Die bittere Wahrheit über Tee

Fotos: © Brent Hofacker, igor - Fotolia.com

Ausbeutung, Armut, Umweltzerstörung: den wahren Preis für unseren Tee zahlen andere. Wir zeigen, warum verantwortungsvolle Verbraucher ihr Geld statt für billigen lieber für fairen Tee ausgeben sollten.

Streng genommen gilt als „Tee“ nur der Aufguss aus den Blättern der Teepflanze, also Schwarztee, Grüner Tee, Weißer Tee und Oolong – im folgenden Beitrag geht es daher nur um sie. Denn gerade bei der Teepflanze verdienen Anbau- und Verarbeitungsbedingungen Kritik.

Die Gründe sind geografischer und wirtschaftlicher Natur: So kommt Tee heute überwiegend aus China, Indien, Sri Lanka und Kenia, wo Sozial- und Umweltstandards vergleichsweise niedrig sind oder sich nur schwer durchsetzen lassen. Rund 80 Prozent der weltweiten Teeproduktion liegt in der Hand von nur drei Konzernen: Unilever, Tata Tea und Twinings. Das verleiht ihnen die Macht, ihre Vorstellungen von Preisen und Produktionsbedingungen durchzusetzen.

Tee bedeutet oft Ausbeutung und Armut

Auf vielen asiatischen und afrikanischen Teeplantagen werden Arbeitnehmervertretungen wie Gewerkschaften und Betriebsräte behindert oder gar verhindert – kein unbekanntes Phänomen im Plantagengeschäft. Auch deshalb sind vielfältige Formen der Diskriminierung auf Teeplantagen an der Tagesordnung, Missbräuche jeder Art keine Seltenheit.

Existenzsichernde Löhne (Living Wages) gibt es in der Teebranche praktisch nirgends: Die Löhne der Plantagenarbeiter liegen oft unter den nationalen Mindestlöhnen. Zwar gibt es Leistungen, die viele Plantagenbesitzer mit ihren Angestellten vereinbaren, etwa medizinische Versorgung, Unterkunft und Nahrung. Doch diese werden häufig vom Lohn abgezogen. Außerdem zeigen Nachforschungen – etwa durch ein NDR-Team 2013 oder auch durch die Organisation Misereor – immer wieder, dass bereitgestellte Unterkünfte und Nahrung unzureichend sind.

In einer kürzlich veröffentlichten Studie prangert das katholische Hilfswerk Misereor die katastrophale Ernährungssituation von Teeplantagenarbeitern an. Diese ist auch eine Folge der Praxis, unter verschiedenen Vorwänden Arbeitslöhne einzubehalten. Die Studie deckt auf, dass ein Großteil der Arbeiter auf Teeplantagen unter- oder mangelernährt ist; ein alarmierend große Anzahl ihrer Kinder ist körperlich unterentwickelt.

Tee-Plantage
Die Löhne der Teepflücker liegen oft weit unter dem Mindestlohn. (Foto: © Christian Riedel / Utopia)

Das schmeckt niemandem: Gift im Tee

Auf großen Teeplantagen wird rund ums Jahr geerntet. Zur Schädlingsbekämpfung und Ertragsoptimierung setzen die Betreiber reichlich Pestizide ein. Unter dem Gift leiden Böden, Wasser, Biodiversität und die Gesundheit der Plantagenarbeiter. Den ausufernden Pestizid-Einsatz bekommen auch wir Konsumenten in Europa zu schmecken: In Teeproben finden Testinstitute regelmäßig hohe Pestizidbelastungen.

Ökotest wies 2012 bis zu 14 verschiedene Spritzmittel in einem Produkt nach, 2015 fiel fast die Hälfte der Schwarztees im Test durch. Greenpeace India gab im August 2014 bekannt, dass die Organisation in 94 Prozent untersuchter Teeproben Rückstände von mindestens einem Pestizid gefunden hat; in 60 Prozent fand man mehr als zehn verschiedene Pestizide. Dabei sind Schädlingsbekämpfungsmittel in unseren Nahrungsmitteln alles andere als harmlos: Viele davon werden mit diversen gesundheitlichen Schäden wie Krebs, hormonellen Störungen und Missbildungen bei Neugeborenen in Verbindung gebracht.

Schwarzer Tee im Test
Herkömmlicher Schwarztee kann Rückstände von Pestiziden enthalten. (Foto: © colourbox.de)

Was tun?

Soweit, so schlimm. Wer sich von den Problemen rund um den Anbau der Teepflanze nicht den Tee-Genuss vermiesen lassen will, kann aber durchaus auch etwas tun.
Kaufe auf jeden Fall Bio-Tee, um so das Risiko einer Pestizidbelastung zu verringern. Die Bio-Zertifizierung verbietet den Einsatz von gefährlichen Spritzmitteln und Düngern. Hin und wieder gelangen zwar trotzdem Spuren davon in die Tees; doch mit dem Kauf stärkst du in jedem Fall die biologische Landwirtschaft in den Erzeugerländern und trägst zur Reduzierung des Gifteinsatzes bei.

Kaufe außerdem nur fair gehandelten Bio-Tee. Das hilft am sinnvollsten gegen die ausbeuterischen Arbeitsverhältnisse. Allerdings ist es nicht ganz einfach, hier eine konkrete Empfehlung auszusprechen, denn neben dem bekannten, verbreiteten FairTrade-Siegel gibt es eine schier unüberschaubare Vielfalt an Initiativen.

Im Beitrag „Genuss mit gutem Gewissen: Tee aus fairem Handel“ stellen wir eine kleine Auswahl dieser Initiativen vor.

Einige empfehlenswerte Produkte findest du in unserer Bestenliste:

Bestenliste: Bio-Schwarztee aus fairem Handel

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(8) Kommentare

  1. Richtig. Das ist Tee von den Azoren, allerdings recht mild im Geschmack für die meisten Teekenner, trinkt sich eher ohne Milch/Sahne. Es ist ein Familienunternehmen, und es wird ohne Pestizide usw. gearbeitet. Der Tee ist in Deutschland an ein paar Stellen erhältlich, z.b. in der Habsburger Straße in Freiburg/Breisgau.

  2. ´find ich gut, dass Ihr erneut auf diese Tatsachen hinweist – Möge es noch viel mehr Menschen als bisher dazu anregen, per Konsumverhalten wie auch per pol-sozialem Engagement der Missachtung von Menschenwürde bei Arbeiterinnen/ern ebenso wie Umweltzerstörung entgegenzuwirken
    – Ergänzend als Anregung : Infos über verschiedene Bio- und Fairtrade Labels (mittlwerweile sogar bzgl. Reiseveranstaltern, Hotels etc), sowie Adressen mit Fairtrade Läden etc:
    https://utopia.de/0/blog/freedom-happiness-and-sensitivity-for-beauty-for-all-beings-in-solidarity-berniewa-s-utopia/infos-und-links-zu-fairtrade-siegeln — und bezüglich mancher Kritik an verschiedenen „Fairtrade“ Initiativen etc vgl auch die Diskussion anlässlich eines Dokufilmes dazu https://utopia.de/0/blog/freedom-happiness-and-sensitivity-for-beauty-for-all-beings-in-solidarity-berniewa-s-utopia/der-faire-handel-auf-dem-pruefstand

  3. Meine beste Empfehlung für Tee-Genuss mit besten Gewissen ist der Darjeeling von der Teekampagne, http://www.teekapamgne.de. Fairer und nachhaltiger geht es kaum.

    Es ist sicher auch einen Versuch wert, Naturtee aus Kräutern oder Früchten zu probieren. Bei einem Urlaub in Österreich bin ich vor etwa einem Jahr auf Tee von Chrystal aufmerksam geworden. Laut Anbieter werden die Naturtee-Spezialitäten ausschließlich aus handverlesenen Kräutern und Früchten des Alpenraums hergestellt, die entweder aus kontrolliert biologischem Anbau oder aus sorgfältiger Wildsammlung in den Bergen stammen.
    Dieser Tee hat nicht so einen aufgesetzten Geschmack und Geruch wie die handelsüblichen Sorten und verzichtet auf Aromazusätze. Er schmeckt fein und im wahrsten Wortsinn rein.
    Seit kurzem gibt es einige Sorten auch bei einem deutschen Händler online zu kaufen: http://www.zebira.de .

  4. Puh wenn man das so liest… macht man sich schon seine Gedanken. Von meiner Mutter habe ich ein Rezept für Eigenbau bekommen. Wer im eigenen Garten über Himbeeren, Brombeeren oder Traibeeren Pflanzen verfügt kann aus den Blättern dieser Pflanzen leckeren Tee herstellen.
    Wichtig dabei ist es Blätter zu ernten, bevor die Pflanzen blühen – also am besten junge Blätter. Diese trocknen und schon hat man seine Teeblätter – schmeckt tatsächlich richtig lecker und aromatisch. Bis jetzt nutzen wir diesen Tee nur bei besonderen Anlässen, weil wir nicht soviele o.g. Pflanzen hatten. In diesem Jahr werden wir jedoch mehr anbauen.
    Gäste und Nichtkenner waren durchweg begeistert

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