darauf besinnen, was in dir geschieht. Du kannst dich mit Fremden in einem geschützten Raum austauschen, um eine neue Perspektive auf dein Leben zu bekommen. Dabei spielt es keine Rolle, ob du religiös bist oder nicht. In einem Kloster mit Gästebetrieb ist jede*r willkommen.

Klöster in der abendländischen Geschichte

Schon seit dem 3. Jahrhundert n. Chr. sind christliche Klöster im vorderen Orient belegt. Der Prototyp für abendländische Klöster ist das von Benedikt von Nursia 529 n. Chr. gegründete Kloster in Montecassino bei Neapel. Die Regeln von Benedikt von Nursia, die auch Benediktinerregeln genannt werden, prägen bis heute die christlichen Klöster in Mittel- und Westeuropa:

  • Eine grundlegende Basis aller Klöster sind Besitzlosigkeit, Schweigen, Gehorsam, Keuschheit und Demut.
  • Die Menschen, die in einem Kloster leben, leben in einem festen Tagesrhythmus. Dieser Rhythmus ist von Beten und Arbeiten (ora et labora) geprägt. Außerdem leben und ernähren sich Menschen im Kloster auf einfache Weise.

Diese Arten von Klöstern gibt es

Mittlerweile gibt es neben Klöstern auch bekannte Kommunitäten, wie die von Taizé im französischen Burgund.
Mittlerweile gibt es neben Klöstern auch bekannte Kommunitäten, wie die von Taizé im französischen Burgund.
(Foto: Laura Müller)

Bei einem Urlaub im Kloster kannst du zwischen verschiedenen Klosterarten wählen. Die meisten abendländischen Klöster sind katholisch. Die Klöster gehören verschiedene Orden wie beispielsweise den Benediktinern, den Franziskanern oder den Kapuzinern an. Sie gehen auf historische Persönlichkeiten der Kirchengeschichte zurück. Jeder Orden folgt damit seine eigene Tradition.  

Auf evangelischer Seite wurde in der Reformation eine klösterliche Lebensweise kritisiert. Der Reformator Martin Luther war selbst ein Augustinermönch und heiratete eine ehemalige Nonne. Martin Luther sah ein Klosterleben als überflüssig, denn auchaußerhalb des Klosters könne man christlich gut leben und Gott gefallen. 

Erst im 17. bis 18. Jahrhundert entstanden immer mehr evangelische Kommunitäten. Mittlerweile gibt es im evangelischen Bereich verschiedene Typen, wo oftmals Gäste auf Zeit mitleben können. Das muss nicht unbedingt hinter dicken Klostermauern sein: 

  • Bruderschaften (wie das ev. Gethsemanekloster als Schweigekloster oder die Christusträger)
  • Familiengemeinschaften (wie so etwas beispielsweise aussehen kann, erfährst du hier
  • Kommunitäten (wie Taizé als internationaler Anziehungsort für tausende junge Menschen)

Darüber hinaus existieren mittlerweile auch buddhistische Klöster.

Urlaub im Kloster: Das erwartet dich

Bei einem Urlaub in einem Kloster mit Gästebetrieb kann es auch ein festes Programm geben, zum Beispiel mit Yoga.
Bei einem Urlaub in einem Kloster mit Gästebetrieb kann es auch ein festes Programm geben, zum Beispiel mit Yoga.
(Foto: CC0 / Pixabay / jeviniya)

Die Klöster öffnen ihre Türen nicht, um Gäste als Novizen zu rekrutieren. Es geht vielmehr darum, ein Angebot für Menschen zu schaffen, wo sie Stille und Abgeschiedenheit mit Meditation finden können.

In zwei Formen kannst du einen Urlaub im Kloster verbringen:

  • Mit festem Programm: Hier reist du gemeinsam mit anderen Menschen für spirituelle Tage zu einem bestimmten Thema an. Damit ist die Auszeit zeitlich determiniert. Programminhalte könnten zum Beispiel „Aikido als Meditation“, Zen-Einführungskurse, „Yoga und christliche Spiritualität“ oder meditative Tanzabende sein. Du findest sie in der Regel auf den Internetseiten der Klöster.
  • Ohne festes Programm: Bei dieser Form nimmst du dir alleine eine Auszeit im Kloster. Du kannst an den Gottesdiensten, Gebetszeiten und anderen Aktivitäten wie Arbeitseinsätzen teilnehmen. Damit bestimmst du auch selbst die Dauer deines Aufenthalts.

Die AOK Württemberg zeigt dir in einem kurzen Film, wie eine Auszeit in einem Kloster aussehen kann.

Urlaub im Kloster: Das solltest du beachten

Bevor du dich für einen Urlaub im Kloster entscheidest, kann es dir helfen, an einem Gebet der Gemeinschaft teilzunehmen.
Bevor du dich für einen Urlaub im Kloster entscheidest, kann es dir helfen, an einem Gebet der Gemeinschaft teilzunehmen.
(Foto: CC0 / Pixabay / TheDigitalArtist)

Bevor du dich für einen Urlaub im Kloster entscheidest, solltest du noch einiges beachten:

  • Damit du nicht enttäuscht von deinem Urlaub im Kloster bist, kann es dir helfen, das Kloster im Vorfeld deines Aufenthaltes einmal anzuschauen. Bei deinem Vorbesuch kannst du mit den Menschen vor Ort ins Gespräch kommen. Vielleicht kannst du auch schon einmal eines der Tagesgebete miterleben, um zu erspüren, ob du dich dort wohlfühlst. 
  • Generell kannst du zu jedem Kloster hingehen und direkt dort bleiben, wenn gerade eine Klosterzelle frei ist. Am einfachsten ist es jedoch, direkt auf der Homepage des jeweiligen Klosters ein Programm oder ein Zimmer zu buchen.
  • Auch als Paar ist es möglich, Urlaub im Kloster machen. Das kann wegen der Isolierung sogar die Beziehung stärken. 
  • Als Familie eignet sich ein Klosterurlaub nur, wenn du dich für ein spezielles Programm für Familien anmeldest oder wenn du mit deiner Familie in ein Kloster gehst, das einen großen Gästebetrieb hat, wie beispielsweise Dominikanerinnen in Koblenz-Arenberg oder das Kloster Volkenroda.
  • Überlege dir, ob du dich auf einen schlichten Lebensstil einlassen kannst. Das betrifft auch das Essen. Meist wird vieles selbst im Klostergarten angebaut. Es kann vegetarisch oder sogar vegan sein.
  • Sei dir bewusst, dass in vielen Klöstern auf Alkohol und Nikotin verzichtet wird.
  • Zudem kann es keinen Internetzugang geben und wegen der Abgeschiedenheit kein Handynetz, was dich für eine Zeit von der Welt abschneidet.

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