„Das könnte eure Lunge sein“: Corona-Appell einer Ärztin geht viral

Foto: Facebook Doc Caro

Die Infektionszahlen steigen und die Corona-Maßnahmen werden wieder strikter. Aber noch immer gibt es Menschen, die die Gefahr durch das Virus nicht ernst nehmen. Eine Oberärztin aus Essen hat einen eindrücklichen Appell an sie veröffentlicht.

Schon seit Wochen warnen Expert*innen vor einer zweiten Welle der Corona-Pandemie. Die Ärztin Carola Holzner ist überzeugt: „Die zweite Welle kommt nicht. Sie ist schon da.“ Holzner arbeitet als Oberärztin in der Notaufnahme des Universitätsklinikums Essen. In einem Facebook-Post schildert sie, was sie dort aktuell erlebt.

„24h Notaufnahme, keinen Schlaf, fast stündlich Covid Patienten“, schreibt Holzner in dem Post. Durch den nahen Kontakt zu Corona-Patient*innen setzen sich Holzner und andere Beschäftigte im Gesundheitssystem selbst dem Risiko aus, sich anzustecken. „Und es macht mich deshalb zu recht sauer, wenn oft so lapidar damit umgegangen wird.“

„Das könnte bald eure Lunge sein“

Die Ärztin kritisiert in ihrem Post vor allem Corona-Leugner*innen und Verschwörungstheoretiker*innen. „Wenn es Corona doch nicht gibt? Was sehe ich dann eigentlich den ganzen Tag in der Notaufnahme?!“ Holzner postete außerdem eine CT-Aufnahme einer Lunge, die von dem Virus befallen ist. „Gesundes Gewebe ist schwarz. Ziemlich weiße Lunge, oder?“, schreibt sie dazu. „Dies könnte bald eure Lunge sein.“

„Wieso glaubt ihr den Ärzten nicht?“

Holzner ruft außerdem da auf, die Corona-Auflagen einzuhalten: „Wenn Abstand und Maske zB vor einem Herzinfarkt schützen würde, würden wir es auch ernst nehmen. Denn beim Herzinfarkt weiss jeder, dass er gefährlich ist. Wieso glaubt ihr dann Ärzten nicht, die LIVE diese Patienten behandeln, dass auch Covid gefährlich sein kann.“

Der Post wurde auf Facebook tausendfach geliked, geteilt und kommentiert. In den Kommentaren findet sich allerdings auch viel Kritik an der Ärztin. Einige Kommentator*innen behaupten etwa, dass die Krankenhäuser kaum noch Covid-Patient*innen behandeln – und die Ärztin „Fake News“ verbreite. Mehrere Nutzer*innen stören sich außerdem an dem fröhlichen Selfie, das die Ärztin gemeinsam mit ihrem Post geteilt hat. Dazu schrieb sie jedoch: „Trotz allem behalten wir unsere gute Laune. Die lassen wir uns nicht nehmen.“

Utopia meint: Fast überall in Deutschland wurden die Corona-Auflagen verschärft, in manchen Gegenden ist bereits von einem möglichen erneuten Lockdown die Rede. Der Post von Holzner ist eine wichtige Erinnerung daran, welche Konsequenzen steigende Infektionszahlen für das Gesundheitssystem haben. Jetzt gilt es, nicht nachlässig zu werden – und sich selbst und andere vor einer Ansteckung zu schützen.

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(3) Kommentare

  1. Oberärztin Carola Holzner arbeitet im Universitätsklinikum in Essen, das heißt in einer Lungen-Fachklinik. Es handelt sich also um eine Klinik, in der die Covid-Patienten der gesamten Umgebung vorstellig sind. Frau Holzner beklagt zurecht sich über 24- Stunden-Dienste in der Notaufnahme und darüber, dass es fast stündlich Covid-Patienten gibt.
    Ich kann ihre Klage gut nachvollziehen und finde den 24-Stunden-Einsatz von Ärzten in der Notaufnahme – der leider gang und gäbe ist – problematisch.
    Da nun die Erkältungszeit angefangen hat, wäre es auch seltsam, wenn in einer Lungen-Fachklinik in einem Ballungszentrum nicht „fast stündlich“ Covid-Patienten vorstellig würden.
    Wir stehen kurz vor einem weiteren Lockdown und es gibt eine rege Diskussion unter Experten und Politikern über sinnvolle und zielführende Maßnahmen. Es geht darum, einen guten Weg zu finden, dem eine reflektierte Nutzen-Risiko-Abwägung vorausgeht, die das Wohl der Menschen als Ganzes im Blick hat. Diese Abwägung sollte nicht durch angsterzeugende polarisierende Darstellungen emotionalisiert werden.

  2. Ja die Sache sollte nicht emotionalisiert werden, sondern sachlich und nüchtern betrachtet werden. Wer solch eine Panik verbreitet, der steht doch selbst kurz vor dem Nervenzusammenbruch. Das ist bitter. Vielfach müssen heutzutage Menschen arbeiten, bis sie Depressionen oder ein Burnout bekommen.Wenn ich den Appell der Ärztin lese, kommt mir der vor allem sehr von Panik und Nervosität getrieben vor. Das ist nicht die Lösung. Wie gefährlich ist denn der Virus im Vergleich mit anderen Erkrankungen? Was ist mit Feinstaub, greift der nicht auch die Lunge an? Und gerade da wo Luftbelastungen vorliegen, sind auch die Hotspots. Die Automobilindustrie in Deutschland steht nie in Frage, der ADAC macht Werbung ohne Ende. Lobbyisten sind da am Werke. Niemand unternihmt da etwas. Die Umwelt wird zerstört, die Lebensgrundlagen gehen verloren. Und alles was im Mittelpunkt steht ist Corona und danach wird alles ausgerichtet? Das ist doch Irrsinn und führt zur Lähmung. Auch psychisch gesehen ist dieses Verhalten nicht gesund. Und Schweden z.B. setzt auf Eigenverantwortung, ohne die Krankheit zu verharmlosen, sie machen genauso Aufklärung. Und die machen tatsächlich zielgerichtete Massnahmen. Bei uns gibt es viele unsinnige Massnahmen, wo ich mich dann frage, wo bleibt der gesunde Menschenverstand und gibt es gar kein Wille mehr zu einem freien, unbelasteten Leben? Es ist eine Auseinandersetzung mit dem Tod. Und im Moment des Todes hilft nur eines: Angstfrei zu sein. Was ist, ist, was war, war. Der Tod ist ein grosser Lehrmeister und das ist auch das Positive an Corona. Es bringt Menschen zur Auseinandersetzung mit sich, mit ihrem Leben. Und so werden sie hoffentlich gewahr das niemand ihr Leben leben kann, ausser sie selbst. Will ich gelebt werden oder will ich leben? Heute schon gelebt oder sich nur mit steigenden Infektionszahlen und sonstigen Krisen aus den Nachrichten beschäftigt?

  3. Sehr richtig Peacerunner!
    Und so kommt es dazu, dass (nicht nur) Mediziner das ganze Geschehen nur noch durch ihre Brille, oftmals sehr einseitig sehen und dadurch über kurz oder lang sogar noch mehr Schäden verursachen.
    Oder etwas überspitzt gefragt: wann haben hauptberufliche Fachidioten in ihrem Alltag schon mal die Gelegenheit über den Tellerrand zu schauen und sich auch mit gesunden Menschen zu unterhalten, die ihren Körper und Geist noch durch Mobilisierung ihrer eigenen Abwehrkräfte zu stärken wissen? Wenn man sich immer nur auf die Symptome all der vielen (Folge-) Erkrankungen stürzt, aber nicht das ganze Gesamtsystem Mensch und Umwelt sehen will, um auch mal die Ursachen anzugehen?

    Gesellschaftlich besteht auch ein großer Unterschied zu Schweden, allein schon in der Schwierigkeit, die Bevölkerung einfach mal ihrer Eigenverantwortung nachkommen zu lassen indem man an ihre Vernunft appelliert. Da machen sich die vielen Jahre bemerkbar, in denen sich hierzulande eine Un-Kultur der Verantwortungslosigkeit herausgebildet hat und sich viele Menschen, wenn überhaupt, dann nur durch strikte Verbote in ihren „persönlichen Freiheiten“ einschränken lassen. Das ist zum Einen unserer militaristischen Vergangenheit geschuldet (starre hierarchische Strukturen, nur Befehle zu befolgen, aber den eigenen Verstand abzuschalten) und dazu kommt dann noch ein begründetes Misstrauen gegenüber dem Staat, der ja bekannt dafür ist, in erster Linie nur auf die Lobbyisten/Berater aus Wirtschaft und Industrie zu hören, von denen die Chemie- und Pharmaindustrie leider mittlerweile zu den mächtigsten und umsatzstärksten gehören. Und wenn man bei diesem groß angelegten Ausverkauf unserer Gesundheit vorne mitspielen will, schwimmt man halt einfach mit dem kapitalistischen Strom mit. Die vielen hausgemachten Probleme schaffen ja schließlich viele neue Arbeitsplätze, was wiederum Wachstum für dieses System bedeutet, das uns krank und abhängig macht und uns letzt endlich unserer essenziellen Lebensgrundlagen beraubt, da in dieser industrialisierten Welt eine natürlichere Lebensweise Konkurrenz bedeutet, also bekämpft werden muss.

    Übrigens, neulich liefen auch wieder sehr schöne Sendungen auf 3sat, im erweiterten Sinne passend zum Thema:
    scobel – Angst frisst Verstand
    scobel – Heilkraft der Hände
    …und an diesem Donnerstag ist man den chronisch entzündlichen Krankheiten auf der Spur. …alles eine Folge unserer unausgeglichenen und unnachhaltigen Lebensweise!