In vielen Küchen haben Speiseöle ihren Platz eher im Vorratsschrank als im Kühlschrank. Das ist für die meisten Öle auch kein Problem – einige empfindliche Sorten halten sich kühl gelagert aber besser. Hier bekommst du einen Überblick.
Speiseöle gehören zur Grundausstattung jeder Küche: Man braucht sie zum Braten, Backen und Frittieren, sie verfeinern Salatdressings und dienen wegen ihres hohen Fettgehalts als Geschmacksträger. Geschmacksneutrale Bratöle wie Sonnenblumen- oder Rapsöl, aber auch geschmacklich intensivere Sorten wie Olivenöl lagern hauptsächlich in den Vorratsschränken oder direkt neben dem Herd.
Aber sind sie dort überhaupt richtig aufgehoben? Was die richtige Aufbewahrung von Ölen angeht, scheiden sich durchaus die Geister. In einigen Haushalten stehen die Flaschen auch im Kühlschrank, statt bei Zimmertemperatur im Küchenregal oder -schrank gelagert zu sein.
Eine allgemeingültige Antwort darauf, welcher Lagerort der richtige ist, gibt es nicht, denn das hängt ganz von der individuellen Ölsorte und ihren Eigenschaften ab. In diesem Artikel geben wir dir einen Überblick über die besten Lagerbedingungen für die gängigsten Speiseöle.
Öl richtig lagern: Allgemeine Tipps
Obwohl sich Öle in ihren spezifischen Eigenschaften unterscheiden, haben sie auch einige grundlegende Gemeinsamkeiten. Sie alle sind mit fortschreitender Zeit Oxidationsprozessen ausgesetzt, die sich beschleunigen können, wenn du sie falsch lagerst. Die Oxidation führt dazu, dass das Speiseöl allmählich an Geschmack verliert und sorgt auch dafür, dass es schließlich ranzig wird.
Die Hauptgründe für die Oxidation von Speiseölen sind Sauerstoffkontakt und Wärmeeinwirkung, aber auch Lichteinfall spielt eine Rolle. Bei allen Ölsorten verbesserst du deshalb die Haltbarkeit, wenn du dich an die folgenden Hinweise hältst:
- Lagere Öl immer luftdicht. Öl sollte nicht zu lange Sauerstoff ausgesetzt sein. Am besten aufgehoben ist es in einer gut verschließbaren Flasche, zum Beispiel mit Schraub- oder Bügelverschluss.
- Lagere Öl an einem dunklen Ort. Alle Öle sind lichtempfindlich und oxidieren schneller, wenn sie direktem Lichteinfall ausgesetzt sind. Aus diesem Grund wird Speiseöl auch oft in dunklen Glasflaschen verkauft, denn sie schützen den Inhalt vor Licht. Öle aus transparenten Flaschen kannst du nach dem Kauf in abgedunkelte Flaschen umfüllen, damit sie besser geschützt sind.
- Halte Öl von Wärmequellen fern. Öle sind nicht nur licht-, sondern auch wärmeempfindlich. Ein Küchenregal direkt über dem Herd oder ein Bord über der Heizung sind deshalb keine idealen Lagerorte. Wie kühl es dagegen sein darf, unterscheidet sich wie schon gesagt von Sorte zu Sorte.
- Halte die Flaschen sauber. Auch gute Hygiene verlängert das Leben von Speiseöl. Mit der Zeit können sich Rückstände am Flaschenhals oder am Verschluss festsetzen. Reinige die Flaschen deshalb regelmäßig mit einem sauberen, feuchten Tuch.
Darüber hinaus solltest du aber auch die Unterschiede zwischen den verschiedenen Ölsorten beachten. Sie beziehen sich vor allem auf die richtige Lagertemperatur.
Welche Temperatur für welches Öl?
Wie schnell Speiseöl oxidiert, hat nicht nur mit den äußeren Einflüssen zu tun, sondern auch mit seiner chemischen Zusammensetzung. Vor allem spielt es eine Rolle, wie hoch die jeweiligen Anteile verschiedener Fettsäuren im Öl sind.
Grundsätzlich wird zwischen gesättigten sowie zwischen einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren unterschieden. Während gesättigte Fettsäuren den Cholesterinspiegel erhöhen können und deshalb nur in Maßen empfohlen werden, gelten die ungesättigten Fettsäuren als gesunde Fette, die wichtig für die Vitaminaufnahme im Körper sind und eine cholesterinsenkende Wirkung entfalten können. Genaueres dazu erfährst du in diesem Artikel: Gesättigte oder ungesättigte Fettsäuren: Was ist gesünder?
Die Unterschiede zwischen den Fettsäuren führen auch zu Unterschieden in der Haltbarkeit verschiedener Öle. Wie Ökotest zusammenfasst, liegt das daran, dass mehrfach ungesättigte Fettsäuren sehr sauerstoffempfindlich sind und auch mit Licht und Wärme schneller reagieren. Deshalb oxidieren Öle mit einem hohen Anteil an diesen Fettsäuren schneller. Öle, die hauptsächlich einfach ungesättigte oder gesättigte Fettsäuren enthalten, sind dagegen weniger empfindlich und entsprechend länger haltbar. Sie sind außerdem schlecht zum Braten geeignet, weil sie nicht hitzebeständig sind.
Daraus ergibt sich eine einfache Faustregel:
- Empfindliche Öle mit hohem Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren gehören in den Kühlschrank.
- Öle, bei denen der Anteil an einfach ungesättigten oder gesättigten Fettsäuren höher ist, vertragen oft auch eine Lagerung bei Raumtemperatur.
Gesund, aber empfindlich: Diese Öle gehören in den Kühlschrank
Während Öle mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren zwar gesund sind, sind sie zugleich auch deutlich empfindlicher als andere Sorten. Für sie ist eine Lagerung im Kühlschrank sinnvoll, um die Oxidationsprozesse zu verlangsamen und ihre Haltbarkeit zu verbessern.
Folgende Speiseöle gehören laut Ökotest dazu:
- Leinöl: Leinöl hat einen hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren und ist sehr empfindlich gegenüber Wärme und Licht. Im Kühlschrank ist es deshalb am besten aufgehoben.
- Nussöle wie Walnussöl, Haselnussöl oder Macadamiaöl. Sie können schnell ranzig werden, wenn du sie bei Zimmertemperatur aufbewahrst und oxidieren im Kühlschrank langsamer. Das trifft allerdings nicht auf alle Nussöle zu: Erdnussöl zum Beispiel muss nicht in den Kühlschrank.
- Hanföl: Hanföl ist ebenfalls reich an ungesättigten Fettsäuren und leicht verderblich. Im Kühlschrank kannst du seine Haltbarkeit verlängern.
- Kürbiskernöl: Kürbiskernöl wird meist in kleinen Flaschen angeboten – zum einen, weil es intensiv schmeckt und kleine Mengen ausreichen, zum anderen, weil es schnell oxidiert. Auch Kürbiskernöl gehört deshalb in den Kühlschrank.
- Traubenkernöl: Besonders kaltgepresst ist das fruchtige Traubenkernöl sehr empfindlich und hält sich im Kühlschrank besser.
- Distelöl: Aus Disteln lässt sich heimisches Speiseöl gewinnen. Aufgrund seiner vielen essenziellen Fettsäuren ist Distelöl sehr gesund, aber auch anfällig für Hitze und verdirbt außerhalb des Kühlschranks schneller als gut gekühlt.
Welchen Ölen schadet die Lagerung im Kühlschrank?
Die meisten anderen Öle dagegen kannst du problemlos bei Zimmertemperatur lagern. Ihnen kann die Lagerung im Kühlschrank teilweise sogar schaden, weil sie unter Einwirkung von Kälte erhärten oder ausflocken. Die folgenden Öle solltest du deshalb besser nicht in den Kühlschrank stellen.
- Raffinierte Öle wie Sonnenblumenöl, Rapsöl und Avocadoöl: Durch den Prozess der Raffination sind diese Speiseöle sehr robust. Du solltest sie zwar von Lichteinfall und Hitzequellen fernhalten, musst sie aber nicht im Kühlschrank aufbewahren. (Achtung: Das gilt nur für raffiniertes, nicht aber für kaltgepresstes Rapsöl!)
- Olivenöl: Olivenöl enthält viele einfach gesättigte Fettsäuren und gehört deshalb ebenfalls zu den weniger empfindlichen Speiseölen. Im Kühlschrank kann es ausflocken oder trüben, was zwar nicht die Qualität beeinflusst, auf viele Menschen aber unappetitlich wirkt. Mehr zur richtigen Lagerung hier: Olivenöl lagern: So verliert es nicht an Qualität.
- Kokosöl: Mit Kokosöl kannst du bei besonders hohen Temperaturen braten – es ist also unempfindlich gegenüber Hitze und gehört nicht in den Kühlschrank. Dort härtet es nämlich aus, was die Verwendung beim Kochen erschwert.
- Sesamöl: Sesamöl verträgt ebenfalls sehr hohe Temperaturen (bis zu 200 Grad) und hält sich auch bei Zimmertemperatur gut.