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Bank wechseln: 7 Gründe, heute noch dein Konto umzuziehen

Illustration: Utopia.de Grafiken: CC0 Public Domain / Pixabay - Elias-Schäfer, janjf93, Mudassar-Iqbal

Zinsen bringen nichts mehr. Doch auch Banken müssen Geld verdienen und versuchen, neue Gebühren für dies und das einzuführen. Wer jetzt die Bank wechseln will, könnte es gleich richtig machen – und mit seinem Konto zu einer ethischeren Bank wechseln. Es ist so einfach wie nie.

Die Leitzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) stehen nun schon seit Jahren auf 0,0%. Das hat zur Folge, dass Banken mit dem bloßen Aufbewahren von Geld nichts mehr verdienen können. Den Banken bleibt also wenig anderes übrig, als neue Gebühren, etwa für die Kontoführung, für Geldautomaten, Schalterdienste etc. zu erheben.

Damit entfällt ein (ohnehin nur scheinbarer) Vorteil gegenüber den ethischen Banken – und es spricht nichts mehr dagegen, zu diesen besseren, weil nachhaltigeren Banken zu wechseln. Gesetzliche Regelungen machen das heute einfacher denn je.

Tipps zum Bank wechseln

Hier 5 Tipps zum Bankwechsel:

  1. Seit 2016 kannst du leichter denn je Konto und Bank wechseln.
  2. Deine Bank muss beim Umzug von Konto, Daueraufträgen, Lastschriften etc. weiter helfen.
  3. Die Bank, zu der du hin wechselst, bietet dir meist einen bequemen Kontowechselservice an.
  4. Ein Kontowechselservice ist meist kostenlos, die Banken können aber Gebühren verlangen.
  5. Nachhaltige Banken bieten alle wesentlichen Services und Produkte, die auch herkömmliche Banken haben.

Also: Wenn du die Bank wechselst, kannst du auch gleich einer zu der folgenden besseren Banken wechseln – die sind nicht billiger, handeln aber fairer und nachhaltiger.

Schnell zu den Details:

Warum erhöhen die Banken die Gebühren?

Weil Geld schon lang nicht mehr von selbst Zinsen abwirft und die Banken natürlich auch Geld verdienen müssen. Da gibt es zwei Wege: Das globale Cash-Casino mit entsprechenden Risiken – oder eben den privaten Kund:innen in die Tasche zu greifen.

Das ist keine Abzocke, sondern logisch: Denn ein Bankautomat beispielsweise erzeugt pro Jahr Kosten von über 10.000 Euro – eine Leistung, die bislang oftmals kostenfrei erbracht wurde, weil die Banken sie nicht über Gebühren, sondern über Spekulation und Zinsen gegenfinanziert haben.

Öko-Banken wissen das schon lange – bei ihnen gab es schon immer Gebühren. Doch darüber hinaus verwenden sie das Geld ihrer Kund:innen sinnvoll: Sie investieren nicht in Rüstung, Atomtechnik, fossile Energien, Nahrungsmittelspekulation oder ähnliches, sondern in zukunftsweisende Projekte, die Gewinne nachhaltig erwirtschaften.

Was spricht also noch dagegen, die Bank zu wechseln? Vor allem die Angst, dass der Bankwechsel ist unbequem sein könnte. Monatlich geht auf dem Girokonto das Gehalt ein und die Miete ab, Versicherungen, Streaming-Dienste und Shops buchen ab. Würde man die Bank wechseln, müsste man all das ändern, anpassen, neu einrichten… Oder?

Tatsächlich ist es ganz einfach: Seit September 2016 müssen die Banken jede:n Kund:in beim Bankwechsel unterstützen, statt diesen mit bürokratischen Hürden zu verhindern – dank Zahlungskontengesetz (ZKG; s. unten).

Hier 7 Gründe, warum du jetzt zu einer nachhaltigen Bank wechseln solltest

Weil du doch ohnehin auf der Suche nach einer alternativen Bank bist. Und wenn du schon deiner Bank Adieu sagst, dann könntest du auch gleich zu einer guten, ethischen und grünen Bank wechseln.

Dafür gibt es gute Gründe:

  1. Weil es einfach ist. Seit Herbst 2016 kann es jeder völlig problemlos, dank neuem Gesetz.
  2. Weil es richtig ist. Gegen konventionelle Banken spricht, dass viele Geschäftsbeziehungen zu Waffenherstellern haben, sich an Nahrungsmittelspekulationen beteiligen, finanziell im Bereich schmutziger Energieerzeugung (Atom & Kohle) beteiligt sind und über Schattenfinanzplätze intransparent zweifelhafte Geschäfte machen.
  3. Weil es sinnvoll ist. Für nachhaltige Banken spricht, dass sie das Gegenteil tun: Sie investieren nicht in Rüstung, sie bremsen nicht die Energiewende, sie spekulieren nicht mit Nahrungsmitteln, sie agieren transparenter – Details im Beitrag: Nachhaltige Geldanlagen – 5 Fragen und Antworten.
  4. Weil es die Welt verändert. Nachhaltige Banken, von manchen daher auch Öko-Banken oder grüne Banken genannt, investieren stattdessen auf Basis von klaren Regeln in sinnvolle soziale oder ökologische Projekte oder in die Energiewende.
  5. Weil es sicher ist. Die Menschen hinter den ethischen Banken sind genauso Bankenprofis wie die anderen auch – nur eben mit Prinzipien. Durch Einlagensicherungsfonds sind dort abgelegte Gelder genauso sicher wie bei den scheinbar seriösen Casino-Banken, denen wir den letzten Bankencrash verdanken (und die Niedrig- bis Nullzinsen, die jetzt zu höheren Gebühren bei konventionellen Banken führen).
  6. Weil es gebührenfreie Kontos eh kaum noch gibt. Die Niedrigzinspolitik der EU sorgt dafür, dass Banken mit Zinsen keine müde Mark mehr machen (sie sollen es ja investieren). Daher verlangen die allermeisten Banken früher oder später Kontoführungsgebühren – vielleicht auch deine Hausbank. Öko-Banken hatten schon immer Gebühren; weil’s jetzt also egal ist, kannst du zu auch zur grünen Bank wechseln. Nein, die ist nicht billiger. Aber eben besser.
  7. Weil du nichts vermissen wirst. Nachhaltige Banken bieten dir alles, was andere auch bieten: Girokonto. Kreditkarte. Tagesgeld. Fonds. Wertpapiere. Etc. Das volle Programm. Nur halt auf Basis von Investitionen in sinnvolle Projekte.

So einfach ist der Bankwechsel

In der Praxis geht es so: Als Kund:in erteilst du der neuen Bank deiner Wahl den Auftrag zur Hilfe beim Kontowechsel (Kontowechselservice). Die neue Bank fordert die notwendigen Daten wie Daueraufträge, Lastschriftmandate, Überweisungen etc. bei der alten Bank an – die muss diese Daten innerhalb von fünf Tagen übermitteln.

Die neue Bank übernimmt die Daten in das neue Girokonto und informiert die Inhaber:innen der anderen, einzahlenden und abhebenden Konten über den Wechsel. Die alte Bank muss das Girokonto zeitnah schließen und gegebenenfalls ebenfalls über den Kontowechsel informieren.

Kurzum: So einfach konntest du noch nie die Bank wechseln. Und wenn du das ohnehin tust, dann wechsle doch am besten zu einer nachhaltigen Bank wie Ethikbank, GLS Bank oder Triodos Bank.

Zu welcher Bank wechseln? Hier 4 Alternativen

Hier unsere Vorschläge:

EthikBank GLS Bank Tomorrow Triodos Bank
System Bank Bank App Bank
Girokonto-Gebühren 8,50 Euro/Monat** 3,80 Euro/Monat Konto „Tomorrow“: 0 Euro/Monat, „Tomorrow Zero“: 15 Euro/Monat 5,50 Euro/Monat
Dispo-Gebühren genehmigt / ungenehmigt 7,5% / 12,25% bis 10.000 Euro keine, danach 7% kein Dispo 6,49% variabel
Bankkarte-Gebühren 15 Euro/Jahr*** 15 Euro/Jahr, für Mitglieder kostenfrei**** keine 15 Euro/Jahr
Kreditkarte-Gebühren 35 Euro/Jahr*** 30 Euro/Jahr, für Mitglieder kostenfrei**** (keine Kreditkarte) 39 Euro/Jahr
mobileTAN-Gebühren 0,12 Euro/SMS*** frei keine frei
Tagesgeld (Zinsen p.a.) ja (0,0%) ja (0,0%) keines ja (0,01% variabel)******
Bargeld
abheben
mit Bankkarte kostenlos mit Bankkarte kostenlos mit Debitkarte 3x/Monat kostenlos bzw. unbegrenzt kostenlos***** mit Kreditkarte kostenlos an Maestro/ MasterCard-Automaten
Jahresbeitrag 60 Euro/Jahr
Grundkosten* 102+15+35+0=
152 Euro/Jahr
45,60+15+30+60=
150,60 bzw. 105,60**** Euro/Jahr
keine bzw. 180 Euro/Jahr 66+15+39+0=
120 Euro/Jahr
Website www.ethikbank.de www.gls.de www.tomorrow.one www.triodos.de
Link zu Utopia-Nutzer:innen-
bewertungen
Ethikbank GLS Bank Tomorrow Triodos Bank

* Girokonto + Bankkarte + Kreditkarte + Jahresgebühr zusammengerechnet (aber ohne mobileTAN-Gebühren etc.).
** im ersten Jahr: 2 Euro („Ethikbank Girokonto Klima mit Klimarabatt“)
*** im ersten Jahr: 0 Euro („Ethikbank Girokonto Klima mit Klimarabatt“)
**** für Mitglieder: GLS-Kund:innen, die zusätzlich Anteile an der Bank in Höhe von mind. 500 Euro zeichnen (mehr Informationen dazu: s. unten „GLS Bank“).
***** Girokonto „Tomorrow“: drei Abhebungen pro Monat kostenlos, danach 2 € pro Abhebung / Girokonto „Tomorrow Zero“: unbegrenzt kostenlos
******Tagesgeld-Konto nur in Kombination mit einem Triodos Konto möglich

Jetzt die Bank wechseln
Jetzt die Bank wechseln: Seit 18.9.2016 viel einfacher (Foto: CC0 Public Domain, Geld: EZB)

Hintergrund: das Zahlungskontengesetz (ZKG)

In Wirklichkeit heißt das ZKG „Gesetz zur Umsetzung der Richtlinie über die Vergleichbarkeit von Zahlungskontoentgelten, den Wechsel von Zahlungskonten sowie den Zugang zu Zahlungskonten mit grundlegenden Funktionen“ (Gesetz). Auf Basis der EU-Zahlungskontenrichtlinie sieht das Zahlungskontengesetz eine Neuregelung zahlreicher Zahlungsregelungen vor.

  • Mehr Vergleichbarkeit. Wenn Kund:innen die Bank wechseln wollten, fehlte es oft an hinreichend klaren Informationen. Dank Zahlungskontengesetz werden europaweit die Girokonten einheitlicher geregelt, damit die Kosten nachvollziehbarer und vergleichbarer sind.
  • Einfacher Bankwechsel. Kund:innen sollen es leichter haben, die Bank wechseln zu können, daher darf es nicht mehr mit finanziellen oder bürokratischen Hürden verhindert werden.
  • Leichterer Zugang. Jede*r hat ein Recht auf ein Zahlungskonto in der EU. Während bei uns der Bankwechsel ein wichtiger Vorteil ist, stellte in einigen anderen EU-Ländern vor allem der gesetzlich vorgesehene Zugang zu einem Konto die wichtige Neuerung dar.

Fazit: Jetzt die Bank wechseln

Die Bank zu wechseln ist überraschend einfach. Durch die Erleichterungen beim Bankwechsel durch das Zahlungskontengesetz wurde alles transparenter. Die vermeintlichen Vorteile durch die kostenlosen Girokonten bei herkömmlichen Banken sind größtenteils längst weggefallen. Wir sollten also die Gelegenheit nutzen, jetzt zu einer faireren, ethischeren und nachhaltigeren Bank zu wechseln.

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(22) Kommentare

  1. Die 0 € haben ihren Preis, auch wenn Kohle- und Atomkraft nicht unterstützt werden. Irgendwo wird sich ein Haken finden im Finanzgebaren……Kinderarbeit? Waffengeschäfte? Lebensmittelspekulationen? Warentermingeschäfte anderer Art?…..Eine wirklich nachhaltige Bank mit gutem Gewissen in allen bereichen KANN kein kostenloses Konto mehr anbieten!

  2. Hallo,
    ich bräuchte zum Thema noch etwas Nachhilfe. Wenn ich auf eine Grüne BAnk wechseln möchte heißt das dass ich meine Bank z.B. Sparkasse, Raiffeisenbank usw. kündige und dann von der neuen versorgt werde? Wo kann ich mein Geld abheben bzw. etwas drauf zahlen?
    LG Danke
    Mareike

  3. Na kommt immer drauf an welche Bank du meinst und in welchem Bankenverbund diese Mitglied ist.
    Bei der GLS Bank zum Beispiel kannst du bei allen Sparda- und Volksbanken Automaten abheben.
    P.S.: Ja, du musst dein altes Konto kündigen, wenn du nicht 2 Konten parallel laufen lassen willst (und natürlich beide bezahlen musst)

  4. Dann könnt Ihr bei der Ethikbank noch mehr anpassen. Ab dem 1.7.2017 kostet die Bankkarte 15 € (wie bei den anderen auch) und ist nicht mehr kostenlos und die MasterCard wird auf 35 € erhöht. Diese Fakten stehen bisher leider nur auf den Kontoauszügen. (Stand 31.3.2017)

  5. Kontoumzugshilfe? Meine Erfahrung:

    Einzelne Überweisungen: Die waren einmalig. Für das gebrauchte Bett oder das Geldgeschenk an die Nichte wird nicht noch einmal überwiesen.
    -> Keine Kontoumzugshilfe notwendig.

    Lastschriften von Online-Käufen oder von girocard-Zahlung vor Ort: Alles genauso wie bei Überweisungen.
    -> Keine Kontoumzugshilfe notwendig.

    Lastschriften für Netflix- und andere Abos, Vereinsbeiträge, Mobilfunkbetreiber, Strom-/Gasversorger, Versicherungen, Vermieter, Kreditkartenabrechnung: Diese Vertragspartner brauchen ein unterschriebenes Lastschriftmandat per Brief für das neue Konto. Dafür braucht man seine Kunden-/Vertragsnummer, den Vertragsinhaber (bei Paaren oder WGs) und die aktuelle Postanschrift des Vertragspartnerns. Je nach (Un-)ordnung der eigenen Unterlagen dauert das Heraussuchen einige Stunden. Diese Daten kann weder die alte noch die neue Bank liefern. Einige Banken bieten hier als „Kontoumzugshilfe“ an, dass ich selbst alle Vertragsdaten in die Bank-Webseite eintippe und dann Formulare zum Ausdrucken bekomme. Aber: Eine eigene Word-Datei reicht hier auch.
    -> Kontoumzugshilfe wäre toll, ist aber durch die neue Bank nicht möglich.

    Daueraufträge mit regelmäßigen, konstanten Zahlungen an Empfänger, die keine Lastschriften ausführen können, z.B. kleine Vereine, Unterhalt, Netflixkostenteilung: Hier kann die neue Bank von der alten jeweils den Betrag, den Turnus, den Betreff und den Empfänger übernehmen.
    -> Kontoumzugshilfe ist möglich, aber der eingesparte Aufwand ist gering.

    Geldeingänge: Neben meist monatlichem Gehalt, Rente, staatlicher Unterstützung wie ALG4 oder BAföG gibt es auch noch ab und zu Erstattungen von Jahresabrechnungen bei Versicherungen und Versorgern oder Teilrückzahlungen bei vorzeitigem Vertragsende oder Rückzahlungen von Tagesgeldkonten. Diese Vertragspartner müssen über die neue Kontoverbindung meist per Online-Kundenportal umgestellt werden.
    -> Kontoumzugshilfe wäre toll, ist aber durch die neue Bank nicht möglich.

    [WEITER IM NÄCHSTEN KOMMENTAR]

  6. [FORTSETZUNG]

    Bei Beantragung der Kontoumzugshilfe übermittelt die alte Bank der neuen alle Umsätze der letzten 13 Monate. Das erlaubt der neuen Bank einen sehr persönlichen Einblick in das zurückliegende Privatleben aus Arbeit, Wohnung und Freizeitverhalten. Vermutlich wollen die Banken die Daten haben, um damit die Kreditwürdigkeit besser zu bestimmen. Die neue Bank verlangt auch oft die Zugangsdaten zum Online-Banking bei der alten Bank, das ist bedenklich. Der Ablauf ist auch oft fehlerhaft. Siehe http://www.test.de/Girokonto-wechseln-Wie-gut-klappt-der-Umzugsservice-5180383-0

    Die gesetzlich vorgeschriebene Kontoumzugshilfe entpuppt sich bei genauerem Hinsehen also als politischer Blindgänger und verdeckte Ausforschung.

    Gern übersehen werden noch diese Aufwände: Bei der notwendigen Identifizierung kämpft man entweder mit technischen Problemen beim VideoIdent oder geht extra zu einem Postshop für das (wirklich problemlose) PostIdent. Dazu kommen neue einzuprägende Kontonummer und PINs, dann eine neue BankingApp und ein neues BankingPortal, die man kennenlernen muss, ein neuer Freistellungsauftrag, falls Guthabenzinsen anfallen. Bei all den Umstellungen geschehen einem nicht selten Fehler, die korrigiert werden müssen. Da man selten alle Vertragspartner erfasst hat, empfiehlt sich auch, das alte Konto noch 6-12 Monate mit einem ausreichenden Saldo weiter zu führen und regelmäßig die Kontoauszüge zu prüfen. Das alte Konto muss dann noch separat gekündigt werden.

    Man kann wohl sein Konto wechseln für eine bessere Welt. In 30 oder 90 Minuten ist es aber nicht getan. Hier sollte man ehrlich sein. Es sind viele Stunden Arbeit über Wochen verteilt.