Studie: Chicken Nuggets von Lidl, Aldi, Edeka und Rewe stammen aus Sklavenarbeit

Chicken Nuggets bei Aldi, Lidl, Rewe, Edeka aus Sklavenarbeit
Fotos: © philip kinsey - Fotolia.com; Christliche Initiative Romero e.V.

Hühnerfleischprodukte wie Chicken Nuggets sind beliebt – und bei den großen Supermarktketten extrem günstig zu bekommen. Den Preis dafür zahlen andere: In den Chicken Nuggets von Edeka, Rewe, Lidl und Aldi steckt offenbar Fleisch, das in Brasilien unter sklavenähnlichen Arbeitsbedingungen produziert wird. Das zeigen aktuelle Recherchen der Menschenrechtsorganisation Christliche Initiative Romero (CIR).

Betroffen sollen vor allem Produkte der Eigenmarken der Supermärkte und Discounter sein – etwa die Eigenmarken von Aldi und Lidl, „Gut & Günstig“ bei Edeka und Netto sowie „ja!“ bei Rewe. Grundlage der Recherchen ist eine Studie des brasilianischen Journalistennetzwerks Repórter do Brasil, die im Rahmen der
internationalen Kampagne Supply Cha!nge entstand. („Supermärkte müssen Verantwortung für ihre Lieferketten übernehmen!“)

Für die billigen Chicken Nuggets der Supermärkte ist offenbar selbst das Geflügelfleisch aus europäischer Massentierhaltung zu teuer: Um die Preiserwartungen der Supermärkte und Discounter – bzw. deren Kunden – erfüllen zu können, kaufen die fleischverarbeitenden Betriebe (namentlich PHW Gruppe und Gebr. Stolle GmbH) noch billigere Ware aus Brasilien hinzu.

Der Preisdruck der Discounter und der Geiz der Kunden

Dabei ist das brasilianische Hühnerfleisch nur deshalb so billig, weil erstens in der Massentierhaltung sehr wenig Wert auf Tierschutz gelegt wird und weil zweitens die Arbeiter in den Fleischfabriken praktisch Sklavenarbeit leisten. Laut CIR ist in der Geflügelmast und in den Schlachtfabriken Brasiliens ein „Akkordmarathon“ von täglich bis zu 17 Stunden üblich – und das zu Löhnen, die weit unter einem existenzsichernden Einkommen liegen. Die Arbeiter, viele davon Migranten und Wanderarbeiter, werden so in Schuldknechtschaft getrieben, d.h. sie arbeiten, um Schulden abzutragen ohne die Chance, freizukommen – sind also völliger Abhängigkeit von den Arbeitgebern.

„Dieser Skandal hat System: Auf der Suche nach dem billigsten Lieferanten scheuen Supermärkte und Discounter nicht davor zurück, Ausbeutung und Menschenrechtsverletzungen in der Produktion in Kauf zu nehmen“,

erklärt Sandra Dusch Silva von der CIR.

Am höchsten sei der Preisdruck bei den besonders günstigen Eigenmarken und zwar bei Supermärkten ebenso wie bei Discountern. Die Ketten können aufgrund ihrer Marktmacht enormen Druck auf die produzierenden Unternehmen ausüben, so dass diese ihre Lieferbedingungen und Preise den Forderungen der Supermärkte anpassen müssen.

Allerdings liegt die Verantwortung nicht nur beim Einzelhandel, sondern auch beim Kunden: die Nachfrage nach sehr günstigen Lebensmitteln ist hoch. Wer in Supermärkten und Discountern besonders billige Produkte kauft, trägt aktiv zu zerstörerischen und ausbeuterischen Produktionsbedingungen bei. Denn so billig produziert werden kann nur auf Kosten von Menschenrechten, Umwelt und Tierschutz. Das gilt ganz besonders bei Produkten tierischen Ursprungs. Für Fleisch, Eier, Milch und Käse gilt daher immer: Besser weniger und dafür gute (Bio-)Qualität.

Mehr Informationen im Factsheet der CIR (PDF).

Übrigens: Die Reaktionen der Supermärkte auf die Studie der CIR sind bisher sehr dürftig. Die einzige Supermarktkette, die auf Nachfrage zu den Vorwürfen Stellung bezog, ist Aldi Nord: „Wir setzen für unser Produkt „Hähnchen Chicken Chips“ der Eigenmarke „Jack’s Farm“ ausschließlich QS-zertifiziertes Geflügelfleisch aus Deutschland ein. Wir können die Vorwürfe der Christlichen Initiative Romero bezüglich des Artikels „Hähnchen Chicken Chips“ daher nicht nachvollziehen.“ Aldi Süd ist von der Studie nicht betroffen: „Bei den von der Christlichen Initiative Romero untersuchten Chicken-Nuggets handelt es sich nicht um ein Aldi Süd Produkt. Aktuell befinden sich bei uns im Verkauf ausschließlich Chicken-Nuggets, für die wir Geflügelfleisch aus deutscher, niederländischer oder polnischer Herkunft verwenden“, sagte uns eine Unternehmenssprecherin. Rewe, Edeka und Lidl ziehen es bisher vor, zu schweigen.

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(13) Kommentare

  1. ich denke nicht, dass immer der Geiz des Kunden als Schlagwort benutz werden sollte.

    Ich persönlich denke, dass der Kunde sehr wohl bereit ist mehr zu zahlen, aber er bekommt auch keine Chance.
    Die Lebensmittelmafia entscheidet und der Kunde muss es (oft) hinnehmen.

  2. Ganz so ist es nicht.
    Ich muß als Kunde gar nichts hinnehmen, sondern kann auch anders konsumieren.
    Allerdings ist nicht einfach. Ich denke, es ist weniger Geiz, als sehr oft ein tatsächlich oder eingebildeter Glaube, keine Zeit zu haben.
    Ich merke das bei unserem Slow Food Projekt mit dem Zweinutzungshuhn und Arche Passagier „Augsburger Huhn“.
    (https://schneggele.wordpress.com/2016/09/26/augsburger-huehner-koennen-jetzt-bestellt-werden/)
    Das Interesse ist erst mal groß, obwohl natürlich jedem bekannt ist, daß der Preis deutlich über Brathuhn von Aldi liegt.
    Aber was dann ein echtes Problem ist: Daß die Verfügbarkeit nicht dann ist, wenn der Kunde haben will, sondern dann wenn mehrere Hähne gerade schlachtreif sind.
    Diese allzeit Verfügbarkeit im Supermarkt ist was dem Kunden noch wichtiger ist, als der Preis.

    Wer natürlich auch nur entfernt denkt, an Chicken Nuggets von Lidl, Aldi, Edeka oder Rewe könnte irgendwas richtig sein, dem ist sowieso nicht mehr zu helfen.

  3. Blödsinn. WEIL eben soviele unwissende oder shit-egal Denker diese Auffassung vertreten „kann doch eh nix machen“…. 🙁 – haben diese Firmen solch einen Erfolg.

    WER hat bitte die Kohle? WER? WIR Kunden!

    Wie oft wurden schon Artikel aus den Sortimenten genommen, weil es kaum einer gekauft hat.

    Die Firmen suggerieren den Leuten immer, dass diese die Mächtigen wären.

    Bullshit, WIR HABEN DIE Kohle und wir bestimmen die Nachfrage.

    Wenn einer so blöde ist und den Schei…. kauft und der arme Harzer ja auch kein Geld hat, dann muss er das halt kaufen.
    ABER, wenn man dann genauer hinsieht, ZIGGIS für FÜNF Euro die Pack., umgerechnet ZEHN DM, DAFÜR ist dann noch genug Kohle übrig.
    Da könnte man ko…. vor soviel Doofheit.

  4. na toll…sowas liebe ich ja wieder 🙁
    da hat man nun mehr mitleid mit den arbeitern als mit den tieren !!!
    haben die tiere eine Wahl ???? Mensch schon…also bevor ich mein geld mit ausbeutung verdiene fress ich wirklich lieber nur Gras

  5. Wer schreibt von >>mehr<< Mitleid?
    Es ist auf jeden Fall wichtig, auch auf die Situaion der Arbeiter hin zu weisen.
    Ein Unrecht hebt das andere nicht auf sondern die Argumente summieren sich hin zu besseren Alterantiven.

  6. Genau. Auffallend, das dann im Bericht „Menschenrechte“ als erstes steht und Tierschutz als letztes.
    PHW usw. sind eh die größten Verbrecher u. Verar….. der Verbraucher.
    Was da schon Skandale waren, allein von Wiesenhof. Und Tönnies ganz übel. :-/

  7. Mitleid, das müßt ihr gegenüber den armen SUV – , Mercedes- und Audifahrern haben.
    Diese könnten sich ihre chromblitzenden Schlitten nicht leisten, wenn sie ihren täglichen Mampfschrott nicht bei Aldi, Lidl und Co. einkaufen könnten.
    Dafür muß man halt Kompromisse machen, sei es bei Sklaven- oder Tierausbeutung.

    Alle anderen, deren Gehirn nicht völlig von Abgasen bestimmt wird, haben sehr wohl eine Alternative beim Einkauf! Hier auf Utopia gibt es genügend Infos dazu!

  8. GENAU! Wie schon in meinem Kommentar erwähnt.

    Oder mit Anzug – schnell noch den billig-Mist kaufen (oft gesehen im Discounter).

    Und WENN man das was sagt, wird man ausgelacht oder angesehen, als wär man ein Marsmensch.

    Gebe jedoch nicht auf, aufzuklären und hinzuweisen, was das für ein Schrott ist.

    Ein Trend ist auch, dass die armen Harz4er so wenig haben an Kohle, dass sie halt drauf angewiesen sind. (Kommi in nem anderen Portal). Aber dann das fette Smarthphone und Ziggis für 5 Euro haben! DAS ist ja wichtiger. *koppschüttel

  9. „Ein Trend ist auch, dass die armen Harz4er so wenig haben an Kohle, dass sie halt drauf angewiesen sind. (Kommi in nem anderen Portal). Aber dann das fette Smarthphone und Ziggis für 5 Euro haben! DAS ist ja wichtiger.“

    Geht es nicht noch etwas pauschaler und gehässiger? – „koppschüttel“

  10. „Chicken Nuggets“: schon die Bezeichnung ist doch hirnrissig! Wieder mal was ehemals Neues aus Amiland. Einmal probiert – nie wieder!!! Zusammengepappte Fleischfusseln mit Panade (aus Industrie-Weizen?) drumrum. Wie kann man so was essen? Wenn schon Hähnchen, dann mit ordentlichem Namen, unzerfusselt, unzusammengepappt und ohne Chemie und Diabetesmacher drum herum. Das schmeckt doch ganz anders! Freilich bleiben Knochen oder andere von vielen Leuten verschmähte Hühnerbestandteile übrig – das ist bei den Nuggets mit ihrer „idealen“ Konsistenz nicht dabei….??? Wirklich? Vielleicht kleingemahlen und untergemischt? Schon weil man das nicht kontrollieren kann, sollte man immer die Finger davon lassen! Googelt mal „Soilent Grün“… Wollen wir da hin kommen???

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