Wasserkocher ohne Plastik: plastikarme Produkte

Wasserkocher ohne Plastik: Plastikarme Kocher
Foto: CC0 / Pixabay / Josch13

Wasserkocher ohne Plastik (am Korpus) enthalten in der Regel weniger Schadstoffe und schonen Umwelt und Ressourcen. Utopia stellt Produkte vor, die fast ohne Plastik auskommen.

Wenn du dir mit einer schönen Tasse Tee etwas Gutes tun willst, dann nutze bitte keinen Kunststoffwasserkocher! Damit gießt du dir nämlich gleich mehrere Millionen (!) Mikroplastikpartikel in die Tasse, wie Studien beweisen. Dazu aber unten mehr. Zunächst erfährst du wichtige Fakten zu Wasserkochern und wir geben dir Empfehlungen für plastikarme Wasserkocher, schon ab 29,90 Euro.

Glas und Edelstahl sind die sicherere Wahl

Obwohl das Ausmaß der gesundheitlichen Risiken von Mikroplastik noch nicht wirklich bekannt ist, empfehlen wir jedem, vorsichtshalber auf Kunststoffwasserkocher zu verzichten. Es gibt schließlich genug Alternativen aus Glas und Edelstahl.

Verbrauchertester wie die Stiftung Warentest oder Öko-Test monieren bei Glas- und Edelstahlwasserkochern oft, dass sich das Gehäuse gefährlich stark erhitzt. Das ist so. Man darf das Glas- oder Edelstahlgehäuse beim Kochvorgang nicht anfassen, sondern muss den Wasserkocher (wie bei einem Topf) am Griff halten.

Bei Glaskochern kommt hinzu: Der Glaskörper sitzt dort in aller Regel auf einem Metallboden auf (der die Hitze erzeugt), zwischen denen das Gerät eine Form von Dichtung benötigt. Nach unseren Beobachtungen kommt dabei Silikon (bzw. ein Silikonring) zum Einsatz, der sich im Inneren des Geräts befindet und auch mit dem Wasser in Berührung kommt. Die Silikonfuge in Glaskochern stellt damit zwangsläufig eine – wenn auch überschaubare – Mikroplastikquelle dar. Damit sind nur Wasserkocher aus Edelstahl nach unseren Erfahrungen im Inneren wirklich voll und ganz „plastikfrei“.

Was macht einen guten Wasserkocher aus?

Teure Wasserkocher sind nicht zwingend den günstigen Modellen nicht überlegen sind. Ein Wasserkocher ist kein kompliziertes Elektro-Produkt: Das Wasser wird durch eine Heizspirale erwärmt. Zur Sicherheit muss es einen Überhitzungsschutz und eine Abschaltautomatik geben – darüber verfügen alle Wasserkocher, sonst werden sie nicht auf dem Europäischen Markt zugelassen. Die Wasserkocher-Produktion für den Weltmarkt findet fast komplett in China statt. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass Premium-Marken wie WMF dort höhere Standards bezüglich Ökologie und Arbeitsbedingungen umsetzen als günstige Hersteller wie Severin.

Bezüglich der Leistung fallen die Unterschiede ebenfalls kaum ins Gewicht. Manche Wasserkocher kochen 1 Liter Wasser in 2:55 Minuten, andere in 3:08 Minuten. Hier gibt es bei Tests eigentlich keine Ausreißer.

Folgende Punkte machen einen guten Wasserkocher aus:

  • Das Wasser wird in einem kunststofffreien Material gekocht. Hier überzeugen die umweltfreundlichen und lebensmittelechten Materialien Glas und Edelstahl.
  • Ein tropfsicherer Ausguss
  • Eine gut lesbare Wasserstandanzeige
  • Ein großer Deckel, durch den sich leicht Wasser vom Wasserhahn einfüllen lässt
  • Eine große Öffnung zur einfachen Reinigung
  • Passende Größe (die beliebteste Größe ist 1,7 Liter)

Nicht alle Modelle sind bei nachhaltigeren Anbietern wie Avocadostore oder Memolife verfügbar, deswegen listen wir auch konventionelle Onlineshops mit auf.

Glaswasserkocher von Severin

Severin Wasserkocher "WK 3420" aus Glas
Severin Wasserkocher „WK 3420“ aus Glas
(Foto: Severin)

Eine unserer Empfehlungen ist der 1,7 Liter Wasserkocher von Severin. Das Wasser wird in Glas und Edelstahl gekocht, wodurch kein Mikroplastik ins Teewasser kommt. Ein weiteres Plus ist der sehr große Deckel (leicht zu befüllen und zu reinigen) und ein herausnehmbarer Kalkfilter. Der Hersteller Severin ist zudem Mitglied bei der Business Social Compliance Initiative (BSCI), welche sich für weltweite Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der gesamten Lieferkette einsetzt. Außerdem kann man diesen Wasserkocher unter anderem beim nachhaltigen Onlineshop Memolife kaufen.

  • Leistung: 2.200 Watt
  • Fassungsvermögen: 1,7 Liter
  • Preis: ab ca. 40 Euro

Kaufen**: online bei Memolife oder Amazon

Der Markt von nachhaltig produzierten Wasserkochern ist klein

Ritter Fontana 5
Ritter Fontana 5
(Foto: Ritter)

Es gibt nach unserem Erkenntnisstand genau einen Wasserkocher, der in Deutschland produziert wird: Der Ritter Fontana 5. Er trägt sogar als einziger Wasserkocher das Umweltsiegel Blauer Engel – allerdings nicht für sein Material (Acrylglas), sondern für den geringen Energieverbrauch. 

Ebenfalls gut: Der doppelwandige Wasserbehälter sorgt dafür, dass nicht sofort benötigtes Wasser im Behälter nur sehr langsam abkühlt und dann bei einem späteren „Aufwärmen“ nur sehr wenig Energie benötigt wird.

  • Leistung: 2800 Watt
  • Fassungsvermögen: 1,1 Liter
  • Preis: ab ca. 130 Euro

Kaufen**: Online bei Amazon oder Memolife

Italienisches Design: LIGNUM Wasserkocher von Ottoni Fabbrica

Bei den Wasserkochern von Otto Fabbrica kommt das Wasser nicht mit Plastik in Berührung.
Bei den Wasserkochern von Otto Fabbrica kommt das Wasser nicht mit Plastik in Berührung.
(Foto: Otto Fabbrica)

Ottoni Fabbrica Wasserkocher bestehen aus Edelstahl europäischer Herkunft und werden in Italien gefertigt. Auch wenn Kabel und Sockel aus Kunststoff bestehen, kommt das Wasser nicht mit Plastik in Berührung. Griff und Knauf sind aus Kirschholz oder dem leider seltenen Tropenholz Mahagoni und werden von italienischen Handarbeiter:innen gedrechselt.

  • Leistung: 2400 Watt
  • Fassungsvermögen: 1,7 Liter
  • Preis: ab ca. 150 Euro

Kaufen**: Kirschholz-Modell bei Amazon, Mahagoni-Modell bei Avocadostore

Kleiner Wasserkocher von GRAEF

Für kleinere Haushalte: der Greaf WK 40
Für kleinere Haushalte: der Greaf WK 40
(Foto: Greaf)

Wenn du in einem 1- oder 2-Personen Haushalt lebst, sind große Pötte vielleicht zu überproportioniert für deine Küchenzeile. Der GREAF WK 40 hat ein kleines Fassungsvermögen von 1 Liter. Der Wasserkocher aus Edelstahl hat zudem den Vorteil, dass (im Gegensatz zu Glas) keine Kalkreste im Inneren (von außen) sichtbar sind. Die Produktion findet in China in einem BSCI auditierten Werk statt. Das heißt, dass dort regelmäßig gewisse Standards zu den Arbeitsbedingungen, der Sicherheit und Gesundheitsschutz der Arbeiter kontrolliert werden.

  • Leistung: ca. 2000 Watt
  • Fassungsvermögen: 1 Liter
  • Preis: ab ca. 35 Euro

Kaufen**: online bei Memolife oder Amazon 

Fast Plastikfreier Nostalgie-Wasserkocher von DeLonghi

Wasserkocher im Vintage-Look
Wasserkocher im Vintage-Look
(Foto: Foto: DeLonghi)

Besonders schön anzusehen ist der 50er-Jahre-Retro-Wasserkocher DeLonghi KBOV2001. Der Wasserkocher besteht aus Edelstahl und kommt weitestgehend ohne Plastik aus. Er braucht etwa zweieinhalb Minuten, um das Wasser zum Kochen zu bringen. Der Griff ist wärmeisoliert.

  • Leistung: 2000 Watt
  • Fassungsvermögen: 1,7 Liter
  • Preis: ab ca. 65 Euro

Kaufen**: Erhältlich ist der Kocher in verschiedenen Farben u.a. bei  Otto oder Amazon.

Design-Wasserkocher in Kupfer-Optik von Kalorik

Ein Wasserkocher, der uns von der Optik her gefällt (ohne jetzt allein aus Designgründen einen enormen Aufpreis zu bezahlen) ist dieses Karolik-Modell. Der elektrische Kupferkessel besteht aus Edelstahl (Kupfer ist nur die Farbe). Die Wasserstandmenge ist von außen ablesbar. Die Einfüllung vom Wasser und die Reinigung sind hier etwas schwieriger, als bei den karaffenförmigen Modellen, doch dafür sieht man von außen keine Kalkablagerungen und es ist eben ein toller Hingucker in der Küchenzeile.

  • Leistung: 2200 Watt
  • Fassungsvermögen: 1,7 Liter
  • Preis: ca. 40 Euro

Kaufen**: online bei Media Markt oder Amazon 

Siemens Wasserkocher

Wasserkocher aus Edelstahl von Siemens.
Wasserkocher aus Edelstahl von Siemens.
(Foto: Siemens / Memolife)

Auch Siemens verkauft Wasserkocher aus Edelstahl – zum Beispiel das Modell TW71005. Leider ist auch dieser Wasserkocher nicht ganz plastikfrei, Henkel und Sichtfenster für den Wasserstand sind aus Kunststoff.  Mit Abschaltautomatik, Überhitzungsschutz und Kalkfilter hat das Gerät alles, was ein Standard-Wasserkocher braucht.

  • Leistung: 2200 Watt
  • Fassungsvermögen: 1,7 Liter
  • Preis: ca. 50 Euro

Kaufen**: online bei Otto oder Amazon 

    Studie zu Mikroplastik in Wasserkochern

    Im Online Labor-Magazin Analytik News wurde 2019 eine Studie zur Entstehung von Mikroplastik in Wasserkochern veröffentlicht. Die Autoren vom Karlsruher Institut für Technologie und Engler-Bunte-Institut (Fachbereich Wasserchemie und Wassertechnologie) kochten in mehreren Durchgängen Wasser in einem Glaswasserkocher (Modell Clatronic WKS 3641) und 4 Kunststoff-Wasserkochern und untersuchten im Anschluss das Wasser auf Mikroplastik.

    Mikroplastik: Erwärmung begünstigt die Entstehung

    Jedes Material zerfällt – allerdings unterschiedlich schnell und stark. Während organische Stoffe in den Kreislauf zurückgeführt werden, verrottet Kunststoff nicht, sondern wird einfach nur immer kleiner. Der Zerfall von Kunststoff wird durch Wärme stark beschleunigt. Sobald es erwärmt wird, lösen sich winzige Partikel Mikroplastik, die mit dem bloßen Auge nicht sichtbar sind. Diese Partikel landen dann im Fall eines Wasserkochers im Wasser. In dem Vergleich der Wissenschaftler wurden im Glaswasserkocher 1.351 Partikel pro Milliliter Wasser gefunden (somit sind es in 1 Liter 13.510 Partikel – diese Partikel sind allerdings NICHT Mikroplastik, sondern andere Partikel). Das gekochte Wasser aus den Plastik-Wasserkochern hingegen enthielt pro Milliliter zwischen 10.433 und 29.195 Teilchen. Auf den Liter gerechnet sind dies zwischen ca. 10 und 29 Millionen (!) Teilchen von Mikroplastik! Auffällig: Während die Teilchenmenge beim Glaswasserkocher bei jedem Kochvorgang etwa gleich blieb, stieg sie bei den Kunststoffwasserkochern im Laufe der Versuchsreihe immer weiter an.

    Zu einem gleichen Ergebnis kam auch das NRD-Verbrauchermagazin Markt, die ebenfalls das Wasser aus Kunststoff-Wasserkochern auf Mikroplastik untersuchen ließen.

    Mikroplastik kann sich im Körper absetzen – mit ernsten Folgen

    Zum Großteil verlässt das aufgenommene Mikroplastik den Körper wieder – allerdings können sehr kleine Partikel (kleiner als 150 Mikrometer) über den Blutkreislauf fast alle Orte im Körper erreichen und sogar bis zum Gehirn oder durch die Plazentaschranke bis zum Fötus vordringen. Ob diese Mikroplastikteilchen im Körper schädlich sind, ist bisher noch nicht erwiesen. Zum jetzigen Zeitpunkt gilt die Aufnahme von Mikroplastik als ungefährlich, weshalb selbst führende Verbraucher-Magazine wie Ökotest, dieses Kriterium nicht in ihrem Wasserkocher-Test bewerten.

    Emaille-Wasserkessel: Eine Alternative zum Wasserkocher

    Wer komplett auf Plastik im Wasserkocher verzichten möchte, muss sich leider von elektrischen Wasserkochern verabschieden. Komplett kunststofffreie Wasserkocher gibt es nicht. Aufgrund der nötigen Isolierung kommt keiner ohne Plastik aus. Kunststoff befindet sich sowohl am Griff als auch im Sockel und am Kabel. 

    Wenn du einen plastikfreien Lebensstil pflegst, musst du das Wasser auf dem Herd erhitzen. Ein Wasserkessel aus Emaille kann hier eine Alternative sein.

    Wir können dir den österreichischen Riess Flötenkessel aus Emaille von Manufactum für 79,90 Euro empfehlen. Allerdings verfügt der Kessen über einen Griff aus Duroplast.

    Ansonsten gibt es schöne Flötenkessel auch oft gebraucht oder in Läden für Campingzubehör zu kaufen. Du solltest allerdings wissen, dass der Energieverbrauch beim Wasserkocher oft geringer ist als beim Herd.

    Fazit: Plastikfreie Wasserkocher gibt es nicht, aber plastikarme

    Gänzlich plastikfreie, elektrische Wasserkocher gibt es leider (noch) nicht. Aber es gibt Modelle, die ohne Plastik im Innenraum des Wasserkochers auskommen und plastikarm sind. Wenn du komplett plastikfrei Wasser kochen möchtest, nimm einfach einen Topf!

    Wenn du einen Gas- oder Induktionsherd benutzt, ist der Energieaufwand vertretbar. Besitzt du einen E-Herd lohnt es sich über einen Kompromiss nachzudenken, um nicht unnötig viel Energie fürs Wasserkochen zu verbrauchen.

    Dieser Text wurde ursprünglich von Rhea Moutafis erstellt und am 01.12.2021 von Laura Farag überarbeitet.

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