Cow-Sharing: Kuh teilen für nachhaltigeren Fleischkonsum

Foto: CC0 Public Domain / Stocksnap - Adam Morse

Beim Crowdbutchering wird eine Kuh erst dann geschlachtet, wenn alle Teile des Tieres verkauft wurden – damit nichts mehr weggeworfen wird. Anbieter wie „Kauf ne Kuh“ und „Geteiltes Fleisch“ machen es möglich.

Zugegeben, im ersten Moment liest sich Cow-Sharing ein bisschen geschmacklos. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn nachdem der große Sharing-Economy-Trend nun wirklich in jeder Ecke angekommen ist, denkt man natürlich sofort, es ginge darum, dass sich mehrere Besitzer eine Kuh teilen – doch das verbirgt sich nur bedingt hinter der Bewegung.

Im September letzten Jahres brachte der Gründer von „Kauf ne Kuh“ den etwas umständlicheren Begriff Crowdbutchering nach Deutschland. Das Prinzip ist schnell erklärt: Auf der Website wird das Fleisch eines Tieres unter mehreren Bestellern aufgeteilt. Erst, wenn die ganze Kuh verkauft ist, wird sie tatsächlich geschlachtet. So geht man sicher, dass kein Fleisch mehr verschwendet wird. An sich eine gute Idee.

Die Kuh-Anbieter und ihre Prinzipien

Den Anbietern ist besonders wichtig, dass die Kühe artgerecht gehalten werden und von kleinen, regionalen Betrieben kommen. Bei der Schlachtung werden so nur kurze Wege zurückgelegt – das ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch für das Tier. Bei der Plattform „Geteiltes Fleisch“ sind das im Schnitt nur zwanzig Minuten. Gar nichts, wenn man bedenkt, wie viele Kühe quer durch Deutschland oder sogar Europa gefahren werden.

Hinzu kommt, dass die Tiere im Partnerbetrieb geschlachtet werden. Da kleine, regionale Betriebe in der Regel nicht im Akkord schlachten und der Besitzer das Tier auch begleiten darf, verursacht das alles weniger Stress für die Kuh. Und das wiederum wirkt sich auf die Qualität des Fleisches aus. Auf beiden Plattformen ist zudem die Fütterung mit gentechnisch verändertem Futtermittel verboten, genau so wie die Verabreichung von Wirkstoffen zur Wachstums- oder Leistungsförderung sowie die präventive Gabe von Antibiotika.

Geteiltes Fleisch setzt zudem auf reine Fleischrassen und lässt nur Tiere in einem bestimmten Alter schlachten. Das erklärt auch, warum dieser Anbieter ein bisschen teurer ist. Während man bei „Kauf ne Kuh“ das Mini-Paket (3,6 kg Fleisch) für rund 55 Euro, das große Paket mit 7,2 kg für knapp 100 Euro bekommt, kosten vier Kilo bei der Konkurrenz 89,99 Euro.

Beim Metzger zahlt man übrigens oft genauso viel oder mehr und hier lässt sich längst nicht immer zurückverfolgen, woher das Fleisch kommt.

Wie Cow-Sharing funktioniert

Auf den Websites von „Kauf ne Kuh“ und Geteiltes Fleisch kann man zwischen verschiedenen Paketgrößen und Fleischsorten wählen – Geteiltes Fleisch hat auch Schweinefleisch im Sortiment. Ein solches Fleisch-Paket enthält von allem etwas – vom Steak über Rouladen bis zur Bratwurst. Wunsch-Teile werden nicht einzeln angeboten, jeder Käufer bekommt den gleichen Anteil. Die Ware wird dann vakuumverpackt und gekühlt per Express-Sendung nach Hause geliefert. Das ist nicht nur problematisch für die Umwelt, es fühlt sich auch seltsam an, sich Fleisch zuschicken zu lassen. Selbstverständlich ist dieses gekühlt, aber tagelang beim Nachbarn sollte es wohl nicht herumliegen.

Werbung von Kauf ne Kuh - CowSharing - Geteiltes Fleisch
Werbung von Kauf ne Kuh (Plakat-Foto: Utopia/aw)

Bei beiden Anbietern gleich: Erst, wenn die ganze Kuh verkauft ist, wird das Tier ausgesucht. Falls doch einmal etwas übrig bleibt, entsteht daraus Hundefutter, Häute gehen weiter in die Lederverarbeitung. Ansonsten lautet aber immer das Ziel: Kein Fleisch wegwerfen.

Sobald dann die Verarbeitung begonnen hat, dauert es bei Geteiltes Fleisch 21 Tage, bei Kauf ne Kuh liegen zwischen Bestellung und Lieferung sogar vier Wochen. Kein Modell für Spontane also.

Transparenz statt Siegel

Was auf beiden Plattformen auffällt: Die Anbieter haben keine unabhängige Bio-Zertifizierung, sondern setzten ausschließlich auf das Vertrauen ihrer Kunden. Das scheint zwar zu funktionieren (Anfang des Jahres hatte Kauf ne Kuh schon 900 Pakete in Deutschland verschickt), macht trotzdem natürlich erst einmal stutzig. Es hat aber seinen Grund: Viele kleine Betriebe können und wollen sich das Siegel schlichtweg nicht leisten.

Um trotzdem eine größtmögliche Transparenz zu schaffen, bekommt der Käufer die Ohrmarkennummer des Tieres mitgeteilt, sowie ein Infoblatt, mit Hilfe dessen sich das Leben des Tiers bis zur Geburt zurückverfolgen lässt. Auf der Website von Kauf ne Kuh stellen sich die fünf Lieferanten-Bauernhöfe auch persönlich vor, das gibt einem als Kunde ein sichereres Gefühl.

Cow-Sharing: das Fazit

Cow-Sharing mag zunächst geschmacklos klingen, aber die Plattformen regen nicht zu mehr, sondern zu bewussterem Fleischkonsum an. „Kauf ne Kuh“ wirbt sogar auf seiner Startseite mit dem Slogan „Iss weniger Fleisch – und wenn, nur gutes und zurückverfolgbares“. Die Projekte können bewirken, dass Menschen weniger Billig-Fleisch kaufen und sich mit ihrem Fleischkonsum kritisch auseinandersetzen – und das ist defintiv unterstützenswert.

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(29) Kommentare

  1. Ach Leute, jetzt lasst Euch doch hier nicht mit den üblichen „Hatern“ (Veggies) auf eine aussichtslose Diskussion ein! Bringt doch allen nichts, wie so oft!!!

    Was ich eigentlich schreiben wollte:
    Mit dem Problem „Verpackungsmüll“ beschäftigen sich allerdings einige dieser online-Vermarkter. Es ist für mich als Kunde natürlich lässtig, den ganzen Müll – der zusätzlich zu dem Fleisch geliefert wird – zu entsorgen. Warum also nicht zurück an den Versender – der kann die Dinge immer wieder verwenden (solange sie ihre Funktion erfüllen selbstverständlich).

    Auch das Thema, dass ein Tier (Rind) komplett verwertet wird, ist für mich ganz wichtig! Habe selber lange keine Innereien gegessen, bis ich vor kurzem einen Bericht sah, wo ein Sterne-Koch sämtlich Innereien für die Gäste gekocht//zubereitet hat. Da musste ich echt staunen – umso mehr, als ich es zuhause nachgemacht habe. Rinderherz und Leber stehen jetzt bei mir mit auf dem Einkaufszettel!

    Was ich an dem Artikel etwas schade finde ist, dass hier „nur“ 2 Anbieter genannt werden. Was vllt. daran liegen könnte, dass beide Unternehmen keine Bio-Ware anbieten. Mit dem Vertrauen ist ja ganz gut, aber das Bio-Siegel wurde nicht umsonst eingeführt – Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!

    Ich kaufe mein Rindfleisch – wenn ich online kaufe – bei meinbiorind.de. Habe zwar auch meinen „Fleischer des Vertrauens“, doch auch der kann mir nicht mit 100% Sicherheit sagen, woher jetzt dieses oder das Stück Fleisch kommt, wenn ich bei ihm einkaufe.

    Lasst Euch nicht ärgern 😉

  2. „Warum also nicht zurück an den Versender – der kann die Dinge immer wieder verwenden“
    Welches Stück Verpackung kann man denn bei Fleisch mehrfach verwerten?
    Sonderlich ökologisch ist es ja wohl auch nicht, die Verpackung 2x durchs Land zu karren…ok, vielleicht Kühl-Aggregate…

    Wie man es dreht und wendet, ideal ist das nie.

    Sofern man in der Nähe hat, ist ein (Bio-)Mutterkuhalter mit eigener Schlachtung immer noch die beste Wahl.
    Dann größere Menge kaufen und eingefrieren…So kommen wir leicht mit 1x schwein, 1x Rind kaufen über’s Jahr.
    Schon klar, daß das auch nicht in jedem Haushalt möglich ist…und auch Energie kostet. Aber beim Transport dürfte das dann wieder eingespart sein.

  3. @Maria:
    Die Kühlakkus, die Kühlboxen und die Kartons an sich, zum Beispiel! Warum soll ich es wegschmeissen und der Händler neues kaufen und so immer dafür sorgen, dass neue Rohstoffe verbraucht werden!?

    Kann man alles mehrmals nutzen (sind ja keine Einmal-Handschuhe oder sowas in der Art). Das Fleisch ist doch einzeln verpackt, d.h. das ganze Verpackungsmaterial bleibt „sauber“ und wird nicht „verschmutzt“ vom Fleisch.

    Oder sehe ich da was falsch, dann kläre mich auf.
    (Gut, wenn man eh nicht online einkauft, ist es eine ganz andere Sache!)

    Bei dem Argument mit dem Mutterkuhhalter gebe ich Dir Recht, besser geht es dann nicht – aber nicht Jeder hat das Glück, einen in der Nähe zu haben.

  4. „Kann man alles mehrmals nutzen“
    Klar kann man Kühlakkus und Kartons mehrfach nutzen.
    Aber was bringt es, wenn die sich bei mir stauen und nicht zurück zum Versender kommen?
    Und zurück schicken ist ja aus Sicht der Kosten und Nachhaltigkeit auch nicht sinnvoll.
    Zu klären wäre auch, unter welchen Umständen der Händler das mehrfach benutzen darf. Wir haben ja da auch noch die (un-)sinnigen EU-Hygienevorschriften.

  5. Zwei (aus meiner Sicht fundamentale) Aspekte fehlen mir in der Vermarktung dieser „Crowdbutcher“ und in der Debatte um ihr Konzept:

    – Keine Aussage darueber wie die Tiere gefuettert werden: Reine Gruenlandwirtschaft (Weidehaltung) oder auch zugekaufte Futtermittel (Mais, Soja)? Das ganze Gerede von „regional“ und „wissen wo’s herkommt“ ist nichts wert, wenn nicht einmal sichergestellt ist, dass die Futtermittel allein von dem Betrieb selbst kommen. Die Normalitaet ist jedenfalls, dass Landwirte Kraftfutter vom Weltmarkt verwenden – und damit kann ihr Fleisch faktisch nicht mehr „regional“ sein.
    – Wie viel „weniger“ Fleisch ist tatsaechlich notwendig? Wie viel Fleisch ist zu viel? Aus rein oekologischer Sicht brauchen wir eine drastische Reduktion des Konsums von Fleisch (und anderen Tierprodukten auch!). Die Frage nach der oekologisch vertretbaren Menge wird allzu oft von der Frage nach „regionalem“ Fleisch ueberschattet; dabei ist Transport fuer die Klimabilanz weitaus weniger wichtig als die Frage, ob wir ein Tierprodukt oder ein rein pflanzliches Produkt konsumieren (Ausnahme: Flugwaren – die sind auch wenn sie rein pflanzlich sind uebel was Treibhausgase angeht).

    Insofern liegt hier meine Sympathie bei den „hatern“: Solange Fleischesser_innen nicht einmal sicherstellen koennen, dass sie wirklich nur Fleisch vom Bauernhof um die Ecke bekommen, bei dem die Kuehe dann auch NUR mit Weidehaltung aufwachsen; und solange die Fleischesser_innen nicht sicherstellen, dass sie sagen wir mal mindestens 90% weniger Fleisch essen als der Durchschnitt in Deutschland, solange sollten sie dann lieber ganz auf Fleisch verzichten muessen.

    Schade dass wir nicht mehr gesetzliche Regulation haben, sondern Nachhaltigkeit, wie auch allzu oft hier auf Utopia, als eine „Wahl“ von „freien“ Konsument_innen und eine Frage der Zertifizierung (die ja gleichzeitig auch die Existenz nicht-zertifizierter Ware legitimiert) propagiert wird.

    Nachtrag: Auf der Seite von kaufnekuh heisst es bezueglich Futtermittel: „Das Futter, das die Tiere bekommen, wird zum Großteil auf den eigenen Äckern und Wiesen der Bauern gezogen. Es besteht aus Heu, Mais-Silage, Gerste, Klee, Luzerne, Raps, Soja und Mineralstoffen. Ein kleiner Teil des Futters (weniger als 10 %) wird zugekauft.“ Na immerhin, nur 10% Zukauf finde ich an sich ganz gut (wenn’s stimmt). Rechtfertigt allerdings trotzdem noch nicht, das Fleisch als „regional“ zu bezeichnen.

  6. „Schade dass wir nicht mehr gesetzliche Regulation haben“
    Ich wäre auch als Fleischesser ganz bei Dir und würde mir sehr viel mehr gesetzliche Regulation wünschen.
    Sei es durch strenge Auflagen in der Haltung, sei es durch Auflagen wieviel fleischlose Gerichte in der öffentlichen Versorgung Pflicht sind.
    Sei es durch Öko-Steuern…

    Aber wer soll denn diese gesetzliche Regulation beschließen?
    Ich erinnere an das traurige Kapitel Veggi-Day, mit denen sich die Grünen ganz schön ins Abseits geschossen haben.

  7. Warum dieser Anspruch auf Perfektion, wenn dies doch ein überaus erheblicher Schritt Richtung Tierwohl ist? Für mich ist DAS der entscheidende Aspekt und weder der ökologische noch biologische. Da haben wir eh ganz andere Ansatzmöglichkeiten. Unterm Strich echt schräg, sich an den negativen ökologischen Aspekten aufzuhängen, wenn die Alternative Tierleid bedeutet und zusätzlich die ökologische Belastung, lediglich vorgelagert. Ich bin mir nichtmal sicher, ob die beim klassischen Fleischkauf nicht sowieso größer ist, da hier sowohl die Tiere als auch die Produkte weite Wege zurücklegen – und die Produkte gar von Schlachtung->Zwischenhändler->Einzelhändler ->Verbraucher.

  8. „Für mich ist DAS der entscheidende Aspekt und weder der ökologische noch biologische.“
    Langfristig sind ökologische Faktoren für das Tierwohl ebenso wichtig, wie für das Menschenwohl…
    Und warum sollte ich ökologische Kompromisse eingehen, wenn ich auch Fleisch ab Hof bekommen kann, das ökologisch vertretbar gezogen wurde und nicht weit verschickt wird?
    Da kann ich mich über das Tierwohl, Halungsform, Futter jederzeit selbst informieren.
    Auch da werden Pakete gemacht, die alles vom Tier enthalten, inklusive Innereien.
    Auch da ist der Zwischenhandel ausgeschaltet.

    Wo ist bei dem obigen Konzept eine Aussage über Tierwohl getroffen?
    Außer daß die Schlachtung nicht im Akkord passiert?
    Es ist keinerlei Aussage getroffen, wie das Tier gehalten wird.

    Bei meiner Fleischquelle von Hereford Weiderind weiß ich, daß die Tiere ganzjährig im Freien gehalten werden. Inklusive mitlaufendem Bullen.
    Zufütterung passiert minimal im Winter mit hofeigenem Futter.
    Schlachtung in benachbarter Schlachterei…leider sind die bürokratischen Hürden gegenüber Weideschuss noch nicht aus der Welt geräumt.

    Das Kilogramm kostet 14€ bei gemischtem Paket.

  9. „Für mich ist DAS der entscheidende Aspekt“
    Entscheidend bei was?
    „schräg, sich an den negativen ökologischen Aspekten aufzuhängen, wenn die Alternative Tierleid bedeutet“
    Wieso sollte das die Alternative sein?

  10. „leider sind die bürokratischen Hürden gegenüber Weideschuss noch nicht aus der Welt geräumt.“
    Deshalb hat leider einer unserer Nachbarn aufgegeben, dessen „Deutsch Angus“ früher jahrein, jahraus etwa 1 km Luftlinie von uns entfernt weideten, und von dem wir ein ganz fantastisches Fleisch bekamen, sogar deutlich unter den genannten 14 €.

  11. „Deshalb hat leider einer unserer Nachbarn aufgegeben“
    Ja, wieder ein Sieg für manche unserer veganen Zeitgenossen…
    Daß leider gleichzeitig ein paar Mastbetriebe für billiges Export-Fleisch aufmachen, ist die andere Seite.
    Es ist wirklich schwierig und diese Bauern haben meine vollste Bewunderung.
    Unserer möchte jetzt auch noch in Weideschwein einsteigen. Er ist nur noch nicht sicher, mit welcher Rasse und die ganze Anlage muß noch konzipiert und gebaut werden. Dauer mind. noch ein Jahr, aber ich freue mich schon.

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