Trotz Corona: Lasst euch nicht zu Umweltsünder*innen machen

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Von Pappbechern bis zu Take-Away-Boxen: Momentan ist Einweg wieder auf dem Vormarsch. Weil es nicht anders geht, behaupten viele. Unsere Autorin ist anderer Meinung. Ein Kommentar.

Neulich beim Bäcker habe ich etwas getan, das ich eigentlich nie mehr tun wollte: Ich habe einen Kaffee im Einwegbecher gekauft. Meinen Mehrweg-Thermobecher hatte ich zwar dabei, aber den wollte der Verkäufer nicht annehmen. Wegen Corona, hat er mir erklärt. Da bin ich schwach geworden – und stand Minuten später mit einem Pappbecher auf der Straße.

Dass ich so schnell nachgegeben habe, hat mich selbst erschreckt. Und ich bin nicht die Einzige: Einweg-Kaffeebecher sieht man gerade überall – gefühlt viel mehr als vor der Corona-Krise. Dabei war vor Corona noch das Gegenteil der Fall: Dank Fridays for Future und Co. wurden die kleinen Pappbecher damals immer weniger. Und nun, ein paar Monate später, halte ich selber einen in der Hand.

Wie kam es dazu?

Wegen Corona – so viel ist klar. Unternehmen und ihre Kund*innen achten gerade ungemein auf Hygiene, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Und da erscheint vielen die Einweglösung besser. Nicht nur bei Kaffeebechern: Auch leere Take-Away-Boxen sieht man zum Beispiel immer häufiger. Für Kund*innen macht es dabei eigentlich keinen Unterschied, ob Verkäufer*innen den Einweg- oder den Mehrwegbecher berühren, wenn sie ihn unter die Kaffeemaschine stellen. Für das Personal schon: Denn auf einem mitgebrachten Kaffeebecher könnten sich Keime und Erreger befinden.

Darum kann ich auch verstehen, dass die Lebensmittelindustrie gerade sehr vorsichtig ist. Aber sollten wir Verbraucher*innen deshalb überhaupt nicht mehr darauf achten, wie viel Müll wir produzieren?

Natürlich sollten wir das schon. Und das geht auch trotz Corona.

Kontaktloses Einkaufen mit Mehrwegboxen

Dass manche Betriebe meinen Becher ablehnen, ist verständlich. Aber andere nehmen Mehrwegverpackungen auch an. Von staatlicher Seite sind eigene Behälter beim Einkaufen nämlich nicht verboten.

Laut dem Lebensmittelverband ist es lediglich wichtig, die Hygienebedingungen strikt einzuhalten. Beispielsweise sollten Verkäufer*innen die Boxen oder Becher so wenig wie möglich berühren und Flächen, auf denen sie standen, danach desinfizieren. Thomas Fischer, Leiter für Kreislaufwirtschaft der Deutschen Umwelthilfe (DUH), hat sogar erklärt, dass Boxen oft kontaktlos befüllt werden können.

Wie hygienisch Verpackungen sind, liegt in dem Fall in der Hand der Kund*innen. Das heißt: Ich muss dafür sorgen, dass mein Becher sauber und außen keimfrei ist. Und erhalte dafür bestenfalls meinen Kaffee ohne Müll.

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Unterstütze Händler*innen, die es besser machen

Kaffeebecher bieten viele Cafés und Bäckereien im Pfandsystem an.

Eigene Behältnisse sind nicht die einzige Möglichkeit, Müll während Corona zu vermeiden. Wir Kund*innen haben auch die Wahl, Händler zu unterstützen, die nachhaltigere Verpackungen anbieten.

Einige Hersteller bieten zum Beispiel Take-Away-Boxen aus recycelter Pappe an. Andere haben ein Pfand-System eingeführt. Das heißt, Kund*innen erhalten ihr Essen gegen einen kleinen Aufpreis in Mehrweg-Boxen. Die Differenz wird ihnen zurückerstattet, wenn sie die leeren Boxen zurückbringen, die anschließend professionell gereinigt werden. Auch Restaurants haben sich einiges einfallen lassen: In manchen kann man zum Beispiel per QR-Code bestellen, ohne die Speisekarte anfassen zu müssen.

Auch kleinere Händler*innen – und ihre Kund*innen – haben sich kreative Lösungen einfallen lassen, um Müll zu vermeiden. Wie meine Kollegin zum Beispiel: Sie nimmt einfach ein Handtuch mit auf den Wochenmarkt, um ihr Gericht warm zu halten. So muss der Händler das bereits verpackte Essen nicht noch einmal in Alufolie einpacken.

Das zeigt: Verpackung zu sparen muss nicht kompliziert sein und gelingt quasi überall. Hygienische Lösungen gibt es schon. Man muss sie nur finden – oder selbst darauf kommen. Und dazu ist jetzt der perfekte Zeitpunkt: Wenn wir uns sowieso neue Methoden fürs Einkaufen einfallen lassen müssen, dann können sie auch nachhaltig sein.

Jeder Becher zählt

Als ich mit meinem Pappbecher auf der Straße stand, hatte ich versucht mir einzureden, dass es ja nur eine Ausnahme gewesen sei – weil es ja nicht anders ging. Wenn ich ehrlich bin, muss ich aber gestehen: Klar wäre es anders gegangen. Ich hätte auch beim nächsten Café fragen können oder meinen Kaffee zuhause trinken. Und wenn sich jeder Erwachsene in Deutschland nur eine Ausnahme gönnt, sitzen wir schon auf einem Müllberg von 69 Millionen Kaffeebechern.

Hygienevorschriften wegen Corona werden uns noch eine ganze Weile begleiten. In der Zeit kann ich entweder Ausnahme über Ausnahme machen oder mir echte Alternativen suchen. Solche, die den Hygienevorschriften und meinem grünen Gewissen entsprechen.

Ich habe mich für letzteres entschieden und werde es mit meinem (keimfreien) Becher in verschiedenen Bäckereien und Cafés versuchen. Bis ich eine finde, trinke ich meinen Kaffee eben im Außenbereich, wenn er mir leer genug erscheint. Oder ich mache mir daheim selbst eine Tasse. Das ist überhaupt die einfachste Option, um auf Einwegbecher zu verzichten – und meine Lieblingssorte ist immer vorrätig.

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(1) Kommentar

  1. Danke, dass das Thema endlich mal angesprochen wird. Dies ist nämlich ein Punkt, der mich richtig sauer werden lässt. Bis heute wurde noch kein einziger Corona-Ansteckungsfall nachweislich auf ein Kundengefäß zurückgeführt und trotzdem reagiert der Handel so hysterisch. Oder hat das Methode, um die ungeliebten mitgebrachten Gefäße endlich wieder vom Hals zu haben? Nachweislich landen die Corona-Viren, wenn überhaupt, in den Schlachthöfen ins Fleisch. Dagegen konnten auf trockenen Oberflächen keine lebenden Viren nachgewiesen werden. Und selbst wenn: Der Kundenbehälter steht auf einem Tablett und wird vom Personal nicht berührt. Haben die Händler Angst, die hypothetisch vorhandenen, wahrscheinlich ohnehin nicht mehr infektiösen Viren könnten aus der Dose herausspringen, direkt in den aufgesperrten Rachen der Bedieneuse? Ich jedenfalls kaufe jetzt bei einigen Händlern nicht oder seltener ein, weil ich mir dadurch Autofahrten sparen kann, als Ausgleich sozusagen für den nicht zu vermeidenden Verpackungsmüll. Verpackte Lebensmittel bekomme ich schließlich auch beim Supermarkt um die Ecke. Und meinen Kaffee habe ich schon immer lieber zu Hause getrunken. Frisch gemahlene, fair gehandelte Bohnen aus dem Unverpackt-Laden. Der darf nämlich immer noch meine Gefäße befüllen und alle sind gesund, sieh mal an.