WoW-App von worldwatchers: dieses Start-up will das Klima retten

Foto: CC0, Public Domain , Unsplash

Wir zählen Schritte, halten fest wann wir essen und wie lange wir schlafen. Sogar unsere Laune können wir mit Hilfe von Apps erfassen. Wieso also nicht auch unseren CO2-Verbrauch? Das Team des Start-ups worldwatchers wird genau dafür eine App entwickeln – wir haben Mitgründer Christoph Kunz gesprochen.

Hand aufs Herz: Wie klimafreundlich ist unser Alltag wirklich? Wir alle haben wahrscheinlich  CO2-„blind spots“ – oder zumindest Bereiche, in denen wir CO2 einsparen können. Eine neue App will uns dabei helfen, diese Bereiche ausfindig zu machen: Das Start-up worldwatchers will Anfang nächsten Jahres eine CO2-Tracking-App auf den Markt bringen.

Das Konzept für die App erarbeitete das Münchner Start-up in Zusammenarbeit mit dem Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie. Finanziert werden sollte das Ganze via Crowdfunding – und das hat auch auch schon ganz gut geklappt: Das erste Fundingziel von 35.000 € ist geknackt, Basisfunktionalitäten wie Rechner, Datenbank, und Lifestyle-CO2-Verbrauchsberechnung können 2020 kommen.

Alles was wir verbrauchen, hat einen CO2-Wert

Das Projekt „WoW-App“ der worldwatchers entsprang einer „Stammtisch“-Gedankenspielerei. Die Gründer wollten wissen:  „Wie kann ich Nachhaltigkeit messbar machen?“ – also den persönlichen CO2-Fußabdruck sichtbar machen und zwar über „eine Momentaufnahme hinaus.“

Das Prinzip kennen alle, die sich einmal einem CO2-Rechner gestellt haben – oder alle, die Hafermilch der Marke Oatly trinken. Auf jeder Packung erinnert uns das abgedruckte CO2-Äquivalent daran, dass jede Konsumentscheidung ebenso eine Entscheidung für mehr oder weniger Klimaschutz ist. „0,29 kg CO2 pro kg“ steht da. So richtig viel anfangen, können mit dieser Zahl wahrscheinlich die Wenigsten.

Auf der Packung einiger Oatly-Produkte ist der CO2-Fußabdruck angegeben. (Foto: © Oatly)

Der CO2-Fußabdruck eines Produkts (PCF) ist für uns in der Regel unsichtbar. Er beschreibt die Emissionen, die ein Produkt verursacht. Von Material, über Herstellung, Transport und Nutzung hin zur Entsorgung – alles was wir essen, verbrauchen, nutzen hinterlässt CO2-Spuren. Wer zuverlässige und gut vergleichbare Zahlen will, muss bislang zeitaufwändig recherchieren und sich zumindest mit den Grundlagen der Thematik befassen. Das soll sich mit der WoW-App ändern.

Das eigene CO2-Konto im Blick haben – und verwalten

Der Name worldwatchers erinnert dabei nicht ohne Grund an Weight Watchers; ein Programm, das beim Abnehmen helfen will. Das System ist ähnlich, innerhalb eines gewissen Rahmens navigiert man sich durch den Tag. Statt Kalorien wird CO2 gespart. Ob fliegen, Fleisch essen oder shoppen: „Erlaubt“ ist alles, solange man innerhalb des Budgets bleibt.

Dieses beträgt für jeden überschaubare zweieinhalb Tonnen CO2 pro Jahr bis 2030. „Das gibt uns die Erde vor“, erklärt Christoph Kunz, man orientiere sich am Fahrplan von D-Mat Ltd, dem finnischen Kooperationspartner des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie. “Nicht handeln ist einfach keine Option”, sagt Christoph Kunz und verweist auf die fast zwölf Tonnen, die wir aktuell im Schnitt verbrauchen – das sind fast zehn Tonnen zu viel.

Wie viel CO2 verursacht der Kauf dieser Hose?

Wohnen, Ernährung, Mobilität, Shopping, Urlaub und Freizeit – in all diesen Bereichen will die App uns durch den Alltag lotsen: Wieviel CO2 spare ich, wenn ich den Veggie- statt des Rindfleisch-Burgers esse? Und ist die Bio-Avocado ökologischer als der Billig-Apfel? Und wie viel CO2 verursacht eigentlich der Kauf einer Jeans-Hose?

Öko-Test Jeans
Die Jeans-Produktion gilt als besonders klimaschädlich. (Foto: Unsplash, CC0)

Den Grundstock der (generischen) CO2-Produkt-Daten lieferte das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie. Mit fortschreitender Entwicklung sollen spezifische Produktdaten hinzukommen. Die NutzerInnen sollen dann per Eingabe, Suche oder Barcode-Scan Produkte und Aktivitäten erfassen können.

Anders als CO2-Rechner, wie der des UBA oder Ein guter Tag, will die App über die Hilfe im Supermarkt hinausgehen. In der finalen App-Version sollen Automatisierung und benutzereigene Einstellung unter anderem Life-Tracking oder einen spielerischen Wettbewerb mit Familie und FreundInnen ermöglichen – ähnlich wie bei Fitness-Apps.

Nutzungsphase sowie -art von Produkten würden stets einkalkuliert, erläutert Kunz, denn: “Ein gebrauchtes Auto hat eine andere CO2-Bilanz als ein neues. Wir wollen zeigen, dass es klimafreundlich ist, Dinge möglichst lange zu nutzen.”

Dir gefällt die Idee? Du kannst unterstützen! Aktuell steckt worldwatchers vor den Launch der ersten App-Version mitten im Crowdfunding. Gefällt dir das Konzept, kannst nachschauen, ob du das Crowdfunding noch unterstützen kannst. Die erste Phase ist zwar abgeschlossen, aber zuweilen gibt es eine zweite Phase für ein zweites Fundingziel …

Wo bleibt die Politik?

Keine Frage: Wir brauchen mehr Transparenz in der Klimadebatte und mehr Wissen über unseren CO2-Fußabdruck. Die App von worldwatchers könnte dabei helfen – und wäre ein guter Schritt in die richtige Richtung.

Nichtsdestotrotz hat sich unsere Regierung dazu verpflichtet, die Klimaziele zu erreichen. Auch wenn wir alle handeln, entlässt das die Politik aus keinerlei Verantwortung. Mit einem CO2-Äquivalent auf allen Verpackungen beispielsweise, würde der Markt transparent(er). Jede*r hätte die Chance, einfach Kaufentscheidungen für den Klimaschutz zu treffen – oder eben ganz bewusst nicht hinzuschauen.

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(1) Kommentar

  1. In diesem Zusammenhang: Aktuell gibt es eine Online-Petition, die eine CO2e-Kennzeichnung von Lebensmitteln fordert: https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2019/_10/_01/Petition_99915.nc.html
    – Das wäre genau schon ein Schritt in diese Richtung und ehrlich gesagt sogar noch direkter als eine App, wenn man direkt schon im Laden auch den „Umwelt-Preis“ sehen kann, den man für dieses Produkt „zahlen“ muss.

    Die Zeichnungsfrist läuft noch bis zum 12.11.2019