Wann Bio wirklich Bio ist

Vorsicht vor Verbrauchertäuschung
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Bio: tolle Philosophie, gesicherte Qualität, reines Gewissen. Stimmt doch, oder? Leider nicht immer. Utopia erklärt, was „Bio“ und „biologisch“ bei verschiedenen Produkten bedeutet und zeigt, wo Sie aufpassen müssen.

Das Bio-Bedeutungs-Wirrwarr

Die wichtigste Information gleich zu Anfang: Bio ist nicht gleich Bio. Regulierungsbehörden auf nationalen und europäischen Ebenen liefern sich ein Tauziehen mit Lobby-Organisationen der Industrie. Das hat zu einem wahren Wirrwarr an Bedeutungen, Regelungen und Siegeln geführt. Abhängig davon, ob Sie einen Apfel oder einen Allzweckreiniger in der Hand halten, kann Bio vertrauenswürdiges Siegel oder sinnentleertes Marketing-Sprech sein.

Eigentlich ist die Bedeutung relativ klar: Biologische Herstellung heißt, dass keine künstlichen Elemente in die Wertschöpfungskette einfließen, die Produktion und die Rohstoffe also natürlich sind. Gleichbedeutend ist in diesem Fall das Wort ökologisch, das im Begriff Ökologischer Landbau steckt. Das Problem: Was „natürlich“ und was „künstlich“ ist, das ist Auslegungssache. Wir zeigen, was was „Bio“ und „biologisch“ in den vier wichtigsten Bereichen des täglichen Konsums bedeutet.

Lebensmittel

Bio: bei Lebensmitteln ein geschützter Begriff

Bio Lebensmittel

Im Bereich Lebensmittel ist für den Begriff Bio das Vertrauen aufgebaut worden, das nun skrupellos in anderen Geschäftszweigen ausgenützt wird. Nahrungsmittel sind nämlich in der EU die einzige Kategorie, in der Bio (und Öko) ein geschützter Begriff ist. Wer seine Produkte Bio nennen will, der muss nach der EG-Verordnung zertifiziert sein und das EU-Bio-Siegel tragen. Das sechseckige deutsche BIO-Siegel wird zwar offiziell durch das grüne EU-Siegel abgelöst, es werden aber weiterhin beide Siegel auf den Prdukten und Verpackungen verwendet, da das deutsche BIO-Siegel hierzulande großes Vertrauen genießt.

Es geht noch ökorrekter: Die Siegel der Verbände

Mit dem EU-Bio-Siegel ist jedoch noch längst nicht das Optimum erreicht: Es definiert Mindeststandads für die ökologische Landwirtschaft. Zuerst einmal sollten Sie unter dem Siegel den Hinweis auf die Herkunft beachten. Dort wird zwischen Deutscher Landwirtschaft, EU-Landwirtschaft und NichtEU-Landwirtschaft unterschieden. Vor allem aber gibt es Bio-Verbände, die für ihre Zertifizierung sehr viel strengere Kriterien anlegen, als die EU-Richtlinie. Die bekanntesten dieser Anbauverbände sind Bioland, demeter und Naturland. Sie unterscheiden sich untereinander vorallem durch die Zulassung bzw. Ablehnung bestimmter Zusatzstoffe, Düngemittel usw. Im Gegensatz zur EU-Ökolandbau-Richtlinie erlauben die Verbände beispielsweise den Zukauf von konventionellem Futten und Dünger nur in geringsten Mengen und nur unter streng definierten Bedingungen, sie lassen weniger Tiere und eine geringere Besatzdichte pro Betrieb zu und deutlich weniger Zusatzstoffe.

Die einzelnen Richtlinen der EU-Zertifizierung und der Anbauverbände finden Sie hier:

EU-Bio
EU-Bio

 

Bioland

Bioland

 

 

 

Naturland

Naturland

 

 

 

 

 

 

Demeter

Demeter

 

 

Hier gibt es einen Vergleich der Richtlinen von EU-Bio, Bioland und Demeter (pdf).

Vorsicht bei nicht geschützten Begriffen!

Leider ist der rechtliche Schutz von Begriffen noch immer die Ausnahme. Die Nahrungsmittelhersteller leisten mit ihrer Lobby ganze Arbeit und verhindern immer wieder bindende Richtlinien. Ausdrücke wie „Qualitätsware“, „natürlich“ oder „kontrollierter Anbau“ sind meist leere Worte und sollen die Verbraucher täuschen; lassen Sie sich von ihnen nicht zum Fehlkauf verleiten.

Kosmetik & Körperpflege

Bio: bei Kosmetik & Körperpflege kein geschützter Begriff

Naturkosmetik

Biokosmetik, Naturkosmetik – beides klingt leider oft besser als es ist. Keiner der beiden Begriffe ist in Deutschland geschützt, obwohl sie schon lange Einfluss auf Kaufentscheidungen haben. Prinzipiell könnte man Ihnen damit also alles verkaufen. Die Wirtschaft nützt diese Lücke und schafft selbst Siegel, die oft mehr dem Hersteller als dem Konsumenten nutzen.

Naturkosmetik – Eine ungefähre Orientierung

Generell ist echte Naturkosmetik um einiges gesünder und nachhaltiger als konventionelle Kosmetik. Der Name wird zum Glück nur noch selten missbräuchlich verwendet, vermutlich aus Angst vor Image-Schäden. Genau so verhält es sich mit Biokosmetik, die gemeinhin schon hohe Anteile an biologisch hergestellten Zutaten enthält. Endgültige Sicherheit wird aber erst ein wirklich verbindliches Siegel bringen, das bis jetzt noch nicht existiert. Das bekannteste Siegel, das „Kontrollierte Naturkosmetik“-Siegel des BDiH, definiert Mindestkriterien für Naturkosmetik. Ein weiterer erster Schritt in Richtung verbindliche Zertifizierung ist etwa das in Eigeninitiative der Industrie entstandene NaTrue Siegel. Ebenfalls vertrauenswürdig und strenger als das BDIH-Siegel sind die Öko-Siegel von Naturland und Ecocert. Wer Tierversuche kategorisch ablehnt, sollte separat auf Tierschutz-Siegel achten: Die Label „Leaping Bunny“ des HSC und der „Hase mit schützender Hand“ des IHTK sowie das „Vegan“-Siegel garantieren, dass das Produkt tierversuchsfrei hergestellt wurde.

Naturkosmetik SiegelNaturkosmetik Siegel

 

 

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Kleidung & Textilien

Bio: bei Kleidung & Textilien kein geschützter Begriff

Naturtextilien

Leider herrscht auch im Textilienbereich heillose Verwirrung. Initiativen und Siegel existieren in Hülle und Fülle und dienen oft mehr der Verunsicherung als der Orientierung. Auch hier wäre eine verbindliche EU-weite gesetzliche Regelung äußerst hilfreich.

Die wichtigsten Siegel

Wer bei Textilien Bio sein will, der muss auf die wichtigsten Siegel achten. Am weitesten verbreitet und dabei aber wenig aussagekräftig ist das „Oeko-Tex“-Siegel „Oeko-Tex Standard 100“: Es definiert nur Mindeststandards für die Schadstofffreiheit der Textilien. Das neue Oeko-Tex-Zertifizierungssystem „STeP“ (Sustainable Textile Production) soll eine nachhaltige und faire Produktion zertifizieren, der „Oeko-Tex Standard 100plus“ ist eine Kombination aus den beiden. Weitaus strenger und klarer definiert sind die Kriterien des glaubwürdigen Global Organic Textile Standard (GOTS), der sich glücklicherweise immer weiter durchsetzt. Hier gibt es zwei Kennzeichnungsstufen: „kba/kbt“ bzw. „organic“ bedeutet, dass mindestens 95% der Fasern aus kontrolliert biologischem Anbau stammen, „hergestellt aus X% kbA/kbT Fasern“ bzw. „made with organic“ bedeutet, dass mindestens 70% der Fasern zertifiziert sein müssen. GOTS definiert auch soziale und Umweltkriterien für die Produktion. Am striktesten ist jedoch das „IVN BEST“-Siegel. Bei dieser Zertifizierung handelt es sich um das gegenwärtig maximal erreichbare Niveau für nachhaltig und ökologisch produzierte Textilien. IVN zertifiziert zudem pflanzliche gegerbtes Leder mit dem Siegel „IVN NATURLEDER“.

Öko-Kleidung Siegel

 

 

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Reinigungsmittel

Bio: bei Reinigungsmitteln kein geschützter Begriff

Die Verwendung und der Einsatz von Chemikalien hat bei Wasch- und Putzmitteln lange Tradition. Als der Mensch herausfand, dass mit Erdöl-Derivaten um ein Vielfaches potentere Produkte entwickelt werden konnten, gerieten natürliche und unbedenkliche Mittel in Vergessenheit. Mit dem wachsenden biologischen Bewusstsein werden diese zum Glück zwar langsam wiederentdeckt, noch ist Bio aber im Reinigungsbereich kein geschützter Begriff. Bedeutet: Jeder kann nach Belieben Bio auf seine Wasch- und Putzmittel schreiben, egal, was drin ist.

Die wichtigsten Siegel und natürliche Alternativen

Sie können beim Reinigungsmittelkauf auf das „Eco Garantie“ Siegel achten, dem einzigen verlässlichen Siegel für Reinigungs- und Waschmittel. Damit stellen Sie weitgehend sicher, dass alle Rohstoffe nachwachsend und gentechnikfrei sind und so weit möglich auch aus biologischem Anbau stammen. Ein Garant für Umweltverträglichkeit ist das jedoch leider nicht, da auch Mittel aus nachwachsenden Rohstoffen giftig für die Natur sein können. Sinnvoller ist es, mal bei Oma anzuklopfen. Von der werden Sie nämlich hören, dass man Kalk mit Essig wegbekommt und mit Soda (Nariumcarbonat) alles Fettige. Nur mischen sollten Sie die beiden nicht, das ergibt einen gefährlichen Cocktail.

Eco Garantie

 

 

 

 

 

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(24) Kommentare


  1. Bei den Lebensmittelsiegeln ist aus veganer Perspektive der Unterschied offenbar nur noch gering, zumal Demeter sogar Tierhaltung vorschreibt. Gibt es einen solchen Vergleich nur für pflanzliche Lebensmittel?

  2. den Kommentar von Thomas Luciow kann ich nur unterstützen. Vielen kleinen und ehrlichen Erzeugern ist es finanziell nicht möglich, solche Bio Siegel zu erwerben. Ist vielleicht auch so gewollt, schon mal drüber nachgedacht? Wahrscheinlich haben sie mit ihren Produkten keine Möglichkeit als Lieferant in einem Naturkostladen gelistet zu werden? Vielleicht sollten sich die kleinen und ehrlichen Anbieter zusammen tun. Sonst bleiben irgendwann nur noch die „Großen“ übrig, wie das schon im kommerziellen Handel der Fall ist. Da schluckt doch einer den anderen. Ist auch ein guter Denkanstoss für alle hier, sich mal um kleine Lieferanten zu bemühen. Utopia könnte hierzu einen extra Link bereitstellen, damit die auch eine Chance auf dem Markt haben. Und bitte Leute, wenn ihr in eurem Geschäft die Bio Pizza von Wagner findet, macht die Geschäftsleitung darauf aufmerksam, dass Nestle hier nichts zu suchen hat.
    Im Zusammenhang mit fairer Handel kann ich das Buch von Jean-Pierre Boris – (Un)fair trade – empfehlen. Hier geht es um das profitable Geschäft mit unserem schlechten Gewissen.

    • „Ist vielleicht auch so gewollt, schon mal drüber nachgedacht?“
      Wie meinst Du das?
      Von wem gewollt?

      Das Problem kennen wir als kleiner Online-Händler von Bio-Produkten auch.
      Die Zertifizierung ist in der Tat eine finanzielle Belastung für kleine Produzenten / Händler.

      Auf der anderen Seite kenne ich auch das Verfahren, mit dem wir jedes Jahr kontrolliert werden und begrüße ausdrücklich die hohe Sorgfalt, mit der das passiert.
      Auch wenn die Kosten in der Relation zum Gewinn hoch ausfallen, weil wir den Handel nicht hauptberuflich betreiben.

      Aber was wäre die Alterantive?
      Wir kennen ja auch die Fälle, wo die Kontrollen nicht scharf genug waren und im großen Stil Betrug passiert ist.
      Das sind zum Glück nur Einzelfälle, die eben passieren, weil die Kontrollen nicht n o c h umfangreicher, häufiger, flächendeckender und sorgfältiger durchgeführt werden können – eben aus Kostengründen.

      Ich schließe mich Deinem Aufruf an, daß kleine Produzenten von den Konsumenten unterstützt werden müssen.
      Ich habe mich auch lange geärgert, daß bei Utopia nur die großen Unternehmen ein Profil haben und sehe auf der anderen Seite ein, daß das schon seine Gründe hat.

      Es gibt den Utopia-City-Guide, da kann ja jeder Adressen von kleinen Händlern / Produzenten eintragen und finden.

      Ich kenne das Buch nicht über (Un)fairen Handel. Aber das Thema wurde hier schon häufig kritisch beleuchtet und unterm Strich komme ich für mich zu dem Schluss, daß ich Produkte mit Fair Trade Siegel nach wie vor bevorzuge.
      Allerdings nur aus dem Naturkostladen, Weltladen ect. – sicher nicht von ALDI.

    • > Vielen kleinen und ehrlichen Erzeugern ist es finanziell nicht
      > möglich, solche Bio Siegel zu erwerben

      @palina
      das ist mir zu global. Klar müssen Erzeuger für den Erwerb eines der og. Verbändesiegel auch Mitglied in einem der Erzeugerverbände sein. Die Beiträge für Erzeuger (!) sind meines Erachtens nicht existentiell bedrohlich, sonst wären nicht soviele Erzeuger dort auch Mitglied.

      Die Zertifizierung ist ganz normal über die Wirtschaftsförderung als Zuschuss förderfähig. Ich denke schon, überlebensfähige Betriebe haben auch über das Marketing der Verbände, die Landwirtschaftsplattformen und die LW-Zeitungen sehr viel Informationen über die Biostrategie erhalten. Anders in der Nebenerwerbslandwirtschaft, wo sich die Siegel schon deshalb nicht lohnen, weil nur Haupterwerbsbetriebe dazu Zugang haben (sollten lt. Verbändepolitik).

      – –

      Einer der wichtigsten Gründe, weshalb Bio bei Lebensmitteln funktioniert, ist die Sicherstellung einer durchgehenden Kette, von der Produktion bis zum Verbraucher. Das ist den Verbänden und ihren auch kleinräumig sehr wirksamen Kommunikations- und Kontrollstrukturen geschuldet.

      Bei Kleidung aus Bangladesh befindet sich der Erzeuger in Pakistan, die Weberei in China und die Konfektion in Bangladesh. Das ist wie die Matratze, die bis zum Endprodukt zu 94 Stellen in der Welt reist und nicht mehr nachverfolgbar ist.

      Ähnlich bei den Ausgangsstoffen zu Kosmetika, Wasch- und Reinigungsmitteln. Dort haben die Bio-Hersteller ein existentielles Problem nur saisonweiser Verfügbarkeit von Komponenten und erheblicher natürlicher Qualitätsschwankungen. Bin mir auch nicht sicher, ob wegen der schwankenden Qualitäten von Naturstoffen, ein Siegel, das sich an QS orientiert, so möglich wäre. „kbA“ allein ist keine Qualitätsbezeichnung, allenfalls ein Erzeugungsmerkmal.

  3. Danke @palina54 bin ganz deiner Meinung. Nestlé und somit Wagner „Bio“ Pizza gehört nun auch nicht auf meinen Einkaufszettel. Ich denke auch, es gibt viele kleine Betriebe, die durchaus Biologisch ohne Siegel arbeiten. Fände es auch gut, hier endlich mal eine Liste zu machen. Allerdings kann ich eine Empfehlung aussprechen. http://www.wegreen.de dort wurde eine Ampel eingeführt mit diversen Kriterien wie ökologisch und fair Produkte sind. Das ist wirklich toll und ich benutze es öfter wenn ich was einkaufe.

    • „Fände es auch gut, hier endlich mal eine Liste zu machen. “
      Das Problem ist, daß sich niemand die Finger dreckig machen möchte und eine Listeerstellt, wo die Erfüllung von Qualitätsansprüchen garantiert wird.

      Solche Ansprüche könnten (jenseits des Bio-Siegels) sein:
      – Gentechnik freies Futter
      – Heumilch
      – Produkte und Herstellung mit Wertschöpfung in der Region
      – handwerkliche Herstellung nach regionaltypischen Rezepturen

      Solche Ansätze gibt es seitens Slow Food und seitens der Regionalbewegung.
      Alle sind sich einige, daß es ein schwieriges Thema ist.
      Einerseits möchte man nicht noch mehr Siegel, andererseits lassen sich ohne dieses (und den entsprechenden Kontrollen) keine Qualitätsversprechungen machen oder gar halten.

      Wegreen läßt – wenn ich es richtig überblicke – das Thema Lebensmittel komplett außen vor.
      Oder habe ich das nur übersehen?
      Sonst würde mich interessieren, nach welchen Kriterien die Ampel bei LM eingesetzt wird.

      Weißt Du da näheres?

      • Hallo @Maria_L also wenn du bei http://www.wegreen.de in die Suche Lebensmittel eingibst, dann gibt es treffer. Wie die Ampel funktioniert hab ich mir auch erklären lassen, aber ob ich das nun alles so korrekt wiedergeben kann sei dahingestellt. Aber du kannst direkt dort nachfragen, Das Team bei Wegreen beantwortet deine Fragen sicher gern. Außerdem ist der Geschäftsführer auch hier auf der Plattform unterwegs. Wahrscheinlich hat UTOPIA ihn erst dazu gebracht ein solches Unternehmen zu gründen.

  4. Leider wird mit dem Begriff Bio vie Schabernack getrieben.
    Das riesengroße Vertrauen in das EU-Bio Siegel ist unserer Erfahrung nach auch schon wieder dabei zu schwinden. Wenn wir mit Personen, für die Nachhaltigkeit eher ein Hindernis ist, als erstrebenswertes Ziel sprechen, oder mit Personen, die sich erst langsam anfangen für die Thematik zu interessieren, hören wir leider immer wieder, dass „doch eh alles gefälscht, erschlichen und erlogen“ ist.

    Leider ist es sehr schwer das Vertrauen in das Bio-Siegel aufrech zu erhalten oder zu erschaffen, wenn man immer wieder von Skandälchen und Skandalen hört.

    Trotzdem:
    auf http://www.damado.de ist und bleibt es Voraussetzung, dass alle angebotenen Lebensmittel das EU-Bio-Siegel tragen. Damit schaffen wir eine Basis und stellen einen MIndeststandard der angebotenen Produkte sicher.
    Natürlich sind auch alle Artikel willkommen, die darüber hinausgehende Siegel tragen.

    Viele Grüße,
    David von damado.de

  5. Die EU-Verordnung schreibt nicht vor, ob das Futter für Tiere von gentechnischen veränderten Pflanzen stammt, oder auch dieses biologisch erzeugt wurde.
    Die Regelungen werden weiter verwässert. Ab 2009 wird ein neues Siegel das alte ablösen. Nun dürfen bis 0.9% gentechnisch veränderte Bestandteile vorhanden sein – die gleiche Menge, bis zu der konventionelle Produkte ebenfalls nicht ausgezeichnet werden müssen. So es in dieser Beziehung keine Unterschiede mehr zwischen „Bio“ und konventionell gibt. Selbst das Europaparlament fand diese Regelung unzureichend und plädierte auf einen Prozentsatz von unter 0.1%. Minister Seehofer setzte sich in der EU-Kommission durch und damit über Beschlüsse von Bundesrat, Bundestag und EU-Parlament weg.
    Das EU-Siegel und sein deutsches Pendant stehen daher heute und noch mehr in der Zukunft nicht für „echte“ ökologische Produkte und erst recht nicht für eine nachhaltige Landwirtschaft mit artgerechter Tierhaltung. Es ist zu empfehlen Produkte zu von Bioland, Demeter und Naturland zu kaufen, denn diese drei größten Verbände fordern von ihren Vertragslandwirten die Einhaltung wesentlich strengerer Auflagen.
    Was das EU-Siegel allerdings schaffte war ein breiter Markt. Die meisten Produkte, die sie im Discounter finden und die sich „Bio“ nennen tragen das EU-Siegel. Die Produktzahl ist alleine in den letzten drei Jahren um 50% angestiegen. Es ist inzwischen so bedeutsam, dass auch internationale Zulieferer sich nach ihm richten, um ihre Produkte in Europa vermarkten zu können.
    Man sollte das EU-Biosiegel mehr als „Bio light“ sehen, also ein Siegel, das für eine höhere Lebensmittelqualität steht. Produkte dürfen aber trotzdem noch für Restmengen an konventionellen und gentechnisch veränderten Grundstoffen enthalten.

    Liebe Grüße
    Palina

  6. Bei aller berechtigten Kritik am EU-Bio-Siegel bitte immer auf dem Monitor behalten, daß es immer noch einen gewaltigen Unterschied macht, ob das Produkt ein Bio-.Siegel hat oder nicht.

    Ich höre in letzter Zeit immer wieder – auch von Leuten, die eigentlich pro Bio sind – die Aussage, die Unterschiede z.B. bezüglich Pestizid-Rückstände seien sehr gering, weil die Kontrollen ja auch im konventionellen Bereich streng seien.

    Das stimmt leider so nicht.
    Die Grenzwerte wurden für konventionelle Ledbensmittel immer wieder hoch gesetzt, so daß auch mehr belastete LM als unbedenklich bewertet werden.
    Gleichzeitig steigt der Einsatz von Pestiziden / Herbiziden immer noch gewaltig.

    Zu Bedenken ist, daß biologische Lebensmittel nie ganz frei sein werden von Rückständen, weil diese nun mal in unserer Umwelt sind. (7 von 10 Personen haben Glyphosat im Urin).
    Wenn man diese total Rückstandsfreiheit für Bio-Lebensmittel möchte, wird es einfach keine Bio-LM mehr geben.

    Wer künftig eine weitgehende rückstandsfreie Landwirtschaft wünscht, muß sich ganz klar zum Bio-Siegel bekennen u n d sich gleichzeitig dafür einsetzen, daß das Siegel nicht weiter verwässert wird.
    Also durch Kauf von LM, die zusätzlich ein Verbands-Siegel haben, aber auch durch Beteiligung an Initiativen, die sich dafür einsetzen bzw. eine entsprechende Politik.

    Selbst wenn es momentan stellenweise keine Unterschiede mehr gibt, zwischen Bio und Nicht-Bio (obiges Beispiel GVO-Rückstände), so gibt es dennoch gewaltige Unterschiede, ob man Bio-Produkt kauft.

    Dazu kann ich als Literatur den Artikel im aktuellen Spiegel über Glyphosat empfehlen, der die ganze Misere sehr gut zusammen fasst.
    https://magazin.spiegel.de/digital/?utm_source=spon&utm_campaign=centerpage#SP/2015/24/135322521
    (Der Artikel ist erst in einigen Tagen frei lesbar im Netz)

    Oder hier das Diagramm über die Zunahme der Pestizidbelastung studieren:
    http://www.essen-ohne-chemie.info/die-pestizidbelastung-steigt-immer-mehr/#.VW1Ex7VZBig.facebook
    Die Werte kommen vom Informationsdienst der Chemischen und Veterinäruntersuchungsämter (CVUA) und nicht von der Bio-Lobby.
    http://www.cvuas.de/pub/default.asp?subid=1&lang=DE

    Wenn wir uns darauf fokussieren, daß das EU-Bio-Siegel noch seine Mängel hat, statt darauf, daß in der konventionellen Landwirtschaft noch nicht mal der Versuch einer Verbesserung gestartet wird, dann werden wir der Bio-Bewegung mit Sicherheit schaden statt nützen, weil der Durchschnittsverbraucher nur darauf wartet ,daß ihm jemand sagt, er sei doof, wenn er mehr Geld für Bio ausgibt, weil das ja sowieso nicht besser sein.

  7. Beispielhaft sei von der o.g. Webseite des Ministeriums in BaWü der folgender Abschnitt raus gegriffen:
    http://www.cvuas.de/pub/beitrag.asp?subid=1&ID=489&Thema_ID=5&lang=DE
    „Sind Bio-Produkte wirklich rückstandsärmer? Wie ist der Unterschied zu konventioneller Ware?

    Die Rückstandsgehalte in Lebensmitteln aus ökologischem Landbau unterscheiden sich von konventionell erzeugten Lebensmitteln signifikant.
    So lag 2007 die mittlere Pestizidbelastung von Öko-Obst und -Gemüse bei 0,002 mg/kg, konventionelles Obst und Gemüse enthielt dagegen im Mittel 0,28 mg Pestizidrückstand pro Kilogramm, also 140-mal mehr.
    Die von verschiedenen Seiten immer wieder vertretene Auffassung, dass sich Lebensmittel aus ökologischem Landbau und aus konventioneller Produktion wegen der allgemeinen Umweltkontamination und auf Grund von Abdrift kaum unterscheiden, ist zumindest für den Bereich Pestizidrückstände in pflanzlichen Lebensmitteln nicht zutreffend.“

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