Das Label „Regionalfenster“

Zeichen © Regionalfenster Service GmbH

Das Zeichen Regionalfenster kennzeichnet Produkte mit regionaler Herkunft, derzeit meist Lebensmittel und Zierpflanzen. Aber was sagt es eigentlich genau?

Deutschlandweit tragen heute etwas über 4000 regionale Lebensmittel und regionale Produkte das Zeichen Regionalfenster (Stand 2019). Im Kern sagt es folgendes aus:

  • Die erste Hauptzutat auf der Zutatenliste sowie alle wertgebenden Zutaten müssen zu 100 Prozent aus der angegebenen Region stammen.
  • Zugleich müssen regionale Zutaten mindestens 51 Prozent des Gesamtgewichtes des Produktes ausmachen (das ist vor allem bei zusammengesetzten bzw. verarbeiteten Produkten, etwa Wurst, wichtig).

Das ist schon ziemlich regional. Derzeit findet man das Regionalfenster in folgenden Produktgruppen:

  • Obst, Gemüse und Kräuter,
  • Fleisch- und Wurstwaren,
  • Milch und Molkereiprodukte,
  • Eier,
  • verarbeitete Produkte,
  • Fisch,
  • Blumen und Zierpflanzen sowie
  • anderes (derzeit Linsen und Champignons).

Mit Hilfe des Herkunftszeichens sollen Konsumenten schnell erkennen können, woher die Hauptzutaten eines Produkts stammen und wo diese verarbeitet wurden. Das Regionalfenster erleichtert so das Erkennen und den bewussten Einkauf regionaler Produkte.

Das Regionalfenster: verbindliche Aussagen zur Herkunft

Das Regionalfenster trifft Aussagen zur Herkunft der eingesetzten landwirtschaftlichen Zutaten, dem Ort der Verarbeitung. Man liest es wie folgt:

  1. Die erste Zeile nennt die regionale Herkunft der wichtigsten Zutaten, also wo der Apfel gewachsen ist, wo das Tier gehalten wurde (allerdings nur während der Mastphase). Weil die erste Hauptzutat sowie alle wertgebenden Zutaten zu 100 Prozent aus der angegebenen Region stammen müssen, darf das Zeichen als sinnvoll gelten.
  2. Die zweite Zeile nennt „die aus Verbrauchersicht ausschlaggebenden“ Verarbeitungsorte, also wo der Apfel verpackt, das Tier zu Wurst verarbeitet wurde. Auch spannend.
  3. Die dritte Zeile nennt, und das ist eigentlich am spannendsten, wieviel Prozent aller enthaltenen Hauptzutaten regionalen Ursprungs sind. (Aber: „Nebenzutaten“ können auch aus anderen Regionen bezogen werden.)
  4. In der Fußzeile nennt das Regionalfenster die beauftragte Kontrollinstitution.
Regionalfenster-Kennzeichnung auf Produkten
Regionalfenster-Kennzeichnung auf Produkten (Fotos: BMEL, Collage: Utopia)

Die produktspezifischen Aussagen im Regionalfenster werden durch ein eigenes Prüf- und Sicherungssystem über alle Stufen der Wertschöpfung regelmäßig kontrolliert und abgesichert. Für das Prüf- und Sicherungssystem sind 20 Zertifizierungsstellen zugelassen.

Für die (freiwillige) Nutzung des Zeichens erhebt die Regionalfenster Service GmbH Lizenzgebühren, die den Umsatz eines Unternehmens und die zur Kennzeichnung angemeldeten Artikel bzw. den Umsatz mit gekennzeichneten Produkten berücksichtigen

Wer steht hinter dem Regional-Zeichen?

Am 15. August 2012 gründeten acht Mitglieder in privatwirtschaftlicher Initiative den Verein Regionalfenster e.V., der heute als Regionalfenster Service GmbH operiert. Die Einführung erster Produkte mit dem Herkunfts-Label fand zur Internationalen Grünen Woche im Januar 2014 in Berlin durch das BMEL statt.

Infos im Web:

Im Herbst des Jahres 2018 lagen der Geschäftsstelle nach eigenen Angaben rund 4200 bundesweite Produktregistrierungen von etwa 790 Lizenznehmern vor.

Kritik am Regionalfenster

Das Regionalfenster ist sicher nicht perfekt, unglücklich etwa, dass zwischen Hauptzutaten und Nebenzutaten unterschieden wird. Auch ist es kein staatliches Siegel, sondern ein rein privatwirtschaftliches und freiwilliges Zeichen, mit dem wieder einmal eine gleichwertige Pflichtkennzeichnung verhindert wurde.

Das Herkunfts-Label trifft keine über die Regionalität hinausgehenden Aussagen zur Produktionsweise: Ob die Produkte ökologisch (Bio), nachhaltig, fair, sozial, tiergerecht oder ohne Einsatz von Gentechnik erzeugt wurden, dazu macht das Regionalfenster keine Aussage. Die Futtermittel müssen nicht aus der Region kommen, anders etwa bei einigen Bio-Anbauverbänden.

Foodwatch bezeichnete das nur freiwillige Zeichen schon beim Start 2014 als „gescheitert“, allerdings mit einem eher indirekten Argument, das indes auch heute noch gilt: Den jetzt über 4000 mit einem Regionalfenster ausgezeichneten Produkten stehen nämlich Hunderttausende von Produkten gegenüber, die uns ihre wahre Herkunft „verschweigen“. Foodwatch findet daher, dass eine solche Kennzeichnung nicht freiwillig, sondern verpflichtend sein sollte.

Die Verbraucherzentralen kritisieren, dass der Mindestanteil an regionalen Zutaten bei zusammengesetzten Produkten im Minimalfall nur 51 Prozent beträgt (also: im Extremfall – der nur bei bei zusammengesetzten Produkten auftritt – können 49 Prozent nichtregionaler Herkunft sein). Tiere müssen außerdem nicht von der Geburt an in der Region gehalten werden, sondern erst in der Mastphase.

Da die Kennzeichnung freiwillig ist, können andere Anbieter ihre Produkte nach wie vor als „regional“ oder „aus der Heimat“ bewerben, ohne festgelegte Kriterien dafür zu erfüllen.

Utopia-Fazit: bitte mehr Verbreitung!

Das Regionalfenster ist sicher nicht bekannteste und in Sachen Verbreitung relevanteste Siegel, aber es ist das derzeit einzige sinnvolle Zeichen für regionale Herkunft und für sich genommen auch gut umgesetzt. Seine größte Schwäche ist die Freiwilligkeit: Ein Zeichen wie dieses sollte Pflicht sein, doch wie bei der Ernährungsampel wehren sich Lobbyisten erfolgreich gegen alle Maßnahmen, die Konsumenten einen sinnvollen Einkauf ermöglichen würden.

Wir empfehlen das Regionalfenster 1. in Verbindung mit einem Bio-Siegel zum Beispiel der Anbauverbände Demeter, Bioland, Naturland und 2. im Bewusstsein, dass der Konsument es im Handel leider nicht oft finden wird – aber das war bei Bio und Vegan ja auch mal so…

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