Wolle zum Stricken: Alternativen zu Schafswolle und Co.

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Herkömmliche Wolle zum Stricken ist aus verschiedenen Gründen bedenklich für Tiere und Umwelt. Es gibt jedoch tolle pflanzliche Alternativen, mit denen du nachhaltig stricken kannst.

Wolle zum Stricken: Geht das auch nachhaltig?

Schafwolle wird meist unter tierquälerischen Umständen produziert. Greife daher lieber auf vegane Alternativen zurück.
Schafwolle wird meist unter tierquälerischen Umständen produziert. Greife daher lieber auf vegane Alternativen zurück.
(Foto: CC0 / Pixabay / manfredrichter)

Wolle wird seit Jahrhunderten zur Herstellung von Kleidung verwendet und gilt als ökologisches Naturprodukt. Vielen ist aber nicht bekannt, wie viel Tierleid hinter der Wollproduktion steckt. Schafe werden so gezüchtet, dass sie möglichst viel Wolle produzieren. Die Schur ist für die Tiere mit extremem Stress verbunden und viele Schafe werden dabei schwer verletzt. Sie tragen große Wunden davon, die sich entzünden können.

Die meiste Schafwolle wird heute importiert, vor allem aus Australien und Neuseeland. Dort ist das so genannte „Mulesing“ weit verbreitet, bei dem den Schafen ohne Betäubung Teile des Afters sowie der Schwanz abgeschnitten werden. Viele Tiere werden schon nach kurzer Zeit geschlachtet. Auch Ziegen, Alpakas und Kaninchen leiden für die Wollproduktion. Aufgrund des hohen Wasserverbrauchs und der großflächigen Landnutzung ist die meiste Wolle ökologisch nicht nachhaltig.

Immer mehr Menschen suchen nach veganen und natürlichen Alternativen zur Schafswolle. Der technische Fortschritt und die vielen pflanzlichen Rohstoffe machen es möglich, neue Fasern mit einer guten Umweltbilanz herzustellen. Dazu zählen etwa Fasern aus Bambus, Hanf und Leinen.

Stricken: Vegane Wolle aus Hanf

Vegane Wolle aus Hanf ist besonders nachhaltig und robust.
Vegane Wolle aus Hanf ist besonders nachhaltig und robust.
(Foto: CC0 / Pixabay / Printeboek)

Hanf als Textilfaser erfreut sich immer größerer Beliebtheit und ist besonders wertvoll für das Ökosystem:

  • Die Hanfpflanze ist robust und benötigt beim Anbau keine Pestizide und chemische Dünger.
  • Die Wurzeln wachsen tief in den Boden, verhindern Erosion und damit den Verlust von nährstoffreichem Boden.
  • Hanf ist vollständig biologisch abbaubar. Als Textilfaser ist Hanf sehr strapazierfähig und ähnelt optisch Fasern aus Leinen.

Kleidung aus Hanf hat ein angenehmes Tragegefühl und ist hautfreundlich. Die Hanffaser ist atmungsaktiv und kann viel Feuchtigkeit aufnehmen.

Stricken mit Wolle aus Bambusfasern

Aus Bamusfasern lässt sich wunderbar weiches Garn herstellen.
Aus Bamusfasern lässt sich wunderbar weiches Garn herstellen.
(Foto: CC0 / Pixabay / Jing)

Bambus ist ein schnell wachsender Rohstoff, der sich zu Viskosefasern verarbeiten lässt. Damit kannst du genauso gut stricken, wie mit herkömmlicher Wolle.

  • Der Bambus bzw. die Viskosefasern sind später leicht biologisch abbaubar.
  • Die Fasern sind zudem weicher als Merinowolle und speichern keine Gerüche.

Stoffe aus Bambus sind leicht aber strapazierfähig, atmungsaktiv und fühlen sich samtig auf der Haut an.

Pflanzliches Garn aus Leinen

Wolle aus Leinen hat viele Vorteile und ist besonders umweltschonend.
Wolle aus Leinen hat viele Vorteile und ist besonders umweltschonend.
(Foto: CC0 / Pixabay / Susbany)

Leinen, auch Flachs genannt, ist ein haltbares und strapazierfähiges Material mit erstaunlichen Eigenschaften:

  • Leinenfasern sind Schmutz abweisend, so gut wie antistatisch und wirken anti-allergen.
  • Mit häufiger Benutzung wird der Flachs immer weicher.
  • Für den Anbau von Leinen werden viel weniger Pestizide und Düngemittel als für andere Kulturpflanzen benötigt.
  • Außerdem sind die Fasern biologisch abbaubar.

Leinen wirken äußerst kühlend, da sie bis zu 20 Prozent ihres Gewichts an Feuchtigkeit aufnehmen und wieder an die Luft abgeben können. So bleibt die Haut trocken – das sorgt für einen hohen Tragekomfort.

Stricken mit Algen: ungewöhnliche Faser SeaCell

Innovative Fasern aus Algen
Innovative Fasern aus Algen
(Foto: CC0 / Pixabay / HealthyBacon)

Besonders bemerkenswert sind die sogenannten SeaCell-Fasern:

  • Die Fasern bestehen aus einer Verbindung aus Zellulose und Algen und sollen gesundheitsfördernde Wirkungen haben.
  • Zur Herstellung wird der getrocknete Seetang zermahlen und in Zellulosefasern eingearbeitet. Braunalgen enthalten viele Mineralien und Spurenelementen und sollen Entzündungen hemmen und gegen Juckreiz wirken. Die natürliche Hautfeuchtigkeit setzt die Wirkstoffe in den Fasern frei, sodass sie über die Haut aufgenommen werden können.

Auch in der Medizin werden Algen genutzt, da sie hautschützende Wirkungen besitzen. Die besondere Struktur der SeaCell-Textilfasern erlaubt es, mehr Feuchtigkeit aufzunehmen und wieder abzugeben. Dadurch halten Kleidungsstücke aus SeaCell-Fasern im Winter warm und kühlen im Sommer.

Seidige, vegane Wolle aus Lyocell

Die vegane Wolle aus Zellstoff fühlt sich besonders weich auf der Haut an.
Die vegane Wolle aus Zellstoff fühlt sich besonders weich auf der Haut an.
(Foto: CC0 / Pixabay / Terrific)

Der Alleskönner Lyocell wird auch Tencel genannt und besteht aus Zellstoff:

  • In einem umweltfreundlichen Herstellungsverfahren wird der Stoff aus nachhaltig angebautem Eukalyptusholz gewonnen. Eukalyptus ist ein schnell wachsender Rohstoff, der für den Anbau keine künstliche Bewässerung und Pestizide benötigt.
  • Für die Herstellung des Stoffes muss weniger Energie und Wasser verwendet werden, außerdem sind die CO2-Emissionen deutlich geringer als bei der Herstellung konventionelle Textilien.
  • Die Lyocell-Faser ist biologisch abbaubar, recycelbar und knittert nicht.
  • Sie ist reißfest und hat eine sehr schöne glatte Oberfläche, die an Seide erinnert.

Lyocell lässt sich unkompliziert waschen und färben. Die Faser wärmt beinahe so gut wie Schurwolle und wirkt kühlend wie Leinen. Außerdem ist Lyocell viel saugfähiger als Baumwolle.

Nachhaltigkeit auf der Stricknadel: Wolle aus Sojaseide

Komplett Verwertung: Sojaseide fühlt sich nicht nur wunderbar an, sondern wird auch aus Abfallprodukten hergestellt. Nachhaltiger geht es kaum!
Komplett Verwertung: Sojaseide fühlt sich nicht nur wunderbar an, sondern wird auch aus Abfallprodukten hergestellt. Nachhaltiger geht es kaum!
(Foto: CC0 / Pixabay / auenleben)

Wolle aus Sojafasern ist nicht nur besonders nachhaltig, sondern besitz auch überraschende Eigenschaften:

  • Dieses neue, umweltfreundliche Material wird aus Nebenprodukten der Sojaverarbeitung gewonnen, das sonst weggeworfen werden müsste.
  • Der weiche Griff erinnert an Kaschmir, das Material glänzt seidig und ist äußerst haltbar.
  • Außerdem hält es Wärme besonders gut am Körper und ist als Naturprodukt natürlich biologisch abbaubar.

Die Sojafasern sollen Aminosäuren an die Haut abgeben und dieser damit Feuchtigkeit spenden. Allerdings fehlen hierzu bislang noch eindeutige Studien.

Modal: die vegane Wolle aus Buchenholz

Modal wird aus Buchenholz hergestellt und ist besonders pflegeleicht.
Modal wird aus Buchenholz hergestellt und ist besonders pflegeleicht.
(Foto: CC0 / Pixabay / Didgeman)

Die Viskosefaser Modal wird aus Buchenholz hergestellt, also einem nachwachsenden Rohstoff:

  • Das weiche Gewebe ist saugfähiger als Baumwolle, trocknet schnell und besitzt einen seidigen Glanz.
  • Die hohe Elastizität macht es besonders strapazierfähig.
  • Auch nach häufigem Waschen behalten Textilien aus Modal ihre Form und Farbe.
  • Der Stoff knittert nicht, du musst ihn also nicht bügeln.

Modal-Fasern sind atmungsaktiv und fühlen sich sehr weich auf der Haut an. Da es sich um ein reines Naturprodukt handelt, ist es auch biologisch abbaubar.

Recycling: Stricken mit Wolle aus alten Kleidungsstücken

Recycelte Wolle aus alten Kleidungsstücken.
Recycelte Wolle aus alten Kleidungsstücken.
(Foto: CC0 / Pixabay / xxolgaxx)

Am nachhaltigsten ist immer, alte Stoffe weiterzuverwenden:

  1. Aus alten Kleidungsstücken oder auch Spannbettlaken und Bettbezügen kannst du dir ganz einfach selbst Garn zum Stricken machen.
  2. Dafür musst du nur einen langen, gleichmäßig dicken Streifen aus dem alten Stoff ausschneiden. Je breiter der Streifen ist, desto dicker wird die Wolle.
  3. Anschließend dehnst du den Stoffstreifen, sodass sich die Seiten nach innen rollen und ein rundes Garn entsteht.

Diese Video-Anleitung zeigt, wie das genau funktioniert und gibt dir Tipps, um so viel Wolle wie möglich aus nur einem T-Shirt herzustellen:

Vegane Wolle findest du zum Beispiel in diesen Onlineshops:

Weiterlesen bei Utopia:

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(2) Kommentare

  1. Herzlichen Dank für diesen Beitrag.
    Da bin ich ehrlich gesagt überhaupt noch nicht darauf gekommen, dass Wolle mit Tierleid verbunden ist 🙁
    Es ist einfach zum K…, dass man offenbar in keinem einzigen Bereich nicht auf Leid trifft, der mit Tieren in Verbindung steht.
    Und es ist auch gar nicht nachvollziehbar, dass Menschen sich dafür hergeben, einem anderen Lebewesen solche Qualen anzutun.
    Niemand muss deshalb gleich vegan leben, um Tierleid nicht zu fördern.
    Wann kommt endlich das Gesetz, dass Tiere keine Sache sind, damit sowas endlich verhindert werden kann?

  2. Ich halte es für sehr wichtig, daß immer wieder auf das Tierleid (gerade auch im Zusammenhang mit der Wollherstellung) hingewiesen wird. Den Handarbeiter(-innen) ist dieses Tierleid viel zu wenig bekannt und bewußt. Es sind schockierende Bilder, die man da zu sehen kriegt, die schwer zu verkraften sind aber noch viel extremer ist das Leid der Tiere! Daher dürfen davor nicht die Augen verschlossen werden, das sind wir den Tieren einfach schuldig! Und konsequentes Handeln, da muß man sich immer wieder auch an die eigene Nase fassen.

    Man muß aber auch sagen, daß nicht alle Hersteller tierischer Wolle Tiermißbrauch betreiben,, es gibt auch Schäfer etc., die ihre Tiere wirklich lieben und entsprechend liebevoll mit ihnen umgehen, auch bei der Schur.

    Wie immer und überall ist das Wirtschafts- und Finanzsystem ein großes Problem. Wir alle sind da abhängig und so lange sich nicht da grundsätzlich etwas ändert – was m. E. dringendst notwendig wäre – wird immer und immer wieder Leid und Zerstörung erfolgen. Der generelle Preisdruck, das ewige Wirtschaftswachstum und die Menschen, die das alles mit erhalten weil sie mitspielen,, sorgen dafür, daß wir dieses Leid und Elend auf der Welt haben.

    Alternativen zu tierischer Wolle halte ich für wichtig aber auch da sollte man sehr kritisch sein und gründlich hinterfragen, denn auch Bambusmonokulturen, Eukalyptusmonokulturen, weitere Zerstörung von (Buchen-)Wäldern, Sojamonokulturen etc. sind m. E. sehr bedenklich für die Umwelt, zudem auch die eingesetzten Spritz- und Düngemittel und die chemischen Farben. Man denke dabei nur an die Biogasanlagen für die allerorten Mais, Mais, Mais angebaut wird.

    Letztendlich hilft es nur das eigene Konsumverhalten radikal zu hinterfragen, das Hirn vor dem Konsumieren einzuschalten, immer kritisch zu hinterfragen, Recycling und DIY, weg von der Wegwerfgesellschaft.

    Wir alle haben es in der Hand, man muß nur anfangen.

    Was ich