„Es wird Dinge geben, die nie wiederkommen“: Bill Gates über Corona

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Foto: "Bill Gates.TED2011" von Gisela Giardino unter CC-BY-2.0

Wann kehrt wieder Normalität ein? Laut dem Microsoft-Gründer Bill Gates wird das noch dauern. Im LinkedIn-Podcast „This is Working“ erklärt Gates, warum manche Dinge wahrscheinlich nie mehr so werden wie früher.

Der Microsoft-Gründer und Multi-Milliardär Bill Gates warnte schon 2014 in einem Ted Talk davor, dass die Welt nicht auf die nächste Epidemie vorbereitet sei. „Wenn etwas in den nächsten Jahrzehnten mehr als zehn Millionen Menschen tötet, dann wird es höchstwahrscheinlich ein hochansteckendes Virus sein und kein Krieg“, sagte er damals.

Nun gibt es tatsächlich ein Virus, das zahlreiche Menschenleben fordert. In einem Podcast-Interview mit dem LinkedIn-Chefredakteur Daniel Roth erklärte Gates, wie er die Auswirkungen der Corona-Krise einschätzt – und wann seiner Meinung nach wieder Normalität einkehrt.

Bill Gates zu Corona: Das wird sich ändern

In den USA könne das noch dauern. Wenn die Dinge gut laufen, könnte das Land sich “in gewisser Hinsicht“ ab Juni wieder öffnen, prognostizierte Gates. Er hielt es zum Beispiel für denkbar, dass Fabriken und Baustellen wieder die Arbeit aufnehmen und Kinder wieder zur Schule gehen dürfen. Aber es werde keine großen öffentlichen Veranstaltungen oder gefüllte Restaurants geben.

Wann Normalität einkehren kann, hängt Gates zufolge davon ab, wann wir einen Impfstoff gegen das Coronavirus finden. „Es wird so lange halb-normal sein, bis der Impfstoff milliardenfach verfügbar ist“, schätzte der Microsoft-Gründer. Das werde aber noch mindestens 18 Monate brauchen, normalerweise dauere es fünf Jahre. „Es gibt ungefähr hundert Versuche auf der Welt, von denen acht bis zehn sehr vielversprechend sind. Und wir müssen sie alle unterstützen.“ 

Was sich dauerhaft ändern wird

„Es wird einige Dinge geben, wie Geschäftsreisen, von denen ich bezweifle, dass sie jemals wiederkommen“, erklärte Gates im Interview. „Ich meine, es wird schon noch Geschäftsreisen geben, aber weniger.“ Denn man müsse jedes Mal Notwenigkeit und Risiko gegeneinander abwägen.

Flugzeug
Geschäftsreisen mit dem Flugzeug sind teuer und schaden der Umwelt. Vielleicht wird es sie bald nicht mehr geben. (Foto: Sven Christian Schulz / Utopia)

Andere Prozesse werden laut Gates in Zukunft digital ablaufen – Gerichtsprozesse und Gesetzgebungsverfahren zum Beispiel. Microsoft habe seine Shareholder-Konferenzen schon vor Corona digitalisiert. Nun würden viele andere Firmen diesem Modell folgen. „Ich bezweifle, dass es in Zukunft noch viele Face-to-Face-Shareholder-Konferenzen geben wird“, erklärte Gates. Denn die Technologie erlaube es, effizientere Methoden zu schaffen, als es sie vorher gab.

Schulen ließen sich dem Unternehmer zufolge nicht so leicht digitalisieren. Theoretisch könnten Kinder am Computer den Stoff lernen, doch Soziales wie Freundschaften zu schließen sei nur möglich, wenn die Schüler sich wirklich treffen.

Umgang mit Epidemien: „Wir werden es ernst nehmen“

Eines wird sich laut Gates besonders ändern – unser Umgang mit Epidemien. „Diesmal werden wir uns ernsthaft auf das nächste Mal vorbereiten“, erklärte er. In Zukunft werde es viel schneller Diagnosen geben, Impfstoffe könnte man doppelt so schnell entwickeln, weil wir besser auf den Ernstfall vorbereitet sein werden. „Dies sollte ein einzigartiges Ereignis sein, in dem wir die Werkzeuge schaffen, um das nächste Virus einzufangen, bevor es dieses tragische globale Ausmaß erreicht.“

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Lob und Kritik: Bill Gates Engagement gegen Krankheiten

Bill Gates beschäftigt sich schon seit Jahren mit Krankheiten und deren Risiken. Vor 20 Jahren rief er die „Bill & Melinda Gates Foundation“ ins Leben, welche sich unter mit dem Thema „globale Gesundheit“ beschäftigt. Die Organisation fördert unter anderem die Forschung nach Impfstoffen gegen AIDS, Tuberkulose und Malaria und unterstützt auch die Suche nach Therapien für das Coronavirus mit großen Summen.

Bill Gates‘ Unterstützung im Gesundheitswesen ist allerdings nicht unumstritten: Die Bill and Melinda Gates Foundation investiert in zahlreiche Pharmakonzerne, unter anderem in Bayer. Kritiker*innen schließen daraus, dass es Bill Gates mit seinem Engagement darum geht, Profite für die Konzerne zu generieren.

Utopia meint: Eines ist klar: Die Corona-Krise wird vieles ändern. Dabei können aber auch sinnvolle Technologien entstehen, die den Alltag leichter machen. Sollten beispielsweise Online-Konferenzen Geschäftsreisen überflüssig machen, ist das für alle ein Gewinn, denn ständiges Reisen ist teuer, belastet die Mitarbeiter und schädigt das Klima.

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