So schlimm ist die Feinstaubbelastung nach Silvester

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Foto: "The remains of the night" von athriftymrs.com unter CC-BY-2.0

Schöne Tradition oder reine Geldverschwendung? Das alljährliche Silvesterfeuerwerk polarisiert. Dass die Massen an Feuerwerkskörpern nicht nachhaltig sind, ist keine Überraschung. Wie stark die Böllerei in der Neujahrsnacht die Luft verpestet, vielleicht schon.

Ob man das Silvesterfeuerwerk nun mag oder nicht: Fakt ist, dass am nächsten Tag erschreckende Mengen Böller-Müll auf den Straßen liegen. Fakt ist, das jedes Jahr bei Privatfeuerwerken schwere Unfälle passieren. Fakt ist, dass man mit den Millionen, die die Deutschen jährlich für Feuerwerkskörper ausgeben, viele sinnvolle Dinge für das Gemeinwohl tun könnte.

Fakt ist auch, dass Feuerwerkskörper meist unter ausbeuterischen und oft lebensgefährlichen Arbeitsbedingungen in Entwicklungsländern produziert werden. Das sind eigentlich schon ausreichend Gründe, auf Feuerwerk zu Silvester zu verzichten.

Hohe Feinstaubbelastung an Silvester

Hinzu kommt aber noch: Die Masse an Feuerwerken und Böllern, die wir hierzulande in der Silvesternacht in die Luft jagen, verursacht eine erschreckende Luftverschmutzung.

„In der Silvesternacht steigt die Belastung mit gesundheitsschädlichem Feinstaub explosionsartig an“, schreibt das Umweltbundesamt (UBA). Messungen zeigen: Am Neujahrstag ist die Feinstaubkonzentration in der Luft vielerorts höher als im gesamten Rest des Jahres.

Jedes Jahr werden durch Feuerwerkskörper rund 4.000 Tonnen Feinstaub freigesetzt, stellte das UBA in einer Studie (PDF) im Jahr 2015 fest. Der größte Teil davon entsteht – keine Überraschung – in der Silvesternacht.

Erschreckende Werte

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Feuerwerk ist zwar schön anzusehen, belastet allerdings unsere Luft stark. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay)

Die Zahl klingt zunächst etwas abstrakt, aber das UBA hat noch eine weitere Zahl, die unmissverständlich deutlich macht, wie groß das Problem mit der dicken Luft an Silvester ist: Die Feinstaubmenge, die durch Feuerwerke in die Luft gelangt, entspricht in etwa 15 Prozent der Menge, die der gesamte Straßenverkehr im Jahr freisetzt.

Stundenwerte über 1.000 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft (µg/m³) seien demnach in den Stunden unmittelbar nach Mitternacht in Großstädten keine Ausnahme. Zum Vergleich: Die Jahresmittelwerte für Feinstaub liegen derzeit zwischen 15 und 20 µg/m³.

Messungen zeigten zum Beispiel: Am 1. Januar 2017 lagen in vielen deutschen Großstädten die Feinstaubwerte im Tagesmittel um ein Vielfaches über dem Grenzwert – in München bei über 500 µg/m³. Der Grenzwert liegt bei 50 µg/m³.

Das UBA hat beeindruckende Karten erstellt, die im Zeitverlauf zeigen, dass in der Silvesternacht deutschlandweit die Feinstaubbelastung auffallend hoch ist. Wie lange der Feinstaub dabei nach Silvester in der Luft bleibt, hängt stark von der Wetterlage ab – bei wenig Wind und Luftaustausch bleibt die Luft besonders lange belastet.

Gefährliche Luftverschmutzung

Spätestens seit der Dieselfahrzeug-Debatte ist bekannt: Feinstaub ist gefährlich. Die gesundheitlichen Auswirkungen können dabei von Schleimhautreizungen und Entzündungen bis hin zu Herzproblemen reichen.

Verschiedene Modellrechnungen und Studien gehen für Deutschland von mehreren Zehntausend Todesfällen pro Jahr aus, die durch Feinstaub begünstigt werden.

Natürlich sind die Feuerwerke an Silvester nur einer von vielen Faktoren, die die Luft verschmutzen und damit unsere Gesundheit gefährden. Dennoch drängt sich die Frage auf: Ist das wirklich nötig? Und rechtfertigen Spaß und Tradition wirklich die Folgen für Umwelt und Gesundheit? Ist es noch zeitgemäß, für bunte Lichter und laute Böller eine solche Luftverschmutzung in Kauf zu nehmen – in Zeiten, in denen in vielen Gegenden Deutschlands die Luft sowieso schon gefährlich verdreckt ist?

Wir wollen niemandem den Spaß an Silvester verderben. Aber wir wollen alle Leser dazu ermutigen, mal ehrlich darüber nachzudenken, ob man Feuerwerke noch für vertretbar hält. Denn wenn man sich das Gesamtbild ansieht, spricht wenig für Raketen und Böller.

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(9) Kommentare

  1. Bei mir gibt es schon seit einigen Jahren kein Feuerwerk mehr. Klar, es ist ganz hübsch anzusehen, aber die vielen Nachteile bzw. Gefahren überwiegen für mich um ein Vielfaches.

  2. Ich erinnnere mich an einen sehr ähnlichen Artikel im vergangenen Jahr zur geichen Zeit zu gleichem Thema.

    Und wieder werden die Umsätze für Böller steigen!
    Angesichts der immer billiger werdenen Artikel lässt das nicht auf ein Umdenken schließen.

  3. Ich persönlich halte von Feuerwerk gar nichts und konnte mich zum Glück auch die letzten 2 Jahre damit durchsetzen das mein Mann gar keines mehr kauft. Denke ein Kompromiss wäre Sinnvoll. Komplettes Verbot von privatem Feuerwerk und dafür ein kurzes Profi Feuerwerk das die Stadt dort veranstaltet wo die großen Feiern stattfinden. Wer unbedingt eins sehen will kann da hingehen, es wird wesentlich weniger verballert, die Luftverschmutzung ist geringer , die Verletzungen bleiben aus, der Müll überall und die Sachschäden ( Brände, kaputte Dachfenster mit viel Pech noch Wasserschaden, beschädigte Autos usw.) auch . Zudem wäre die Belastung für Tiere viel geringer weil es nicht mehr überall knallt.

  4. Eine außergewöhnlich gute, sehr gute Idee und ich wünschte alle Frauen, setzten sich auch in dieser Angelegenheit ebenfalls durch.
    Ich habe erst kürzlich eine solche vernünftige, vorausschauende Frau kennengelernt.
    Es gibt etwas 50 % Frauen, die sich daran ein Beispiel nehmen könnten.
    Wieviel Prozent Männer, die aus Vernunftsgründen auf das Böllern verzichten und eine „Ansteckungswelle“ auslösen?
    Nur ein Wunschdenken von mir, mehr ist es auch nicht.

  5. vor ca. 10 Jahren hatte ich mal das BMU angeschrieben und auf die hohen Emissionswerte in dieser kurzen Ballerzeit hingewiesen. Die Antwort war, es waeren ja nur 0,3 % des Gesamtausstoßes. Also meinten sie, wir sollten uns nicht so große Sorgen machen. Wirklich schade als Antwort für unsere Vertretung in Berlin.

  6. Außer dass tausende Tonnen Staub in kürzester Zeit die Lungen der Lebewesen belasten, sind denn darin auch schädliche Chemikalien enthalten?

    Ich kann gut und gerne darauf verzichten und habe noch nie in meinem Leben auch nur einen Cent für diese Böllerei in die Luft gejagt.
    Ich habe schon mal einen Zeitungsartikel geschrieben, man solle das rausgeschmissene Geld an Hungernde spenden, damit deren Herzen zu leuchten beginnen. Mehr als denn je ist damals die Zigtausendmillionensumme angestiegen, was schert denn wenn, meine innere Einstellung?
    So kommt es wie eh und je nur auf den Einzelnen an, die persönliche Vernunft walten zu lassen und sein Umfeld dafür überzeugend zu gewinnen.

    Wenn das BMU darauf tatsächlich re-agieren würde, würde das doch bedeuten, dass es die Böllerei grundsätzlich verbieten müßte.
    Denn was sonst sollte diesen Staubausstoß verhindern?
    Wenn das in Deutschland verboten werden würde, gäbe es doch einen noch nie dagewesenen erschütterten Aufschrei, mit „Heulen und Zähneknirschen“, während sich die ganze Welt dabei erfreut oder sollte ich sagen, für wieviele Minuten daran ergötzt, und gerade „uns“ sollte der Minutenspaß nicht vergönnt sein?
    Was schert es denn die Masse, ob man die Umwelt Stück für Stück im „Kleinen“ verbessert oder auch nicht.
    Nach mir die Sintflut läuft so lange, bis einem das Wasser bis zum Hals steht, nur das zieht eine nachhaltige „Wirkung“ und ein Umdenken des Menschen, bzw. der Menschheit nach sich.

  7. Also ich muss sagen das ich heute überrascht von unserer Kleinstadt bin. Mir kam es heute Nacht schon so vor das wenig abgeschossen wurde ( wobei ab 19.00 Uhr immer wieder vereinzelt was zu hören war) und heute morgen war ich sehr erstaunt wie wenig auf den Straßen lag. Anscheinend hat die Wettervorhersage doch einige vom Kauf abgehalten. Das viele schlauer geworden sind und es jetzt immer lassen werden wage ich mal noch nicht zu glauben. Schön wäre es ja.

  8. wenn unsere regierung interesse daran HÄTTE, die böllerei zu minimieren, hätten sie massenhaft möglichkeiten – von öffentlichen appellen in den lightmedien über steueranhebung bis hin zu stärkeren kontrollen bei der einfuhr ausländischer produkte, gütesiegel (nur „fair“ produzierte feuerwerkskörper), limitierte zentrale ausgabestellen etc… wie immer geht es ja ausschließlich um profit. dass auch diejenigen, die diese bekloppte tradition ablehnen, gesundheitlich darunter leiden und die straßen überall wochenlang aussehen wie eine müllhalde, scheint ja als grund noch nicht zu reichen. gesundheitsprävention machen sie ja schon mit nichtrauchergesetzen in kneipen, da müssen sie ja nicht auch noch die freiluftqualität erhalten :@ die meisten leute wissen nicht mal bescheid über die katastrophalen produktionsbedingungen- aber die bundesligaergebnisse und lottozahlen stehen natürlich IMMER in der zeitung. ist ja auch viel wichtiger. ^^
    man kann echt die wut kriegen, was sich die so-called-volksvertreter in unserem namen so leisten, ohne dass man sie in irgendeiner weise zur rechenschaft ziehen kann! 🙁

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