Abwrackprämie für Diesel: VW, BMW und Co zahlen bis zu 10.000 Euro

Ford Schrott
Foto CC0 / Pixabay / monikabaechler

Mit einer Abwrackprämie wollen VW, BMW, Daimler und Co. alte Diesel-Fahrzeuge aus dem Verkehr ziehen: Wer einen altes Diesel-Fahrzeug verschrotten lässt und einen Neuwagen kauft, kann bis zu 10.000 Euro Prämie erhalten. Wir geben einen Überblick über die Prämien und erklären, wann das Abwracken ökologisch sinnvoll ist.

Das Ergebnis des Diesel-Gipfels: Die Autoindustrie wird 5,3 Millionen Diesel-Fahrzeuge nachrüsten. Ältere Diesel-Autos mit Abgasnorm Euro 1 bis Euro 4 erhalten jedoch kein Software-Update. Stattdessen setzt die Autoindustrie auf Abwrackprämien für die alten Diesel.

Das sind die Prämien der verschiedenen Autobauer:

  • VW: bis zu 10.000 Euro
  • Daimler: 2000 Euro
  • Audi: 3000 bis 10.000 Euro
  • BMW: 2000 Euro
  • Toyota: 2000 Euro beim Wechsel auf einen Toyota-Hybrid-Wagen
  • Ford: 2000 bis 8000 Euro

Die Prämie bekommt, wer sein Diesel-Fahrzeug mit Abgasnorm Euro 1 bis Euro 4 verschrotten lässt und einen Neuwagen kauft. Für die Verschrottung braucht es einen Nachweis. Die meisten Autobauer bieten die Prämie nur bis Ende des Jahres.

VW: gestaffelte Abwrackprämie

Der VW e-Golf (© Volkswagen)

Bei VW hängt die Höhe der Prämie von der Größe des neuen Autos ab. Wer einen VW-Kleinstwagen kauft, bekommt 2000 Euro. Für ein größeren Wagen wie etwa einen Golf oder Tiguan gibt es 5000 Euro. Der Umstieg auf den Geländewagen Touareg bringt 10.000 Euro. Zusätzlich zu dieser „Umweltprämie“ bietet Volkswagen eine „Zukunftsprämie“ für Autos mit Erdgas-, Hybrid- oder Elektroantrieb. Die Prämie liegt zwischen 1000 und 2380 Euro und wird zusätzlich zur staatlichen Kaufprämie bezahlt.

Diese Prämie gibt es bei Daimler

Für ein neues Mercedes-Benz-Auto gibt es pauschal 2000 Euro Prämie. Wer sich einen Smart Electric Drive zulegt, bekommt 1000 Euro. Die alten Diesel-Autos, die für die Prämie verschrottet werden, müssen mindestens sechs Monate auf den Besitzer zugelassen sein.

So funktioniert die Abwrackprämie bei Audi

Wie auch VW staffelt Audi seine Abwrackprämie. Je nach Fahrzeugklasse liegt die Prämie bei zwischen 3000 und 10.000 Euro. Bei Audis mit Plug-In-Hybrid-Technologie oder dem mit Erdgas betriebenen g-tron-Modell erhöht sich die Prämie.

Diesel-Abwrackprämie – bis 8000€ von Ford

Ford will nach eigenen Angaben ein „Maßnahmenpaket“ schnüren, um die Luftqualität in den am stärksten belasteten städtischen Gebieten zu verbessern. Dazu startet Ford eine „Umweltinitiative“:

Auch Ford hat ein Elektroauto: Ford Focus Electric
Auch Ford hat ein Elektroauto: Ford Focus Electric (© Ford)

Kunden aller Marken, die ein Fahrzeug der Euro-Norm 1, 2 oder 3 besitzen, das bis 2006 zugelassen wurde, können von Ford eine „Umweltbonus“ genannte Abwrackprämie zwischen 2.000 und 8.000 Euro erhalten, wenn sie noch in diesem Jahr ein neues Ford-Fahrzeug ihrer Wahl kaufen – denkbar wäre der Ford Focus Elektric. Die Ford-Händler übernehmen die Verschrottung der Altfahrzeuge kostenlos.

Weitere Teile der Initiative: Ford will über seine Partner 100.000 Kunden eine einjährige Mitgliedschaft beim Bike-Sharing-Programm „Call a Bike“ schenken, dem Fahrradverleihsystem der Deutschen Bahn. Auch will Ford mit StreetScooter gemeinsam batterie-elektrische Lieferfahrzeuge fertigen – bis 2018 sollen 2.500 dieser Fahrzeuge im innerstädtischen Lieferverkehr der Deutschen Post DHL Group unterwegs sein.

Abwrackprämie für Diesel: Toyota bietet 2000€

Toyota tauscht Diesel gegen Hybride ein
Toyota tauscht Diesel gegen Hybride ein (Foto: Toyota)

Ein weiteres Angebot kommt von Toyota. Wer seinen alten Diesel gegen einen neuen Toyota Hybrid eintauscht, erhält dafür einen Bonus in Höhe von 2.000 Euro (plus staatliche Hybridprämie von 2.000 Euro). Die neue Prämie gibt es für die Modelle Yaris Hybrid, Auris Hybrid, RAV4 Hybrid, C-HR Hybrid sowie für den Toyota Prius Plugin-Hybrid. Allerdings sind Hybridautos schwerer und können durchaus höheren Benzinverbrauch haben, wenn sie nicht vernünftig gefahren werden.

Toyota ist nicht nur Vorreiter bei der Hybridtechnologie, sondern hat mit dem Toyota Mirai auch ein ziemlich einzigartiges Brennstoffzellenfahrzeug im Sortiment. Der Mirai emittiert weder CO2 noch andere Schadstoffe, bei der Umwandlung von Wasserstoff in elektrische Energie entsteht lediglich Wasser. Den Mirai gibts allerdings nicht in diesem Angebot.

BMW-Abwrackprämie: 2000€ für i3 oder Plugin-Hybriden

Die BMW Group bietet EU-weit eine zunächst bis zum 31. Dezember 2017 befristete Sonderaktion zur „Flottenverjüngung“ und der damit erhofften positiven Wirkung auf Ressourcen, Klima und Umweltqualität.

BMW i3 statt Diesel für 2000€ Abwrackprämie
BMW i3 statt Diesel für 2000€ Abwrackprämie (© BMW)

Halter von Dieselfahrzeugen mit Euro-4-Abgasnorm oder älter, die ihren Wagen beim Händler in Zahlung geben, können modellabhängig eine bei BMW „Umweltprämie“ genannte Abwrackprämie von bis zu 2.000 Euro beim Erwerb eines BMW oder Mini Neuwagens erhalten. Der von BMW gekaufte Wagen kann

  • ein BMW i3,
  • ein Plug-in-Hybrid von BMW oder Mini
  • oder ein Euro-6-Neufahrzeug mit einem CO2-Wert von maximal 130 Gramm pro Kilometer (NEFZ)

sein. Die Sonderaktion soll kurzfristig noch im August beginnen. Beim BMW i3 oder einem Hybriden gibts zusätzlich die staatliche Elektroauto-Kaufprämie.

2017 will BMW mehr als 100.000 Fahrzeuge mit elektrifiziertem Antrieb an Kunden auszuliefern – sowohl den vollelektrischen BMW i3 als auch Plug-in-Hybride. Ende 2019 soll im Werk Oxford die Produktion des batterieelektrischen Mini beginnen, 2020 der batterieelektrische BMW X3 folgen.

Abwrackprämie für Diesel: Ergibt das Sinn?

Die Initiativen erinnern an die „Abwrackprämie“, mit der Kanzlerin Angela Merkel 2009 im Rahmen des Konjunkturpakets II die Auswirkungen der internationalen Finanzkrise auf die Wirtschaft zu mildern versuchte. Aus Sicht von der Autohersteller ergibt die Prämie Sinn, weil man mit so einem Angebot in die Medien kommt und sicher auch Neukunden gewinnen kann – gerade jetzt, wo Diesel-Besitzer (oft Pendler, die auf ihr Fahrzeug angewiesen sind) sich fragen müssen, ob ihr Kauf sich nicht bald als Ballast entpuppt.

Ökologisch sieht allerdings anders aus. Laut entsorgung.de werden PKW im Durchschnitt 18 Jahre alt. Werden also „nur 11 Jahre alte“ Autos zum Abwracken gegeben, ist das alles nicht automatisch gesamtökologisch sinnvoll, auch wenn ein Umstieg auf weniger emissionsreiche Autos der lokalen Luftqualität natürlich zugute käme.

Eine Abwrackprämie ergibt ökologisch nur Sinn, wenn das Auto wirklich alt ist
Eine Abwrackprämie ergibt ökologisch nur Sinn, wenn das Auto wirklich alt ist (Foto CC0 / Pixabay)

Das ifo-Institut schaute sich 2009 die Abwrackprämie der Bundesregierung an und befand sie als ökologischen Unfug ohne volkswirtschaftlichen Nutzen: „Bei allen auch nur halbwegs plausiblen Konstellationen steigt der CO2-Ausstoß, wenn man ein altes Auto abwrackt und durch ein neues einer ähnlichen Größenklasse ersetzt“, so Professor Hans-Werner Sinn in einem lesenswerten ifo-Standpunkt.

Wer also auf diese Weise eine Abwrackprämie für Diesel in Anspruch nimmt, sollte darauf achten,

  • dass das Auto wirklich so alt ist, dass man es ohne Scham abwracken kann,
  • nicht auf ein größeres, lieber auf ein kleines Auto umzusteigen,
  • mindestens auf Hybrid, wenn nicht gleich auf ein Elektroauto umzusteigen.

Andernfalls ist der einzige Nutznießer dieser Maßnahme die Autoindustrie, und welche Anreize das langfristig bietet, darüber möchte man gar nicht nachdenken.

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(4) Kommentare

  1. da wird wieder am falschen Ende die Konsequenz gezogen. Gerade lese ich, daß die Luft in deutschen Städten noch nie so sauber war, trotz Diesel und Reifenabriebspartikeln in der Luft.
    Die sauberen Ozeanriesen von Aida bis zu den Containerschiffen hat noch keiner berechnet. Wir wissen aber, daß die nicht nur den dreckigsten Ausstoß haben, sondern mit ihrem Schweröl (dagegen ist Diesel ein Gesundheitselixir) direkt das Meerwasser verseuchen und zwar in Größenordnung.
    Abgelenkt wird gleichzeitig vom Kerosin der Flugzeuge. Jede Rose aus Kenia, jede Erdbeere aus Spanien macht Dreck und jeder unnötige Sonnenurlaub auf den Kanaren, Malediven etc gehört in die Kategorie „schlimmer als Diesel“.
    Kürzlich las ich eine Aufstellung der ökologischen Fußspur eines Tesla, die 8 mal so schlimm ist als jedes herkömmlilche KFZ. Wenn alle durch E.Motoren ersetzt sind, werden wir eine Umweltkatastrophe bekommen, die in ihrer Nachhaltigkeit kaum besser ist, der bis heute aufgestaute Atommüll.

  2. Wir werden eine Umweltkatastrophe bekommen? Wodurch?
    natürlich darf die E-Mobilität nicht über Atomstrom laufen, das ist doch klar.

    Die Luft in den Städten ist so gut wie nie zuvor? Woher hast du denn diese Info?
    Frag mal die Leute am Neckartor in Stuttgart, frage mal die Münchner.

    Was die Kreuzfahrer und die Fliegerei betrifft, stimme ich dir zu.
    Das heisst aber nicht, dass man deshalb die Schädlichkeit des Diesels nicht angehen darf.

  3. Dabei gibt es eine interessante Variante, dank Strom von Windrädern oder Solar kann man den Strom speichern aber nicht in einer Batterie sondern es wird Wasserstoff hergestellt. Es gibt ja inzwischen Pkw die mit Wasserstoff fahren. In der Nähe von Mainz in Karlstein haben die Stadtwerke Mainz mit UNI und Industrie seit 2 Jahren gemeinsam geforscht und eine Anlage gebaut mit der auf diese Weise Wasserstoff hergestellt wird. Mit einer intelligenten Steuerung wird je nach Bedarf der erzeugte Strom ins Netz gespeist, bei weniger Bedarf wird der erzeugte Strom zu Herstellung von Wasserstoff genutzt. Die gespeicherte Energie ist jetzt sehr variabel einsetzbar. s. ZDF/Mediathek Sendung vom 03.08.217 „Zwischen Wunsch und Wirklichkeit“ Wie realistisch ist die Energiewende? Film von Birgit Tanner

  4. @alexander47: Wasserstoff ist relativ leicht herzustellen, z. B. aus überschüssigem Windstrom. Der kann aber bis zu 2 % aus direkt ins vorhandene Erdgasnetz eingespeist werden und ist damit leichter speicherbar. Es gibt dazu mindestens zwei Testanlagen, die von Greenpeace Energy und von Audi betrieben werden, siehe https://www.greenpeace-energy.de/privatkunden/windgas/unser-windgas-im-detail.html und https://www.audi-technology-portal.de/de/mobilitaet-der-zukunft/audi-future-lab-mobility/audi-future-energies/audi-e-gas In einem weiteren Schritt kann aus dem Wasserstoff auch Methan erzeugt werden.

    Da schließt sich dann auch wieder der Kreis zum Automobilverkehr. VW bietet eine zusätzliche Extraprämie auch für sog. CNG-Modelle (Compressed Natural Gas) an, die mit Methan aus Erdgas, Biogas, dem beschriebenen e-gas und mit bis zu 2 % Zumischung von Wasserstoff fahren. Das geschieht in den letzten Fällen dann nahezu CO2-neutral. Außerdem verbrennt CNG wesentlich sauberer als Diesel und auch als Benzin, siehe https://www.erdgas.info/fileadmin/Public/Bilder_Grafiken/erdgas_mobil/Artikelbilder/Grafik_Emissionseinsparpotential.jpg

    Der Vorteil zu Wasserstoffautos:Die Infrastruktur für CNG-Tankstellen mit mehr als 900 Stück in Deutschland ist vorhanden und soll ausgebaut werden und die Zulieferung zur Tankstelle entfällt, da das vorhandene Erdgasnetz genutzt wird.

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