Öko-Test: Babytees mit Pestiziden und giftigen Pflanzenstoffen belastet

Test Babytee
Foto: © iuricazac - Fotolia.com

Wer seinem Baby einen Tee bereitet, will in Sachen Gesundheit gewiß auf Nummer sicher gehen – doch ausgerechnet bei Bio-Babytee fand Öko-Test jetzt Pestizide und andere bedenkliche Stoffe.

Babytees sind für viele Eltern die erste Wahl, wenn das Baby Bauschmerzen hat. Schließlich sind Medikamente tabu und pflanzliche Wirkstoffe wie Fenchel beruhigen den kleinen Bauch meist auch ganz schnell.

Die meisten Babytees stellten sich im aktuellen Test des Verbrauchermagazins Öko-Test als unbedenklich heraus. Dennoch: Einige enthalten auffällig hohe Pestizidrückstände.

Vorweg: Mit Fencheltees können Eltern eigentlich wenig falsch machen. Denn fast alle Babytees mit Fenchel überzeugten im Test: 12 von 16 Produkten wurden mit „sehr gut“ oder „gut“ bewertet. Allerdings kommen manchmal versehentlich giftige Pflanzenstoffe mit in den Tee, die krebserregende Pyrrolizidinalkaloiden enthalten. In zwei Babytees fand Öko-Test auffällig viel davon. Auch Pestizide konnten die Experten im Labor bei mehreren Bio-Babytees nachweisen.

Öko-Test: Zwei Babytees sind „Sehr gut“

Die Bestnote „Sehr gut“ erhielten zwei Bio-Babytees auf Fenchel-Basis:

  • Der Hipp Bio-Fencheltee ist frei von Pestiziden und Pyrrolizidinalkaloiden und enthält auch sonst keinerlei Mängel, zumindest laut Öko-Test.
    Preis pro Tasse: 8 Cent.
  • Auch der Baby-Bäuchleintee von Lebensbaum ist einwandfrei. Er enthält neben Fenchel noch Anis, Melisse, Kümmel, Kamille und Thymian.
    Preis pro Tasse: 13 Cent.
Zwei Bio-Babytees bekamen ein 'sehr gut'
Zwei Bio-Babytees bekamen ein ’sehr gut‘ (© Hipp, Lebensbaum (Montage))

Ein „Gut“ erhielten folgende Bio-Produkte:

  • Alnatura Baby Fenchel Tee, 7 Cent/Tasse.
  • Rossmann Babydream Bio Schlaf gut Tee Kräutertee, 6 Cent/Tasse.
  • Hipp erster Wohlfühl-Tee (Instant), 13 Cent/Tasse.

Öko-Test überrascht: Pestizide in Bio-Babytee

In Bio-Produkten haben Pestizide nichts zu suchen. Umso überraschter war Öko-Test, dass gleich jeder dritte Babytee mit Bio-Siegel Pestizide enthielt.

Im Labor zeigten der Bio-Baby-Tee von Dr. Kottas, die Bio Kinder-Tee Kräutermischung von Holle, der H&S Baby- und Kindertee „Gutes Bauchgefühl“ sowie der Fencheltee von Alete Pestizid-Spuren oder erhöhte Pestizidgehalte. Auch im Bio Babytee Fenchel von Babylove wies Öko-Test Spuren eines Pestizids sowie hohe Mengen der krebserregenden Pyrrolizidinalkaloide nach. Letztere fanden sich auch stark erhöht im Kindertee-Kräutertee mit Fenchel von TeeFee.

Aber Bio-Tee ist deswegen nicht schlechter. Zwei erhielten ein „sehr gut“, von den konventionellen Tees kam keiner über ein gut hinaus.

Oekotest Tett
Der Babylove-Tee schnitt mit „ungenügend“ ab, weil die Tester giftig Pflanzenstoffe (Pyrrolizidinalkaloide) fanden. Im Alete-Tee wurden Pestizide festgestellt. (Foto © utopia)

Hintergrund: Pyrrolizidinalkaloide

Das Bundesamt für Risikobewertung warnt schon seit Jahren, dass die Gehalte an Pyrrolizidinalkaloiden in Kräutertees und Tees zu hoch seien. Pyrrolizidinalkaloide (PA) sind sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe, die von vielen Pflanzen gebildet werden, um selbst nicht gefressen zu werden. Meist richten sie sich gegen Insekten, doch auf Dauer oder in höheren Mengen sind solche Pflanzeninhaltsstoffe auch für Menschen schädlich: es drohen akute Leberschäden, im Tierversuch wirkten sie genschädigend und krebserzeugend.

Pyrrolizidinalkaloide werden häufig in Tees und Kräutertees (auch Rooibostee), aber auch in Honig nachgewiesen. Die giftigen Stoffe geraten bei der Ernte durch teefremde Pflanzen mit in das Produkt, etwa mit pyrrolizidinalkaloidhaltigen Wildkräutern wie das Jakobskreuzkraut. Untersucht wird noch, ob auch einige Tees selbst diese Giftstoffe gegen Fraßfeinde produzieren. Auch können Pyrrolizidinalkaloide in den Honig gelangen, wenn Bienen Blütenstaub und Nektar von pyrrolizidinalkaloidhaltigen Pflanzen einbringen.Mit PA verunreinigte Kräutertees, schwarzer und grüner Tee sowie Honig sind die Hauptquellen, über die Verbraucher Pyrrolizidinalkaloide aufnehmen können. Die Summe der in Lebensmitteln enthaltenen Gifte kann für Kinder und für Erwachsene bei längerer Aufnahme gesundheitlich bedenklich sein, so das BfR, auch wenn vom einzelnen Verzehr kein akutes Gesundheitsrisiko ausgeht.

Öko-Test rät: Nur eine Tasse Babytee pro Tag

Immer wieder kommt es vor, dass krebserregende Pyrrolizidinalkaloide durch Beikräuter versehentlich in den Tee gelangen. Deshalb rät Öko-Test unter anderem, die Tees immer wieder zu wechseln und nicht mehr als eine Tasse pro Tag zu geben:Baby­tees sind eine größtenteils sichere Produktgruppe. Wechseln Sie aber aufgrund der möglichen Pyrrolizidinalkaloid-Belastung die Marken immer wieder und geben Sie Ihrem Kind nicht mehr als eine Tasse am Tag.“

Außerdem sollten Babys erst ab dem vierten Monat Tee trinken, wenn Sie statt Muttermilch Babybrei bekommen. So besteht kein Risiko, falls sich doch einmal Pyrrolizidinalkaloide im Tee befinden.

Öko-Test Mai 2017
Öko-Test Mai 2017 (© Öko-Test)

Den ganzen Test von Babytee findest du in der neuesten Ausgabe von Öko-Test (05/2017) oder online auf oekotest.de.

Die Zeitschrift „Öko-Test“ kannst du auch bei KioskPresse** bestellen.

Weiterlesen auf Utopia.de:

Externe Infos zu Pyrrolizidinalkaloiden: Bundesamt für Risikobewertung

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(2) Kommentare

  1. Verunreinigungen mit PA sind ein langbekanntes aber nur schwer vermeidbares Problem. Auch Arzneitees, die besonderen arzneirechtlichen Bestimmungen unterliegen, sind davon immer mal wieder getroffen. Das geht soweit, dass einzelne Heilkräuter unter Umständen monatelang auch in den Apotheken nicht erhältlich sind, weil die Rohware eine zu schlechte Qualität hat. Bayer hatte dieses Problem beispielsweise bei einem sehr umsatzstarken Johanneskrautpräparat (Marktführer in Deutschland). Dieses war monatelang nicht erhältlich und Bayer verlor Millionenumsätze. Anders als die Konkurrenz setzt Bayer bei Johanneskraut auch auf Wildsammlungen und nicht nur auf den landwirtschaftlichen Anbau. Folge war, dass die Rohware über lange Zeit zu wirkstoffarm war und zu viele PA enthielt und das Medikament nicht mehr produziert werden konnte.

    Dabei gilt, das grundsätzlich landwirtschaftlich angebaute Sorten aus konventioneller Landwirtschaft tendenziell weniger von den Problemen betroffen sind als Sorten aus Wildsammlungen und der Biolandwirtschaft.

    Warum?

    PA kommen durch Fehlernten in das Produkt, wenn also andere als die eigentlich gewünschte Pflanze in die Ernte kommt. Das passiert bei Wildsammlungen per Hand öfters als auf einem Feld, auf dem einzig allein eine Pflanzensorte wächst.

    Die Hauptquelle für PA sind Unkräuter. Diese können in der konventionellen Landwirtschaft natürlich deutlich besser unter Kontrolle gehalten werden als beim Bioanbau.

    Das sind aber nur grobe Richtwerte.

    Dazu kommt das Clusterproblem. Ähnlich wie bei der Verunreinigung durch stark leberschädigende Schimmelpilzgifte, reicht bereits ein kleines Cluster mit der Schadstoffquelle aus, um unter Umständen eine ganze Charge unbrauchbar zu machen, obwohl 99 % der Ernte einwandfrei sind. Andererseits können aber wiederum auch nur wenige Packungen des Produkts extrem stark belastet sein und der Rest gar nicht. Tests der Hersteller sind deshalb nur bedingt hilfreich. Man kann nicht jede Packung testen.

    Was können die Hersteller tun? Leider wenig. Sie können das Testraster verkleinern und so eventuell öfters auffällige Chargen herausfiltern. Eingesetzt werden auch optischen Kontrollen, wo Angestellte oder Sensoren die Kräuter optisch darauf kontrollieren, ob Fehlernten vorhanden sind. Dann ist aber auch schon fast Schluss.

    Jeder Teetrinker, insbesondere bei Kräutern, die aus Wildsammlungen stammen, muss damit leben, eine gewisse Menge von PA aufzunehmen.

  2. Ich bin sehr beruhigt, dass Lebensbaum so gut abschneidet! Allgemein bin ich sehr zufrieden mit den Tees von Lebensbaum. Sie sind unheimlich lecker und es gibt viele tolle Variationen. Das Preis-Leistung-Verhältnis stimmt auf jeden Fall auch.
    Erschreckend, dass in so vielen Tees Pestizide und andere Dinge drin sind. Wir vergiften uns selbst. Das ist sehr traurig, man möchte eigentlich etwas gutes kaufen, man weiß aber einfach nicht mehr was wirklich gut ist. Ich kaufe meinem Kind zum Beispiel Sigora Bio Tee: https://www.juvalis.de/online-apotheke/tee/tee-marken/sidroga-tee/ . Ich hoffe, dass dieser Tee in Ordnung ist. Ich hole ihn, wenn mein Kind eine Erkältung hat. Meinem Kind schmecken leider nicht alle Tees, aber mit diesem geben wir uns neben dem Lebensbaumtee sehr zufrieden. Kann ich also auch empfehlen, solange darin keine großen Mengen Pestizide und Pyrrolizidinalkaloide versteckt sind.

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