Verpacktes Grillfleisch: Gammel, Antibiotika und resistente Keime

Foto: Öko-Test Magazin

Sommer, das heißt oft Garten, Grill – und Gammelfleisch: Öko-Test hat mariniertes Fleisch untersucht und das Ergebnis schockiert: zweimal Gammelfleisch, viermal Antibiotika-resistente Keime, einmal sogar Rückstände eines Antibiotikums.

Für seine aktuelle Ausgabe (Heft 7/2015, Juli) hat Öko-Test 13 Schweinenackensteaks untersucht, und zwar abgepackte, marinierte Grillsteaks aus Supermärkten, Discountern, Verbrauchermärkten und Bio-Läden (in letzteren gab es die nur ohne Marinade).

Fast alle schnitten schlecht ab: So waren laut Öko-Test-Mitteilung zwei der drei Chargen des Grillfleisches von Ja! Schweine-Nackensteaks in Paprikamarinade zum Ende der Mindesthaltbarkeitsfrist verdorben. Das Grillfleisch roch abweichend und zeigte stellenweise grau-grünliche Verfärbungen. Dazu fanden die Tester deutlich erhöhte Keimzahlen über dem Richtwert der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie. Aus Sicht der Lebensmittelüberwachung seien solche Proben nicht mehr verkehrsfähig, so Öko-Test.

Resistente Keime und Antibiotika im Fleisch

Elf weitere Proben von Grillfleisch waren sensorisch noch in Ordnung, wiesen aber ebenfalls schon zu viele Keime auf. Besorgniserregend ist, dass laut Öko-Test in vier Proben Antibiotika-resistente Keime analysiert wurden. Einige können gefährliche Wundinfektionen verursachen, so Öko-Test. Andere gelten unter Wissenschaftlern als besonders problematisch, weil sie Enzyme bilden, die viele Antibiotika unwirksam machen und die Resistenzeigenschaften auf andere Bakterien, etwa im Magen-Darm-Trakt, übertragen können, so dass Infektionen schwerer zu behandeln sind. Im Steak von Aldi Nord fand das beauftragte Labor laut Öko-Test in einer Charge außerdem ein Antibiotikum, das in der Tierhaltung häufig verabreicht wird, aber auch in der Humanmedizin üblich ist.

Bio-Grillfleisch schnitt im Test übrigens mit „gut“ ab. Auch die Bio-Branche hätte Probleme, so das Testmagazin, doch bei den befragten Bio-Bauern (die, anders als die meisten konventionellen Hersteller, auch antworteten) zeige sich ein deutlich besseres Bild als in der konventionellen Tierhaltung: Die Schweine hatten Stroh und mehr Auslauf, sie lebten nicht auf Vollspaltenböden, bekamen keine Antibiotika und gentechnisch verändertes Futter.Cover: Öko-Test 2015/7

Das ÖKO-TEST-Magazin Juli 2015 gibt es seit dem 26. Juni 2015 im Zeitschriftenhandel. Das Heft kostet 4,50 Euro. Den Beitrag kann man auch online lesen: auf oekotest.de.

Utopia rät: Grillen Sie mehr Gemüse, auch das ist lecker. Grillwürstchen gibt es auch vegetarisch, siehe unsere Bestenliste vegetarische Bratwurst. Wer sich Grillfleisch gönnt, sollte nicht zu billiger Ware, sondern zu Fleisch aus Bio-Tierhaltung greifen, alternativ beim regionalen Metzger des Vertrauens kaufen. Meiden Sie außerdem fertig mariniertes Grillfleisch. Grillwaren sollten immer gut erhitzt werden.

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