COP27: Warum Klimakonferenzen scheitern – und was jetzt passieren muss!

Klimakonferenz COP27
Foto: Gehad Hamdy Kappeler/dpa / Thermometer: CC0 Public Domain / Pixabay - geralt

Klimakonferenzen erzeugen in der Regel mehr heiße Luft, als dem Planeten guttut. Der Erfolg der COP27 muss sich daran messen lassen, ob nun endlich die Wende gelingt. Ein Kommentar.

Die diesjährige Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen (UN) im ägyptischen Scharm asch-Schaich ist im vollen Gange und vonseiten der Teilnehmenden gab es bereits deutliche Worte. Laut UN-Generalsekretär António Guterres befinden wir uns auf dem „Highway zur Klimahölle“ und Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) will die „Renaissance fossiler Energien“ verhindern, wobei Klimaschützer:innen kritisieren, dass Scholz‘ eindringlicher Appell nicht mit seinen energiepolitischen Maßnahmen im Einklang stünde.

Genau das ist auch der Knackpunkt der gesamten Veranstaltung: Das Letzte, was unser Planet jetzt gebrauchen kann, ist noch mehr heiße Luft – im doppelten Sinne. Es wird Zeit, dass die Klimakonferenz ihrem selbst erklärten Ziel gerecht wird, die Erderwärmung aufzuhalten. Doch Anspruch und Wirklichkeit liegen schon seit Jahren weit auseinander.

Das erklärte Ziel der COP27 in Scharm asch-Schaich

„Die […] COP27 öffnete […] mit dem Kernziel, das Pariser Klimaabkommen voll zu implementieren“, heißt es in der offiziellen Pressemitteilung der UN.

Konkret bedeutet das, den globalen Temperaturanstieg auf deutlich unter zwei Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellem Niveau zu halten und sich darum zu bemühen, den Temperaturanstieg sogar auf unter 1,5 Grad Celsius zu beschränken.

Die Einhaltung dieses Ziels sei zwar rein technologisch und physikalisch noch möglich, wie der Potsdamer Klimaforscher Stefan Rahmstorf gegenüber der Zeit erklärt, es fehle jedoch am politischen Willen. Keine neue Erkenntnis, doch solange dies der entscheidende Bremsklotz auf unserem Weg in eine klimagerechte Zukunft ist, lohnt es sich, sich diesen Fakt immer wieder ins Gedächtnis zu rufen.

Denn die Zeit drängt: Mit einer Wahrscheinlichkeit von nahezu 50 Prozent wird die 1,5-Grad-Schwelle bereits innerhalb der nächsten fünf Jahre zumindest zeitweise überschritten werden. Zu diesem Fazit kommt eine Vorhersage der Weltwetterorganisation (WMO).

Die COP27 bietet nun die Chance, das Ruder nochmal herumzureißen. Doch ein Blick auf letztes Jahr macht wenig Hoffnung auf substanzielle Besserung.

Vorherige Klimakonferenzen nahmen das Pariser Abkommen nicht ernst genug

Seit dem Pariser Abkommen gab es noch keine Klimakonferenz, die konkrete Maßnahmen einleitete, den 2015 verabschiedeten völkerrechtlichen Vertrag auch wirklich zu erfüllen. Auch die letztjährige COP26 im schottischen Glasgow scheiterte an ihrem von der UN proklamierten Ziel, die „1,5 Grad in Reichweite zu halten“. Denn das Ergebnis der Konferenz spiegelte diesen Anspruch nicht wider.

Würden alle bei der COP26 vereinbarten Maßnahmen fristgerecht umgesetzt werden, würde sich die Welt bis Ende des Jahrhunderts trotzdem um 1,7 bis 2,6 Grad erwärmen (am wahrscheinlichsten: 2,1 Grad). Dabei würden doppelt so viele Tonnen CO2-Äquivalente ausgestoßen werden, als für das 1,5-Grad-Ziel erlaubt. Zu diesem Schluss kommen die Forscher:innen der Website Climate Action Tracker.

Klimakonferenz COP27
Climate Action Tracker (2021). The CAT Thermometer. November 2021. Available at: https://climateactiontracker.org/global/cat-thermometer/ (Copyright © 2021 by Climate Analytics and NewClimate Institute. All rights reserved.)

Und dabei ist noch nicht mal mit einberechnet, dass die einzelnen Länder ihre eigenen Ziele oft gar nicht oder nur bedingt einhalten. Gemessen an der aktuellen globalen Klimapolitik steuern wir sogar auf eine Erderwärmung von 2,0 bis 3,6 Grad (wahrscheinlich: 2,7 Grad) bis zum Jahr 2100 zu.

Die COP27 muss endlich liefern!

Diese Daten sind beschämend: Es kann doch nicht sein, dass eine Konferenz mit dem Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu beschränken, am Ende Maßnahmen hervorbringt, die so deutlich daran vorbeigehen. Wenn die in Scharm asch-Schaich getroffenen Vereinbarungen dem Beispiel Glasgows folgen und wieder nur Kompromissziele hervorbringen, die selbst bei konsequenter Umsetzung nicht mit dem Pariser Klimaabkommen vereinbar sind, dann muss die COP27 als gescheitert betrachtet werden.

Zwar ist jede noch so kleine Maßnahme für mehr Klimaschutz grundsätzlich zu begrüßen. Doch wenn aufgrund zu hoher globaler Temperatur Kipppunkte erreicht werden, die einen Teufelskreis der Erderwärmung erzeugen, der außerhalb unserer Kontrolle liegt, dann führen kleine Schritte eben doch nicht ins Ziel, sondern ins Verderben.

Unser Appell an all die Teilnehmenden der Klimakonferenz sollte daher lauten: Macht einen konkreten Plan, wie das Pariser Klimaabkommen auch wirklich erreicht werden kann! Dass das eine verdammt schwierige Angelegenheit ist, wenn verschiedene Nationen aufeinandertreffen, die allesamt neben dem globalen Miteinander vor allem auch ihre eigenen nationalen Interessen verfolgen, versteht sich von selbst. Da mag es naiv klingen, zu fordern, dass China, die USA, Russland und Co. plötzlich alle an einem Strang ziehen. Doch ein wenig Idealismus mag angesichts der Situation erlaubt sein.

Denn die Klimakatastrophe nimmt auf politische und wirtschaftliche Machtkämpfe keine Rücksicht. Wenn die Weltgemeinschaft kein realistisches Szenario hervorbringt, das größte Problem der bisherigen Menschheitsgeschichte zufriedenstellend zu lösen, dann hat die sogenannte Realpolitik eben versagt.

Die gute Nachricht: Ein Wandel ist noch möglich

Die obigen Daten des Climate Action Trackers sind alarmierend. Doch sie besagen auch, dass es prinzipiell noch möglich ist, zumindest die Zwei-Grad-Schwelle auf Abstand zu halten. Schließlich sind die richtigen Maßnahmen bereits auf dem Weg, es geht nur noch nicht schnell genug!

Als Gesellschaft können wir daher auf zwei Variablen Einfluss nehmen, um das Schlimmste zu verhindern.

  • Wir können das Tempo der Maßnahmen erhöhen, indem wir Druck auf die Politik ausüben, Organisationen unterstützen, die sich für die Überwindung der Klimakrise einsetzen, und im Bekanntenkreis auf die Problematik aufmerksam machen.
  • Wir können Zeit gewinnen, indem wir unser Konsumverhalten klimafreundlicher gestalten.

Die Klimakrise ist ein Problem, das uns alle angeht – und solange die Politik zu wenig liefert, liegt es an uns, mit gutem Beispiel voranzugehen und alles in unserer Macht stehende zu tun, um am Ende doch noch unter zwei Grad zu bleiben.

Klar ist jedoch auch: Wenn die Regierungen dieser Welt nicht endlich konkrete und ausreichende Maßnahmen zum Aufhalten der Klimakrise treffen, wird all das zivilgesellschaftliche Engagement nichts nützen. Alle müssen jetzt handeln – und das gilt erst recht für die teilnehmenden Nationen der COP27, die mit dieser Klimakonferenz über das Schicksal unseres Planeten entscheiden.

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