Deutsche Banken investieren Milliarden in Atomwaffen-Hersteller

Deutsche Banken finanzieren Atomwaffen
Foto: "Frankfurt Deutsche Bank Headquarters.20140221.jpg" von Epizentrum unter CC-BY-SA-3.0

Über zehn Milliarden Euro haben zehn deutsche Finanzinstitute seit Januar 2014 in Unternehmen gesteckt, die Atomwaffen herstellen oder warten. Ganz vorne mit dabei: die Deutsche Bank und die Commerzbank.

Auch deutsche Banken beteiligen sich am weltweiten nuklearen Wettrüsten. Die neue Studie „Don’t Bank on the Bomb“ der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN) und der niederländischen Friedensorganisation PAX zeigt: Deutsche Banken unterstützen weiterhin kräftig Unternehmen, die Atombomben, Atomsprengköpfe und Atomraketen bauen bzw. mit der Wartung dieser Systeme beauftragt sind.

Zu diesen Unternehmen gehören auch solche, die man ohne Einblicke in die Waffenindustrie kennt – zum Beispiel Boeing und die Airbus-Gruppe. Airbus entwickelt, produziert und wartet verschiedene nukleare Raketen für die französische Marine und Luftwaffe. Boeing ist in die Wartung und Produktion nuklearer Interkontinental-Raketen der US-Armee und des Vereinigten Königreichs sowie in die Produktion einer US-amerikanischen Atombombe involviert.

Insgesamt stellten Finanzinstitute weltweit der Atomwaffenindustrie zwischen Januar 2014 und Oktober 2017 rund 525 Milliarden Dollar zur Verfügung.

Diese deutschen Banken finanzieren Atomwaffen

Spitzenreiter ist mit rund 6,6 Milliarden Dollar die Deutsche Bank (beim letzten Report Ende 2016 waren es noch rund 4,8 Milliarden Euro), gefolgt von der Commerzbank mit rund 1,3 Milliarden und der Allianz mit rund einer Milliarde Dollar.

Studie: Deutsche Banken finanzieren Aomwaffen
Zahlen in Millionen US-Dollar (Screenshot: "Don't bank on the bomb" / ICAN, PAX)

Die Auflistung der Banken zeigt: Nicht nur die großen Privatbanken wie die Deutsche Bank oder die Commerzbank investieren in Nuklearwaffen.

Auch Finanzinstitute, die zumindest teilweise in Länderbesitz sind, sind beteiligt: Die BayernLB, die zu 75 Prozent dem Freistaat Bayern gehört, hat seit Januar 2014 über 450 Millionen Dollar investiert. Die BayernLB ist außerdem das Spitzeninstitut für die bayerischen Sparkassen.

Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), an der mit rund 25 Prozent das Land Baden-Württemberg beteiligt ist, steckte 66 Millionen Dollar in Atomwaffen-Unternehmen. Die LBBW ist zudem die Zentralbank der Sparkassen in Baden-Württemberg und Sachsen.

Auch an der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) ist der Sparkassenverband beteiligt.

Die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau), für deren Verbindlichkeiten und Kredite die Bundesrepublik Deutschland haftet, finanziert der Studie zufolge ebenfalls Atomwaffen.

Auffällig ist die Beteiligung der DZ Bank, die ihr Investment in Atomwaffenhersteller von 66 auf 470 Millionen US-Dollar massiv erhöht hat. Die DZ Bank ist das Zentralinstitut von rund 1.000 Genossenschaftsbanken in Deutschland – dazu gehören auch Volks- und Raiffeisenbanken.

Die DZ Bank unterstützt die US-amerikanische Rüstungsfirma Northrop Grumman mit mehr als 400 Millionen US-Dollar. Das Unternehmen produziert Atomraketen für das US-Arsenal und ist am britischen Atomwaffenprogramm beteiligt. Brisant: Die DZ Bank hat Northrop Grumman in den Fonds „UniGlobal“ aufgenommen – den „Vorzeige-Fonds der Volksbanken“ (FAZ), der sich vor allem an Privatpersonen richtet, zum Beispiel für die Riester-Rente.

Mehr lesen: Den Teil der Studie, der Deutschland betrifft, findest du hier (englisch). Die gesamte Studie: Don’t Bank on the Bomb“ (englisch)

Banken finanzieren Atomwaffen: DZ Bank
Die DZ Bank, Zentralinstitut der Volks- und Raiffeisenbanken, investiert 470 Millionen Dollar in Atomwaffen. (Foto: Frankfurt on the Main: Westend Tower as seen from the Maintower von Mylius unter CC-BY-SA-3.0)

„Banken müssen Investitionen in Atomwaffen ausschließen“

„Wenn Banken ethische Werte ernst nehmen, müssen sie Investitionen in Atomwaffen komplett ausschließen. Ansonsten nutzen sie das Geld ihrer Kunden, um deren potentiellen Tod zu finanzieren. Jede Unterstützung des atomaren Wettrüstens ist unverantwortlich“,

sagt Aino-Ritva Weyers, Vorstandsmitglied von ICAN Deutschland. „Immer mehr Staaten erteilen Atomwaffen eine klare Absage. Wenn Banken weiter investieren, stehen sie auf der falschen Seite der Geschichte.“

Die Erkenntnis, dass Branchen, Industrien und Projekte von der Finanzierung von Banken abhängig sind, ist nicht neu. Doch der Umkehrschluss – nämlich, dass man zerstörerischen Unternehmen durch den Entzug der Finanzierung gleichzeitig die Existenzgrundlage entziehen kann – setzt sich erst in den vergangenen Jahren durch.

Darauf gründet die weltweite Divestment-Kampagne, die Geld von klimaschädlichen Energieunternehmen abziehen will. Und das betrifft auch die Finanzierung der Atom(waffen)branche.

In der Einleitung zur Studie „Don’t Bank on the Bomb“ heißt es:„Finanzinstitute haben die Wahl, entweder zum Ende der Nuklearwaffen beizutragen oder die Finanzierung zur Verfügung zu stellen, die es Nuklearwaffen ermöglicht, uns zu beenden.“

Banken leben aber auch von unserem Geld. Das heißt: Wir Verbraucher können einen bedeutenden Einfluss darauf ausüben, was und wen Banken finanzieren, indem wir bewusst entscheiden, wo wir unser Geld anlegen – und wo nicht.

Zeit für den Wechsel: die besseren Banken

Es gibt in Deutschland vier etablierte ethische Banken, die verantwortungsvoll mit dem Geld ihrer Kunden umgehen. Diese Banken schließen Investitionen in Atomwaffen ebenso aus wie die Finanzierung von Kernkraft, Kohlekraft, Rüstungsgeschäften, Nahrungsmittelspekulation, Gentechnik oder Menschenrechtsverletzungen.

Stattdessen investieren sie ihr Geld sinnvoll: Die empfehlenswerten alternativen Banken machen nur Geschäfte mit ethisch und ökologisch vertretbaren Unternehmen und fördern mit ihren Investitionen eine nachhaltige Entwicklung und soziale Projekte.

Drei der vier ethischen Banken bieten ihren Kunden auch ein Girokonto an. Seit September 2016 ist der Bankwechsel beim Girokonto so einfach wie noch nie: Niemand muss mehr Daueraufträge selbst ändern, sie werden einfach aufs neue Konto übertragen. (Siehe auch: So einfach ist der Bankwechsel)

Nutze also jetzt die Chance zum einfachen Bankwechsel und zieh dein Girokonto um zu einer Bank, die in nachhaltige Projekte anstatt in Atomwaffen investiert.

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(4) Kommentare

  1. Dann werde ich jetzt diesen Newsletter abbestellen müssen, denn sicher ist schon ein Mitarbeiter von Utopia mit einem Airbus geflogen oder hat Waren erhalten, die damit transportiert wurden. Das wäre dann die gleiche Form indirekter Finanzierung, wie sie hier angeprangert wird.
    Ich empfinde diese Art der Argumentation als höchst unanständig.

  2. Hallo Dominikus,
    ich finde es eher unanständig … nein, eigentlich verächtlich, beim Lesen der Zinsgutschreibung auf Kontoauszügen zu vergessen auf welche Weise dieser Mehrwert generiert wurde. Insbesondere, wenn dieser in Verbindung mit Benachteiligung oder gar Leid anderer Menschen steht. Ich habe auch einen eigenen Kommentar verfasst den du zur Ergänzung meines direkten Feedbacks an dich vielleicht lesen kannst. Ich habe dort auf das Thema Streubomben hingewiesen, eine völkerrechtlich geächtete Waffe welche im Gegensatz zu Atomwaffen nicht nur zur Abschreckung produziert werden sondern immer noch in den aktuellen Kriegsgebieten zum Einsatz kommen und dort Menschen verletzten und töten.
    Es ist an dir zu entscheiden wie viel Leid und Blut du für angemessen hältst damit wir uns hier in der Komfortzone wohlfühlen können … ; (
    Mir ist es das nicht wert!

    Was die Wirkung deines Kommentars angeht, er erinnert mich ein wenig an die Antworten die ich manchmal im Falle von guten Vorschlägen von meiner Tochter bekomme. In ihrem Fall entschuldigt aber das Alter ihr trotziges Verhalten … sie wird nächsten Monat gerade mal 4 Jahre alt … ; )

  3. Geld regiert die Welt und bestimmt ihr aussehen.

    Geben wir unser Erspartes Banken welche ohne jegliche Skrupel nur in die lukrativsten Geschäfte invistieren, so brauchen wir uns nicht zu wundern dass der Wandel hin zu einer von uns allen bevorzugten grünen und gerechteren Welt so schleppend voran geht. Es gibt leider zu wenige Banken die ökologisch und sozial nachhaltigen Ideen den Vorzug geben. Die Entscheidung bei einer konventionellen Bank zu bleiben hat somit doppelte Auswirkungen. Sie fördert Business as usual und verhindert zu gleich sinnvolle Alternativen. Vielleicht würde es Dominikus ja leichter fallen die Bank zu wechseln wenn in dem Artikel stehen würde dass Banken wie die GLS Bank gut Kapital brauchen könnten um die vielen unterstüzungswürdigen Anfragen zu finanzieren.
    Jetzt könnte jemand natürlich sagen dass konventionelle Banken die besseren Konditionen bieten. Ich habe aber mal für meine Ersparnisse nachgerechnet wie viel diese Zinsversprechungen im Nachkommastellenbereich am Ende des Jahres ausmachen … in meinem Fall kann ich es gut verkraften ein paar weniger Zinseuros zu bekommen und dafür zu wissen dass mein Geld einer guten Sache dient … ; )
    Und das Argument dass Bankwechseln so umständlich ist zählt seit diesem Herbst ja auch nicht mehr … seit Einführung des Zahlungskontengesetzes vor drei Monaten ist der Kontowechsel so einfach und unkompliziert wie noch nie!
    Und nicht nur Finanzdienstleister beeinflussen mit ihren Investmententscheidungen und Risikobewertungen den von uns allen so erwünschten Transformationsprozess, sondern auch die Versicherungsbranche welche unter einem sehr hohen Lieferdruck steht die Renditeversprechungen der Vergangenheit einzuhalten.
    Wer sich also darum bemüht seinen CO2 Fussabdruck zu senken sollte auf keinen Fall vergessen bei der Auswahl von Finanz- und Versicherungsdienstleistern auf deren Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft zu achten … ; )

    Wer zum Thema noch ein wenig Lesestoff braucht:
    „Ein Bombengeschäft – die Deutsche Bank verdient noch immer Geld mit völkerrechtswidrigen Waffen.“
    http://www.zeit.de/2012/13/Streubomben

    Der Artikel ist nicht ganz druckfrisch, hat aber angesichts folgender Info auf sem Greenpeace Magazin (17.06.2016) immer noch hohe Relevanz: „Streumunition ist international verboten – trotzdem investierten seit 2012 Finanzinstitute 25 Milliarden Euro in die Hersteller.“

    Man stelle sich vor was mit all dem Geld machbar wäre … ; (

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